Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1909)
- Date
- 1909-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8 '25. Februar. Sete 5 Krankheit die Mutter unseres V''"), und der Sobn durfte es nicht wagen nach Hause zu eilen und an der Seite des gebeugten Vaters und der Geschwister auf der Erde sitzend zu trauern. Die Todesanzeige gelangte in die Hand Hirsch'sdieser teilte den schmerzlichen Verlust seinem .Schüler 27P mit und richtete zugleich ein Trostschreiben an den unglücklichen Vater daheim in Tolis. In diesem Bericht nun hebt Rabb. Hirsch die Vorzüge seines Jüngers 27P derart hervor, daß der trauernde Vater darin Trost Inden und sich aufrichten konnte. 27"1 erhielt von Rabb. Hirsch die Autorisation zur .1X17.1; um diese Auszeichnung auch von dem als J7X3 und rpi77 berühmten b"l 27öi777p 772*227 P zu erhalten, begab sich unser 27"1 auch zu diesem mit derlei Attesten sehr kargen ]7X3 nach Leipnik (Mähren), blieb einige Wochen dort und holte sich nach einem strengen Examen eine 77X17.1 lifi.1, wie sie aus der Hand dieses ]7X3 nur sehr selten hervorgegangen ist. An dieses kurze Beisammensein knüpfte sich eine Korrespondenz zwischen diesem [7X3 und unserem 27p, die im Laufe der Jahre für manchen schwierigen Fall der ,12^,1 in Ungarn fruchtbar, ja mehrmals entscheidend war. — Nun begann für 27p die Zeit der praktischen Wirksamkeit. Er wurde als Nachfolger des b"i p*2i7s3137227 pnw P nnna bn: nach Moor bei Stuhlweißenburg berufen. Dort führte er die Tochter des ar*222X3 'ma PPL7 J7X3 b"1 13-27'L als Gattin heim. Wer das Verhältnis dieses Schwiegervaters und Schwiegersohnes zueinander näher kennen zu lernen das Glück hatte, konnte daraus ein erhebendes 1272 gewinnen für's Leben. In mehreren Briefen, die 2r*22ax3 P an seinen pnx P [777772 b"1 richtete kommt die unfern 27127 P betreffende Bezeichnung vor: 12127 73mxam 73171 7322*2 - Von Mv6r ging 27"1 nach segensreichem langjährigen Wirken nach Kaposwär, einer jungen im Aufblühen begriffenen Gemeinde. Dort fand 27p Gelegenheit auf die im ganzen Komitate Somogy arg darniederliegenden jüdischen Interessen belebend und befestigend einzuwirken. Die bis dahin in ihrer Vereinsamung ohnmächtigen a^ai in der dortigen Gegend fanden in 27p eine moralische Stütze und nicht selten auch einen Lehrer und i’aiö' der es bei seinem goldreinen Charakter, seiner tiefen nxi1 und seiner mächtigen Beredsamkeit verstand auch inden Mattherzigen die Begeisterung für 173C27 1171 zu wecken. In Kaposwar selbst hatte 27P gegen manche bei Gelegenheit des Neubaus der Synagoge, hervortretende Reformbestrebungen zu kämpfen. Der JSraütt __ Doch blieb er Sieger und wußte die Besiegten zu versöhnen. — In diese Zeit fällt die erste persönliche Annäherung Kunas an 7"2X Dr. I. Hildesheim b“v — Zwischen diesen beiden Männern — beide Zierden Israels — knüpfte sich ein inniges Freundschaftsband, das über das Grab hinausreichte. Als ein Zeichen dieser Freundschaft sei hier folgendes erwähnt: 27^27 P war erkrankt und von einem berühmten Arzte in Wien aufgegeben. Da reiste der kranke Mann' nach Eisenstadt und nahm seinem Freunde, Dr. Hildesheimer *2"7 das Versprechen ab, daß er nach dem Ableben 27P sich seines einzigen, damals 7—8 jährigen, Sohnes annehmen und leine Erziehung 1X11 11712 treulich überwachen werde. , Der kranke Vater gesundete hierauf und überlebte -en einzigen Sohn, den er zum Würzburger *2"T 21 gebracht hatte, und der im Alter von kaum 20 Jahren starb. — Die Verständnisinnigkeit zwischen Dr. Hildesheimer zmd R. Scholaum Kuttna *24T machte sich besonders während der dem ungarischen Kongresse vörausgegangenen Versammlung der orthodoxen Rabbinen Ungarns geltend. Da widmete sich unser 27p der Aufgabe, die zwischen 212 *2172 1S72 u/ib Dr. Hildesheimer *2"7 entstandenen Mißhelligkeiten zu beseitigen. 27P war hierin die Vertrauensperson beider, und es gelang ihm die zwischen den beiden *2X127' '*2713 von früherher bestandene Wertschätzung allen in den damaligen Zeitfragen liegenden Gefahren und allen von übereifrigen Beschützern der ,1X1’ ausgeangenen Anfechtungen gegenüber intakt zu eralten. Dieses Bestreben setzte 2*P auch später fort, nachdem Dr. Hildesheimer b"l Ungarn verlassen und er, 27"1, seine Stelle in Eisenstadt eingenommen hatte. 27p stellte sich nie an die Spitze einer Partei. Allein wo und wann immer zwischen den in Ungarn vielfach schattierte 2'X1' eine Entzweiung drohte, da sprang er mit Aufopferung von Zeit, Mühe und Geld ein, um eine offene Fehde zwischen den ihm so teuren 2'X1' zu verhüten. Für diese teure Aufgabe, 227.1 y*2l zu bannen reservierte er seine Kraft und das Ansehen, das er allenthalben genoß. Den 1111-Leugnern und Reformern trat er in Wort und Schrift mit aller Schärfe schonungslos entgegen. So in seinem „Offen und ehrlich" den Leugnern des Glaubens an 1'272 und so in seinem P27J7' 11712// den Freunden der Mischehe. Wo jedoch Mißverständnisse sich zwischen zweifellosen 2'Xl' dieser und jener Zeitrichrung drängten, da stand er als 27^27 21K da, um mit seiner rein 2'227 227*2 und aus tiefgründigem 1171-Wiffen heraus gebildeten Arbeit die trüben Wolken zu verscheuchen. Eine solche Tätigkeit verfolgt naturgemäß im Stillen ihr Zul, allein sie war da und war von dem in der Oeffen'tlichkeit nicht sehr ost genannten und noch weniger oft glänzenden 27*227 '*7 bis in sein hohesjAlter zu erwarten - die engen Kreise wußten dies und erblickten in diesem großen still wirkenden 2277 1'2*21 eine Art moralischen Appellationsgerichts. Man lese das vor 2:» Jahren von 2*P herausgegebene, die damals in Ungarn Streit erregende X12L1 X12p Frage betreffende Gutachten "2'2.1 bv yp" und man wird darüber staunen mit welch schonender Mäßigung unser T “7 seinem Gegner einem *2713 1"1 entgegentritt, ohne in der 12*277 das geringste Zugeständnis zu machen. Derselbe Geist der Ruhe und der inneren Abgeklärtheit umschwebt das von 27P herausgegebene "772X7 27*22' 11137,,. — Die Eigenart unseres 27"1 die in seinen Reden und Schriften heran gezogenen *27"21 '"12X2 zu erklären verdiente es, daß ich mich über dieselbe verbreite. Doch haben jq diese Zeilen nicht den Zweck die Genialität unseres Np zu beleuchten, sondern seinen Namen und sein Andenken in die Annalen unseres Volkes einzuzeichnen. Unser 27*227 P hatte das Glück seine einzige Tochter mit einem echten 2277 T2*21 zu verheiraten und aus dieser Ehe 21? sprießen zu sehen, die zu den a'372 in Israel gehören werden. Besonders der älteste Enkel hat den Geist seines Großvaters eingesogen und ist bestrebt in diesem Geiste zu wirken. Doch starb unserem 27p die einzige so glücklich verheirat gewesene Tochter, und er blieb — allein. Er, der der ganzen Welt angehörte und in *2X127' *2*22 das Ziel seines Strebens finden wollte — allein. Eine 77272777 7727X, mit der 27p eine zweite Ehe einging, gab sich aufopfernd der Pflege ihres teuren Gatten hin und sorgte dafür, daß in das verdüsterte Haus wieder Sabbatlicht und 2"7'- Freude einzogen. Doch nun ist es wieder düster und gar traurig geworden in dem Hause, in dem eine Reihe von Jahrzehnten hindurch ein *2X127'' 13 brannte und in die jüdische Welt hinausleuchtete! Wir haben ihn nicht mehr, unseren herrlichen 27*227 P!! 11722 P 227 \T in sich aufzunehmen. Und man erkennt es schon an der Haltung der lauschenden Meng.', daß der wichtigste Teil der Liturgie anhebt, jener Teil, der nicht die Auslösung verhuschender Motionen, nicht eine mehr oder »linder nebulöse Erbauung, sondern der sie nüchternste Aufklärung und konkreteste Belehrung sein will. Und dann beginnt die Krias Hatanroh. Borleser ist ein anderes angesehenes, bibeltundigeS Mitglied der Gemeinde. Iifhrau ist der diesmalige Wochenabschnitt. L-chars Umrissen zieht die Gestalt des midjanitischen Priesters vorüber. Und die Gemeinde folgt mrt angestrengter Aufmerksamkeit und fühlt sich gleich sam als Zeuge von Jifhraus Begegnung mit Manschet), die von der Tauroh in so knapper wie plastischer Darstellung geschildert wird. Und dann hebt die Schilderung der göttliche:! Offenbarung anr Sinai an. Atemlos folgt die Gemeinde deir Worten des Baal Kaureh. Und vor ben Augen eines Jeden scheint die zeitliche und räuinliche Gegenwart zu schwinden. Und jeder steht mit am Fuß-? des Berges aller Berge und erlebt mit eigenen Augeil, mit eigenen Ohren das Erlebnis aller Erlebnisse. Wuchtig und dröhnend, wie ein Gigantenheer inr ehernen Panzer, so Hallen die Asseres Hadibraush durch den Raum, Und jedes Wort dringt in jedes Gemüt.- AtS der Vorleser geendet,' erwachen die Andächtigen wie aus einem Traume, und nur langsam finden sie sich vom Sinai zurück in ihren kleinen, schmucklosen Betsaal. Eine flammende Sehnsucht ist in ihnen zurückgeblieben: Dem unst«rblich?rr GotteswBrt mehr und mehr zur Stätte zu werden. Und als der Gottesdienst schlicht geendet hatte, sah man diese „Tempelbesucher" nach Hause eilen, um sich dort noch lange mit den Ereignissen, die des Morgens im Gotteshause vorgetragen wurden, zu beschäftigen und den ganzen Umfang ihrer Bedeutung zu ergründen. Wohl ihnen! >-ic haben das ganze Wesen oes jüdischen Gottesdienstes begriffen. Tas auf dem Almemor gesprochene Wort soll die jüdische Seele, „diesen göttlichen Leuchter" nur entzünden. Auf daß dann dieser Iunke zur Ilamme einer unauslöschlichen Begeisterung für das Sittliche, das Gesetzliche -unsacht werde, soll der wahre Iehudi die Mußestunden des Schabbos ganz besonders mit dein Studium der heiligen Bücher verbringen. Was inr Werktagskriege der Seele selten vergönnt ist: die Sammlung und die Einkehr, in der friedlichen Beschaulichkeit des Schabbos^gelingt eS. Und so werden diese Stunden für die seele zu wirklichen I.'iertags-Stunden, arrs denen Linderung für die Wunden der Vergangenheit, Klarheit für die Zorderungen der Gegenwart, Mut für die Leistungen der Zukunft erfließen. II. Kurze Zeit nach Beendigung des ersten Gottes-- dienstes betrat ich die großstädtische Hauptspnag o g e, ein Monumentalgebäude, an Schönheit mit den Andachtsstätten anderer Kreise wetteifernd. Ich trat ein und war überrascht von der Pracht und dem Reichtum des Interieurs. Tin Riesenraum lag vor mir. Mein Blick, hing gebannt an der in blendendem weißen Marmor erschimmernden, von Sonnenlicht überfluteten Partie des „Lrauns". Von gleicher leuchtender Weiße erstrahlte das ebenfalls aus echtem Marmor gefertigte Almemor. Wohin ich blickte, überall herrschte Stilgefühl ^und Geschmack, fei's an den edel emporstreb.'nden Säulen, an dem machtvoll gewölbten Dache, oder an den zahllosen' Lichtkörpern, mit denen Plafond und Wände übersät.waren. Tas herrliche Gotteshaus war noch leer, obwohl der Gottesdienst schon begonnen hatte. War es die Leere oder war es di? Rückwirkung von der Intimrtät des kleinen Betraums, aus dein ich kani, genug. diese mir entgegenquillende fürstlich? Pracht wirkte erkältend auf mich. Vom Vorbeterpulr her ertönt der wohlgeschulte Tenor des Ehass.'n, der angesichts der geringen Zuhörerzahl noch wenig Wert auf Melodik legt. Ter Schamcs „vulgo Spuagogeudiener", läuft geschäftig hin und her, seine Iunktiouen ausübend. Auf dem Ehorpodium sammeln sich geräuschvoll die Herren Choristen. Allmählich füllt sich das Haus. Mir will's erscheinen, als ob es gelangweitte Menschengesichter sind, die ich sehe. Tiefer unterhält sich mit seinem Rachbarn, jener blinzelt hinauf auf die Gallerte, wo die Tanieuivelt einlogiert ist, ein dritter setzt sogar sein scheinbar zu früh unterbrochenes Schläfchen f?rt. Wirklich Betende sehe ich nur vereinzelt. Ter Herr Oberkaut-or hat längst seine Vortragsweise auf ein künstlerischeres Niveau gehoben, sein lyrisches Organ fließt in Schönheit dahin, und manche melodische Leuchtkugel bezaubert das Auditorium. Der Schanres holt sich indessen seine Ordres von dem Herrn .Kommandanten, pardou von dem Vorsteher, unterhält zwischen Letzterem und einzelnen Gemcindemitgkiedern einen lebhaften Tienstverkehr. Jetzt kommt die Aefer-'Slushebnng. Ter Chor intoniert. Ein schöner Sang steigt empor. In edlen Linien hält er sich, getragen von zarten, aetyerische» Knaben-Stimmchen und wuchtigen, kraftvollen Männer- Organeu. Aus diesem Waihi Binßauah ist plötzlich ein musikalisches Drama geworden, in welchem Mauscheh, das Volk Israel, ja selbst die Bnndeslade mit Leitmotiven bedacht sind. TaS Publikum hat am Gesänge nicht teilnehmen dürfen. Laut Synagogen - Ordnung. Es hieße die künstlerische, ästhetische Gesamtwirkung der Ehormusit bedenklich schädigen, würde es Jedem erlaubt sein, seine Lunge spazieren zu führen. — —.