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Der Israelit · 1909-02-25 · Heft 8 (25.2.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 8 (25.2.1909)
Date
1909-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 25. Februar 1109 Der J*raeM die Freiheit. Der Fall ist typisch und betrifft nicht allein das einzelne Opfer, sondern kennzeichnet in krassester Weise die Recht- und Schutzlosigkeit, in der sich die dortigen Juden befinden. Der marokkanische Jude ist vogelfrei, täglich der Bestialität jedes ersten besten Knechtes oder Soldaten ausgeliefert, von der Gnade oder Ungnade eines jeden nach Laune und Stimmung handelnden Beamten abhängig. Das ist ein trostloser Zustand, der selbst den marokkanischen Rechtsbegriffen nicht mehr entspricht und nur noch den „Mellah -Bewohnern" gegenüber bestehen kann. Nun ist die „offene Tür" erreicht. Sie steht den größten Kulturstaaten Europas gleich offen und wird hoffentlich nicht nur Handelszwecken dienen, sondern auch zur Verpflanzung der europäischen Kultur und Zivilisation nach Marokko. Sollte man nicht dabei auch auf die erste Pflicht aller Kultur, auf die erste Bedingung und Voraussetzung alles zivilisatorischen Wirkens, auf die Schaffung von Menschenrechten für einen unterdrückten, der Willkür und Grausamkeit unterworfenen Stamm, bedacht sein? Ottrrabbiner Salomo» Kultna S"r Bon Rabbiner I. Nobel in Halberftadt. Die Frage, die einst die in Jericho befindlichen Söhne der Propheten an Elischa richteten: „Weißt Du, daß noch heute Gott Deinen Herrn wegnimmt von Deinem Haupte?" tönt mir noch heute, da die um 'ni!D. pH» |1XJ.1 2in 7"ö1x S''7 tt"X p"pi -7 IX XMDIp DlStP gehaltene Trauerwoche bereits verstrichen ist, entgegen, und die Antwort, die Elischa jenen FragensteÜern gegeben : „Auch ich weiß es. Schweiget!" (II. Kön. 2, 5.) möchte audj ich auf die an mich herantretcnden lauten und stillen Fragen geben. Schweiget und lastet mich schweigen! Doch unser Volk Israel, dem der nun heimgegangene Sohn mit allen Kräften seiner edlen Seele und allen Fasern seines treuen Herzens angehörte, hat ein Recht darauf, daß dieses die ganze Charaktergröße des von SxitP' SS2 zu betrauernden Sohnes einhüllende Schweigen gebrochen werde. Am 16. Schewat, als es7>'"Vn gefiel, seinen treuen Diener, den begeisterten großen Meister des Nlin-Wortes und Interpreten des .1117-Geistes, X3Elp DlStP “> zu sich zu nehmen, da hatte nicht nur die Familie, die Gemeinde, die Jüngerschar des Hingeschiedenen, da hatte unser Volk einen Toten. — Es würde nun sehr schwer halten, die mStfE 71101, die Geistes- und Herzensvorzüge dieses SxitP'2 Sl13 einzeln hervorzuheben. Es gibt Charaktere, in welchen fick die charakterbildenden Einzelkräfte der Seele in ihrem Zusammenwirken zu einem solch hohen Grade harmonischer Einheit in Geist, Wort und Tat verdichtet und verkörpert haben, daß es kaum möglich ist das von Idealen umwobene faszinierende Ganze des Charakterbildes in seine Einzelnheiten zurückzubilden. Ein solches Charakterbild bot DlStP H XMDlp dar allen, die das Glück hatten ihm im Leben näher zu treten. Ehrfurcht gebietend und dabei äußerst liebenswürdig im Umgang, in sich gekehrt, den Forscherblick selbstprüfend tief uach innen gerichtet und dabei aus sich heraustretend und die aus der Tiefe geholten Schätze im geselligen Geben und Empfangen verteilend, und all dies mit jenem freundlichen Lächeln, das die Lippen des Weisen umspielt und das den Empfänger vergessen macht, daß er nur immer zu empfangen und nichts zu vergeben habe. Es hieße den unbeschreiblichen wohltuenden Eindruck einer solchen Manncskrast zerstören, wollte man sie Zug um Zug von der Folie abheben, auf der sie ruht. Nur so viel sei gesagt: Die Folie auf der das Lebensbild unseres teuern EHV H ruhte, war : no'on H min uni> nnno Ti nxi'; die herrlichen Gaben und Eigenschaften, die in ihrer lieblichen harmonischen Verbindung dieses Lebensbild schufen, sollten jetzt, da vom Herrliche' das irdische Leben gewichen, nicht von einander getrennt werden. Tiefbewegten Herzens wende ich hier das Schmerzenswort an: D1"n2 E'O'im H7B3 xS D71Ü21! Auf alle weiteren Fragen, die das Innenleben unseres DlStP H betreffen mögen, antwortet meine trauernde Seele: „Auch ich weiß es, schweiget?" S"7 DlSt? H wurde im Jahre 5587 im Monate 1”x in To is in Ungarn geboren. Seine Eltern S"7 x:»p nnx H Yoix und Si'o T"X .1"J? ppn geb. Löbl, ließen ihm eine sorgfältige, ihre Vermögensverhältnisse weit übersteigende echt K Erziehung angedeihen und sorgten dafür, r reich begabte Knabe zu seiner Ausbild ung tüchtige Lehrer erhalte. Die Gemeinde Tolis gehörte zu den intelligentesten Gemeinden des Landes. So bot sich dem Knaben, dem Liebling von jung und alt, die Gelegenheit, nebst einem ausgiebigen Unterricht im *j 37 und X103 auch einen solchen in profanen Gegenständen zu genießen. Den Namen DlStT hatte er von seinem Vater erhalten, zur ehrenden Erinnerung au dessen langjährigen '21, den gefeierten ElSlT -> (*]'in) ]XoSlX in Lackenbach S 7. Bald nach der .11L0 12-Feier war unser DlStP H kurze Zeit auf der .12'®' des Sohnes des genannten Pj’in DlS® H nämlich des D.112X H SA7dann eine Zeit lang auf der ,12'V' der 3"nn S"T err2 Spin' H in Neutra. Hierauf kam unser V"1 n sehr jungen Jahren nach Preßburg auf die sehr bedeutende 72'V' des gefeierten Sl?2 S"7 1B1D 272. Hier lernte VH mit riesigem Fleiße mehrere Jahre hindurch und nahm von seinem großen '21 namentlich die Lernweise an, die darauf ausgeht, eine X'31D in ihrem Grund Prinzip zu erfass n und nach den einzelnen 710V deren gesicherten Feingehalt zu ordnen, sodaß daraus die 72Sn abzuleiten ist. Diese Methode seines p.1210 '21 hat der durch nipor ausgegezeichnete 1'oSn in seinen llp'V-Vorträgen mit Vorliebe angewendet Die Schüler — unter ihnen Schreiber dieser Zeilen — erinnern sich gewiß jener beseligenden Stunden, in welchen er, der Meister ElS® '1, voll Begeisterung mit Schaffensfreude die auf diesem Wege gefundenen Ergebnisse seiner sonnenklaren Forschung mitteilte, wobei das edle Feuer seines durchdringenden Auges die Züge seines anmutvollen Angesichts noch verschönte. — Und wenn er dann glückstrahlend hinzufügte: „Nicht wahr, wir haben eine schöne nun?" so blieb es den Schülern für's Leben eingeprägt: wir haben eine schöne min* , , ~ Wenn bei einem E27 T017 von einer Spezialität geredet werden darf, so möchte ich von unserem VH besonders rühmen, daß er ein außerordentlicher Kenner der Hl.1'2 JH13 m V war. Die sonnenhellen Wege dieses großen Meisters waren V 1 so genau bekannt wie die Straßen und Wege seines Heimatsones. In Preßburg wurde V"1 ein rechter pO1? und, noch jung an Jahren, bereits befähigt eine Nabbinatsstelle in Ehren zu bekleiden. Dabei hatte er es nicht versäumt so viel er konnte und durfte seine profane Bildung zu vervollständigen. Von Preßburg ging unser V"1 nach Nikolsburg, wo damals Rabbiner S. R. Hirsch b“' eine Anzahl von Jüngern um sich scharte, die neben dem ernsten, ehrlichen .1117-StuHium ihre profanen Kenntnisse bereicherten und sich unter der Leitung dieses gefeierten Meisters der jüdischen Red.kunst zu Rednern ausbilden wollten. Unser VH gewann die Achtung und die Liebe seines Lehrers Hirsch, der sonst einem trautern Verkehr mit Schülern und Freunden nicht allznl'icht zugänglich war. Von der besonderen Zuneigung Hiisch's zu unserem VH zeugt ein Originalbrief von seiner Hand. Es war im Jahre 1849 am Schluffe der ungarischen Revolution. Da starb nach längerer nach und sagte dann ruhig: „So, jetzt will ich dir auch gleich die Chassnestiefelchen mitanmejsen und Maß nehmen." Er ging auf die Tür zu schloß, sie ab und wandte sich an den kreidebleich und vor Schreck sprachlos gewordenen Macholchen. „Tu brauchst dich nicht zu fürchten. Ich bin kein Totschläger. Aber ich bab' beim Äeiwer meiner Mutter geschworen, daß du von mir deine Mackes kriegst und wenn es noch zwanzig Jahre dauern sollte. .Es sind aber nur zehn Jahre her, daß du mir die Gevatterschaft mechabbed gewesen bist, dafür nehm ich auch, wenn Gott nnU, von dir eine an. Aber für die von der Chawwe kriegst du ehrlich oie versprochenen Mackes." . . . Auf dem .Heimweg fuhr der Gerschon mit seinem Schwiegersohn Macholchen auf einem leeren Leiterwagen. Ter Bräutigam verzog, so oft der Wagen durch Steine oder Unebenheiten des Weges schlitterte, schmerzhaft das Gesicht, legte sich bald rechts bald links, um das gerade Sitzen zu vermeiden. Zuweilen entfuhr ihm eine leise Verwünschung. Als er im Tors angekommen, vom Wagen steigen wollte, tat er das mit solcher Behutsamkeit, daß es jetzt dem Schwiegervater auffiel, und er frug, was Macholchen denn fehle. Er sei beim Sticfelanmessen von dem wackligen Schemel herabaefallen, gab er ausweichend zur Antwort. — Nach einer Reihe von Jahren kam Macholchen ans den Gedanken, dem versöhnten Schuster eine Gevatterschaft anzubieten. Uno merkwürdigerweise nahm Herzieib sie an.'-.Aus der Sude ging es fröhlich zu, denn nach vier Töchtern, freute es den Macholchen, auch einmal eine Gevatterschaft vergeben zu können. Und die Wahl fiel aus Herzleib. Als die Gäste, der Gevatter und Macholchen in fröhlicher Weinlaune waren, uno oer vose Bubenstreich mit der falschen Gevatterschaft viel belacht worden war, da rzählte Macholchen den Leuten, nste ihm zur Versöhnung Herzleib die Stiefel angemessen, ihm aber zuvor eine Tracht Prügel verabreichte, die er noch nach Wochen gespürt habe. Doch seien die „Mackes" noch imnin nicht so schlimm gewesen wie die vorausgegangene Angst, sie von Herzleibs Hand erst noch zu empfangen. „Gott soll rnazzil nesesch sein, von Herzlcib Mackes zu kriegen," schloß Macholchen sein Erlebnis in oer Schusterwerkstätte: und bis zu hundertundzwanzig Jahren soll er die Koach haben, mit der er mich geprügelt hat. Aber Sinnes *) habt Ihr doch keine mehr auf mich?" wandte er sich an Herzleib. „Gott soll nicht mehr aus mich haben," antwortete der Schuster treuherzig. Tann stießen die beiden Männer mit ihren Gläsern an, sahen sich mit einem tiefen, warmen Blick in die Augen und riefen gleichzeitig: „L'chajim! L'chajiin tanwim!" — — Jetzt ruhen sie beide. Friede sei mit ihnen. Lin Rci$crkbni$. I. stadt. Bor einem Jahre war's, in einer deutschen Groß Es ist Schabbos, sieben Uhr morgens. Tas schmucklose Gotteshäuschen, in dem ich mich befinde, füllt sich in weniegn Minuten. .Eilends und ehrfurchtsvoll kommen alle Besucher hereingeschritten. Viele kommen in Trupps, anscheinend sind es Verwandte. Aus den Mienen Aller, selbst der Kinder, drückt sich ernste Sammlung ans. Und die leuchtende Morgensonne huscht herein und ihre Strahlen gleiten über Decke *) Feindschaft. und Wände und über die Gebetmäntel, die die Fron: mat einhüllen. — — — Am Vorbeterpnlt steht ein würdiger, verdienstvoller älterer Herr. Er war wohlgelitten, von malet losen: Ruf und, obwohl Kaufmann, gelehrt in Thor.: und Talmud. Einer jener Bolljuden, die von Thorageist beseelt, ein ganzes Leben voller Mizwaus gelebt haben. Einer jener jüdischen Seelen-Aristokraten, an welchen noch keine Generation arm war, und didank dem heiligenden, veredelnden Einfluß des Got tesgesetzes auch die Zukunft Hervorbringen wird. Tiefe Verdienste waren 'es gewesen, die diese:,' Manne die Ehrenfunktion eines Vorbeters eingetragen, hatten. Ein Musiker war er beileibe nicht, nicht ein mal wohlklingend konnte man seine Stimme nennen. Aber in seinem Vortrag tagen Andacht und Geist. Und nur mit Ä»iesen Mitteln läßt sich das Gold, das aus dem Grund unserer Gebete liegt, ans Tages licht fördern. In Andacht verharrte auch die Gemeinde. Man ncerkte, daß Jeder, so gut er konnte, sich bemühte, den Sinn des gesprochenen Wortes zu fassen und seine Wahrheit aus sich wirken zu lassen. Natürlich vereinigte sich das Gesumm all der flüsternden Lippen zu einem ganz ansehnlichen Geräusch. Und dann wurde die Sefer Tauroh ausgerollt. Ta ging es wie ein Ruck durch die Bänke. Die Gebetbücher wurden zugeklappt, die Pentateuche geöffnet and Alles blickte aus das Almemor. Man fühlt, eine Spannung hängt im Raume! Alle diese Menschen rüsten sich zum Empfange ihres liebsten, ihres edelsten Freundes, des Spenders ihres Glückes, des Trösters ihrer Trauer, der Quelle ihres jüdischen Daseins, der Bedingung ihrer Zukünst. Wie ein einziger großer Wettfrftpttrirfor prfrfiprrtimtf einmal biefe (MpmeirtbC. Menschenacker erscheint auf einmal diese &emeinoe willig, frohen Verlangens, die Saatkörner der Thora ■ llL«T Ti* ^-'-•■■Jf-.-J—-

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