Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1909)
- Date
- 1909-02-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Der ASraelit. X 'Jt r. 7. Seite 12, 18. Februar 1909. u viel verlangt ist, wenn man erwägt, daß in er Präparandie 2—3 Jahre und im Seminar 3—4 Jahre Talmudstudium vorangegangen sind. Trotzdem macht man stets und -überall die Erfahrnng, daß es dem jungen „Pestalozzi" sehr schwer fällt, auf diesem Gebiete ohne Lehrer, allein weiter zu arbeiten. Hier vor allem wollen unsere Schiurim helfend eingreifen. Wenn der junge Lehrer alle 2—3 Wochen unter kundiger Leitung mit seinen Kollegen 2—3 Stunden «IE! gründlich studiert, erreicht er doch allmählich eine ziemliche Gewandtheit und Sicherheit im Erfaffen leichterer und mittelschwerer Stellen. Herr Dr. Warszawski-Fürth schreibt mit Recht : „Mag der Lehrer noch so vertraut sein mit der Sprache der Bibel, noch so beschlagen in jüdischer Literatur und Geschichte, mag er eine noch so geschmackvolle Übersetzung eines Psalms zu liefern imstande sein oder eine Musterlektion nach allen Regeln der Methodik seinen Schülern darbieten können, so kann er dabei noch immer ein großer }HKn CP sein. Nur was jemand im Talmudischen leistet, entscheidet darüber, ob er ein EI? ist oder nicht. Nun gibt es für die meisten Disziplinen Hilfsmittel, vermöge deren man sich ohne Lehrer die erforderlichen Kenntniffe aneignen kann. Aber für das Talmudstudium find derartige Hilfsmittel nur sehr dürftig vorhanden und werden stets unzulänglich bleiben, denn das Verständnis für den Talmud kann nur durch persönliche Einführung eines kundigen Lehrers vermittelt werden." Hier setzen unsere Kurse als unentbehrliche Hilfe ein und fast alle Kursleiter heben lobend hervor, daß die Teilnehmer mit regem Intel esse und gutem Verständnis den talmudischen Auseinandersetzungen folgen. Gewünscht wird allerdings, daß die Kursisten selber vortragen, während der Leiter den Gang überwacht und nur nötigenfalls eingreift. (Fortsetzung folgt.) Zur „Agitation“ des Kölner Seminars. Bon der Redaktion des „Bl. f. Erz. u. Unterr." erhalten wir folgende Zuschrift: „In dem Aufsatze „Parität? in der vorigen No. heißt eS von mir: Aber er ist ein unversöhnlicher Feind derjenigen Richtung, welche das Cölner Seminar vertritt und darum plötzlich sein Ruf: „Die Taschen zu!" Diese Darstellung widerspricht der Wahrheit. Ich bin kein Feind — und noch viel weniger ein unversöhnlicher — der Richtung dieses Seminars - sondern ich habe nur darum gegen seine Agitation Stellung genommen, weil dieses Seminar auf eine Ueberproduktion in unserem Stande hinarbeitet." Eine „Berichtigung", wie die vorstehende, fällt, zwar gar nicht unter das Preßgesetz, auf das sich Herrn Steinhardt sonderbarer Weise beruft, aber wir haben dennoch keinen Anstand genommen, sie aufzunehmen, weil wir der Meinung sind, daß man auch dem Gegner das Wort nicht abschneiden darf, wenn er das Bedürfnis fühlt, , sich zu rechtfertigen und weil sie uns Gelegenheit bietet, unseren Standpunkt in dieser Angelegenheit zu präzisieren. Wir wären Herrn St. sehr dankbar gewesen, wenn er uns verraten hätte, auf Grund welcher Tatsachen er zu derUeberzeugunggelangt, das Cölner Seminar arbeite auf eine Ueberproduktion an Lehrern hin. Herr Direktor Dr. Carlebach mag ja der Meinung sein, daß ein fühlbarer Mangel an seminarisch gebildeten Lehrern für kleinere Gemeinden herrscht, aber seine ganze Tätigkeit als Seminardirigent zeigt, daß er an keine wesentliche Vermehrung der Seminarabiturienten denkt, wozu ihm, nebenbei gesagt, nicht nur die Mittel, sondern auch das Schülermaterial fehlen. Er hätte auch gar kein ungeeigneteres Mittel dazu ergreifen können, als die Verlängerung der Ausbildungszeitdiese führt nämlich naturgemäß eine Verminderung der Zahl der abgehenden Lehrer herbei. Herr Dr. C. muß also ein entschiedener Anhänger der Idee sein, es komme nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Lehrer an, die seine Anstalt verlassen. Das Cölner Seminar bildete aber bisher, wie Herr St. ja selbst nachgewiesen, jährlich nur 5 Lehrer aus, genau die Durchschnittszahl, die nach der Statistik auf dasselbe entfällt; von einer durch diese Anstalt bewirkten Ueberproduktion kann demnach, selbst nach diesem rein mechanischen Verfahren, absolut keine Rede sein. Vorläufig sind wir also, gleich unserem R.-Korrespondenten, der Ansicht, daß sich der Schriftleiter des Verbandsorgans durch seine Voreingenommenheit gegen das gesetzestreue Seminar zu einem Vorgehen hat hinreißen lassen, das sich sachlich nicht rechtfertigen läßt, und das der begleitenden Umstände halber einen besonders unschönen Charakter trägt. Ueber die prinzipielle Frage „Ueberproduktion oder Lehrermangel?" werden wir uns demnächst nochmals kurz äußern. kine Mahnung. Wie bereits früher gemeldet, war der „Bund" einmal in der Lage, .einem seiner Mitglieder seinen Rechtsschutz angedeihen zu lassen. Es handelte sich um einen hessischen Kollegen, dem die Gemeinde widerrechtlich einen Teil seines Gehalts zurückbehielt, weil er die Stelle gegen den Willen des betreffenden Vorstands einige Monate vor Ablauf seines Vertrags verließ. Der Betreffende, der sich übrigens zur Beschaffung eines Stellvertreters bereit erklärt hatte, befand sich insofern in einer Zwangslage, als es sich für ihn um die Erlangung einer Lebensstellung handelte und die Regierung den pünktlichen Antritt der neuen Stelle verlangte. Der Prozeß endigte durch einen Vergleich. Die Gemeinde zahlte den vollen Betrag des rückständigen Gehalts, während der Kläger die Kosten übernahm. Man wird uns nicht mißverstehen, wenn wir, gerade angesichts dieses Erfolgs, an alle Kollegen, besonders aber an die jüngeren, die ernste Mahnung richten, in ähnlichen Fällen auf gütlichem Wege und durch persönliche Einwirkung auf den Vorstand die Lösung des Kontrakts zu bewirken. Am besten ist es wohl, wenn sich der Lehrer im Vertrag selbst das Recht wahrt, nach rechtzeitiger Kündigung die Stelle verlassen zu dürfen, tvenn es sich um eine wesentliche Verbesserung seiner sozialen Lage handelt. Ein Kontraktbruch läßt sich kaum rechtfertigen, besonders wenn man an die strenge Auffassung unserer Weisen denkt: jnstP 'v jnsro -pny am nran 11-1121 Vddh m 1mkd .111312 iDiy uw wv Unsere Mahnung ergeht aber auch an die Gemeinden, daß sie dem schwer um seine Existenz ringenden Lehrerstande durch ein klein wenig Entgegenkommen seine Lage erleichtern helfen, indem sie nicht am Buchstaben des Vertrags kleben. Mögen sie bedenken, daß ein Beamter, den man wider seinen Willen zurückhält, in der Regel ohne Berufsfreude, ja sogar mit Unlust tätig ist und daß auf dieser seiner Wirksamkeit woA wenig Segen rizhk. _ Korrespondenzen u. ßaebriebten. Cöln. Am 10. Januar fand eine weitere Konferenz des Zweigvereins Rheinland des B. g. j. L. D. statt. Herr Kollege Simons-Deutz erstattet einen eingehenden Bericht über die Generalversammlung des Bundes g. j. Lehrer in Frankfurt, der vom Vorsitzenden in einigen Punkten ergänzt wurde. Allgemein herrscht die Ansicht, daß die Frankfurter Tagung einen glänzenden Verlauf genommen habe. Es wurde dem Vorsitzenden, Herrn Seminarlehrer Gut, für sein in Frankfurt gehaltenes vorzügliches Referat nochmals der Dank der Versammlung ausgesprochen. Mit großer Genugtuung wurde auch konstatiert, daß in den gesetzestreuen Kreisen Kölns lebhaftes Interesse für den „Bund" vorhanden und schon eine ganze Anzahl außerordentliche Mitglieder für denselben gewonnen sei. Nachdem einige Kollegen verschiedene Angelegenheiten von allgemeinem Interesse aus ihrem Wirkungskreise der Konferenz unterbreitet hatten, erhielt Kollege Hermann das Wort zu seinem Korreferat über den Bortrag „Zur Reform des hebr. Sprachunterrichts" (Referent Herr Freimark). Er führte aus, daß eine Umwandlung des hebr. Sprachunterrichts in einen fremdsprachlichen Unterricht, wie cs Herr Freimark wünschte, schon aus einem äußeren Grunde, wegen Mangel an Zeit, nicht durchführbar sei. Weil aber eine solche Reform eine Scheidung zwischen Religion und Sprache herbeiführen und dem Schüler die Materie, mit welcher er vertraut werden soll, zu spät darbieten würde, ist sie auch prinzipiell zu verwerfen. Nicht der rein sprachlichen Seite sollen wir unsere beste Kraft widmen, sondern darauf kommt es an, dem Kinde jüdisches Denken und Fühlen einzupflanzen. Reicher Beifall ward dem gediegenen Vortrag zu teil. — Der Vorschlag des Herrn Gut, beide Referenten sollen der folgenden Konferenz ihre Thesen vorlegen, um dieselben zur Grundlage der folgenden Besprechung zu machen, fand die Zustimmung der Versammlung. — Die Kollegen Heimann-Brühl und Lewy-Meckenheim wollen eine Beurteilung der bekanntesten Lesefibeln ausarbeiten, Harth-Cöln und David-Kettwig einen Stoffverteilungsplan im Pentateuch für die einklassige Schule liefern. Mit Worten des Dankes schloß der Vorsitzende die äußerst anregend verlaufene Versammlung. Berlin. In der auch von zahlreichen Gästen besuchten Februar-Sitzung der Vereinigung jüdischer Religionslehrer in Berlin hielt nach Erledigung des geschäftlichen Teils Herr Dirigent Gustav Cohn ein Referat über den „Levy'schen Siddur". Die Buchhandlung von Kauffmann, Frankfurt a. M., hatte hierzu in liebenswürdiger Wesse den Mitgliedern und Gästen Exemplare zur Verfügung gestellt. Der Redner ging von den Mängeln aus, die dem bisherigen Rödelheimer Siddur anhafteten und zeigte an einer Reche von Beispielen, wie der Levy'sche Siddur entschieden als ein Fortschritt gegen die früheren Gebetbücher zu begrüßen sei. Er zog sodann die andere Bearbeitung des „Sephat Emeth", den Bleichrode'schen Siddur zur Parallele heran und kam nach eingehender Vergleichung zu dem Resultat, daß dieser, vor allem vom pädagogischen Standpunkt aus, für den Schulgebrauch, dem Levy'schen vorzuziehen sei. An dem Bleichrodeschen Sidbur rühmte der Vortragende besonders die Klarheit und die Uebersichtlichkeit in der Anordnung der Gebetstücke, die überall verstreuten instruktiven Ueberschriften und liturgischen Bemerkungen, die Einreihung der Semiroth und Machsorstücke an die richtige Stelle im Gebetbuch und die vortreffliche äußere Ausstattung in Papier, Druck und Einband. Der Redner faßte seine Ausführungen in das Urteil zusammen: Der Levy'sche Siddur ist gut, der Bleichrode'sche ist besser. In der anregenden Diskussion, die auf den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte, schlossen sich sämtliche Redner diesem Urteil an. Auch die zahlreichen anwesenden Dirigenten von Religionsschulen Berlins, die alle den Bleichrode'schen Siddur in ihren Schulen eingeführt hatten, konnten aus ihrer Erfahrung heraus dies Urteil bestätigen."— In der nächsten Sitzung, die am Donnerstag den 4. März im Vereinslokal, Restaurant Simon, Gipsstr. 12», 9 Uhr abends stattsindet, hält Frl. Selma Selka, die bekanntlich längere Zeit als Lehrerin in Jerusalem tätig war, einen Bortrag über „Jüdische Schulverhältniffe in Palästina". Gäste, Damen und Herren, sind auch ohne besondere Einladung herzlich willkommen. Aus der Pfalz. Da der amtliche Schulanzeiger der Pfalz den Herren Kollegen nicht zugängig ist, so möchte ich dieselben hierdurch darauf aufmerksam machen, daß in der Pfalz die Volksschullehrerstellen a) zu Leimersheim und b) zu Rodalben definitiv oder mit Hilfslehrern (Schuldienstexspektanten) sofort zu besetzen sind. Meldungen sind nur an die Kgl. Regierung der Pfalz, Kammer des Innern zu richten. Zu adressieren an die Kgl. kath. Distriktsschulinspektion für a) in Rülzheim, für b) in Pirmasens. Zu näherer Auskunft bin ich gerne bereit. Rosenwald-Steinbach a. Glan. Briefkasten. Herrn St. in Wegen Raummangels erfolgt die Besprechung erst in der nächsten Nummer.