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Der Israelit · 1909-02-18 · Heft 7 (18.2.1909) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 7 (18.2.1909)
Date
1909-02-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. 7 des „Israelit" Samuel da Daglä. Line jüdische Erzählung aus der spanisch-maurischen Zeit. euilleton (Fortsetzung.) Mit gespannter Aufmerksamkeit richteten sich die Augen Aller aus Samuel, der also begann: „Ich würde Dir, Abbu Soffjan, vollkommen beipflichten, wenn die Drohung, die mir ward, nicht in eine Zeit fiele, in der wir Juden unseres Glaubens wegen verfolgt werden, da dies aber heute leider der Fall ist, so ist der Jude verpflichtet, lieber den Tod zu erleiden, als das kleinste religiöse Gebot zu übertreten, denn hier gilt es, den Namen Gottes zu heiligen. Die Juden erlitten zur Zeit einer solchen Verfolgung den Tod, so erzählt der Talmud, weil sie die schwarze Schnur, die sie als Zeichen der Trauer um den Untergang Jerusalems trugen, nicht gegen die weiße vertauschen wollten, und das ist wahrlich etwas Geringfügiges gegen die Forderung den Glauben abzuschwören". „Du irrest", entgegnete ihm Abbu-Soffjan, „wir leben hier nicht in einem Lande, in dem die Juden ihres Glaubens wegen verfolgt werden, alle Juden des großen granadinischen Reiches können wie seither so auch ferner unbehelligt an ihrem Glauben hangen und die Gesetze Musah's öffentlich und so viel es ihnen beliebt ausführen und beobachten. Hier handelt es sich nur um einen Mann, der in unser Lager kommen soll und zwar nur aus politischen Ursachen zum Vorteil und Gedeihen dieses schönen Landes. Deine Gründe sind also hinfällig, Samuel". „Ich muß Dir auch hier widersprechen", entgegnete Samuel, „ist es dem der den Uebertritt des Juden zum Islam erzwingen will, nur um einen, selbstsüchtigen Vorteil zu tun, der ihm daraus erwächst, auch dann hat der Jude die Pflicht den Märthrertod zu erleiden, wenn dieser Uebertritt einen öffentlichen Charakter trägt, das ist gemeint, wenn er unter der Mitwissenschaft von zehn Personen geschehen soll. Der Talmud erzählt, daß fromme Lehrer lieber ihr Leben opferten und nicht eine unzüchtige Handlung begingen, obgleich dieselbe nicht eine Verletzung der Keuschheitsgesetze gewesen wäre, nur weil sie sich derselben öffentlich schuldig machen sollten. Und jene frommen Lehrer handelten nicht in einem Uebexmaß von Glaubenseifer, denn sie wußten es, daß es eine schwere Sünde ist, das Leben preiszugeben, wenn nicht die Bedingungen vorhanden sind, die es erfordern. Doch weil die frommen Lehrer die Sünden öffentlich begehen sollten, starben sie lieber und heiligten damit den Namen Gottes. Wo fanatischer Glaubenseifer sich gegen uns wendet, müffen wir deninach ohne irgend welchen Zweifel lieber den Märtyrertod sterben, als öffentlich ein religiöses Gebot übertreten oder ' gar den Glauben verleugnen. Hier ist der Bestand des gesamten Judentums in Gefahr. Noch nach Jahrhunderten würde man auf mich Hinweisen als den Zerstörer des Judentums, wie man noch heute den Hohepriester Jochanan als abschreckendes Beispiel anführt, der 80 Jahre hindurch das höchste Priesteramt bekleidete und am Ende seines Lebens ein Saducäer wurde". „Du bist ein äußerst verstockter Sünder", rief Abbu-Sofjan, der mit Schrecken wahrnahm, wie seine Aussichten auf die Bekehr ng Samuels sich von Minute zu Minute verringerten, „ich bin davon überzeugt, daß, wenn ganz im Geheimen der Abfall von Deinem Glauben von Dir gefordert würde, Du aus Haß gegen den Islam ebenso lieber Dein Leben lassen würdest, wie Du es jetzt zu lassen bereit bist, weil man es öffentlich von Dir heischt". Darauf sprach Samuel: „Man kann verschiedener Ansicht darüber sein, ob eine Opferung des Lebens notwendig ist, wenn der Abfall vom Glauben im Geheimen gefordert wird, oder selbstsüchtiger Nutzen die Triebfeder dessen ist, der die öffentliche Verleugnung des Glaubens von uns fordert. Doch auch darüber gibt uns unser Talmud Klarheit. Im Traktate Pesachim -wird ausgeführt, daß, wenn uns ouch von irgend einem Dinge jeglicher Genuß verboten, wir uns dessen doch als Heilmittel in schwerer Krankheit bedienen dürfen. Doch wo die Heilung durch Mo d, Götzendienst und Unkeuschh.it herbei geführt werden soll, dann müssen wir auf das Heilmittel verzichten, befänden wir uns auch in Lebensgefahr,- hier würden wir jedenfalls die Sünde nur um des Nutzens und Vorteils willen begehen und wir dürfen uns doch nicht durch dieselbe aus Lebensgefahr retten. Aehnliches ist aus einer Stelle im jerusalemitischen Talmud ersichtlich: Wird eine Karawane von Raubmördern überfallen und verlangen diese einen aus der Karawane ausgeliefert, um ihn zu töten, dann darf ihrem Ansinnen nicht nachgegebcn werden, wenn sie auch im Weigerungsfälle alle, die zur Karawane gehören, zu ermorden drohen, denn das hieße das eigene Leben durch den Tod eines anderen retten. Müffen wir diesen Entscheidungen des Talmud gemäß das Leben opfern und dürfen nicht die genannten schweren Sünden begehen, um wieviel mehr müffen wir bereit sein, den Märtyrertod zu sterben, wenn die Verleugnung unserer Religion gefordert wird und wir durch den Uebertritt zum Islam aussprechen würden, daß Mohammed höher stehe als unser Lehrer Mose, und daß es nicht unsere Pflicht sei, auch mit dem Leben für unsere Religion einzustehen". Ein allgemeines Beifallsmurmeln folgte nach dieser Rede. Abbu-Soffjan wurde blau und grün vor Wut, aber noch gab er nicht alles verloren. Rasch griff er zu einem anderen Mittel, indem er die Schriften seiner ehemaligen Glaubensgenossen zu verleumden und anzuklagen suchte. „In einem Eurer Gebete heißt es: Die Minim sollen vernichtet werden. Darunter sind doch die Jünger des Propheten zu verstehen. Ferner betet Ihr: Das frevelhafte Reich möge bald schwinden. Dies bezieht sich doch auf unseren Kö ig und unser Volk". Samuel erwiderte: „Minim sind nicht Mohammedaner sondern treulose Juden und unter dem frefelhaften Reiche sind die Babylonier und Assyrier gemeint, die unser Reich z rstört haben. Wir erfreuen uns des Schutzes dieses Landes und dessen Königs, ich habe mein ganzes Leben und all mein Sein deren Gedeihen gewidmet, alle meine Brüder fördern deren Wohl, wie sollten und könnten wir für deren Untergang beten?" Nachdem Abbu-Soffjan sah, daß er nichts mehr zu verlieren hatte, rief er: „So wisse denn, Samuel, ich selber bin ungläubig, ich glaube nur an die Wissenschaft und verlange von Dir, einem ebenso klugen wie gelehrten Manne, daß er mir bestätige, daß er, weder die Göttlichkeit der Thora noch lfießenige des Korans anerkenne". Mit dem Blicke der tiefsten Verachtung schaute i der Vezier auf seinen Gegner hinab. L „Dacht ich mir's. ja"', sprach er, „bar aller '4 sittlichen Grundsätze will er die Wissenschaft zum * Deckmantel seiner Schlechtigkeiten benutzen. Aber £ wisse Abbu-Soffjan, die Gegner des Glaubens; sind niemals Männer der Wissenschaft, seine Gegner sind Leute, die den Unglauben zu einem Götzen erhoben haben. Die Wissenschaft selbst ' 3 ist duldsam". Da geschah etwas Unerwartetes. Badis, der :i sich bei der letzten Rede des Veziers an alle dessen Großtaten zur Verherrlichung seines Reiches j erinnerte, stieg von seinem Tronseffel herab, schritt aus seinen Vezier zu, umarmte ihn und küßte ihn auf beide Wangen. ■} „Bleibe", sprach er, „mein Freund, dem Glauben Deiner Väter, den Du so geschickt ver- 1 teidigt hast, nur fernerhin treu, mein Vertrauen in Dich ist unerschütterlich. Abbu-Soffjan aber, der Dich ganz unnötigerweise in Todesangst ..) versetzte, ihn führe man in den tiefsten Kerker dieses Schlosses ab. Dort mag er, der den i Glauben seiner Väter, wie einen alten Burnus .* abschüttelte, bis zu seinem Todestage darüber Nachdenken, welcher der größere Phrophet ist: Mohammed oder Musah". Ein nicht endenwollender Jubel erfüllte die Halle und die Kunde des Geschehenen drang hin- : aus auf die Straße, wo tausende von Juden sich versammelt hatten, um das Ende der Disputa- ■; tion zu erfahren. Auf den Schultern trug man :4 Samuel nach seiner Wohnung. Dieser aber, der * seit vielen Jahren die Leier aus der Hand ge- J legt hatte, ergriff sie heute noch einmal, um ein - Lied anzustimmen zum Lobe des Herrn, der ihn,? wie schon so.oft, errettet hatte aus den Krallen; der Feinde. „Einst", so sang er, „errettetest Du meinen Körper aus dem Rachen eines Thunfisches, als ich auf hoher See vom Sturme geschleudert auf schwankem Schiffchen hin- und hertrieb. Da- ,? mals glaubte ich, daß eine größere Rettung nicht - möglich, heute aber hast Du meine Seele gerettet J und mir Gelegenheit gegeben, Deinen Namen öffent- 1 lich zu heiligen. Was ist hiergegen die Rettung vor dem Seeungeheuer? Damals sang, o Herr, ich - Dir ein Loblied, indem ich sprach: Nicht zu Geringem hat der Unendliche mich leben lassen. Bis heute glaubte ich dies nicht erfüllt, denn alles was bis jetzt gewirkt ich auf Erden schien klein und unbedeutend in meinen Augen. Der heutige Tag zeigte mir, daß meine hoffende Voraussage in Erfüllung gegangen. Damals fühlte mein Körper bereits Schuppe und Flosse des; Untiers, heute meine Seele schon die Feuer der j Hölle.. Was ist ein Tier in seinem größten Grimme, gegen ein Mensch, wenn er süß die Worte setzt? Jenes kann nur zeitlichen Schaden anrichten, der Mensch aber kann Unheil stiften : auf ewige Zeiten. Seine bösen Taten durchj ziehen die Jahrhunderte und späte Enkel leiden | noch unter den Streichen des bösen Ahn. O, :.,f Herr, laß mich vergessen alles Ungemach und g b mir Kraft Deinen Ruhm zu künden bis ans ■ Ende meiner Tage." Sein Gedicht war zu Ende, da fühlte er eine zarte Hand aus seinen Schultern. Seine Gattin blickte ihn traurig an. „Nun, Fatime, freust Du Dich nicht ob , j meines Sieges?" I „Du bist ja im Begriffe", sagte sie spöttisch, 1 „ein volkstümlicher Held zu werden". Die Wotte I rissen ihn aus seiner dichterischen Stimmung, sie taten ihm wehe. Leise beinahe bittend antwottete D er: „Das wäre doch nur ein Vorwurf, wenn J ich selbst darauf aus gewesen wäre". M „Du hättest Abbu-Soffjan durch Liebe bej| zwingen sollen, wie Du mit vielen anderen es M tatest". ' fg (Fortsetzung folgt.) " M

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