Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1909)
- Date
- 1909-02-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Die tlbesen zum Bundestbema. Wir veröffentlichen nachstehend die T h e s e n zu unserem Bundesthema in der Fassung, wie sie von der hierzu eingesetzten Kommission angenommen wurden. I. Da die Persönlichkeit des Lehrers ein entscheidender Faktor alles pädagogischen Wirkens ist und von seinem Streben das Wohl der Heranwachsenden Geschlechter abhängt, bedeutet das Streben nach Weiterbildung eine notwendige Pflichtarbeit unseres ganzen Standes. Wie die deutsche Lehrerschaft im allgemeinen nach Aussage bedeutender Hochschullehrer das Fortbildungsstreben in selbstloser Hingabe mit bestem Erfolge betätigt, so hat die j ü d i s ch e Lehrerschaft außerdem noch energisch auf dem speziellen Gebiete der religionswissenschaftlichen Weiterbildung zu arbeiten. II. Die Fortbildung der jüdischen Lehrer auf dem Gebiete der Religionswissenschaften ist Selbstzweck im Sinne des '121 12 n'JPTl; sie dient ferner den Interessen der Schule, da sie Vertiefung des Unterrichts ermöglicht, und denen des religiösen Lebens in der Gemeinde, da sie dem Lehrer die Möglichkeit gibt, bei der religiösen Leitung den richtigen Weg vorzuzeichnen. Für den gesetzestreuen Lehrer bedeutet Weiterarbeit auf diesem Gebiete vor allem also eingehende Pflege des Thora studiums. III. Die Weiterbildung des jüdischen Lehrers auf dem Gebiete der Religionswissenschaften geschieht am besten in Fortbildungskursen. Die bis jetzt von den bestehenden Kursen erzielten Resultate sind anzuerkennen, doch ist die Institution weiter auezubauen, sowie systematisch und einheitlich zu regeln. IV. Die Auswahl der Gegenstände des Fortbildungskurses bleibt dem Leiter überlassen. Als wichtigste Disziplinen sind anzusehen: i yin 2. E'pDIBl D'tP 3. -mntt/ ethiö 4. Methodik des Religionsunterrichtes. 5. Homiletik. 6. Religiöse Zeit- und Streitfragen. Bald in Angriff zu nehmen sind die von den Kursleitern ausgesprochenen Anregungen: Festsetzung eines Lehrganges oder Lehrprogramms pro Semester seitens einer noch zu bildenden Fortbildungskommission und periodisch erscheinende Verzeichnisse empfehlenswerter Werke. V. Erstrebenswert ist die Einrichtung von Ferienkursen, die einmal jährlich in den Centralen gesetzestreuen Lebens stattfinden sollen. In diesen Kursen sollen von anerkannten Kapazitäten Vorträge über schwierigere Partien des Talmud, des Machsor und des Kantorats gehalten und mit praktischen Uebungen verbunden werden. Dem Vorstande ist anheim gegeben, dahin zu wirken, daß diese Einrichtung bald ins Leben tritt. VI. Zum Leiter der Konferenz ist eine Persönlichkeit zu bestimmen, die in religiösem Wissen die anderen überragtsollte eine solche Person in einer Konferenz nicht vorhanden sein, so ist es der jeweils älteste Lehrer der Konferenz, der die Pflicht hat, sich für die zu behandelnden Themen und Aufgaben vorher gründlich zu informieren. Im Anschluß hieran geben wir folgender Zuschrift des Herrn Seminarlehrer E. Gut Raum: „Ich habe niemals und nirgends gesagt, der jüdische Lehrer dürfe die Werke christlicher Bibelkritiker nicht studieren. Meine von der Versammlung angenommene These lautet ja: „Für den gesetzestreuen jüdischen Lehrer bedeutet Fortblldung vor allem eingehende Pflege des T h orastudiums" und diese Pflege haben die vom „Bunde" subventionierten Kurse zu übernehmen. Ich habe in der Debatte unter allgegemeiner Zustimmung ausgeführt, daß wir die Privatlektüre der jüdischen Lehrer weder kontrolliere»', noch regeln wollen, daß wir keinen Index haben und es jedem überlassen ist, die Werke zu studieren, für die er sich interessiert. Der Bund als solcher hat aber die Pflicht zu betonen, daß Fortbildung vor allem Lernen bedeutet. Wer Verlangen nach Wellhausen, Cornill und Genossen hat, dem bleibt es unbenommen, es zu befriedigen. Mein Standpunkt in dieser Frage ist also keineswegs, wie man es aus dem Protokoll entnehme»! muß, dem des Herrn Korreferenten entgegengesetzt." Die 7ottbildnng der Wischen Cebrers in den Reliaion$wi$$en> schaffen Hüter Berücksichtigung der in den einzelnen Kursen gemachten Erfahrungen. Referat, der Generalversammlung des Bundes g. j. Lehrer zu Frankfurt a. M. erstattet von Seminarlehrer Elias Gut zu CBln. II. Wo erblicken wir herrlicher und klarer das Weben und Wirken Gottes als in Seiner Offenbarung, der Bibel? Nur müssen wir uns an das Wort Hirschs halten: Als Juden wollen wir sie lesen! Von diesem Grundgedanken geleitet sind die Fortbildungsbestrebungen der gesetzestreuen jüdischen Lehrer, die Kurse, die von unserem „Bunde" so tatkräftig unterstützt werden. Bevor ich dazu übergehe, Ihnen zu berichten, wie und was die vom Bunde subventionierten Kurse gewirkt haben, möchte ich nicht verfehlen, Ihnen, wenn Sie meinen bisherigen Ausführungen zustimmen können, die Annahme meiner Thesen 1—3 zu empfehle«. Meine Herren! Wie Sie aus meiner Zusammenstellung ersehen, sind 13 Referate über die vom Bunde subventionierten Fortbildungskurse eingegangen. Im ganzen hat der Bund für das Fortbildungswesen seit 1906 etwas über 2000 Mark ausgegeben. Was die erwähnten Kurse leisteten, ist aus der Tabelle ersichtlich. Ich nehme an, daß die Herren Kollegen in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Posen, Königsberg, Straßburg, Karlsruhe, Würzburg u. a. O. auch vielleicht später über ihre Erfahrungen auf dem Gebiete des Fortbildungswesens Bericht erstatten werden, damit unser Bild sich allmählich möglichst vollständig gestalte. In einigen Tagen ertönt wieder das alte Segenswort: 2pP'2 DpSn**/ verteilen will ich sie, die Stämme Simon und Levi, in Jakob. V2V21 ni'D32 '1122 D'ttPÖI D'IBID pPöttö miro i'pcir vntr mtma '112. Hirsch begleitet dieses Midraschwort zur Stelle in seinem Pentateuchkommentar mit folgendem Vermerk: „Zu dem Kern der jüdischen Lehrer der Jugend und der Wissenschaft stellten die Stämme Simon und Levi nach alter Ueberlieferung das bedeutendste Kontingent. Als der jüdische Staat in Trümmer ging, und die Nation nach allen Gegenden zerstreut wurde, da war es eine Wohltat, daß in dieser Zerstreuung sich überall auch Söhne Simons und Levis befanden, die die Kraft und den Mut, das Feuer und den jüdischen Stolz durch die Pflege des den Staat überlebenden jüdischen Geistes wach und lebendig hielten." M. H.! Sorgen wir dafür, daß überall da, wo Söhne Simons und Levis, Lehrer der Jugend und Lehrer der Wissenschaft beisammen wohnen und wirken, auch das Wachfeuer zum Schutze der Thora hell auflodere, mächtig aufflamme r6ir 112«nnty '*12 bis die Lohe von selbst weiter glühe. Noch sind etliche feste Plätze und große Städte unbewacht und unbeschützt, um im Bilde zu bleiben. Möge unser „Bund", unser Ring immer stärke», immer fester werden! Von den eingeiaufenen Berichten über die Leistungen der Fortbildungskurse sind einige so eingehend und instruktiv, daß ich mir von ihrer Veröffentlichung in unserein Bundesorgan großen Nutzen verspreche, vielleicht mehr als von der Schilderung der Feier des siebzigsten Geburtstages eines Jugendbildners. Von einigen Kursleitern wurde mit Recht betont, im Mirtelpunkie jedes *1OT müsse die Pflege des Tolmudsludiums stehen. Wie Sie aus unseren Bestimmungen über die Religionslehrerprüfung ersehen, wird vom angehenden Religionslehrer erwartet, daß er 3u Blatt mit beherrsche, was gewiß nicht