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Der Israelit · 1909-02-18 · Heft 7 (18.2.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 7 (18.2.1909)
Date
1909-02-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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18. Februar 1909. Der Israelit. Nr. 7. Seite 7. maßlosen Angriffe gegen den freisinnigen Kandidaten wurden daher auch von den Antisemiten aller Schattierungen inner- und außerhalb Hessens auf das kräftigste unterstützt. Ossterretch. Der Kampf um die „Organisation" in Oefierreidi. Ein Wort in letzter Stunde. (Von unserem Korrespondenten.) Wien, 15. Febr. „Ausschluß der religiösen Fragen" das ist der Köder, der auch in Oesterreich, gleichwie in Deutschland ausgeworfen wird, um die religiös nicht Indifferenten zu beruhigen oder zu gewinnen. In diesen Blättern wurde diese Erscheinung jüngst ernst und würdig besprochen und auf die eminente Gefahr hingewiesen, welche dem positiven Judentume von dieser scheinbar so unschuldigen Seire droht. Judentum mit Ausschluß der Religion! Diese von den Nationaljuden ausgegangene Parole ist modern geworden. Große Bereinigungen und Verbrüderungen haben sie zu der ihrigen gemacht und sind auf dem Vesten Wege,wenigstens in Oesterreich das Terrain zu gewinnen. Sie gehen von der Anschauung aus, daß sie ihrem Judentum vollkommen Genüge getan hätten, wenn sie für Juden wohltätige Werke üben und gründen, sogenannte „Bekenntnisjuden" sind und lebhaftes Interesse für jüdische Geschichte und Litteratur bekunden und erwecken. Niemand leugnet, daß solche Bestrebungen an sich besser sind als der Jndefferentismus; jeder denkende Jude jedoch muß mit allen Mitteln dagegen kämpfen, daß diese Anschauung die allein jüdische wird und insbesonder', daß Männern die Zügel in die Hand gegeben werden, die diesen Standpunkt in extremster Weise vertreten und dem positiven Judentume in offener Feindschaft entgegentreten. Die überwiegende Mehrzahl der Männer aber, welche vorläufig mit den einleitenden Arbeiten zur Organisation betraut sind, steht auf diesem Standpunkte. Am 24. Februar wird in Wien der vorbereitende Ausschuß seine Beratungen fortsetzen. In Galizien hat sich eine überaus heftige Opposition gegen den Organisationsplan erhoben. Schon in der ersten Tagung hat es sich gezeigt, daß die galizischen Vertreter die politisch reifsten und weitblickendsten waren. Die Gesamtheit der sonstigen österreichischen Delegierten bewies unklare Verschwommenheit des Programms, Phrasenhaftigkeit und Unkenntnis der vitalsten Jntereffen des Judentums. Klar und zielbewußt waren die zionistischen und jüdischnationalen Ausführungen. Nun haben sich die galizischen Konservativen erhoben und wollen von der Organisation nichts wissen. Warum? Sie befürchten eine Majorisierung durch die Liberalen. Mit gutem Recht. Denn die programmatischen Gedanken der Organisatoren verrieten deutlich, wohin gesteuert werden solle. So erstrebenswert eine staatsrechtliche Vertretung der Juden in Oesterreich erscheint, so segensreich eine Einigung wäre, sie ist in diesem Falle leider nicht möglich. Nicht möglich, weil die Extremen bereits die Zügel in Händen haben. Es sind die vereinten Bne- Brith-Logen in Oesterreich. Es muß einmal offen und frei verkündet werden. Die Logen in Oesterreich sind religionslos oder gar religions feindli chsie sind nicht indifferent, sondern ganzausgesprochene Gegn er jeder religiösen Vertiefung des Judentumssind Reformer oberflächlicher Art und betrachten die überlieferten Heiligtümer als archaistische, literar-geschichtliche Werte der Vergangenheit, die in der Gegenwart nur mehr akademische Bedeutung haben. Positives Glaubensjudentum, positives Tatenjudentum kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen. Ihr einziges Palladium ist die „JüdischeEthik"losgelöstv omgesamten sonstigen biblisch-talmudischen Judentum. — Es ist deshalb kein Wunder, wenn sich große Kre se sofort in die Opposition begeben. Eine Organisation der Juden in Oesterreich mit staatsrechtlicher Geltung und Anerkennung ist nicht denkbar ohne die ernsteste Behandlung religiöser Fragenebenso unehrlich wie unvernünftig ist es, von einem Ausschlüsse solcher Fragen 511 sprechen. Die bisherigen Enunciationen sollten den führenden Herren den klaren Beweis erbracht haben, daß man auf diese Weise einen Selbstbetrug und eine Irreführung begeht. Eine Organisation aber, die nichts anderes erzielen will als etwa eine israelitischkirchliche Hierarchie wird nie Bestand haben und ist auch nicht wert, daß sie besteht. Eine reinpolitisch gerichtete Organisation ist nicht durchführbar, weil die Judenheit Oesterreichs, ob sie will oder nicht, vor dern Gesetze keine nationale, sondern eine religiöse Vereinigung der Staatsbürger vorstellt. Kleine apologetische unb defensive Zwecke aber kann die e Organisation nicht verfolgen - das istkein genügendes Programm: Sammlung aller geistigen und materiellen Kräfte zum Zwecke der Stärkung und Kräftigung des Judentums Oesterreichs, unter sorgsamster Rücksicht auf die geschichtlichen, ewigen Werte der Tradition, woraus sich dann von selbst die Aufgabe ergibt, die kostbaren Güter der Gleichberechtigung vor dem Gesetze zu verteidigen und die verbrieften Rechte zu hüten - Hebung des religiös-nationalen Innenlebens durch liebevolle Psiege und energische Verbreitung der Kenntnis jüdischer Litt ratur und Geschichte-Abwehr jeder sozialen und gesellschaftlichen Verunglimpfung und ausgiebige Fürsorge für die Glaubensgenossen in Not und Drangsal- Zusammenschluß aller zur Wiedererweckung jüdischen Lebens in Haus und Gemeinde, in Schulen und Synagogendas sind Aufgaben und Ziele der Organisation, für die man sich begeistern und opfern kann. Der kaum geborene Gedanke darf aber nicht von Hans aas seine Spitze gegen das Judentum als Religion wenden. Das heißt den Todeskeim in das Saatkorn legen. Die jüdischen Gemeinden Oesterreichs werden besonnen genug sein, ihre Lebenskraft darin zu erblicken, worin sie liegt und liegen muß: in dem ungeschwächten Bestände der drei Grundsäulen: Thora, Abodah und Gemilluth Ehessed. Die Beerdigung Rabbi Salomon Kufnas V'x»- (Von unserem Korrespondenten.) Eisenstadt, 10. Februar. Seit den frühesten Morgenstunden geht eine ungewöhnliche Bewegung durch die Straßen unserer Stadt. Große Gruppen ernster, schweigender Männer in tieftrauriger Stimmung ziehen ein. Jeder Eisenbahnzug bringt neue Trauergäste. Denn es gilt, einem der Größten, einem -rinn pns pw die letzte Ehre zu erweisen. Weder die räumliche Entfernung noch die schneidende Kälte konnte die Schüler und Freunde des verblichenen Gaon abhalten, ihm den Zoll ihrer Verehrung zu entrichten. Unmöglich war es in dem Menschengewoge die Namen der vertretenen Gemeinden und die Zahl ihrer Vertreter festzustellen. Annähernd seien hier die Gemeinden verzeichnet, deren Vertreter anwesend waren: Wien: K u l t u s g e m ei n d e, Schiffschul, Bethausvereine St un gerga sse, Storchengasse, Talmud-Thora, Budapest: orth. Landeskanzlei, orth. Kultusgemeinde, Preßburg (Oberrabb. Schreiber, Roschbeß-Din Friedman und Vorsteher Maß) Großwardein, Großtapolcsany, Oedenburg (beide Gemeinden), Tyrnau, Neutra, Raab, Steinamanger, Csorna, Beled, Mattersdorf, Robersdorf, Beckenbach, Frauenkirchen, Janoshaza, Deutsch- Kreuz, Sarwar, Nagy-Megyer u. v. A. Die nispn waren schon am Sonntag Morgens im Trauerhause abgehalten und die mnio an demselben Tage, ausschließlich durch berufene Männer, vorgenommen worden. Dienstag um dreiviertelzehn Uhr vormittags richtete im Trauerhause der Zweitälteste Enkel, Herr Gabriel Fürst- Wien innige Worte des Abschieds an seinen verehrten Großvater, und Herr kais. Rat Kauders forderte in kurzer, aber markiger Rede, die Ge meinde auf, den Traditionen des Heimgegangenen treu zu bleibendie Familienmitglieder trugen sodann den pitf in das PD:rn p'2, die langjährige Stätte seiner gortgesegneten Wirksamkeit. Dieses war von einer tiefbewegten Trauerversammtung, in welcher mm auch viele Andersgläubige bemerkte, dicht gefüllt. In den ersten Bankreihen nahmen u. A. der Major-Kommandant der hiesigen Militäroberrealschule mit dem Offizierskorps, der Oberstuhlrichter, der Bürgermeister mit b«m städt. Magistrat, der fürßl. Eßterhazy'sche Rat, Vertreter des geistlichen Barmhcrzigen-Ordens. des Professorenkörpers der hiesigen Staatsanstalten u. v. A. Platz. Als Erster betrat die vor dem p“!N aufgestellte schwarz verhüllte Kan el der Enkel des Vrrblichcnen, Rabbiner Fürst-Wien (Sechshaus.) Von einem Bibelverse der dieswöchentlichen Sidrah ausgehend, zeichnete er mit hinreißender Beredsamkeit, die überwältigenden Eindruck machte, das Bild seines verklärten Großvaters. Wer je Gelegenheit hatte, den Verblichenen ach als Meister der Rede zu bewundern, hörte aus seinem würdigen Sprossen den Da Hingeschiedenen sprechen. Es folgte der ehrwürdige Schwiegersohn, Rabbiner S. Fürst- Wien (Schiffschul). In seinem geistvollen tiefdurchdacbten, 15DH schilderte er des Heimgegangenen P17NI, mp-iXimö seine grenzenlose Herzensgüte und nahm ergreifenden Abschied von dem großen Lehrer, Freund und Schwiegervater. Oberrabbiner Schreiber-Preßburg gab dem Schmerze, ob des Verlustes Ausdruck, den das ungarische, den das gesetzestreue Judentum überhaupt, mit dem Hinscheiden dieses Großen erleide, erörterte die innige Freundschaft, die den Verklärten mit dem Preßburger pW verband, und schilderte seine Bedeutung auf den mannigfaltigen Gebieten seines Schaffens, sowie das Ansehen, das der Verewigte in den weitesten Kreisen der jüdischen Welt, auch entferntesten Gegenden genoß. Namens der Gemeinde feierte Herr Talmudlehrer Kretsch den großen Lehrer und Führer. In großangelegter Rede brachte sodann Rabb. I. Nobel-Filehne (Posen) dem großen Oheim die letzten, verehrungsvollen Grüße seiner Verwandten aus Deutschland, der Rabbinen in Halberstadt und Hamburg. Rabbiner Lövy-Frauenkirchen sprach ergreifende Worte des Abschieds namens der an- und abwesenden Amtsbrüder. Infolge der vorgerückten Stunde mußten die anderen vorgemerkten Redner aufs Wort verzichten. Der p"»K wurde vor den DWp und D'TD7n ins D'TI rva getragen, wo HerrVeith-Tyrnau dem Schmerze und der unauslöschlichen Verehrung der d'TBtp Ausdruck gab. Aru offenen Grabe sprach schließlich der verdiende Gemeinde-Präses, Herr Breyer herzliche Worte des Dankes und des Abschieds und versprach, den letztwilligen Wünschen des Heimgegangenen Rechnung zu tragen. Dann wurden die sterblichen Reste des pw neben seinem großen Schwiegervater Rabbi Gottlieb Fischer y'piXT gebettet und dumpf fielen die Schollen ins Grab des Edlen, begleitet von lautem Schluchzen der Anwesenden. Der Familie und der Gemeinde hatten u. A. kondoliert: StaatssekretärFranzv. Bolgar, der den Verblichenen als großen Patrioten, als weisen Menschen feiert und in ihm einen treuen, aufrichtigen Freund betrauert, Probst Varits, der den Hingang des großen Gelehrten und edlen Menschenfreundes beklagt u. n. v. A. Ihr Fernbleiben hatten viele Rabbiner und Gemeinden des In- und Auslandes entschuldigt, darunter Rabb. Dr. Breuer-Frankfurt a. M., Dr. Bondi-Mainz, Dr. Ritter-Rotterdam, Dr. Lerner-Altona, Deutsch- Bonysad, Pefferhofer-Szered u. v. A. Ph. F.

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