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Der Israelit · 1909-02-11 · Heft 6 (11.2.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 6 (11.2.1909)
Date
1909-02-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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11 Februar 1909 Der JSraeltt No. 6 Sette 9 VttlÜiNnLt. der sich eine gute Bildung aueignet und dabei religiöse Begeisterung und Pflichtbewußtsein sich erhalt, "kann, rn fern Vaterland zurück gekehrt, dorr zum Pioniere werden, der an der Vertretung unserer preisgegebenen religiösen Interessen mit Aussicht auf Erfolg mitzuarbeiten vermag. Es wäre erfreulich, wenn diese Anregung in Deutschland einen Widerhall fände! Bulgarien. Sofia, l. Febr. Bei dem antisemitischen Winde, der hier von allen Seiten weht, wirkt das Bewußtsein von der Loyalität des königlichen Hauses als Trost und Genugtuung. Königin Leonore von Bulgarien, die wegen ihres guten, mildtätigen Herzens von der gesamten Bevölkerung sehr verehrt wird, gab dieser Tage dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Sofia den Wunsch kund, die jüdische Schule zu besuchen, um den in derselben eingeführten Freitisch für arme Schüler in Augenschein zu nehmen. Tags darauf fuhr die Kön gin vor der Schule vor. Nach einer Begrüßung durch den Oberrabiner begab sich Ihre Majestät in die Mädchenabteilung und folgte mit Interesse dem Unterricht. In der Knabenklasse miurde die Königin mit einem hebräischen Chor: „Baruch Haba" begrüßt, der vom Direktor der Schule ins Französische übersetzt wurde. Nach Schluß des Unterrichts begab sich die Königin und ihre Suite in den Speisesaal, inspizierte eingehend die Küche, und kostete von den Speisen. Die Königin sprach über das Gesehene und Gehörte ihre besondere Zufriedenheit au-> und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es bald gelingen werde, eine eigene Speiseanstalt für die Schulkinder zu errichten, anstatt, wie das jetzt geschieht, einen Lehrsaal als Speiserauni zu benützen. Auf die Bitte des Oberrabiners übernahm die Königin das Patronat über eine Sammlung, die zugunsten einer eigenen jüdischen Speiseanstalt demnächst stattfinden soll. Mit großem Interesse hörte dann die Königin dem hebräischen Tischgebete zu, das ein Schüler laut rezitierte. Unter enthusiastischen Hochrufen verließ die Königin die Anstalt. Türkei. Ko n st a n t i n o p e l, 4. Februar. Durch die Tngesblätter macht ein im „Tiempo" erschienener Brief die Runde, den ein ehemaliger Schüler der Allianceschulen, Jacques B. Mizrachi, veröffentlicht, und der für den Geist, der in diesen Schulen herrscht, charakteristisch ist. Ter ehemalige Allianceschüler ist entsetzt über die Angriffe, die selbst in dem gebildeten Westeuropa von allen Seiten gegen die Arbeit der Alliance im Orient erhoben werden. Er beteuert, daß die Alliance Jsraelite ihn gelehrt habe, „stolz auf seine Eigenschaft als Israelit" zu sein, aber er habe auch in seiner Schule gelernt, daß der religiöse Fanatismus ein tätliches Gift sei, und daß das Judentum nach Ansicht der Alliance Jsraelite darin bestehe, die Gerechtigkeit, die Wahrheit und die Redlichkeit zu lieben. Das sei Jesaijanisches Judentum. Man müsse sich aufraffen, die Orthodoxie zu demütigen, die, wenn sie in ihrem Kampfe siegreich wäre, uns in die Arme der Reaktion zurückwerfen würde. Der Brief schließt: „Und dies wird unser Ruhm sein, die Sache der gesunden Zivilisation verteidigt zu haben, jener französischen Zivilisation, deren Glanz, Größe und Adel die ganze Welt erfüllt!" Das „Profetische Judentum" der Alliance- Schulen ist in der Tat ein Geschwisterkind der deutschen „Liberalen Vereinigung", und wenn man den Wunsch hegt, daß es eines Tages auch in den jüdischen Gemeinden des Orients in religiöser Beziehung so herzerfreuend aussehen möge, wie in den gesegneten Gefilden von Berlin W., so gibt es dazu kein besseres Mittel als die Förderung der Alliance Jsraelite Universelle und ihres Schulwerkes. Saffed, 8. Febr. Berliner und Wiener Tageszeitungen melden heute von einem telegraphischen Berichte des österseichischenungarischen Konsularagenten in Saffed (Palästina), nach welchem die dortigen Lokalbehörden in das Haus eines dort ansässigen österreichischen Juden eingedrungen wären und das Möbel zertrümmert hätten. Der Konsulatsbeamte, der intervenieren wollte, sei mit Schimpfworten empfangen worden. Die 300 Familien zählende österreich-jüdische Kolonie in Saffed befinde sich, nach dem Berichte, in panischer Angst und in Gefahr. Der Bericht ist mit einiger Vorsicht aufzunehmen, und wir hoffen, daß die näheren Meldungen, die abzuwarten sind, ihn mindestens als Uebertreibung erscheinen lassen. Jaffa, 1. Februar. Vor einigen Tagen kamen 150 yemenitische Juden, 100 Männer und 50 Frauen nach Jaffa. Die Leute kommen aus einer kleinen Stadt inmitten der arabischen Wüste, 20 Tagereisen vom Hafen Hodeida entfernt. Das Land um diese Stadt herum trägt, wie sie berichten, den Namen „Ostland", weil es den Osten der türkischen Besitzungen am Ufer des Toten Meeres bildet. Es wird ganz selbständig verwaltet, unabhängig von der Konstantinopeler Zentralregierung. Nach Angaben der jetzt nach Jaffa gekommenen Juden sollen dort insgesamt etwa 5000 Juden wohnen, die sehr arm seien und von den arabischen Oberen unterdrückt würden. Zwei Monate vor ihrer Abreise, so erzählen sie, habe eine Versammlung von etwa 100 Juden stattgefunden, in der die Teilnehmer beschlossen hätten, das Land zu verlassen und nach Palästina zu übersiedeln Da sie absolut keine Mittel hatten, so wandten sie sich an den reichsten Juden der Gegend und baten ihn um Hilfe. Der Manu verkaufte sein ganzes Besitztum für etwa 30.000 Franken und zog mit den anderen zusammen nach Palästina. Alle Einwanderer sind gesunde und arbeitskräftige Leute, zum großen Teile Schmiede, zum Teil auch Ackerbauer. Sie hoffen, in den Kolonien oder in den Städten Arbeit zu finden und wollen, wenn es ihnen gelingt, festen Fuß zu fassen, die in der Wüstenstadt zurückgebliebenen Juden Nachkommen lassen. llermiredtrs. Frankfurt a. M , 10. Febr. Der außerordentlich starke Zuspruch, den die seit 11 Tagen für das kaufende Publikum geöffnete jüdische Brockensammlung „Peah findet, beweist am besten, daß ihre Errichtung einem wirklichen Bedü'.fniffe entsprang. Zn den Verkauf räumen — Allerpeiligcnstraßc 40, Seitenbau — finden sich an jed>m Wochentage von 10 — 12 Uhr zahlreiche Käufer ein. Als Berkäufer.nnen fungieren unter Leitung der Damen des Vorstandes Zrauen und Mädchen aus unseren ersten Familien, die sich ihrer schwierigen Aufgabe mit ebensoviel Eifer als Geschick entledigen. Die Preise find, dem oft schmalen Beutel der Käufer angcpaszt, so niedrig, daß keines unserer großen Warenhäuser auch nicht zu seinen Ausverkaufssätzen mit ihnen zu konkurrieren vermag. D^e befriedigten Mienen, mit denen tie Kunden der „Peah" die Geschäftsräume vcrlaffen, zeigen deutlich, daß das Prinzip der Brockensammlung, nichts herzuschenken, sondern alles zu verkaufen, wenn auch zu ganz minimalen Preisen, ein gesundes und richtiges ist. Wenn man ferner bedenkt, welch verhältnismäßig gr oßeZah I von j ü d i s ch e n H a n d w e r k e r n die „Peah" ständig in Nahrung setzt: Schneider, Schuft er, Schreiner, Tapezierer, Spengler usw., wenn man erwägt, daß sie mit Abholung und Sortierung des Materials eine ganze Anzahl Arbeitslose ständig beschäftigt, so ist es geradezu unfaßbar, wie man die Errichtung dieser Anstalt als überflüsstg oder gar als schädlich bezeichnen konnte! Leider kann die „Peah" in den am meisten verlangten Artikeln, in Kleidung und Wäsche, den an fie herantretenden Anforderungen noch nicht völlig gerecht werdenwettere Zuwendungen sind deshalb dringend erwünscht! Es bedarf ja nur eines Telephonrufes — Nr. 5070 — um schnelle Abholung herbeizuführen. Ferner würde es fich empfehlen, wenn in den größeren Plätzen in der Nähe Frankfurts, in denen fich weder '»?»» -noch Vim NÄrgerchik Mr sonstigen Verwertung gebrauchter Gegenstände geboten ist, Sammelstellen errichtet würden, von denen aus von Zeit zu Zeit Sendungen nach Frankfurt gehen könnten. Wir sind überzeugt, daß der Vorstand der „Peah" hierzu gern die Hand bieten wird. Berlin, 3. Februar. Aus Marrekesch teilt der dorlige Vertreter der Alliance, Herr S. Falcon unter den, 11. Januur mit, daß am vorigen Donnerstag ein armer Mischer Hausierer in der Kasb h von Soldaten auf grundlose Beschuldigung seitens eines Sklaven ohne jede Art prozeffualen Verfahrens fürchterlich mißhandelt und im Gefängnisse in Ketten gelegt wurde. Sofort begab sich Herr Falcon zum Großwefir und setzte ihn von dem Vorkommnis in Kennt is, worauf der Minister entrüstet über den Vorfall unverzüglich die Freilaffung des Juden veranlaßte. Be.lin. 8. Februar. Der Hülfsverein der deutschen Juden hat in Saloniki einen Kindergarten begründet, der, wie telegraphisch mittgeteilt wird, am 7. Februar, in Gegenwart der angesehensten Mitglieder der städtischen und jüdischen Gemeinde, des GroßrabbinerS und des Kindergartenkomitees feierlich eingeweiht worden ist. Der Kindergarten steht unter der Patronage des Herrn Großrabbiners Jakob Meir. Außer ihm gehören dem Komitee des Kindergartens die folgende Herren an: Jakob Kasis als Borfitzender, Redakteur Flo» r ent in als Sekretär, Leon Got inein, Schulleiter, Ra biner Boton und Salvador Gachon, Rechtsanwälte M. Chalfon und M. Cohn. Der Hülfsverein der deutschen Juden hat zwei, bisher an seinen Kindergärten in Jerusalem tätige Kindergärtnerinnen, die des Hebräischen mächtig find, nach Saloniki ent audt. In den Kindergarten, der aus drei Abteilungen bestehen soll, werden zunächst 150 Kinder ausgenommen. Paris, 7. Febr. Baron Edmund von Rothschid ist vor einigen Tagen glücklich einem Automobilunfall entkommen, der ernstere Folgen leicht hätte haben können. Er fuhr mit einem Freunde durch den Wald von Fontainebleau, als durch einen maschinellen Schaden das Automobil umfielder Baron und sein Freund fielen herau und der Wagen wurde zerttümmert. Glücklicherweise verlief der Unfall ohne allen Schaden für die Beteiligten. Qerein$wt$eit. Frankfurt a. M., 8. Febr. Am Sonntag, den 7- Feb uar hielt Herr Dr. Raphael Breuer in der dicht gefüllten Aula der Realschule der Israelitischen ReligionsgesellschafteinenBorttagüber „Die Geschichte einer Jugend". Es war die Geschichte der Jugend, die uns der glänzende Redner in schönen poetischen Worten erzähltedie Geschichte der modernen, vorwärtsdrängenden Jugend mit ihren Berirrungen.inneren Konflikten und Enttäuschungen meisterhaft dargestellt, die dazu angetan wäre, weitesten jüdischen Kreisen als Warnung und Mahnung zu dienen und ihnen den einzig richtigen W g zu zeigen, den der jüdische Bater einzuchlagen hätte, um sein Kind gesund am Körper und Geiste zu erhalten, den jedes das Elternhaus verlassende Kind betreten sollte und müßte, um trotz aller Verlockungen und Versuchungen die Reinheit seiner Seele, sein Lebensglück zu retten. Es ist nicht möglich, hier nur annähernd den reichen Inhalt des Vortrages wiederzugeben. Es war eine eindrucksvolle Rede, die sich den anderen rhetorischen und schriftstellerischen Leistungen des beliebten Redners würdig anreiht. Hannover, 9. Februar. Der Verein zur Beförderung des H mdwerks unter den Juden in der Provinz Hannover hielt am Mittwoch seine Generalversammlung ab. Aus dem für die Jahre 1906—1908 erstatteten Jahresbericht ersehen wir, daß der Mitgliederbestand Nch auf 299 beläuft. Die Führung und Haltung der Lehrlinge war durchweg zufriedenstellend, zum Teil gut. Die Gesellenprüfung wurde mit einer Ausnahme bestanden. Mehrfache Wünsche nach Unterstützung bei der Selbständigmachung als Meister wurden zunächst abhängig cemacht von der nach den Bestimmungen der Novelle zur Reichsgewerbeordnung jetzt dringend zu fordernden Meisterprüfung. Bei der Knappheit der dem Verein zur Verfügung netzenden Mittel, der ihn zu seinem Bedauern aus diesem so wichtigen Gebiete zur Untätigkeit zwingt, hat der Vorstand zur Befürwortung der Gesuche bei bester dotierten Stiftungen zu helfen sich bemüht, und namentlich bei der Alexa> der und Fanny Simonschen Stiftung ein sachverständiges Entgegenkommen in mehreren Fällen gefunden. Aus der Louis Ephraim-Stiftung stoffen dem Verein Zuwendungen von jährlich 100—150 Mark zu. Die Einnahme betrug während der 3 Jahre ins esamt 17162,. 1 Mk., am 31. Dezember 1908 war ein Kassenbestand von 2173,60 Mk. vorhanden. An Unterstützungen wurden verausgabt im Jahre 1905/06: 1361,40 Mark, insgesamt 3903,14 Mk. Emden, 7. Febr. Der Verein zur Unterstützung und Erziehung armer, verwaister Kinder „Esrath Jessomim" im Landrabbinat bezirk Emden versendet soeben seinen 20. Rechenschaftsbericht. Nach demselben ist das Waisenhaus fertiggestelltes ist dem einstimmigen

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