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Der Israelit · 1909-02-11 · Heft 6 (11.2.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 6 (11.2.1909)
Date
1909-02-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 6 Der Israelit. II. Februar 1909 ältesten Repräsentanten, Herrn Spediteur Schlestna,er; und des Vorsitzenden Herrn Geh. Rat Freund, wurden als stellvertretender Vorsitzender Herr Justizrat Ollendorff gewählt Die Versammlung erklärte sich darauf mit der Annahme von 4 Legaten einverstanden. Die Versammlung nahm bei dieser Gelegenheit auf Anregung des Herrn Armendirektors Herm. Landsberg nach kurzer Debatte eine Resolution an, an den Vorn and das Ersuchen zu richten, in Erwägung zu ziehen, ob es sich nicht empfehle, eine anderweitige Verteilung der Legate vorzunehmen derart, daß die Ueberschüsse nicht ausschließlich der allgemeinen Verwaltung für Armenzwecke zufallen, sondern in Form von Legatzinsen zur Verteilung gelangen. Nach Bewilligung einiger Subventionen und nachdem noch ein Legat des Rentier Gottschalk Gustav Warschauer Gegenstand einer längerer Debatte gebildet hatte, wurde noch beschlossen, einige Bauausführungen auf Antrag der Baupolizeiverwaltung bei der alten und neuen Synagoge im Interesse der Feuer-Sicherheit vorzunehmen. Oesterreich. Lemberg, 3. Febr. Die polnischen Hausbesitzer Lembergs am N ariacki- und Malickiplatz und den umliegenden Gassen haben beschlossen, jüdischen Kaufleuten in diesem Viertel keine Geschäftslokolitäten zu vermieten. Es verlautet, daß der Minister a. D. und Führer der christlichsozialen Partei Dr. Geßmann eine Reise nach der Hauptstadt Galiziens zu unternehmen gedenkt. Wenn nicht alle Auzeichen trügen — die Entstehung der polnischen christlich-sozialen Partei in Krakau, das unverblümte Antisemiteln der Stapinskischen Volkspartei und des neugebildeten polnischen Volksbundes, schließlich die „schärfste Tonart" der Nationaldemotraten — so wird dem antisemitischen Chef der Wiener Rathausr'.tld Reichspartei in Lemberg ein warmer Empfang sicher sein. Ungarn. Eisen st adt, 7. Februar. Die Gemeinde Eisenftadt und mit ihr das ganze orthodoxe Judentum in Ungarn ist in höchste Trauer und Bestürzung versetzt durch das Hinscheiden des weitbekannten und als pnatl ptc verehrten Oberrabbiners Rabbi Schalem Kutna y^. Wir müssen uns eine eingehende Würdigung des Verstorbenen für eine spätere Nummer Vorbehalten. Bemerkt fei aber jetzt nur, daß mit dem Heimgang dieses Großen das ganze thoratreue Judentum einen unersetzlichen Verlust erleidet. Als Schüler von S. R. Hirsch b'XT in Nikolsburg, als welcher er sich immer stolz bezeichnete uno als Nachfolger von E s r i e l Hildesheimer seit einem Menschenalter in der altehrwürdigen Gemeinde Eisenstadt wirkend, ließ er als Mann von nöam min zugleich sein Licht auch w-.it über den Kreis seiner Wirksamkeit hinaus erstrahlen. Seine bekannten und in Rabbinerkreisen verbreiteten Werke sind u. a. nnir min und mtap. Von einem Verwandten des Verstorbenen in Tirnau geht uns ein Schreiben zu, das einen letztwilligen Wunsch des Verewigten enthält. Wir veröffentlichen hiermit den hebräischen Wortlaut des darauf bezüglichen Briefes, in der Ueberzeugung, daß die vielen Schüler des großen Meisters, überall, wo sie auf diese Weise von seinem Wunsche Kenntnis erhalten, ihn auch ehren und erfüllen werden. ni^b iw tids "|S -1D1K mri“ n*n invi naivv Mv 'm - p’ski ^ki - wj ♦p“mn3i 'n wa lSnu ’:a ^ai "na 'bv D’npvi cn’öbnnw ‘ikö nsoia nrbv hSkd ^ai nn«i •■no«?: iS^am nnKi ♦D’jfcaia onan or cwi nw ’nwi 'v' *pir 'n - kix& nvb ainan ’anp tffl irnm /notr: nx iar ''vnbrw ’aiarw - “n"pa *7126 dk ’a n?o SSa naT «bi tidS ntn Urrstianv. P Cu Gebea,e.Ei.cb btt Beratungen über den Terrorismus in der Duma hat kürzlich der bekannte Abgeordnete der Partei der Volksfreiheit (sogen. „Kadetten") Roditschew, eine Rede gehalten, die außerordentlich wohltuend absticht von der Art, in der früher die Kadetten die Jugendfrage in der Duma zu behandeln pflegten. Von der Rechten des Hauses war natürlich bei dieser Gelegenheit auf Kadetten, Revolutionäre und Juden weidlich geschimpft worden, und namentlich den Juden wurde die Hauptschuld an dem Entstehen und Umsichgreifen des revolutionären Terrorismus zugeschrieben. Dagegen wendet sich nun Roditschews Rede, in der er u. a. folgendes sagte: „Man macht uns darauf aufmerksam, daß das Zentrum des Terrors die jüdische Agitation sei, und daß alle Revolutionäre und Terroristen Juden seien oder von Juden abstammten. Meine Herren! Es ist eine Unwahrheit! Aber wenn dem so wäre, Sie hätten kein Recht, sich darüber zu wundern! Denn solange die Rechtslosigkeit und die Verfolgung der jetzt unterdrückten Bevölkerungen des Reiches andauern wird, solange werden sie auch den Terror nicht abschaffen können. Wenn Sie den politischen Morden ein Ende machen wollen, so gibt es nur ein einziges Mittel, daß Sie nämlich Gerechtigkeit üben. Verletzen Sie nicht fortwährend das Rechtsbewußtsein eines bedeutenden Teiles der Bevölkerung." Auf einen Zwischenruf hin fuhr Roditschew mit erhobener Stimme fort: „Jawohl, meine Herren, wir sind hier erschienen, um die Gleichberechtigung der Juden zu erkämpfen! Machen Sie der fortgesetzten Ungerechtigkeit ein Ende, und Sie werden solche gesellschaftliche Bedingungen schaffen, unter denen politische Attentate als Maffenerscheinung unmöglich sein werden. Für Rußland ist die Frage ber Gleichberechtigung eine Grundfrage, und ohne diese Frage gelöst zu haben, werden Sie kein neues Rußland - rleben! Nur mit der schleunigen Beendigung des alten Systems können Sie jene Stunde herbeiführen, in der Rußland eine neue Epoche des Fortschritts und des Friedens beginnen wird." Wenn diese Rede wirklich bedeutet, daß die Kadetten von ihrer bisherigen lauen Taktik in der Judenfrage, gegen die der jüdische Abgeordnete Nisselowitsch mit großem Mure seit langem ankämpfle, abgehen wollen, so wäre sie schon darum erfreulich, a ich wenn man nicht glaubt, daß dadurch etwas an der tatsächlichen Lage der Juden in Rußland gleich geändert wird. M 0 s k a u, 1. Februar. Hier fand vorige Woche unter Beteiligung von Mitgliedern des Petersburger Komitees eine Versammlung der Partei der konstitutionellen Demokraten statt, die sich ausschließlich mit der Taktik der Kadetten in der Judenfrage beschäftigte. Dr. Tschlenow und Winawer übten scharfe Kritik an dem passiven, indifferenten Verhalten der Kadetten in der jüdischen Frage/ sie wiesen auf die Versprechungen hin, die die Partei ihren jüdischen Wählern gemacht und die sie fast gänzlich unerfüllt gelassen hat. Alle anwesenden Komiteemitglieder erkannten einstimmig die Berechtigung der ihnen von jüdischer Seite gemachten Vorwürfe an und faßten nach erregten Debatten den Beschluß, ihre Taktik in der Judenfrage einer radikalen Aenderung zu unterziehen. In Zukunft soll auch nicht ein einziger judenseindlicher Ausfall der äußersten Rechten unerwidert bleiben, und bei der nochmaligen Erörterung der Interpellation trugen des Zirkulares des Ministers Stolypin soll von Seiten der Kadetten Maklakow sprechen, den Dr. Tschlenow mit dem entsprechenden Material versehen wird. Wilna 3. Februar. In Homel hielt der Vorsitzende des dortigen „Vereins der echten Russen" eine Rede, die hauptsächlich darin gipfelte, daß alle bis jetzt zur Ausrottung der Juden gebrauchten Mittel sich als unwirksam erwiesen hätten/ auch die Niedermetzelungen durch die Pogrome hätten nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Es gebe daher nur einen Weg, den verhaßten Juden beizukommen, nämlich, sie auf wirtschaftlichem Gebiete zu "betantpren und unschädlich zu machen. Daher verfolge auch der Homeler Verein keine politischen, sondern ausschließlich ökonomische Ziele. Daß jedoch der Verband auch den politischen Kampf nicht verschmäht, geht aus der Rührigkeit hervor, mit der er in ^i^§f unter der Äe^ ide des famosen Schmidt für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen agitiert. England. London, 7. Februar. Die Diskussion über die Sonntagsruhe nimmt immer noch einen relativ breiten Raum in der Tagespresse ein. Neuerdings hat in der „Daily News" ein angesehener Mitarbeiter des Blattes Beschwerde darüber erhoben, daß im East-End nicht nur solche Juden, die ihren Sabbath halten, sondern auch Christen und vermögende neologe Juden den Sonntag zur Ausübung ihres Geschäftes benutzten und auf diese Weise mit einer siebentägigen Arbeitszeit den religionstreuen Juden und religionstreuen Christen eine unlautere Konkurrenz bereiteten. Die englisch-jüdische Presse stimmt diesem Vorwurf vollkommen zu und stellt sich mit Recht auf den Standpunkt, daß die Sonntagsarbeit ausschließlich den Juden zngestanden werden dürste, die gewissenhaft an der Sabbathruhe festhalten. -7- # -i- Einiges Aufsehen machen die Vorgänge aus der Zionistischen Jahreskonferenz in Sheffield. In der Diskussion wurden lebhafte Anklagen gegen die Leitung der Federation erhoben, die es an der nötigen Rührigkeit gebrechen ließe. In den darauf folgenden Wahlen wurde neben dem bisherigen Vorsitzenden, Dr. Gaster, sein .Hauptantipode, L. I. Greenb e r g, gewählt. Das veranlaßte Dr. Gaster zu der Erklärung, er verweigere die Annahme der Wahl, da er sich wegen der Verschiedenheit der politischen Grundsätze ein ersprießliches Zusammenarbeiten mit Greenberg nicht vorzustellen vermöge. Letzterer - hat jetzt den Ehrenpräsidenten der zionistischen Partei in England, Francis Montefiore, aufgefordert, eine Sitzung der um gewählten Leitung einzuberufen, und womöglich einen Ausgleich unter den widerstrebenden Elementen herbeizuführen. JUtmiiitie«. Rumänische üugenäerjiehung. I a s s y, 1. Februar. Die traurigen politischen Zustände in „unserem Vaterlande" kommen namentlich denjenigen Eltern zum Bewußtsein, die den Wunsch hegen, ihre Kinder zu echten Jehudim zu erziehen und sie dabei doch durch höhere Bildung zur Ausübung eines Berufes zu befähigen. Diese Eltern befinden sich in einer verzweifelten Lage. Wenn sie die Mittel nicht haben, die Ausbildung auf privatem Wege zu bewirken, so sehen sie sich auf die öffentlichen Schulen angewiesen, und dort kann von einem Dispens vom Schreiben am Sabbath in keinem Falle die Rede sein! Hat ein Kind aber einmal im Jugendalter mit diesem Grundgesetze des Judentums gebrochen, so besteht kaum irgendwelche Aussicht, es nach Verlassen der Schule dem gewissenhaften jüdischen Lebenswandel wieder zurückzugewinnen. Viele Eltern würden sich gern entschließen, ihre Kinder zur Ausbildung nach Deutschland zu schicken, wenn dies ohne Aufwand von großen Kosten sich ermöglichen ließe. Wenn sich an einem kleineren Orte Deutschlands mit guten höheren Schulen ein frommer jüdischer Lehrer entschließen könnte, einige rumänische Knaben in Pension zu nehmen (zu einem Pensionspreis von etwa 5—600 Mk.) so würde er nicht nur sich einen kleinen Verdienst sichern, sondern gleichzeitig ein Werk ausüben, das für die Besserung der hiesigen Zustände von größter Be- < deutung werden könnte. Jeder jüdische Knabe,

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