Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1909)
- Date
- 1909-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'vc*- '\'J* -' i. V, »'«V-V- Vc^l. .* •r^f*. ->. j,-: " ■' 1U Mru«r LsM ■■• ' ' ' ' ' ' / "' - ' einzelnen Forschers zu den metaphysischen und religiösen Problemen als Phantasie verworfen oder als Dogma geglaubt. Zu denen, die mit bemerkenswerter, leider seltener Vorurteilslosigkeit innerhalb des naturwissenschaftlichen Lagers den wirklichen Wahrheitsgehalt der Entwicklungslehre zu würdigen wissen, gehört der an dieser Stelle wiederholt genannte Kieler Botaniker Prof. Joh. Reinke. Wir glauben uns daher den Dank unserer Leser zu verdienen, wenn wir den hundertsten Geburtstag Darwins zum Anlaß nehmen, um an anderer Stelle aus einem größeren Aufsatz, den Reinke im letzten Heft der Zeitschrift „Nord und Süd" veröffentlicht hat, einige Bruchstücke wiederzugeben. Wer nur einmal Reinkes ruhige leidenschaftslose Art mit den Auseinandersetzungen eines Haeckel, des greisen Hohepriesters der Darwinistischen Dogmatik verglichen hat, der weiß, auf wessen Seite die Wahrheit wohnt. Reinkes Endergebnis ist — soweit die letzten Fragen in Betracht kommen — in dem vorliegenden Aufsatz ein bescheidenes: „Ich weiß nicht". Wer aber seine größeren Werke studiert, der wird zu der Ueberzeuguua gelangen, daß die naturwissenschaftliche Hypothese in der Hand des ehrlichen Forschers über sich selbst hinausweist, und daß sie das suchende, ringende Menschengemüt sehr wohl zur fernen Ahnung des Weltenschöpfers zu leiten vermag, der in seinem Thoraworte in leuchtender Klarheit sich offenbart hat. Vom jilöifchen Religionsunterricht in Preußen. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" führt ein pommer'scher Lehrer bittere Klage über die Bedingungen, unter denen die Verteilung der Subventionen aus dem Preußischen 40.000 Mark-Fonds vorgenommen wird. Der Verfasser des Artikels setzt ausführlich auseinander, daß die Zuschüffe nur Gemeinden mit 12 Volksschulkindern zugute kommen, während gerade die kleineren Gemeinden leer ausgehen, sodaß die Wohltaten des Fonds, an den man überschwängliche Hoffnungen geknüpft habe, illusorisch seien. „Keine kompetente jüdische Vereinigung", so meint der Verfasser, habe die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß gerade die kleinsten Gemeinden am meisten unterstützungsbedürftig sind, während die großen Gemeinden nicht zu den leistungsschwachen zu gehören pflegen. Daß ferner bei der Zählung der Kinder nur diejenigen in Betracht kommen, welche Volksschulen besuchen, nicht aber die Schüler höherer Ohne den Blick von dem Vetter abzuwenden, verließ Rees die Stube, ging aber nicht zu der vermeintlichen Wöchnerin, sondern zu Awromchens. Sie berichtete den erschrocken zuyörenden Eheleuten, daß Herzleib unerwartet angerommen und zweifellos übergeschnappt sei. Wahrscheinlich sei er in seiner Geistesvcrwirrurrg ohne Wissen der Seinen hierhergekommen und man müsse sofort einen Schliach abschicken, der die Botschaft in seinen Wohnort bringe und zugleich das traurige Schicksal, das Herzleib betroffen, der Familie schonend mitteile. Außerdem schickte Awromchen seine Kinder im .Dorfe umher zu den übrigen Juden, die Männer sollten .sofort kommen, da der .Herzleib meschugge geworden und zu seiner Cousine gekommen sei. (Fortsetzung folgt.) Berliner Plaudereien. n. Wenn an einem schönen Sabbatmorgen etwa drei Prozent der Berliner Juden in eine ihrer großen Prunksynagogen wandern — bei schlechtem Wetter bleibt inan zu Hause —, denken nur wenige von ihnen darüber nach, welchen Arbeitsaufwand die Instandhaltung des Andachtsbetriebs erfordert. Der Kantor kommt dabei 'noch am leichtesten weg. Einmal mit dem gesanglich-technischen, oder technisch-gesanglichen Teil der ihm zufallenden Partie vertraut, braucht er Zeit seines Lebens ilichts mehr nennenswertes hinzuzülernen. Das hat sehr viele Vorteile für den Orgelkantor. Der ganze Mechanismus des gesanglichen Teiles, der von der Orgel ausgeht, und der ihn, den Kantor, zu ihrem tönenden Automaten macht, enthebt ihn des individuellen Studiums. Kennt er einmal seinen Lewandowski halbwegs auswendig, dann hat , Der JSraAtt. Lehranstalten, führt der Bersaffer aus die falsche Vorstellung zurück, daß man aus dem Besuche der höheren Schulen durch jüdische Kinder auf eine besondere Leistungsfähigkeit der betreffenden Gemeinden schließe. Da die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" an diesen Aufsatz keinerlei Bemerkungen knüpft, so erwächst der übrigen jüdischen Presse die Pflicht, die zum großen Teil irrigen Vorstellungen, von denen der Verfasser ausgeht, zu berichtigen. Gewiß ist es im höchsten Grade bedauerlich, daß aus dem Resolutionsfonds die vielen Hunderte von Zwerggemeinden mit einer Schülerzahl von 3—11 Kindern nicht den geringsten Nutzen ziehen sollen/ falsch jedoch ist es, wenn der Verfasser daraus Anklagen gegen die Regierung und gegen die jüdischen Verbände schmiedet. Bor allem sei festgestellt, daß schon im frühesten Stadium der Verhandlungen, im Dezember 1907, die „Freie Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums" ausführlich motivierte Eingaben an das Kultusministerium sowohl wie auch an das nur indirekt beteiligte Ministerium des Innern gerichtet hat, in denen in eindringlichen Worten auf die Tatsache hingewiesen war, daß durch die Statuierung einer Mindestzahl von 12 Kindern der Fonds gerade dann versage, wenn seine Wohltat am dringendsten notwendig sei. Mit diesen Eingaben gingen wiederholt persönliche Verhandlungen Hand in Hand. Es wurde dann weiter, wie dem Verfasser des Artikels eigentlich bekannt sein dürfte, von seiten der gleichen Körperschaft eine ausführliche Statistik ausgearbeitet, einzig und allein um nachzuweisen, daß die erdrückende Mehrzahl der jüdischen Volksschulkinder in Gruppen von weniger als 12 vereinigt sei, daß also die Festhaltung dieser Mindestzahl, die bei den christlichen Konfessionen keine Härte in sich berge, gegenüber der jüdischen Diaspora im höchsten Grade unbillig erscheine. Sämtliche Parteien des Abgeordnetenhauses haben auf Grund dieses Nachweises die Regierung ersucht, die Forderung einer Mindestzahl von 12 Kindern fallen zu lassen. Wenn alle diese Bemühungen erfolglos waren, wenn die Regierung — von ihrem Standpunkte aus begreiflicher Weise — zunächst daran festhält, daß sie von der allgemein geltenden Vorschrift, Subventionen nur bei einer Mindestzahl-von 12 Kindern zu geben, nicht zu Gunsten der Juden eine Ausnahme machen könne, so darf es doch nicht unwidersprochen bleiben, wenn vor der Oeffentlichkeit die Sache so dargesiellt wird, als ob berufene Vertretungskörper der preußischen Judenheit in dieser Sache pflichtvergessen oder gedankenlos vorgegangen seien. Daß Kinder, welche höhere Schulen besuchen, I er den Besten seiner Zeit genug getan: er kann dann aus seinen Lorbeeren und Einkünften ausruhen. Er ist ja auch nicht, wie in anderen Synagogen, wo Orgel und Chor nicht den Hauptbestandteil des Gottesdienstes bilden, wo die ganze Persönlichkeit des „Chasan", gewissermaßen sein Gemütsleben und musikalisches Können und Empfinden der ganzen Genreinde übertragen werden sollen, eine Hauptperson. Diese Hauptperson, falls nicht der Rabbiner der Orgelsynagoge mit in Konkurrenz tritt, ist der — — — Organist. Wenigstens momentan in Berlin: und wetin nicht augenblicklich in der Synagoge, so doch in der Genleindestube. Ja, der jüdische O r g a n i st ist es, der den ehrwürdigen Häuptern der größten Judengemeinde Deutschlands recht viel Kopfzerbrechen macht. Und das eigne, durch Bestallung jüdischer Organisten veranlaßte Vorstands- und Repräsentantenkopfweh wollen diese Herren brüderlich mit den in ihrem Sold stehenden Rabbinern teilen. Nachdem nun einmal von einem der Herren Vorsteher resp. Repräsentanten der Antrag eingebracht worden, von jetzt ab, keine christlichen Organisten mehr an Schabbos und Jomtof, sondern nur jüdische Organisten in den Berliner Orgelsynagogen zu beschäftigen und die Gemeinderabbiner angewiesen worden sind, ihr Gutachten hierzu zu äußern — es mag dies der Form halber geschahen sein, vielleicht auch aus Höflichkeit — ist die Kopfweh verursachende Angelegenheit zum Teil auch auf die Rabbiner übertragen. Mit Ausnahme eines einzigen, dessen religiöse Gesinnung den radikal neologen und liberalen Borstebern schon manchesmal Unbehagen bereitet hat, zumal dieser einzige seinen Standpunkt sehr nachdrücklich zu oetonen pflegt, — „sich nicht forcht" — dürfte die Frage, ob «v. 6 Sette 8 bei der Berechnung nicht mit in Betracht kommen, ist eine natürliche Folgs davon, daß ein Volksfchulgesetz sich natürlich nur auf Volksschulen beziehen kann. In dieser Hinsicht sind die Deduktionen des Verfassers also ebenfalls falsch. In einem Punkte allerdings, den der Verfasser jedoch nicht erwähnt, scheint uns die Handhabung der Subventions-Verteilung nicht ganz den wohlwollenden Erklärungen zu entsprechen, welche der Ministerialdirektor anfangs 1908 gegeben hat. Es wurde damals eine möglichst liberale und weitgehende Auslegung der Bestimmung zugesagt. Damit ist aber nicht in Einklang zu bringen, daß die Regierung jetzt die Subvention n u r dann gewähren will, wenn die aus verschiedenen Gemeinden stammenden 12 Kinder zu einer Unterrichtsstation örtlich vereinigt sind, nicht aber, wenn ein und derselbe von der Synagogengemeinde bestellte Lehrer 12 Kinder als Wanderlehrer an verschiedenen Orten unterrichtet. An diesem Punkte sollten unseres Erachtens erneute Bemühungen etnsetzen. Denn es würde für die Regierung kaum irgend welche Konsequenzen haben, wenn sie einen einheitlichen Nnterrichtskörper von 12 Kindern auch dort als gegeben erachtete, wo diese Einheit nicht durch den Ort des Unterrichtes, sondern durch die Persönlichkeit des Lehrers hergestellt wird. Diese letztere Interpretation würde aber Hunderten von Gemeinden den Anspruch auf Staatsbeihülfe gewähren, die sie am allernötigsten ■M haben. _ ' 5 Im übrigen geben wir die Hoffnung nicht | auf, daß es wiederholten Bemühungen doch eines Tages gelingen wird, nicht nur eine Erhöhung des I Fonds durchzufetzen, sondern auch vielleicht eine A allgemeine Herabsetzung der Minimalzahl. | Die schroarj-rofe Excellen;. Die russische Polizei, die man bislang nur als Hort der Reaktion und der Willkür kannte, hat sich sonderbarerweise jetzt auch als Beschützerin der Revolution entpuppt. In Petersburg wurde dieser Tage der „um sein Vaterland so verdiente" O Herpolizeidirektor Lopuchtn verhaftet, unter der Beschuldigung, mit den Revolutionären gemeinsame Sache gemacht zu haben und in Gemeinschaft mit seinem jetzt von ihm verratenen Komplizen, dem Lockspitzel Azew Jahre hindurch ein gefährliches Doppelspiel getrieben zu haben, dem keine geringeren als Pl eh w e, der Großfürst Sergius u. v. m. zum Opfer gefallen sind. Ein recht anmutiges Bild und echt russisch! Der als Seele der terroristischen Bewegung bekannte und gefürchtete Azew, ein Geheimpolizist und der erste Polizeibeamte im Lande, der über Zucht und Ordnung zu wachen ■«tl ■r man einen jüdischen Musiker am Schabbos Orgel und Harmonium in der Synagoge spielen lassen darf, keine rabbinische Opposition Hervorrufen. Und dennoch — das sei für die musikalisch-technisch nicht unterrichteten Rabbiner hier erwähnt, — ist die Frage nicht so einfach. So muß z. B. bei der Keduscha der Organist, „entgegen der Synagogenordnung", sitzen bleiben und wo statt der Orgel ein Harmonium in Betrieb erhalten werden muß, hat der Organist fast ebenso viel Arbeit mit den Füßen wie mit den Händen. Ta kann doch Herr M. nicht behaupten wollen, wo die Andacht per Harmonium betrieben wird, daß das Gefühl der Arbeitsleistung bei anstrengender Luftzufuhr per peäes, eine sabbatentweihende Arbeit sei. Ich für meinen. Teil empfinde in jeder Synagoge, obgleich selber von Kindesbeinen an musikalisch erzogen, Orgel und Harmonium als Ruhestörung. Ter Gedanke» wieviel Wind gemacht werden muß, bevor ein so großes Instrument wie eine Orgel oder ein Harmonium zum Tönevonsichgeben veranlaßt wird, stört an sich schon unser Gefühl. Wenn aber Herr M., der den jüdischen Organisten so gewogen ist, auch logisch sein will, dann.muß er auch mit den zahlreichen christlichen Choristen und unter diesen wieder mit den Solisten aufräumen und an deren Stelle jüdische Sänger und Sängerinnen anstellen. Allerdings berührt uns, die konservativen Elemente der hiesigen jüdischen Gemeinde, diese Angelegenheit in keiner Weise. Trotzdem soll, soweit christliche und jüdische „Arbeitskräfte", und die „rabbinische Entscheidung" in dieser Angelegenheit in Betracht kommen, vor dem Forum der ganzen übrigen, jüdischen Welt einmal wieder dargelegt werden, wie der jüdische Liberalismus immer weiter „fortschreitet", und auch nicht davor zurückschreckt, die Sabbatentweihung in seine Synagogen hineinzutragen, sie zu;J «! .Hl! et; 1 1 f-rtrm