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Der Israelit · 1909-02-04 · Heft 5 (4.2.1909) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 5 (4.2.1909)
Date
1909-02-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Sette 13. 4. Februar 1909. Der Israelit. Nr. 5. Protokoll der III. Gtueralomammlung dt$ Bundes gtsmtstrtuer itd. Cebrer Dtatscblands rn franftfurt a. M ) Hierauf erteilte der Vorsitzende Herrn Seminarlehrer Elias G u t-Cöln das Wort zu seinem großangelegten Referate: „Die Fortbildung des jüd ischen Lehrers in den Religionswissenschaften unter Berücksichtigung der in den einzelnen Kursen gemachten Erfahrungen." Der Referent zeigte sich als rechter Meister in der Beschränkung, indem er sich streng innerhalb des Rahmens, der ihm gestellten Aufgabe hielt. Der Bund hatte sich ja gleich vom Anfang an dafür entschieden, daß die Fortbildung des jüdischen Lehrers nach zwei Richtungen hin in Angriff genommen werden müsse, erstens in den Fortbildungskursen, den D’niytp und zweitens in den Ferienkursen an einer jüdischen Hochschule. Für die erstere Art lagen bereits reiche Erfahrungen vor und es galt nun, auf Grund derselben ein Programm zu entwerfen oder vielmehr Richtlinien anzugeben und leitende Gesichtspunkte aufzustellen, um den Betrieb der einzelnen Kurse zu vereinheitlichen, zu regeln und zu ordnen. Dafür war niemand geeigneter als Herr Gut und er löste seine Aufgabe in einer ebenso sachlichen als gediegenen Weise, ohne alle Prätension, aber mit dem steten Ausblick auf die Hochziele des gesetzestreuen Judentums. Seine Ausführungen fanden deshalb auch ungeteilten Beifall. Nur in einem Punkte trat die Versammlung seinen Ausführungen nicht bei, nämlich inbezug auf den zu ve - leihenden -cn Titel, schon aus dem von dem Korreferenten geltend gemachten Grunde: die Verleihung des genannten Ehrentitels sollte das ungeschmälerte Recht des zuständigen Rabbiners bleiben. Da der Bortrag in diesen Blättern erscheinen soll, so kann hier von einer eingehenden Skizzierung Abstand genommen werden. Der Korreferent, Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn, Ansbach, stimmte in seinem schönen Vortrage mit den Ausführungen des Referenten überein, doch stellte er einige Abänderungs- und Zusatzanträge zu seinen Thesen auf. Nur in einem wesentlichen Punkte ergänzte und berichtigte er den Referenten in einer sehr glücklichen und geistreichen Weise. Der Letztere hatte, wohl im Hinblick auf das bekannte Gutmann'sche Expose, zu der Frage Stellung genommen, ob der jüdische Lehrer die Werke christlicher Bibelkritiker studieren solle und hitte sie im verneinenden Sinne beantwortet. Herr Dr. Kohn meinte nun unter dem lebhaften Beifall der Anwesenden, der jüdische Lehrer brauche dem Studium jener Werke keineswegs ängstlich aus dem Wege zu gehen, wohl aber dürfe er, entsprechend der Auffassung unserer Weisen s. A. erst dann an dasselbe herantreten, wenn er zuvor die jüdischen Quellen gründlich erforscht habe. Dann werde er sich davon überzeugen können, daß unsere großen Kommentatoren an all jenen Fragen, die von den christlichen Forschern aufgeworfen werden, auch nicht achtlos vorübergegangen sind. Jene haben sie aber mit tiefgründiger NL2N beantwortet, während sie jetzt mit NQL1N gelöst werden. Nachdem der Vorsitzende den beiden Herren den Dank der Versammlung ausgesprochen, ergreift Herr Rabbiner Dr. Breuer das Wort zu einer kurzen Ansprache. Er dankt dem Herren Referenten, daß er in seinen Thesen unter Weiterbildung auf religionswissenschaftlichem Gebiete vor allem die Pflege des Thorastudiums verstehe und hält es für wünschenswert, daß jedem Lehramtskandidaten nach Absolvierung des Seminars Gelegenheit geboten werde, ein oder zwei Jahre die Jeschiboh zu besuchen. Herr Jacob Rosen heim begrüßt die Versammlung im Namen der Freien Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums, die in den vergangenen Jahren stets Schulter an Schulter mit dem Bunde gearbeitet habe. Er freut sich, daß das Zusammentagen beider Körperschaften auch äußerlich ihre Solidarität zum Ausdruck bringt. Als Mitglied beY Verwaltung der Synagogengemeinde der Israel. -Religionsgesellfchaft überbringt er deren Grüße und lädt in ihrem Namen die Teilnehmer zu einem gemeinschaft lichen Mittagsmahle ein. Die Verhandlungen n erden auf 2 Stunden unterbrochen/ wohl mehr als 100 Kollegen vereinigen sich zur fröhlichen Tafelrunde, wo bald die animierteste Stimmunc herrscht. Den Reigen der Tischreden eröffnet der Vorsitzende mit einem Toast auf die Mitglieder/ ihm dankt Herr Oberlehrer Dr. Rotschild- Halberstadt. In geistreicher Rede feiert Herr Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt, die Ziele des Bundes, Herr H uptlehrer Wolf, Aurich den Vorstand der Religionsgesellfchaft. Mit besonderer Genugtuung begrüßt Herr Lehrer Hirschberg, Frankfurt a. M., die Begeisterung, die hier und in den Verhandlungen zum Ausdruck gekommen/ er bittet aber jeden einzelnen, sich nicht zu begnügen^ in die allgemeine Begeisterung einzustimmen, sondern auch zu Hause, im Kreise von Freunden und Bekannten, die Flamme der Begeisterung für unsere Sache zu entfachen/ haben wir doch erst vorige Woche von N212N U gelernt: 1N'22 ■mrfc pTüti bv rinn XN' aix s'x. Sein Toast gilt dem unerschrockenen, verdienstvollen Seminarlehrer Gut. Nachdem Herr Ober kantor P e s a ch o w i t s ch die Tischgesellschaft durch den herrlichen Vortrag eines Psalms erfreute, stimmte man das Tischgebet an und begab sich wieder zur ernsten Arbeit, zur Beratung der Thesen. Die Diskussion war eine überaus rege/ es beteiligten sich die Herren Rabb. Dr. Cohn, Dr. Weinberg, Dr. Mannes, Dr. Auerbach, der Vorsitzende, die Herren Lehrer Bendix, Ehrmanu, Lebermann, Mayer und viele andere. Zur redaktionellen Ausarbeitung wurden die Thesen einer Kommission übergeben. Zum Schluffe wurden drei Anträge zur Abstimmung gebracht, die alle einstimmig angenommen wurden. Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Lange: Nach § 8 der Satzungen findet alle 4 Jahre eine neue Vorstandswahl statt. Da beim Ausscheiden sämtlicher Vorstandsmitglieder große Schwierigkeiten in der Verwaltung entstünde ', so beantrage ich, daß die Hälfte der alten Vorstandsmitglieder im Amt verbleibe. Herr Hirschberg-Frankfurt wünscht folgenden Zusatz zu § 13 der Satzungen: Der Beitrag ordentlicher Mitglieder, die auf Inanspruchnahme der Pensionskasse Verzicht leisten, beträgt 2 Mk. pro Jahr. Herr Meyer, C öln beantragt. Da für die Weiterentwickelung des Bundes die Gründung von Zweigvereinen im ganz n deutschen Reiche von größter Wichtigkeit ist, so möge die Generalversammlung eine Kommission ernennen, w.lche nur für die Weiterorganisation des Bundes und die Gründung von Zweigvereinen Sorge zu tragen hat. Der letzte Punkt der Tagesordnung, „Vor standswahl," wurde schnell erledigt/ sämtliche Vorstandsmitglieder wurden per Akklamation wiedergewählt. Nachdem Herr Mayer, Karlsruhe dem Vorsitzenden für seine unparteiische, umsichtige Leitung der Verhandlungen den Dank der Versammlung ausgesprochen, wurde der Bundestag um 6V* Uhr geschlossen. Die Firmen I. Kauffmann, Frankfurt a. M. und M. Lehrberger & C o. - Rödelheim haben 42 Schulbücher zur freien Verfügung unserer BundecMitglieder ausgestellt/ für die freundliche Ueberlassung derselben sagen wir auch an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank. Die Protokollführer: Lehrer A. Hirschberg, Dr. I. Kaufmann, Frankfurt a. M. Parität? Bor ungefähr 21/* Jahren hatte das jüdische Seminar in Münster mit einem verhältnismäßig kleinen Defizit — es handelte sich nt. W. um ca. 4000 Mk — zu rümpfen. Da erschien in den „Blättern f. Erz. u. U." an leitender Stelle aus der Feder ihres Redakteurs ein Artikel, in dem das Lob der genannten Anstalt in allen Tonarten gesungen und alle Welt zur tatkräftigen Unterstützung aufgefordert wurde. Diese warme Empfehlung einer Lehrerbildungsanstalt, die bisher — ob mit Recht oder Unrecht will ich dahingestellt sein lassen — als Pflegestätte einer neologen Gesinnung gegolten hatte, war sicher nicht nach dem Geschmacke der gesetzestreuen Mitglieder des Verbandes, aber man schwieg. Vielleicht fand man cs sehr natürlich, daß der Leiter des Verbandsorgans für diejenige Anstalt eintrat, der er in religiöser Beziehung nahe steht. Nur der Direktor des belobigten Seminars meldete sich zum Wort. Der Artikel sei ganz unnötig gewesen, meinte er. Bon einer Notlage könne absolut keine Rede sein. Die benötigte Summe sei schon aufgebracht. Die diversen Uebertreibungen in einem Aufruf rührten nicht von ihm her. Im übrigen sei das von ihm geleitete Seminar sehr gut fundiert. Die Ablehnung war deutlich. N ich 2 Jahren gerät das Seminar in Cöln in ernste finanzielle Schwierigkeiten, denn die Rechnung pro 1906/07 weist einen Fehlbetrag von ca. 15000 Mk. auf, hervorgerufen durch Anfügung eines vierten Seminarkurscs, durch Errichtung einer Seminarübungsschule u. s. w., Einrichtungen, die im Interesse einer gedeihlichen Fortentwicklung des Seminars unbedingt erforderlich waren. Dazu kommt, daß der Reseroefond der Anstalt verhältnismäßig recht gering ist. Da sie sich nun weder auf eine wohl fundierte Stiftung, noch auf eine Großgemeinde, noch auf ein reiches Hinterland, wie etwa die Gemeinden des westfälischen Grubengebiets, stützen kann, so ist es begreiflich, daß alle Freunde des Cölner Seminars aufs wärmste für dasselbe eintreten und daß vor allem die Mitglieder des Kuratoriums nach Erschließung neuer Geldquellen Umschau halten. Herr Steinhardt gehört selbstverständlich nicht zu diesen Freunden und niemand hat von ihm verlangt, daß er für das in materieller Bedrängnis befindliche Seminar eintrete, wohl aber hätte man im Hinblick auf die oben geschilderte Leistung erwarten können, daß er sich ein wenig Zurückhaltung auferlege. Aber er ist ein unversöhnlicher Feind derjenigen Richtung, welche das Cölner Seminar vertritt und darum plötzlich sein Ruf: „Die Taschen zu!" (Nr. 2 der „Bl. f. Erz. u. U.") Die Scheingründe, die er für sein Vorgehen beibringt, finden in gleicher Werse auf jedes andere Seminar Anwendung/ das Schreckgespenst einer Ueberproduktion an Lehrern, das er an die Wand malt, nimmt er wohl selbst nicht ernst. Ich möchte mir aber die Frage erlauben: Wo bleibt die gerühmte Unparteilichkeit? Ist es nicht geradezu ein Mißbrauch des Verbandsorgans, wenn für ein liberales Seminar Propaganda gemacht, die orthodoxe Anstalt aber bekämpft wird? Aber gerade dieser Vorstoß von neologer Seite muß alle Gönner des Cölner Seminars auf den Plan rufen und besonders an die früheren Schüler der Anstalt ergeht die Aufforderung, ihre Kraft und ihren Einfluß für die Erhaltung und Kräftigung ihrer alma mater einzusetzen und ich. nicht beirren zu laffen durch die hämischen Angriffe eines Organs, das die Gerechtigkeit mit Füßen tritt, wenn es gilt, dem religiösen Gegner das Waffer abzugraben. k. LNeNrariev. Herrn M. in A. Sie haben recht,/ der von Herrn Rabbiner Dr. B. gebrauchte Ausdruck „Ausländer" für „ungeprüfte Lehrer" ist recht unzutreffend, da es in Deutschland eine ganze Reihe von Ausländern gibt, die als Rabbiner und Lehrer zu den Zierden ihres Standes zählen. Ebenso ist es zutreffend, duß nicht wenige von ihnen auf autodidakttschem Wege fich eine Bildung angeeignet haben, die der im Seminar erworbenen zum mindesten gletchkornmt. Der Anstellung von ungeprüilen Lehrern ohne BesntigungsnachweiS werben auch Sie wohl kaum das Wort reden/ unsere Auffassung deckt stch also. Herrn R. in B. Dankend angenommen, der Abdruck erfolgt demnächst.

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