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Der Israelit · 1909-02-04 · Heft 5 (4.2.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 5 (4.2.1909)
Date
1909-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Rr. 5 Der FSraelit Die Armut unter den Juden in ßew-Vork. Eine soziologische Studie von Tr. Maurice Ztzishberg in N-ew-Iork.) (Schluß.) Es ist viel diskutiert worden über die Wahrscheinlichkeit, daß die russischen Juden ihren westlichen Glaubensgenossen zur Last fallen werden, wenn sie Rußland verlassen. Man war der Meinung, daß der russische Jude eher dazu neige, die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten anzurufen als die Juden aller anderen Länder. Mit Rücksicht auf die große Zahl gelernter Handwerker, die sich im Ansiedlungsrayon finden, wäre dies eine sehr erstaunliche Tatsache, wenn sie sich bestätigt fände. Ich habe mir deshalb die Aufgabe gestellt, die Proportion der auf die Wohltätigkeit Angewiesenen bei den unter den aus verschiedene Ländern in die Vereinigten Staaten einwandernden Juden zu untersuchen. Dazu müßte man aber die genaue Zahl aller Juden in New-York und ihre Herkunftsländer wissen. Da diese jedoch nicht gegeben sind, so kann man sich nur in indirekter Weise Gewißheit darüber verschaffen. Wenn wir uns erinnern, daß beinahe 98% aller Hilfsbedürftigen Immigranten waren, und daß die große Majorität weniger als 5 Jahre im Lande war, so ist es klar, daß wir durch Feststellung der Zahl und der prozentualen Beteiligung der Herkunftsländer der Einwanderer die gesuchte Proportion finden können. So habe ich die Zahl der Juden zusammengestellt, die in den Jahren 1883—1905 in die Vereinigten Staate eingewandert sind und unter ihnen gefunden: 551708 192809 43 757 16619 Wenn // wir oder 67,94% aus Rußland „ 23,70% „ Oesterreich Ung. „ 5,38% „ Rumänien 2,04% „ Deutschland, jetzt die Zahl der Unterstützten nehmen, welche angaben, daß sie in den Jahren 183—1905 in den vereinigten Staaten eingewandert seien, so ergeben sich folgende Ziffern: 4716 oder 51,65°/« aller Unterstützten waren aus Rußland 28.6 „ 29,69% „ „ „ „ Oestr-U. 342 „ 3,75% . „ Deutschl. 559 „ 6,12% „ „ „ „ Rumänien *02 „ 8 79% „ „ „ „ and. Land. Wenn wir jetzt diese Prozentsätze vergleichen, so kommen wir zu folgenden Resultaten: Einwanderer Unterstützte Rußland 67,94% 51,65% Oesterr.-Ung. 23,70% 29,69% Deutschland 2,04% 3,75°/° Rumänien 5,39% 6,12% worans hervorgeht, daß die russischen Juden im Verhältnis zu ihrer Einwanderung in den Vereinigten Staaten den kleinsten Anteil an den Unterstützungn haben, während die deutschen österreich-ungarischen und rumänischen einen größeren Anteil daran haben, als im Verhältnis zu ihrer Einwanderungsziffer stände. Das wird noch besser durch folgende Ziffern ausgedrückt, die die Zahl der Hilfesuchenden nennen, die sich hätten melden müssen, wenn alle verschiedenen Gruppen gleichmäßig viele Wohltätigkeits-Kandidaten stellen würden, neben derjenigen Zahl, die sie tatsächlich gestellt haben: Bittgesuche Prozent. Ziffer, Tatsächl. Ziffer Differenz Rußland 6303 4716 — 1487 Oesterr-Ung. 2164 2711 4- 547 Rumänien 491 559 4- 68 Deutschland 186 352 4- 156 Diese Zahlen zeigen, daß die russischen Immigranten der Wohltätigkeit am wenigsten zur Last fallen. Wenn die Juden aller Länder gleichmäßig dafür prädestiniert wären, so hätten Rußland 6203 statt 4716, Oesterr.-Ung. 2164 „ 2711, Rumänien 491 ,. 559, Deutschland fast nur die Hälfte der tatsächlichen Zahl, nämlich 186 statt 342 Unterstützte haben müssen. Mit anderen Worten, die Russen waren nur mit 76% der auf sie - verhältnismäßig entfallenden Ziffer vertreten, dagegen die aus Oesterreich-Ungarn mit 125% die Rumänen mit 112% und die Deutschen sogar mit 183°/». Hiernach scheint es, daß die russischen Einwanderer prozentual nicht in dem Maaße das „Problem" sind, wie diejenigen gemeint haben, die sich für die Lage der Juden in den Vereinigten Staaten intere'sierte. Sie scheinen im Allgemeinen besser vorwärts zu kommen, als ihre Glaubensgenossen aus Australien, Rumänien und besonders Deutschland. Das einzige „Problem", das sie tatsächlich darftellen, liegt in ihrer großen absoluten Ziffer. Der Grund ist allen denen klar, die mit den Verhältnissen der jüdischen Einwanderer in New-Aork bekannt sind. Die große Zahl der russischen Immigranten kommen auf Wunsch ihrer Freunde und Verwandten nach New-Aork und sie werden von diesen viel häufiger ohne den Beistand der öffentlichen Wohltätigkeit untergebracht und versorgt als die jüdischen Einwanderer der anderen Länder. Die große Zahl der Hilfesuchenden deutscher Herkunft mag durch die Tatsache zu erklären sein, daß die Juden in Deutschland auf einer hohen wirtschaftlichen Stufe stehen, und daß sie, hier angekommen, sich nicht so schnell der neuen Umgebung und dem harten Kampfe anpassen können, dem die Ein- 4. Februar. Seite 5 I Wanderer in den ersten Jahren ihres Aufenthaltes in Amerika ausgesetzt sind. Sie sind dadurch hilfloser und wenden sich häufiger an die „Bereinigten Jüdischen Wohltäti keitsanstalten" als ihre russischen Glaubensgenossen. tlnverheiratete Personen wenden sich nur selten an die Wohltätigkeitsanstalten. Die große Mehrzahl der Unterstützten war verheiratet. Von der Gesamtzahl der Unterstützten woren 6066 verheiratet mit einer Total-Kinderzahl von 20040, d. h. mit einem Durchschnitt von 3,3 Kindern per Familie. Es ist allgemein bekannt, daß die Kinderzahl im Durchschnitt bei den armen und unterstützungsbedürftigen Familien größer ist als bei den reichen und wohlhabenden. Die Armen, die sich an die „Vereinigten Jüdischen Wohltätigkeitsanstalten" gewendet haben, scheinen in dieser Beziehung eine Ausnahme zu bilden Ihre Familien sind im Durchschnitt kleiner als diejenigen der Juden in Osteuropa, wo die durchschnittliche Kinderzahl per Familie ungefähr 5 ist. Der Grund ist einfach. In New-Aork kommt eine Familie, die erwachsene, d. h. schon erwerbsfähige Kinder hat, ohne Unterstützung aus,- es wird sich also meistens um Familien mit kleinen Kindern handeln, die sich wegen Krankheit des Familienvaters, als des einzig?» Ernährers, oder während industrieeller Krisen usw. an die Wohltätigkeitsgesellschaften wenden. Das zeigt sich auch bei der Zahl der 1531 unterstützten Witwen. Sie hatten insgesamt 5015 Kinder, d. h. durchschnittlich per Mutter 3,2, woraus wieder hervorgeht, daß Witwen mit erwachsenen Kindern weniger auf Unterstützung angewiesen sind. Die Mehrzahl dieser Witwen haben ihre Männer infolge Lungenschwindsucht verloren, die in der Blüte der Jahre ihre Opfer fordert, sodaß nur wenige Waisenkinder verblieben sind. Witwer haben sich aus naheliegenden Gründen nur 246 um Unterstützung beworben. Sie hatten eine Gesamtziffer von 704 Kindern, d. h. einen Durchschnitt von 2,86 per Vater. Das Verlassen von Frauen ist bei den Juden Osteuropas keine unbekannte Erscheinung. Aber in New-Iork ist sie eine der hauptsächlichen Ursachen des Elends geworden. Der Hauptgrund ist nach meiner Meinung der, daß viele Männer vor ihren Frauen auswandern und sich in der Zwischenzeit mit anderen Frauen verbinden. Wenn die Frauen später Nachkommen, finden sitz oft ihre Männer mit anderen Frauen verheiratet. Diese und viele andere Ursachen haben dazu beigetragen, daß die Zahl der verlassenen Frauen unter den eingewanderten Juden New-Aorks eine so große ist. Im Jahre 1905 nahmen 1171 verlassene Frauen mit einem Total von 3100 Kindern, d. h. mit einem Durchschnitt von 2,6 per Mutter die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten unternommener Handstreich Erfolg. Jnvesseu gelang es ihm, bei einem Zechgelage der Bande in einem Torfe bei Torgau zu entkommen. Der aufs äußerste erbitterte Kurfürst ließ den Räubern den Prozeß machen und sie zum Tode verurteilen. Am Tage vor der Hinrichtung starb Michel plötzlich durch einen Sturz von der Treppe in seinem in der Klosterstraße belegenen Hause. Tie sofort abgesandte Nachricht von der Begnadigung kam zu spät; die Schuldigen waren bereits gehängt. Sein immerhin eigenartiger Lebenslauf und sein jäher Tod haben nicht wenig dazu beigctragen, daß des Juden Michel Persönlichkeit von der Sage umwoben ist. Er wurde vielfach für einen verkappten Grafen gehalten und ihm hochadlige Abstammung angedichtet. Johann Lichtenbergs Schrift über des Jud Michels Tod, noch in demselben- Jahre erschienen, ist heute noch noch in zwei Exemplaren (in der Hamburger Stadtbibliothek. und im Privatbesitz des Fürsten von Wernigerode) vorhanden. (Die Erforschung des Toten Meeres.) Dieser Tage ist nach Palästina eine Expedition abgegangcn, die sich die Erforschung des Toten Meeres zum Ziele gesetzt hat. Die Expedition besteht aus 20 Personen aus Frankreicl-, Belgien, Deutschland, Holland, Gngland und Amerika. Sie haben für eine bestimmte Zeit den einzigen Dampfer gemietet, der das Tote Meer befährt; die Mitglieder der Expedition schlafen an Bord des Schiffes und machen unter Tags ihre Ausflüge. Tie Expedition hat topographische, archäologische und naturwissenschaftliche Zwecke, und man erwartet, daß sie die bisherigen Kenntnisse, die Louis Lortet, Guillaume Reh, Begüö und andere Forscher uns über das Tote Meer vermittelt haben, wesentlich erweitert werde. Das Tote Meer verdankt seine Entstehung einer tiefen .Einsenkung, die durch den Hauptzufluß, deil Jordan, bis zu einer gewissen Höhe ausgefüllt worden ist; der Spiegel des Toten Meeres liegt heute noch 436 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres. Das Tote Meer ist 75 Kilomtr. laug und bis 16 Kilomtr. breit: es findet sich in ihm kein Fisch, keine Pflanze, keine Koralle und keine Muschel. Sein Boden enthält namentlich Asphalt und viel Salz; der Salzgehalt des Meerwassers beträgt 26,25 Prozent, während der Salzgehalt des Meerwassers sonst nur 4 Prozent beträgt: das spezifische Gewicht des Wassers des Toten Meeres ist darum auch um ein Fünftel größer als das Gewicht des anderen Meerwassers. Man glaubt, daß aus diesen! Grunde das Wasser des Toten Meeres besonders für therapeutische Zwecke geeignet wäre, und die .Expedition wird wohl auch die Frage der Errichtung von Kur- und Bad?- anstalten an den Ufern des Toten Meeres in den Kreis ihrer Forschungen und Beobachtungen ziehen. (Autiscmitische Trauer.) Tie Nachricht von dem Siege des nationalliberalen Bergrats Vogel und der vernichtenden Niederlage Mumms ries am letzten Sonnabend in den Reihen der „Wirtschaftlichen Vereinigung" im Reichstage die größte Bestürzung hervor. Keiner der Herren ließ sich im Ptenarsitzungssaale sehen. Und da auch die Zentrumsbänke leer waren wegen der Trauerseier für den Grasen Hompesch, hieß ps bald im Saale, ynch die Wirtschaftliche Vereinigung halte eine Trauerseier ab — für den Lizentiaten Mumm. Die resormerischerr „Brüoer" schienen mitzuklagen, denn auch sie blieben den Beratungen fern. Herr Bruhn freilich wohl aus anderen Gründen. Wie lähmend die Nachricht aus Siegen auf die Stöckerfreunde gewirkt hat, beweist auch der Umstand, daß die Wirtschaftliche Vereinigung in der dreitägigen Debatte völlig aufs Wort verzichtete, obgleich sie den Abg. Graes bereits als Redner genannt hatte. Auch von den Reformern ließ sich niemand vernehmen. Unterdessen werden in der antisemitischen Presse unter den Brüdern, die sich gut kennen, die schönsten Komplimente geweclsett. Hans von Mosch veröffentlicht in der letzten Nummer der „Deutschen Hochwacht" einen Artikel: „In eigener Sache", in welchem er mit einem Herrn Mertens-Weißensee, einem einstigen Bundesbruder, der ein Flugblatt gegen ihn verfaßt hat, Fraktur redet. „Blödsinniges Gewäsch", „aufgewärmte gemeine Verleumdung", „gemeines Lästermaul" — das sind außer den anderen geläufigen Kosenamen die lieblichen Titulaturen, mit denen das „gehetzte Edelwild", H. v. Mosch, seinen Angreifer regaliert. Eine feine Gesellschaft! (Die Zahl der Inden in der Welt,) Nach der offiziellen Statistik des Jewish tyear Book beträgt die Zahl der über den Erdball verstreuten Juden ungefähr 11,081,000. Bon dieser Ziffer entfallen auf Europa 8,748,000, auf Amerika 1,556,000, aus Afrika 354,000, auf Asien 342,000 und aus Australien 17,000. In Europa verteilen sich die Juden aus die einzelnen Länder folgendermaßen: 5,100,000 aus Rußland, 2,100,000 auf Oesterreich-Ungarn, 600,000 aus Deutschland, 400,000 in die Balkan-Staaten, aus Belgien und Holland 105,000, 80,000 auf Frankreich, 40,000 auf Italien. Die am stärksten von Juden bevölkerten Städte sind: Newyork mit 700,000 Juden, Wien mit 130,000, Berlin mit 95,000, London mit 80,000 und Jerusalem mit 50,000. i'iümkiiifl .1

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