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Der Israelit · 1909-02-04 · Heft 5 (4.2.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 5 (4.2.1909)
Date
1909-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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«x. 52 Sette 4 4. Februar 1S09_ Baum nicht aus, in allen Farben, Gestalten und Variationen als Bild und Beispiel im Buche der Bücher auszutreten. Er ist mit seinem mächtigen Stamm ein Symbol der Kraft und Schönheit, seine Aeste prangen im Grüne der Hoffnung, die erfüllt und gerechtfertigt wird durch die heranreifendc Frucht, durch Mannestat und Erfolg. „Der F r omme blüht wie eine Palme heran, wie die Zeder im Libanon gedeiht er." Familienglück und Familienfrieden ruhen im jüdischen Hause, da „ d i e KinderwiedieZweigedesOelbaumes den Tisch u m r i u ge n ". In das große Loblied für Gott stimmen auch ein „Die Berge und Hügel, die Baumfrüchte und alle Zedern." - Es jauchzt das Feld und alles, was darin ist/ dann singen auch alle Bäume des Waldes"/ denn sind nicht Bäume wie Menschen, täglich Seiner Wallung unterworfen, auf Seine Huld und Gnade angewiesen?" „Die Stimme des Ewigen zerschmettert die Zedern, die Zedern des Libanon". Er läßt aber die Erde seiner Gnade teilhaftig werden und es „sättigen sichdieBäumedesHerren,die Zedern des Libanon, die Er gepflanzt hat, auf denen die Vögelchen ihre Nester bauen, der Storch sein Haus errichtet." Der Baum nimmt auch teil, so lesen unsere Weisen einen Satz int Hohen Liede, an den Leiden Israels: „Unter dem Apfelbaum habe ich dich zu neuem Leben erweckt." Darum kann der Baum auch nicht stillschweigend die Erlösung Israels mit ansehen. „Es jubelt der Himmel, da es Gott vollsührthat,esjauchzendieGründe der Erde; esstimmendieBergeLobgesang an, der Wald und alle Bäume darin, denn erlöst hatGottJakob und sich durchJsrael Ruhm geschafftn." Und unsere Weisen, deren Lehre, Welt- und Lebeusanschauung tief in der Thora wurzeln, die „ein Baum des Lebens ist allen, die an ihr festhalten", ließen den Baum als Anschauungsmittel nicht mehr aus ihrem Gesichtskreise, aus ihrer Bildersprache. Ein Baum ist das Volk Israels in ihren Augen; und in welchen wechselvollen Farben und Formen wissen sie uns diesen Baum zu zeichnen' und als Konterfei des Wesens, des Lebens und der Schicksale Israels dahinzustellen. Einmal ist es ein großer, üppiger, blätterreicher Baum, dessen mächtiger Stamm tief in der Erde wurzelt, dessen blühende Aeste und Zweige aber sich der Sonne entgegenrecken; es ist ferner ein Baum, der _Tt* astoritt_ Blüten treibt und Früchte zeitigt, die lieblich zum Ansehen, Gott und Menschen erfreuen. Dann aber ist es wieder nur ein dünner Weidenstrauch, der sich hin- und herbewegt, den der Sturm nur beugen, aber nicht knicken kann, der vom Orkane umtobt, sich nur neigt und bedeutsam das Haupt bewegt, während die mächtigen und stämmigen Bäume rings um ihn bersten und erbarmungslos stürzen. Darum haben Baun: und Pflanze auch in unserem Kultus gebührende Beachtung, einen Ehrenplatz gefunden. Wir warten nicht, bis sich erst der Baum in Blütenschnee gehüllt hat, um bei seinem Anblicke segnend des Schöpfers zu gedenken, sondern feiern einfach und still, wie es des Juden Brauch ist, schon mitten im Winter, da des Baumes schlummernde Kräfte im Erdeninnern langsam zu erwachen beginnen, den Jahresanfang, den 'Gerichtstag für die Bäume und Pflanzen, den nwn BWl* Wenn aber die Frühlings lüfte durch die Lande wehen und die im Winter gesammelten Kräfte und Säfte auch an der äußerlichen Gestalt des Baumes zum sichtbaren Ausdruck gelangen, da wir das Wunder der Schöpfung nicht mehr nur ahnen und fühlen, sondern mit eigenen Augen in die große Werkstatt der Natur schauen dürfen, da ist das erste Gefühl, das erste Wort ein Dankgebet zu Ihm, der „die köstlichen Bäume geschaffen hat, um mit ihnen die Menschenkinder zu erfreuen." Ist jedoch der Sommer zu Ende, die Zeit der Ernte vorüber, der Baum nach und nach seines Blätterschmuckes entledigt, und die Natur vorbereitet für den langen Winterschlaf, da sind es wiederum Pflanzen, gepaart mit des Baume s F r u ch t, die unser Fest der Ernte schmücken, und die ebenfalls nach Auffassung der weisen Lehrer ein Bild des leidenden und hoffenden Israels darstellen. Nur eine Stelle unserer unvergleichlichen Agadadichtung möge hier noch festgehalten werden, da das darin enthaltene Baumbild, wohl für alle Zeiten gezeichnet, doch ganz besonders für die unsere zutrifft. „Der Baum, dessen Frucht 'von der jüdischen Religion bevorzugt wird und somit als Baum Israels gelten darf, zeichnet sich von all den anderen seiner Gattung durch dreifache Eigenart aus. Stamm und Frucht find von beu gleichen Säften erfüllt und gleichen einander im Dust und Geschmack. Er wächst ferner an jedem Wasser und kann in jeder Gegend gedeihen. Seine dritte Eigenschaft besteht darin, daß er nie kahl und leer, sondern das ganze Jahr hindurch blätterreich und mit edlen Frischten voll beladen dasteht. (Midrasch rabbamnd Tanchuma zu Emor.)" Das gilt für alle Zeiten, besonders auch für die Gegenwart. Der Wunderbaum des Judentums, er kann nur die Früchte als die seinen anerkennen, die in Duft und Geschmack, in Wesen und Charakter, dem Stamme ähneln. Tief in der Gotteslehre wurzelt der Stamm und alle Früchte, die er treibt und zeitigt, sie sind nur dann als jüdische Früchte zu bewerten, wenn D2I3 pW 1'^L1122, wenn sie das Zeichen ihres Stammes an sich tragen und auf den ersten Blick ihre Quelle, aus der sie Kraft und Wachstum geschöpft haben, verraten. Die von gewisser Seite verbreitete Irrlehre, als ob dieser Baum nicht überall sich in gleicher Weise entfalten könnte, als ob er je nach Zeit, Land und Klima, seine Art und Gestalt verändern müßte oder dürfte, wurde von der Geschichte gründlich wiederlegt. Nein, er ist D’ö bp bp- Er wuchs im Verborgenen und sammelte Kräfte in der langen Winternacht an den Gewässern des Nil, er gelangte zur herrlichen Blüte und zeitigte die edelsten Früchte am Jordanflusse, er verwelkte und verkümmerte nicht auf kalter, fremder Erde an den Strömen Babels, er wuchs und gedieh in Reinheit und Vollkommenheit, ebenso an den Usern des Rheins wie an der Wolga, am Po und an der Tiber nicht minder wie an der Weichsel und an der Memel. Er wächst und gedeiht überall; überall, unter allen klimatischen und sozialen Verhältnissen sind die Voraussetzungen und Bedingungen für ein thoratreues Judentum gegeben, und diejenigen, die behaupteten, der Baum müsse, um sich in fremdem Klima zu erhalten, Umschnitten, neu gezweigt' und gepropft werden, werden Lügen gestraft auch durch die Geschichte der letzten Jahrzehnte, durch die Männer, die Gnade Gottes erstehen ließ, um den Baum zu hüten und ihn in seiner ganzen Kraft und Blüte den Nachkommen zu übermitteln. Und solche Männer erstanden zu jeder Zeit oft da die Not am größten war und alles verloren schien. Denn die Keim- und Triebkraft des Baumes, zu dessen Eigenschaften es gehört, daß n:vb nwa 1^82 Dnn rma ist unerschöpflich. Immergrün und blätterreich, mit edlen Früchten vollbeladen, in Kraft und Schönheit prangend und auch im Winter Kräfte sammelnd, so sehen wir im Geiste den Baum des Judentums jahraus, jahrein. Sch. CsSD bildnng der Juden, mit welchen er zusammentraf, war ganz chinesisch, außer einem Jungen von siebzehn Jahren, dessen Gesicht einen ganz besonders jüdischen Typus hatte. Was die schwierige Frage betrifft, wann und wie die Juden in China einwanderten, 'so nimnit oer Verfasser die Theorie von den verlorenen zehn Stäinmen an. Er hebt hervor, daß die Juden in China niemals unter Intoleranz zu leiden hatten, und bezüglich der Assimilation der Juden in diesem Lande wirst er die Frage aus, woher es kommt, daß sie von den Chinesen und nicht von den Christen absorbiert wurden. Er gibt die sehr einleuchtende dlntwort hierauf, daß die Bewilligung uneingeschränkter Emanzipation und Freiheit die praktischsten Mittel dazu sind, um wahre und .aufrichtige Freundschaft zu schließen mit einer Minorität von eingewanderten Ausländern oder selbst einer untergeordneten Nation, während Bedrückung, Einschränkung und Verfolgung Erbitterung und Feindschaft entfachen. „Die Chinesen gaben den Juden alle Vorrechte und Rechte und schlossen Freundschaft mit ihnen, sodaß die Juden keinen Grund dafür sahen, sich von den Chinesen abzusondern; sie näherten sich gegenseitig, heirateten untereinander, und nach und nach erwies sich — leider — die bequemere Religion als die überdauernde". Der Verfasser meint, es dürste eine interessante Aufgabe — nicht nur interessant für die Juden als Nation, als auch für die Wissensck-ast im allgemeinen —'sein, wenn man einen kompetenten Mann beauftragen würde, in Kaifung die gegenwärtige Sie lang der dort noch lebenden Juden zu erjorschen. Er süh.t es sicher, daß die halb assimilierten Juden noch einmal zu ihrem alten Glauben zurückkehrten, wenn zur Erleichterung ihrer Unterhaltung beigetragen würde. Ti? Juden, die er in Shanghai traf, waren froh und glücklich schwerer Arbeit und fanden Trost und Zufriedenheit in dem Bewußtsein, dem alten Stamme Israel anzugehören". (Ein jüdischer Kinanzrat im 1«. Jahrhundert, t Mit einem jüdischen Finanzrat im 16. Jahrhundert macht uns Herr Dr. Lewinsky in einem kulturgeschichtlichen Vortrag über „Jud Michel, Finänzrat deutscher Fürsten" bekannt. In der „Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte im Mittelalter" behandelt im Jahrgang 1857 Karl Seyffardt einen jüdischen Landsknecht, der wegen seiner hervorragenden Kriegstaten im sog. Hildesheimer Stiftsstreit als'erster Jude seit Vertreibung seiner Glaubensgenossen aus Hildesheim die Erlaubnis erhielt, sich dort .amusiedcln. Es war dies der lang? oder große Michel aus Derenburg bei Halberstadt. In der 1733 gedruckten .Schrift: „Gründliche Rettung der Stadt Hildesheim" wird er ebenfalls erwähnt, aber auch schon in Joachim Brandts „Tiairium", das die Zeit von 1520 bis 1603 umfaßt. Ter Vortragende erklärt diesen 'Michel identisch mit dem ,/Michel Jud", eigentlich Michel Hajuda in Hannover, den Herzog Erich von Braunschweig-Kahlenberg wegen seiner großen Gewandtheit zu seinem „Finanzjuoen" machte und 1531 mit dem Titel „Finanzrat" auszeichnete. Besagter Herzog, ein großes Pumpgenie, legte Michel bei Gelegenheit dieser Ernennung verschiedene Verpflichtungen auf, so die der Gestellung von fünf Reisigen, gewährte ihm aber auch gewisse Privilegien, beispielsweise Steuerfreiheit für sein in der Neustadt zu Hannover gebautes Haus. Graf Ulrich von Regenstein und Gebhard von Mansfeld wurden zu Bürgen sür das herzogliche Wort gestellt. Später geriet Michel doch mit dem Herzog und dem Regensteiner in Konflikt und wurde sogar vorübergehend gefangen gesetzt. 1534 wanderte er infolgedessen in das Gebiet des Landgrafen von Hessen-Kassel aus. In der Folge erlangte er einen direkten „Freiheitsbrief" und ^Mandat" von König Ferdinand I. in Wien, dem Bruder- Karls V. In den im Wolfsenbüttler Archiv vorhandenen Urkunden aus dieser Zeit wird er wegen seines Wuchses als „Storch" oder „Langbein" bezeichnet. Bon 1537 kommt in Norddeutschland ein Jude Michel von Tornburg, der ein Privileg des Markgrafen von Ansbach besaß und zweifellos kein anderer als Unser Michel ist, vor. 1543 war er Rabbi und Bankier, eine damals nicht ganz ungewöhnliche Kombination, in Frankfurt a. O. In einer vom Magistrat dieser Stadt auf Anschuldigung einer Magd gegen ihn angestrengten Untersuchung wegen Brunnenvergiftuirg nahm ihn Kurfürst Joachim II. energisch in Schuh. Seit 1544 lebte er in Berlin. Wie ein Ritter erscheint er auf dem Reichstag zu Augsburg hoch zn Roß, mit 12 Knechten, was zu der auch von Gustav Freytag in seinen „Bildern aus der deutschen Vergangenheit" erzählten ergötzlichen Episode führte, daß ihn ein alter Graf von Pappenheim ehrfurchtsvoll grüßte und nachträglich seinem Groll darüber, daß er einem Juden eine solche Ehrenbezeugung erwiese», durch lautes Schimpfen Luft machte. Der Vortrag bespricht sodann ausführlich Michels Prozeß wegen einer Schuld von 2400 Gulden gegen den oben genannten Grafen v. Regenstein und die Parteinahme des Königs von Polen, des Herzogs von Liegnil', der Herzöge Heinrich und Moritz von Sachsen und des Kurfürsten Joachim von Brandenburg zu seine» Gunsten. Das Ansehen, dessen er sich bei den Fürste» erfreute, erregte indessen vielfach Neid und Mißgunst. Zwei verarmte Ritter, Wenzel von Leuthen und Hans von Rackeln, planten einen Ueberfall gegen ihn, der mißlang (1549). Dagegen hatte wenige Wochen später em gegen ihn im Aufträge des Rats von Magdeburg

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