Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1909)
- Date
- 1909-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449358--65254-2507883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Sette 2. Nr. S. Der SHtaeltt Zustand verewigen wollen, die auch nur einen Moment zögern Schulter an Schulter mit uns zu arbeiten, bis dieser im Namen des Rechte sich vollziehende Gewiffenszwang beseitigt ist? Wir lehnen es ab, aus all diese Fragen hier des Näheren einzugehen, einesteils weil die Leser des Israelit mit diesen bayrischen Angelegenheiten wohl schon mehr als genügend behelligt wurden, andernteils weil die weitere politische und parlamentarische Behandlung der neuen Gesetzgebung mannigfachen Anlaß geben wird, all diese Momente noch ausführlich zu erörtern. Und noch ein weiteres Moment veranlaßt uns zu dieser Reserve. Gerade weil wir persönlich die ideale Lauterkeit der Gesinnung, die unsere Gegner im eigenen Laaer zu einer prinzipiellen Verurteilung der Revisionsbewegung veranlaßt hat, unbedingt hochschätzen und anerkennen — gerade deshalb verzweifeln wir daran, diese Gesinnungsgenossen durch Reden oder Zeitungsartikel zu belehren und ihren Widerstand zu brechen, gerade deshalb lehnen wir Redenturniere vor einer Tagung der bayrischen Orthodoxie über die jllälv»ra, d. i. das Prinzip der Revision entschieden ab. Wer jetzt noch nicht belehrt ist, der wird sich schwerlich mehr belehren lassen; nicht uns, den Laien, obliegt es, die besten und edelsten Führer der bayrischen Orthodoxie darüber aufzuklären, was jetzt ihre Pflicht und ihre Schuldigkeit vor der Geschichte des bayrischen Judentums und gegenüber unseren Kindern und Enkeln ist. Wir fürchten: es muß dem traditionellen Judentum in Münchenund Nürnberg, in Fürth und Würzburg demnächst noch viel, viel schlechter ergehen, bis es einmal wieder besser werden kann. Nur einen Gesichtspunktaus den Gegengründen des „Klar zum Gefecht-Artikels möchten wir vor der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit einer gründlichen Besprechung unterziehen, weil dieses Bedenken immer und immer wieder zu Unrecht geltend gemacht wird und alle Gegner der Revision mit diesem Schlagwort ihre Weigerung, aktiv mitzuarbeiten, begründen. Dieses Schlagwort, das ja auch in den Ausführungen in Nr. 4 in ausführlichster Breite dargelegt wird, ist: „Die Errungenschaft der Ministerial-Entschließung von 1863" und die Hand in Hand mit diesem Axiom wiederkehrende Frage: „Wer soll künftig in religiösen Dingen in Bayern entscheiden?" 8. F. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. vie Levattrrscdatt. Bon Arthur Kahn. (Fortsetzung.) Und Schnapper las, während Herzleib seine rechte Hand ans Ohr legte, um aiur gut zu verstehen, mit lauter Stimme: „Lieber Schwager, ad rneo Schonim, omen! Massel Tow! Ich komme mir vor, wie Awrohom owinu, dem hatlodosch borchu im Greisenalter noch den Jitzchik schenkte. Und was deine Schwester, meine Frau Chawwe anbetrifft, so ist sie zu vergleichen mit Awrohoms Frau Sarah. Denn Gott hat uns, nach dreißigjähriger, kinderloser Ehe mtt einem Sohn beglückt, oer groß werde, L'tauro, ulchuppe, utmaassim tauwim, amen selo. Fetzt lieber Schwager, will ich dir schreib?», daß ich dir zu diesem seltenen Glück bis Gevatterschaft übertrage und mechabbed bin. Rebbe Schmuhl Bonoi hat die Mohlschaft übernommen und findet die Mila nächsten Dienstag statt. Wenn Du schon Montag Abend hier fein willst, schon wegen des Socher, werde ich mich freuen. Die Babett wird die Kuchen backen. Die Sude soll etwas werden, wie es noch nie in der Gegend gehört und gesehen worden ist, womit ich verbleibe Dein hocherfreuter Schwager Leiser." Felix Schnapper grinste über sein ganzes häßliches Gesicht. Das gab schönen Stoff für eine ganze Woche. ochsnrmröscha«. Sefaröim unö Spanier. Im Jahre 1492 feierte Spanien sein großes Siegesfest durch Austreibung seines besten Bürgerelementes, der Juden. — Heute nach mehr als vier Jahrhunderten sind viele einsichtsvolle Männer, die sich in der Geschichte der Völker gut auskennen, felsenfest davon überzeugt, daß der politische und wirtschaftliche Niedergang Spaniens von jenem Tage datiere, da die Juden das Land verließen, daß zu den unzähligen Opfern, die die Inquisition gefordert, auch das einst so schöne, blühende und betriebsame Land selbst gehöre. Diese Ueberzeugung ist nirgends so sehr verbreitet, wie in Spanien selber, wo in den letzten Jahren Männer erstanden sind, deren ganzes Sinnen und Trachten es ist, die von den Vätern an der Menschheit begangene Sünde nach Möglichkeit wieder gut zu machen, die letzten Reste der Inquisition, die immer noch wie ein Fluch auf dem Lande lasten, zu tilgen und Spanien seinen alten Glanz wieder zu verleihen. Seit einigen Jahren ist eine bemerkenswerte Bewegung in Spanien im Gange, die immer »mehr in den fortschrittlichen Kreisen an Kraft gewinnt, die im Orient lebenden Nachkommen der ausgewiesenen Juden, die sogenannten Sesardim oder Spaniolen zurück nach der alten Heimat, die zu lieben und deren Sprache und Kultur zu verbreiten, sie in der Fremde nie ausgehört haben, zu bringen. Daß dieser Plan bei den Juden, die, frei von Rachegefühlen, die Kinder für die Sünden der Väter nicht verantwortlich machen und sich heute noch stolz als spanische Juden fühlen und bezeichnen, begeisterte Gegenliebe findet, ist, wenn man sich die schwierigen und unerträglichen Verhältnissen, unter denen die Juden in manchen Ländern des Orients, wie in Marokko und Tunis u.s.w. zu leben und zu leiden haben, noch hinzu denkt, ohne weiteres erklärlich. So hat sich vor kurzem in Madrid eine „Allianza Hispano Jsraelito" gebildet, die von'bekannten Staatsmännern wie Moret, Canaleias u.s.w. geleitet, eine rege Tätigkeit entfaltet und in enger Fühlung mit den ähnlichen Comitees in den spaniolischen Niederlassungen steht, besonders mit dem Comitee in Herzleibs Schwester, über fünfzig Jahre alt, hatte mich einmal einen Knaben bekommen. Herzleib aber achtete nicht weiter auf Schnapper. Er war wie betäubt. Die Chawwe, Mutter eines Knaben, das war wirklich ein Wunder Gottes. Nur einige Jahrzehnte früher hätte das Wunder geschehen sollen. Nun, jedenfalls war es sehr schön von seinem SHpvager Leiser, daß er gerade an ihn, den armen Schuster, gedacht hatte, um ihm die Gevatterschaft anzutragen. Denn es war gar nicht zu bezweifeln, daß sich bei diesem seltenen Fall noch ganz andere Leute gefunden hätten, die das Amt und die Ehre einer solchen Gevatterschaft mit Vergnügen angenommen und es sich etwas hätten kosten lassen. -Gab es doch in Leisers Familie einige atzcht „betuache" Leute, die dem kleinen Gevaitermännchen viel mehr hätten in die Wiege legen könne«, als der arme Schlucker Herzleib. Die Wolken, die auf Herzleibs Antlitz gelagert waren, als er Felix Schnappers Stube betreten hatte, waren beim Verlassen des Hauses bereits wieder verschwunden und je näher er seiner Wohnung kam, desto fröhlicher wurde seine Stimmung. Nun sollte auch seine Frau das wunderbare Familienereignis erfahren und als Gevatterin sich nicht zu schämen haben. Mindestens eine neue Tüllhaube sollte sie zu der Sude tragen und als Killesrau sich sehen lassen kövnen. Die Schustersfrau war weniger erbaut von dem freudigen Familienereignis und durchaus nicht willens an der Sude teilzunehmen. Sie war entrüstet. Eine „Charbene-Busche" sei es vom Leiser und der Chawwe, jetzt noch einmal ein Kind in die Welt zu setzen, das' vielleicht schon zn seiner Barmizwa ein armes Jrussem sei. „Nein!" schwur die Herzleibsen, „eher will ich mein Bein brechen, eh' ich zu der Gevatterschaft geh'. Und kost' nichts, die Kowed? Unter zehn Gulden kommst dar nicht davon. Da mußt du dich als Kille- 4. Februar 1903 Tanger, an dessen Spitze ein geachteter spanijch-marokkanischer Jude, namens Pinchas Asayag sich befindet. Die große jüdische Oeffentlichkeit brachte bislang dieser Bewegung noch einige Skepsis entgegen. Schien es doch oft so, als handele es sich dabei in der Hauptsache um einen Kampf zwischen Liberalen und Klerikalen, für den die Juden nur den Casus belli abgeben sollten. Denn es fehlte nicht an Aeußerungen und Erscheinungen, die auf eine Abneigung der Klerikalen gegen die Juden, ja auf eine Gegenaktion von dieser Seite schließen ließen. Nun scheint doch eine Wendung eingetreten zu sein, die der Sache eine größere Bedeutung verleiht. Die „Correspondenzia de Espania", ein führendes Blatt der Kirchenpartci schloß sich in den letzten Tagen, wohl im Sinne feiner Partei, der Bewegung an. In einem sehr beachtenswerten Artikel über die Spaniolen in der Türkei schildert das Blatt die hohe Bedeutung der Sefardim für die Erhaltung und Fortpflanzung der spanischen Sprache und Kultur und propagiert eifrig für die Wiedergewinnung 'dieser b e st e n und treuesten Spanier für Spanien, das dadurch an Kraft gewinnen und zu neuem Leben erwachen würde. Man sieht, die Allgelegenheit gewinnt immer mehr aktuellen Charakter und ist keineswegs mehr als Schwärmerei phantastischer Weltverbesserer anzusehen, sondern sehr ernst zu nehmen und von praktischen Gesichtspunkten ans zu behandeln. Die Frage, die die zur Rückkehr Entschlossenen zu allernächst beschäftigen müßte, sollte natürlich die sein, ob und inwieweit ihnen in der alten Heimat die Möglichkeit gegeben wird, durch Errichtung religiöser Institutionen und Bildung von Gemeindewesen als Juden dort zu leben. Weder die Klerikalen, die bei der Aktion vielleicht auch von Hoffnungen kirchlicher Natur mit geleitet werden, noch die Radikalen, bei denen die ganze Bewegung ein Kampfmittel gegen Religion und Kirche ist, bieten stillschweigend eine Gewähr für die Erfüllung dieser ersten Vorbedingung einer jüdischen Ansiedelung. Die Spaniolen werden aber, eingedenk der Tradittonen der Väter, die als Juden das heißgeliebte Vaterland verließen, um in die Fremde auszuwandern, zunächst sichere Garantien dafür verlangen müssen, daß sie die alte . Heimat nicht nur als Spanier, sondern auch als Juden wieder aufzunehmen gewillt sei. vie jiföifdie kinwtmSenmg in Hmeriha. Wir haben im Kleinen Feuilleton der letzten Nummer die Statistik der jüdischen Einwanderung in Nordamerika im Jahre 1908 veröffentlicht. mann zeigen, und du solltest doch wissen, wie di' Leut' grad' aus deiner Medine aufpassen, wenn einer aus der Kille kommt und wie sie alle ruddeln werden, wenn du nichts fließen läßt. Geh' du nur ganz allem zu deiner Briß-Mihle, mich kriegen kein' zehn Gäul' hinaus." Herzleib erwiderte nur sehr wenig auf die Einwände seiner zungengewandten Chegefährtin, denn chm wollte es auch jetzt bedünken, als habe sie nicht p ganz unrecht. Cr redete seiner Frau auch nicht weiter zu, denn wenn er allein ging, kam die Ehre doch auch viel billiger, als wenn ihn seine Gattin begleitete. beschloß er, schon einen Tag vor dem Briß in di,' Heimat zu reisen, kaufte verschiedene Sachen ein, wo mit er das Herz der Wöchnerin zn erfreuen gedachte und lreß von farbigen seidenen Bändern eine K'mea für den Kleinen Herstellen, was nicht unwichtig in den Augen der Leute war. Gleich nach dem Mittagessen verließ am folgenden Montag Herzleib seine bescheidene Wohnung und schrie gravitätisch, in seinem güten Anzug und einen hohe!' Zylinder auf seinem mächtigen Schädel, zum Städt chen hinaus, die buntgestickte Reisetasche sorgfältig tra gend. Glücklicherweise war das Wetter etwas kühle >. gewordeir, sodaß der Schuster nicht zu fürchten hgtv, daß ihm der weite Weg viel Schweiß kosten werde. Hinter Sankt-Johann wollte er die ihm aus der Jugend noch sehr bekannten Feld- und Wiesenwege oeamtzen, wodurch er mehr als eine Wegstunde abschnitt. Er rechnete gegen sechs Uhr am Ziel zu fein; er wer ja ein rüstiger. Fußgänger. Hinter Wahlenheim Halter sogar noch das Glüch einem mit zwei Pferden bespannten Fuhrwerk zu begegnen, dds rhnwieaerurn eine volle Wegstunde früher in «S Heimatdörschen brachte So sah der Schuster in allen diesen Begünstigung.: