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Der Israelit · 1909-02-04 · Heft 5 (4.2.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 5 (4.2.1909)
Date
1909-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit j Ein Centralorgan für dis orthodoxe Judentum Gegründet oon Dr. Lehmann in Rlainz 50. Jahrgang, _m -,»» 4. Sebruar 1909. Sranhturta.m.. Sen ,3. S(heroa( ghgg. M s Abonnement pro Vierteljahrr Gewöhnliche Ausgabe 3RM.50, Hestausgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr„ Rußland l Rub., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Vogler A.-G., Frankfurt a. M.» und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an dm Verlag erfolgm per: Conto bei dem Postscheck-Amt Frankfnrt a. M. No. 344. Conto bet der K. K. Postsparkasse Wie« No. 79 605. Conto bei dem K. Postsparkaffenamt Budapest No. 18484. Conto bei der Rigaer Commerzbank in Riga und deren Filialen. ver Nachdruck Ser Artikel unS Correfponden?en des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fkh um größere flufläfce handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet Die steviris« des bayrischen üudenedikts. I. Mit Recht gibt die Redaktion des „Israelit" in ihrer letzten Wochenrundschau ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß eine reg judieata, wie die Tatsache, daß das 95 Jahre alte, in seinen wesentlichsten Bestimmungen überholte und abrogierte Edikt von 1813 nun endlich revidiert werden soll, von irgend einer Seite überhaupt noch in Zweifel gezogen und die Zweckmäßigkeit dieser Revision bestritten wird. Es ist in der Tat ein unverständliches und widerspruchsvolles Schauspiel, zu beobachten, daß es innerhalb der bayrischen Orthodoxie Kreise gibt, die auf der einen Seite den großen, verewigten Vorkämpfern des traditionellen Judentums in Deutschland, bei jeder Gelegenheit in Wort und Schrift den Zoll der Verehrung und Dankbarkeit entrichten, auf der anderen Seite aber vorziehen, in dem Momente, da es sich darum handelt, jenem siegreichen Prinzipe, auf welches diese Großen in Israel ihr Lebenswerk aufgebaut haben, nun auch in Bayern freie Bahn zu schaffen, in passiver Resistenz zu verharren, oder zur Erhärtung ihres Widerstands gegen den Revisionsgedanken Gespenster an die Wand zu malen, die man seit dem Mai 1876, als Heinrich von Sybel als Vertreter des D. J.-G. im preußischen Abgeordnetenhause erfolglos mit ihnen gruseln machen wollte, für immer in der Versenkung verschwunden wähnte. Wenn nun diese Geister von Neuem heraufbeschworen werden, wenn von Neuem der Versuch gemacht wird, wie anno dazumal den mittleren und kleineren Landgemeinden zu suggerieren, daß die Orthodoxen in ben Großstädten nur auf ihre eigenen Interessen bedacht seien, für den durch die Revision in Aussicht stehenden religiösen und finanziellen „Niedergang" -der Landgemeinden kein Verständnis empfänden, so kann ruhig auf den gesunden Sinn unserer bayrischen Landgemeinden, die sich Mindestens in dem gleichen Maßstabe wie die Großgemeinden, von der Un-' Haltbarkeit der derzeitigen Gesetzgebung seit Jahr und Tag zu überzeugen- Gelegenheit hatten, nach der Richtung hin vertraut werden, daß dort jene Kassandrarufe von dem „Ruin" unserer Landgemeinden wirkungslos verhallen. Es darf vielmehr mit Sicherheit erwartet werden, daß die Lehxer Dch Wcstände unserer konservativen Landgemeinden, jetzt, da es sich darum handelt, auch ihren Rechten und Kompetenzen auf den in Betracht kommenden Gebieten eine einwandsfreie, gesetzliche Unterlage zu schaffen, mit Feuereifer Mitarbeiten, um oem Gesetzgeber namentlich in den Fragen des gemeindlichen Steuerwesens, der finanziellen und sozialen Hebung des israelitischen Religionslehrerstarwes, der Abgrenzung der Rabbinatsbezirke usw. das Revisionswerk zu erleichtern. Selbstverständlich sollen und müssen unsere Landgemeinden rechtzeitig Gelegenheit erhalten, bei einem für sie so bedeutungsvollen Werk wie es die Aenderung der Gesetzgebung ist, auch mitzuraten und mitzutaten und schon aus diesem Gründe kann keine Rede davon sein, daß die Juristen der bayrischen Orthodoxie etwa schon jetzt selbständig einen Gesetzen.twurf ausarbeiten, bevor nicht die Leitsätze, die diesem Entwürfe zu Grunde zu legen sind, von der überwiegenden Majorität der D'hO' im Lande gebilligt wurden. (Wir halten die Ausarbeitung eines vorläufigen Entwurfs entschieden für Praktischer. Red.) Die Veröffentlichung dieser Leitsätze wird Ende März erfolgen. Es steht nicht das Mindeste im Wege, daß alsdann diese Grundzüge, bevor sie als das offizielle Programm des traditionellen Judentums in Bayern dem Ministerium unterbreitet werden, der allgemeinen Kritik unterzogen und obendrein von irgend einer bewährten außenstehenden Instanz, z. B. von dem Vorstand der Freien Vereinigung für das orthodoxe Judentum in Deutschland, überprüft und ergänzt werden. Freilich jenen Gesinnungsgenossen, die die Revision hintertreiben wollen, wird auch das idealste Programm nicht genügen. Sie wollen, daß Nichts zustande kommt, sie machen kein Hehl daraus, daß sie es als ihre Pfiicht erachten, ),die Revisionsbewegung im Keime zu ersticken" und die zerrissene und zerfetzte Min.-Entschl. von 1863 als Retterin und Schützerin des traditionellen Judentums in Bayern von Neuem zusammenzuflicken. Hilft nicht das Gespenst der „drohenden Konsistorialverfassung", so suggeriert man unseren Landgemeinden, daß die Trennungsmöglichkeit ihren „Ruin" bedeute; versagt auch dieses Schlagwort, so hebt sich von Neuem der Vorhang der neuen Gesetzgebung und eröffnet uns den Blick in eine „obligatorische Zentralkasse" mit den neologen Justizräten und Kommerzienräten an der Spitze, die je nach der größeren Willfährigkeit der Landgemeinden gegenüber dem Programm der Neologie die Subventionen willkürlich verteilen. Sollen wir wirklich nochmals zum vierten Male all die Argumente, die der „Klar zum Gefecht- Artikel in No. 4. des Israelit geschickt gegen das Prinzip der Revision aufmarschieren läßt, zerpflücken und ad abanrdcun führen? Sollen wir gegenüber dem Argument von dem drohenden „Ruin" der Landgemeinden die Sätze aus der meisterhaften Rede Eduard Laker's s. A. im preußischen Abgeorduetenhause am 22. Mai 1878 zitieren, die Sätze, in welchen er es als „Herabwürdigung des idealen Standpunktes" bezeichnet, wenn man „sämtliche jüdische Bewohner eines politischen Bezirks zwingt, derselben Kultusgemeinde anzugehören, gleichviel ob die heftigsten Streitigkeiten in Bezug auf die heiligsten Dinge sich aus diesem Zwang entwicklen". Sollen wir von Neuem Nachweisen, wie voll und ganz Laker's Prophezeiung, daß das Austrittsgesetz sich als Kitt für die Einheit der Gemeinden bewähren werde, in Erfüllung gegangen ist? Sollen wir zum io und so vielten Male den juristischen Nachweis erbringen, daß und warum im Rahmen der Privatkirchengesellschast kein Raum und kein Platz für eine Konsistorial- oder Synodalverfassung ist, ganz abgesehen davon, daß in dieser Frage nicht nur die gesamte bayrische Orthodoxie bis auf den letzen Mann, sondern auch die überwiegende Majorität der „Liberalen" mit ihrer geschloffenen Ablehnung jeder derartigen Struktur der neuen Gesetzgebung das ganze Parlament hinter sich hätte. Sollen wir ausführlich begründen, daß und warum ein sich über ganz Bayern erstreckender Wohltätigkeitsverein nach Analogie des bestehenden „Landes-Bereins"zur Subventionierung leistungsschwacher, kleiner Landgemeinden kein gesetzgeberisches Experiment ist, daß aber anderseits Normen zu schaffen wären, die es den Großgemeinden ermöglichen, für den Religionsunterricht und die Ritualinstitutionen der kleineren Gemeinden — entgegen der bisherigen Rechtsprechung Subventionen zu bewilligen? Soll endlich Oel ins Feuer gegoffen und nrbi et orbi nochmals unsere, der orthodoxen Minoritäten, Gewiffensnot und Gewissenszwang ausführlich analysiert werden? Sollen wir zeigen, wie die bayrischen Kompagnieführer der Bereinigung firr das liberale Judentum in Deutschland" eifrig und energisch an der Arbeit find, ihr theoretisches Programm in die Praxis umzusetzen? Sollen wir im Einzelnen, unsere Notlage schildern, damit jeder außenstehende, nichtbayrische Orthodoxe ungläubig den Kopf ob der Tatsache schüttele, daß es innerhalb der bayrischen Orthodoxie Führer gibt, die diesen 1

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