Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1909)
- Date
- 1909-01-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Selbst ein Mann wie Bouffet, dem niemand Voreingenommenheit für das Judentum nachsagen kann, wirft Herrn Friedländer vor, er verstehe nicht einmal die „historische Notwendigkeit und relative Berechticung" des Pharisäismus zu würdigen. Dagegen verteidigt er sich mit der Bemerkung, er sehe in dem Pharisäismus lediglich eine durch „zufällige Umstände" herbeigeführte Rückentwickmng. Seine Lehre sei nicht die traditionelle, das Ursprüngliche ist vielmehr der Sadduzäimus l!), derselbe Sadduzätsmus, deffen Wesen erst kürzlich Halevy so treffend gekennzeichnet hat. Herr Friedlänber hat recht: Mit enem Mann, der die historischen Tatsachen in solcher Weise auf den Kopf stellt, kann der „Rabbtntsmuö" fich nicht verständigen. In dem vorliegenden Buche macht der Verfasser den Versuch, die Sabbathfeier und die Synagoge in ihrer Eigenschaft als Bildungsstätte als von den Griechen herrührend barzustellen. Auch seine Hypothese über die von den Rabbtmn so sehr verkannten und mißachteten Ame-Haarez kehrt hier wieder. Herr Friedländer bringt es durch eine merkwürdige Art der Beweisführung, durch eine ganz eigene Vtrt von Wissenschaft, fert'g, zu behaupten, die Synagoge sei älter als die pharisäische TradtrionSlehredenn diese sei erst nach den Makkobäerfiegrn aus gekommen! Stellen, wie Chaggai 2, 11—13, welche das Vorhandensein d r minutiösesten traditionellen Reinheits- Vorschriften vora ssetzen und damit diese ganze „Geschichtsforschung" über den Haufen werfen, werden natürlich ignoriert. — Die Sabbathruhe in der Form, wie fie später gchandhabt wurde, wo der Sabbath als ein Tag geistiger Erhebung erschien, ist dem B rfaffer ein Produkt des griechischen Geistes. Un) weshalb? In erster Linie darum, weil Philo, angeblich als einziger vorchristlicher Schriftsteller, davon spricht, daß die Juden „am fiebenten Tage die von den Vorfahren ererbte Philosophie pflegen und diesen Tag der Erforschung und Betrach ung der Natur der Dinge widmen." Wohl ist Friedländer so liebenswürdig zuzugeben, d. ß der Sabbat schon früher bestanden habe, aber er sei ein Tag der ..Untätigkeit gewesenvon geistiger Tätigkeit, von gottesdie, sttichen Versammlungen wurde nirgends etwas ber.chtet. Daß schon Jesajas von der Festversammlungen des Neumonds und SabbathS sprich> (Jet. 1, 13), daß schon aus dem Buch der Könige (11, 4, 23) die Sitte zu ersehen ist, am Sabbath und Neumond den Propheten aufzusuchm, um von ihm Belehrung zu empfangen, ' ört den Geistesflug unseres Autors wenig. Nach ihm haben die ältesten grtecl tschen^ Philosophen das Verdienst, den Ruhetag begründet zu haben. Dabei erwähnt er selbst eine Aeußerung Strabos, der von der weiten Verbreitung der Juden stricht und hinzufügt, daß „Aeghptea und Cyrenäa, die in ihren Händen find, und viele andere Städte, die Sitten derselben nachahmen, der großen Schar der Juden ganz besonders zugetan find und mit ihnen prosperieren, indem sie nach d n althergebrachten Sitten der Juden leben." Ebenso erwähnt er die Dekrete des Kaisers AugustuS, der den Juden, und ausschließlich diesen, gestattete, ihre synagogalen Zusammenkünfte nach altem Brauch zu halten. Das ist doch der deutlichste Beweis, daß diese Zusammenkünfte durchaus jüdischen Ursprungs waren. Es mag damit genügen. Die ganze Art Friedländers charakterisiert fich als eine Tendenz chrtftsteller^i allerschlimmster Sorte. Sein Ziel ist die Herabsei. ung des Judentums und die Verherrlichung des Christenmms. Daß er fich dabei der Zustimmung gewiffer liberaler evangelischer Theologen zu erfreuen hat, ist nicht zu verwunderndenn auch seine Schriftstellerei ist eine Art Juden» mtsfion. Dr. J. U. Tn irrt* n«o niinn bv po'23 n«»o ibd jtpk-o wi p»*n pbn irroppB o"oi pn niO»*W Preßvurg, 'n O l'n* (Selbstverlag des Verfasser-: Rabbiner E. Reich, Tyrnau, Ungarn). Man mag über den exegetischen Wert deS niTJO — wie rS hauptsächlich in Ungarn und den östlichen Ländern gepflegt wird — denken wie «an will, man wtrd Der Israelit. ihm, bei aller prinzipiellen Gegnerschaft, die ihm inne wohnende religiös erzieherische Kraft keinesfalls absprechen können Fast in allen größeren Gemeinden Ungarnbestehe» Vereine, die fich die höchst lobenswerte Aufgabe stellen durch allsabbatliche Vorträge den religiösen Sinn de Gemeinde zu wecken und zu erhalten. Wer jemals eine» Sabbat z. B. in dem altehrwürdigen Preßburg derlei tr. der harte Gelegenheit zu beobachten, wie vollgepfropft dir verschiedenen Schturlokale find und mit welch großen, Entzücken die wißbegierige Menge an den Lippen deS vor tragenden Rabbi hängt und den Deutungen von B bei ersei und den hiezu zitierten Mtdraschstcllen mit Bebagen laust! Derartigen Institutionen hat es Ungarn größtenteils z danken, daß hierzulande der Ginn für niW und HKT nicht nur noch nicht geschwunden ist, sondern daß der D^n immerzu neue Reste ansetzt. — Eine Sammlung solcher Schiurvorträae liegt uns in dem von Rabbiner Reich veröffentlichen Werke J"|K»0 pö’JB vor. Das Buch, in schönem rabbinischen Hebräisch geschri - ben, enthält zu den einzelnen JTnno des ^»813 1BC niötttt Erklärungen zahlreicher schwieriger Stellen unt vkisreot eS der Verfasser die dunkelsten Talmud- und Midraschstellen, ohne mit der Gremmatik fich auf den Kriegsfuß zu stellen, in klarer, lelchtfaßlicher Weise z» erklären und > e dem Verständnisse näher zu t.ingen WaS diese Borträge aber besonders auSzeichnet, ist der tiefreligivse Sinn, der uns aus denselben enrgegenwehr. Ein besonderes Verdienst hat fich der gelehrte Verfasser durch den am Ende des Buches beige ügten Index zu dem sehr wertvollen, aber leider nur wenig beachteter “110 IBD von Rabb. I. Hirsch Sei shaus pT* (Wien) erworben. — Dieses sechsbändige exegetische und homiletische Werk, dainfolge der herrlichen und geist reichen Interpretationen die w tiefte Verbreitung verdiente, ist tatsächlich infolge der unsystematischen Anord nung, die die Benutzung desselben außerordentlich er sch uert, heute nur sehr wenig beachtet. He r Rabbiner Reich hat fich nun der großen Mühe unterzogen und uns einen vollständigen Stellennachweis zu allen 6 Bände», dieses für jeden Thora gelehrten wertvollen Werkegeliefert Er hat dadurch die Benutzung diese- Werkes nicht nu erleichtert, fondern.es uns sozusagen erschlaffen, wofür ihn» besonderer Dank gebührt. Sein Werk ist uns dadurch noch wertvoller geworden. Das Buch des Rabbiner- Reich »st von große» Kapazitäten des In- und Auslandes vorzüglich approbiert und verdient einen größeren Leserkreis. Besonders j ngere» Kanzelrednern ist es zur Benutzung sehr empfohlen, abe» auch Andere werden enicht ohne Nutzen aus der Hand legen. Dr. F. *?» nrorp mm ^73 ptwn pbh »“non rro *?3Kn fVsSl min von Ch. Rabbtnowicz Oden he im (Baden) »Selbstverlag des Ber fasiers). Man hört heute so oft den Wunsch nach einer gesunden Bolksltratur in den verschiedensten Tonarten äußern. Die jüdischen Autoren, die fich die Schaffung gurer Volksschriften angelegen sein laffen, ha en wahrlich keine allzuschwere Arbeit, sie brauchen nicht in die Ferne schweifen und kostbare Schätze aus fremden, ungekanme, Welten hervorzaubern. Entvält doch unsere alte talmu dtsche Literatur eine Fülle solcher Schätze und Perlen, die als QIk 5» 73^> DWIÖ.1 0'131 für das Bol» gedacht, l.eaie noch einen gewaltigen Zauver auf den einfachen Mann auS dem jüdischen Bot e ausüben. Wer es verstanden hat, in diesen lieblichen Garten der Agadah einzudringen und mit geschickten Händen eine Blumenleje vorzunehmen um ste dann in anmutiger Einfassung dem Volke zu reichen, der darf als Wohltäter gepriesen werden Der Autor des vorliegenden 144 Seiten starken Buches- Verstand es wie karrm ein Zweiter auf dteiem Gebiere, den Volkston zu treffen. Seme Auswahl aus den niTlK bin mit gedankenreichen Betrachtungen versehen, besonders diejenige, die als Lcrnvorträae in ^k.1 fVO bestimmt find, zeugen von tiefem psychologischen Becständntffe, von reicher Erfahrung und guter Kenntnis der Verhältnisse auf dem Lande. DaS Buch, in sehr leichten hebräisch geschrieben, rn hält eine Fülle von Anregunge, und *1010 nm in schöner anmutiger Form. Lehre» auf dem Lande, die es zum Zwecke ihrer Sabbat-Bo träge benutzen, dürfen eines aufmerksamen und dankb ren Zuhörerkreises sicher ft in. Sch. Sprecbsaal. Geehrte Redaktion! Da in den letzten Nummern deS „Israelit" im Literarischen Sprechfaal das Thema , Zahlensy nboltk" lebhaft diskutiert wurde, so dürften vielleicht ein paar Worte zur Verständigung im Anschluß an meine früheren Bemerkungen in Nr. 46 deS „Israelit" am Platze fein. Svmbolische Deutungen spielen, wie allgemein bekannt, seit jeher in dem jüdischen Schrifttum eine große Rolle, und n aS besonders die Zahlen angeht, so weist die Bibel elbst an vcrsch ebenen Stellen auf Zahlenparallelr hinz. B. ‘nb 'DZ (vergl. die hermeneutischen Regeln des '^2,1 'Vl' l'Z tt'1 Rr. 27 ff. in ’aYfl 'q 0b)P/ Wilna 1858 p. 1^6 ff.) Einige der Zahlen haben auch eme besondere symbolische Bedeutung, so z. B. die M . _ Sette 11. Zahlen 7, 8 ujw. Vergt. ^>»rjch, Ges. Schrljren lil^ p. 303 ff. Die Zuläsfigkeit der symbolischen Auffassung setzt jedoch mehrere Bedingungen voraus, welche S. R Hirsch in einer k asstschen Abhandlung: Grundlinien einer jüdischen Symbolik I §§ 8sf n it musterbafter Klarbett sargelegt hat. Diese < orauSfttzungen bestehen hauptsächlich darin, daß 1. der symbolische Charakter fepsteht unr» 2. die A b s t ch t. de-Urhebers sowie 3. der persönliche, räumliche und zeitliche Zusammenhang klar liegt. D e hauptsächliche Bedeutung des Symbols liegt nämlich tnt Subjektiven, d. h. in der Einwi»k ng auf den vernehmenden Geist. Hierin liegt hauptsächlich der Zweck und die Bedeutung des Symbols als Symbol, und ohne Beziehung auf daempfangende Subjekt fehlt evon vornherein an einer jeden Berechtigung, von Symbol zu sprechen. Eine andere Kategorie von Zahlen- und anderer Symbolik, welche im Talmud, besonders der Agadah und der späteren jüdischen Literatur (z. B. jm'OK :tl'bPD) so häufig vorkommt, bezweckt teils mnemole^,ntsche Hilfsmittel zu bieten, »eilweckend und anregend auf den Geist zu wirkenvergt. rr'->00'2 xbtCXlpn btt ppnoii usw., z. B. 173 2pz-, 318: KT Z b und viele andere Stellen. Bergt, auch 'n H3»Ö mbnitn 'X plL> Siehe besonders zu no» »b: mp'Bn. no» Si*?n vpby Trio ixb -z'vb'n jOTBnb 0.13 10'» K11 0.13 WO ]b KpB2 y,K3 0.1» 'aS 3*?n DK T»10.1 11JK3 13ln s'3'iL imi pK.i nori 0'»2 n»iin jno»1? Dzzb n« pi»0^ p2»iin- Allein eine „Symbolik", die per fas et nefas Zahlensystem e auf die gekür steltste Weise, ohne jeglichen AiihaltS« Punkt in dre Bibel htneinpreffen will, dürste man, selbst wenn fie etwaneues brächte, nur mit dem größten ."orbehalt aufnehmen. Welche religiöse und morallsche Einwirkung oder überhaupt welches Zi>.l so te mit einem solchen, durch die ganze Bibel durchgefüh.trn „Zahtenqebäude" be .weckt werden? «uf ihren Wert > lS Beweifür die Wahrheit der Bibcl brauche ich wohl nicht wieder zurückzukommen. Auch um die mnemotechnische Seite eines jolchen Versuches steht eS nicht besser. Denn wenn jemand Lust hat, „die Zahienwertjumme des AmaiekoertchreS" (ver^l. Nr. 44 deS , Jsra« lit") auswendig zu lernen, so wird es ihm ficher keine erhebliche Erleichterung gewähren, zu wissen, daß diese Zahl 25939, aus den „KomblnatienSzahien" 428 . 17 4- 721 . 26 besteht. (Dies gegen eine Bemerkung in Nr. 48 deS „Israelit.) Was die mathematische Seite angeht, habe ich schon in Nr. 46 nachgewtesen, daß fich derartige „Kombinattonszahlen" > ach den Regeln der unbe- Nimmten G-elchung (26 x + 17 v — t) durch Reihenentwicklung in Kettenbrüchen u.' dgl. überall darstellrn laffen. Ich habe nirgends behauptet, daß x und y positiv seien (x UNO y find nur positiv, wenn -4- £ < m < -4- Jg-) wie Herr Oberlehrer Joseph Earlebach Nr. 50 bet nochmaligem Durchlesen meiner Bemerkung Nr. 46 ersehen wird. Jedoch kann man bet so großrn Zahlen x und y immer positiv wählen, z. B. h»t eine belieb ge Zahl 89536 ca. 200 Positve derartige KombtnarionSzahten. Warum übrigens gerade die Subtraktion ausgeschlossen sein soll, ist unbrgre.flich. Auch nävere Bestimmungen der Koeffrztenien x und y (z. 8. x + y =» 26 oder — 17), auf welche fich Herr Goldberg Nr. 50 beruft, laffen fich, da m unbestimmt ist, mathematisch leicht finden, so ist z. B. x -sy ein Multtplum von 26, wenn m -rt~9>6p usw. Solche Zahlensysteme laffen sich in jedes Buch htneinkonstruieren. Naphtali Cohn, Kopenhagen. i Citeramcbe ßotizen. Auf die in No. 48 dieses g»schätzlen Blattes angeregte Fraqe betr. der nilBO ,12'22 in orm «er» 01'3 101 Kinn (1- & M. 30, 35) Dm ich der Meinung, oaß diese nennende n2'22 unS Aufyäru, g darüber gtebt, wie schlau und voxfichng Laban zu Werk gegangen ist, uud zwar B1'3 ID’V er sonderte ab deS Tages (>,m Hellen Tage.) Kin.1 derselbe, nämlich Laban seit st, (da dock vordem jvwohl von Laban als auch von Jakob die Rede ist ) DaS Wort Kl.1.1 bezieht fich demnach nicht auf den Tag, fon ern auf Laban. B. Peffen, Soldau. Zu der Rezenfion deS Buches „Zur Redaktion der Mifchna" in Nr. 50 unseres BlutieS erhalten wir vom Verfasser des BucheS, Herrn Dr. Jakob Baßfreund, Oberrabbiner in Trier, eine läng re Entgegnung, auS der wir zur Lache entnehmen, daß. entgegen der Vermutung des Rezensenten, die Ausführungen Halevhs dem Auto» bei feiner Arbeit nicht Vorgelegen haben, daß er die Anfichten Ha evys nicht kenne und selbst jetzt noch nicht wisse, worin »r eigentlich mit H. übereinstimmeu sollte. Wir Hab n diese Mitteilung dem Rezensenten übermittelt, und zwet'eln nicht, daß derselbe nach dieser Erklärung nunmehr seine Meinung üner ein Verschulden deSAutors entsprechend geändert hat.