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Der Israelit · 1909-01-28 · Heft 4 (28.1.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 4 (28.1.1909)
Date
1909-01-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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28. Januar c 190 Der J-raeUr. Sette 11 ttx. 4 Dieser gute Zweck sowie die hohe Achtung, deren der Verein in den hiesigen jüdischen Kreisen sich erfreut, hatten ein äußerst großes Publikum herbeigelockt, so daß der große Saal der „Alemannia" bis auf dm letzten Platz besetzt war. Einleitend entrollte Herr Pvoseffor Weil ein anschauliches Bild von der Entstehung, dem Wesen und dem idealen Streben des Vereins, dessen Mitglieder durch Studium des Wahren und Schönen in der Weltliteratur auch ihr jüdisches Denken vertiefen, und immer mehr in die Erkenntnis des Erhobenen und Edlen, also der jüdischen Werte eindringen. Getreu dem Spruche der weisen Lehrer: „Weise ist, der von jedem lernt", sei es der Grundsatz des Vereins, das Gute zu nehmen, wo es immer zu finden ist. Es genüge, auf die Werke wie „Nathan der Weise", „Judith", „Kaufmann von Venedig", deren Lektüre mit zum Bereinsprogramm in diesem Winter gehörten, hinzuweisen, um zu erkennen, mit welchem Eifer und Ernst sich die Mitglieder mit den ewigen Problemen der Menschheit beschäftigen, mit den Begriffen der Ehre, Toleranz und Menschenliebe, die von den Juden zuerst verkündet, heute Gemeingut der gesamten K^lturwelc bilden. Nach dieser eindrucksvollen Rede, die für diejenigen, welche bei Veranstaltungen von jüdischen Vereinen jüdische Sujets zu suchen gewöhnt find, den Kern- »nd Glanzpunkt des ganzen Abends bildere, setzte das eigentliche Programm ein. Der Vorsttzende, Herr Hermann Frank, hielt eine Etnsührungsrede, in welcher er in markanten, Worten ein anschauliches Bild vom Leben und Schaffen des gefeierten Dichters entrollte. Den Dichter lernten wir aber bald durch den Vortrag seiner Gedichte und anderen Schöpfungen in seiner ganzen Größe kennen. Es waren freilich Kräfte für die Rezitationen gewonnen, wie ste sich kein Autor beffer wünschen könnte. Fräul. Jenny Rapp, Fräul. Flory Birnbaum, Frl. Rosa Cahn, Frl. Recha -chwarzschild, sowie die Herren Fritz Stern, Carl Meyer, Edwin Frank, Sally Rosenh ei in er nnd Fr ritz Lehr haben, wie schon oft bei anderen Gelegenheiten, auch dieses Mal ihr Bestes gegeben. Auch ein Einakter des Dichtern wurde flott gespielt, bet dem außer einigen der genannten Herren sich noch Frl. Friedel Tannenbaum in ter Damenrolle sehr auszeichnete. Frankfurt a. M, 27. Januar. In der Zionistischen Vereinigung sprach gestern der rühmlichft bekannte Palästinalenner, Herr T a v i s T r i e t s ch , über: „T i c Juden in der neuen Türke i". In einer grgß angelegten Rede zeichnete der Referent ein lebiutsvolles Bild von der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Juden in der Türkei und besonders in Palästina. Ter Umschwung der 'Tinge in der Türkei berechtige, nach den van .vielen Belegen unterstützten Ausführungen des Redners, zu oeu bestell Hoffnungen für die Zukunft der dortigen Juden. Freilich müßte noch besonders zur Hebung der Industrie im Lande ungemein viel geschehen. Tie Diskussion wurde zur Stellung von Fragen reichlich benutzt, die der Referent in einem Schlußworte farblich und ausführlich beantwortete. Mit großer Aufmerksamkeit hörte man auch einem Tiskussionsredner zu, der als Augenzeuge sehr interessante Mitteilungen über die Juden in der Türkei, besonders in Salouik, wo er die unblutige Revolution miterlebt kfatte, machte. Ahrweiler, 21. Jan. An der Ayr hat Visen lvlnter wieder neues jüdisches Leben begonnen. Wir onnten hier eine literarische Bereinigung gründen, zu >eren Mitgliedern fast sämtliche jüngeren Leute der tnteren Ahr gehören. Die Anregung hierzu gab Herr stefendar I. Kahn au« Köln. Der Berem steht auf lusgesprochen gesetzestreuem Stundpunkt. Bon den seiden wöchentlich stattfindenden Bereinsabenden wird der ine zur Behandlung religiöser Themen, der ändere für lllgemeine Literatur verwendet. Mit Genugtuung können vir konstatieren, daß gerade unter der Jugend das ortho- >oxe Judentum hier festen Boden gewinnt. Um aber die Ideen des gesetzestreuen Judentums itttem weiteren Kreise näher zu dringen, hatte die jüdische iiterarische Bereinigung die hiesige und umliegenden Genetnden zu einem öffentlichen Bortrag des Herrn Reerendar I. Kahn über ..Die heurige Organiation der Judenhetr Deutschlands" eingeladen, tu dem auch die Gemeindemltglieder vollzählig erschienen varen. Der Redner ging von der Zeit des mittelalterichen Ghettos aus und schilderte mit klaren Worten velch nachteiligen Einfluß die französische Revolution, ne ja bürgerliche Gleichberechtigung der Juden zur Folge atte, auf die religiöse Lebensweise der bis dahin vertoßenen und unterdrückten Juden ausübte. Auf zwei Wegen suchte man diesem Abfall entgegenzuwirken, durch Reformen einerseits, durch treues Festhatten am Bärerstauben andererseits. Die Jahrzehnte, die der Emanzticitton der Juden folgten, kennzeichneten fich durch den Range! an Zusammenge örigkettsgefühl. Es ist dies eine mtürltche Erscheinung. Denn das frühere Band, das ille unzertrennbar umschloß, die Religion, gilt den meisten üchts mehr. Erst um die Mitte des vergangenen Jahr undertS beginnen allmählich wieder die Bestrebungen, ie einen festeren Zusammenschluß bezwecken. Redner ntwtckelt dann die Entstehungsgeschichte der wichtigsten Organisationen, zeigt ihre Zwecke und das, wüsste geetstet. Mögen sie durch Ausüben werktattger Nächftentebe viele Wunden am Bolkskörper gehellt haben, eines ,aben sie teils bewußt, tttls unbewußt vernachlässigt, die eligtöse Sette. Hier ist es die „Freie Bereinigung ür die Jntereffen des orthodoxen Judentums", die eS ich zur Ausgabe gemacht hat) das wichtigste Band der jüdischen Gesamtheit wieder herzustellen: Die Erweckung echt religiösen Lebens. In begeisternden Worten zeichnet der Redner ein Bild dieses Bereinig zeigt seine Notwendigkeit und das, was er geleistet. Die klaren Ausführungen des Redners waren so eindrucksvoll gektrönt, daß der größte Teil der Erschienenen fich sofort der' „Freien Bereinigung" anschloß und noch am gleichen Abend eine Ortsgruppe gegründet wurde. J. A Basel, 25. Januar. Vergangenen Sonntag hielt der wegen seiner großen Gelehrsamkeit weit über die Grenzen seines Wohnortes Sennheim (im Elsaß) hinaus berühmte Rabbiner Salomon Bamberger, einen höchst anregenden und inlereffanten Bortrag im Kreise des Schomre Thora Vereins. Der große Saal des Bethaaudrasch war bis auf dem letzten Platz gefüllt von Freunden, ehemaligen Schülern und Verehrern des großen Mannes, die andächtig den Worten des Greises lauschten, der mit jugendlichem Feuer und Begeisterung zu ihnen sprach. Das Thema war die Brocho über die Thora. Aber welche Fülle von feinsinnigen Bemerkungen und von gelehrten Erklärungen, welche blitzartig scheinbar dunkle Stellen der Thora aufhellten, wußte der verehrte »Redner in seinen Vortrag einzufleryten. Wohl a e Zuhörer bedauerten, daß ein so großer Mann auf einen so kleinen Platz gebannt ist, wo von seinem staunenswerten Wtffen und seiner Gelehrsamkeit nur Wenige Nutzet: ziehen kö men. Als Herr Rabbiner Dr. Cohn, der den verehrten Gast mit herzlichen Worten begrüßt hatte, ihm zum Schluffe den innigsten Dank der Versammelten aussprach und mit dem Wunsche schloß VD'' 'H VnWtPI war wohl keiner, der nicht mit freudigem einstlmmte. 1 Zürich. 25. Jan. Wie Sie s. Zt. berichteten, hat vor einiger Zeit Herr Rabbiner Korn fein im Schoße des „Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" dte Gründung etner »irdischen Volksküche angeregt. Man trat in dem genannten Vereine der Sache auch näher, be chloß jedoch mir Rücksicht darauf, daß das Projekt weitere Kreise interessieren dürfte, mit Mitgliedern der hiestgen israelitischen Kultusgemeinde Fühlung zu nehmen. Es hat fich nun in der vergangenen Woche hier eia Znil alkomitee gebildet, an deffen pitze Herr Julis Dukas-Brandeis steht, und welchem neben Mitgliedern der Reltgionsgesellschaft auch Mitglieder der Kultusgemeinde, u. a. auch Herr Rabbiner Dr. Littmann angehören. Personalien. Schw Hall, 24. Januar. Zu einem fröhlichen Familienfeste gestaltete sich dte Feier, zu der die Mitglieder unserer Gemeinde mit ihren Angehörigen fich am gestrigen Sabbath-Abend vereinigten. Es galt, Herrn Heinrich Herz zur fünfundzwanzigjährigen ununterbrochenen Ausübung des Borsteheramtes die wohlverdiente Huldigung darzubringen. Der Name Heinrich Herz ist ja weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt und. geehrt als der eines unermüdlichen Borkämpfers des gesetzee treuen Judenmms und hätte man nicht, so bemerkte der Festredner, Herr Lehrer Hähnlein, der Bescheidenheit Rechnung tragen müffen, an Kundgebungen freudiger Teilnahme aus allen Himmelsstrichen — einschließlich Polen, Galizien und Palästina! — hätte es sicher nicht gefehlt. Durch die Ueberreichung eines prächtigen Chanuckaleuchters kamen dte dankbaren Gefühle der Gemeinde zum schönen Ausdruck und wurde auch der Geist veranschaulicht, in dem der Gefeierte seit einem Vierteijahrhundert in seinem Kreise und für ganz Israel wirkt, r aß aber, die Betätigung der jüdischen Pflicht in ihrem vollen Umfang den Jubilar nicht verhindert hat, auch in nichtjüdtschen Kreisen zu Hohem Ansehen zu gelangen, davon zeigte die Beteiligung des O erami manns Herrn Regierungsrat Bogt, der hervorhob, wie Herr Herz fich seit etner Reihe von Jahren, von dem einmütigen Vertrauen seiner Mitbürger getragen, als Mitglied des Stadtrats und der Amtsversammlung um das Gemeindewohl verdient mache. Und mit vollem Recht durfte es Herr Kirchenpfleger Josua B. Schwab sagen, daß dem gesetzestreuen Jehudi Vertrauen und Acht ng der nichtjüdischen Welt nicht trotz, sondern gerade dank der durch die Thora bestimmten Lebenshaltung zuteil werden müffe. Herr Bezirksrabbiner Dr. Berlinger rühmte in der thm eigenen schlichten und zu Herzen gehenden Art das innige Einverneh > en, das in unserer Gemeinde zwischen Borstand und Mitgliedern herrsche und durch die gegenwärtige Feier aufs schönste erwiesen werde. Es sprachen noch einige Herrrn zu Ehren des Jubilars, und seiner edlen Gattin. Sodann schl ß Herr Herz selber dte Reihe der Anspra t en mit Humor- und eindrucksvollen, mit min ’Hm gewürzten Dankesworte. Es w t lange nach Mitternacht, als das Fest, durch das die Geschichte unserer Gemeinde um eine echt jüdische nnött? bereichert wurde, sein Ende nahm. Uno wir gingen auseinander mit demWunsch, den wir auch an dieser Stelle dem Jubilar und seiner Gattin zurufen wollen: nW DnWl HKÖ *71?! München, 20. Jan. Prinz Ludwig hat dieser Tage dem Inhaber der Firma für Ehem.-technische Produkte Jakob Böhm den Hoflteferantentitel verliehen. Cssa üereinskalcnder. Jüdischer Frauenverein e. B. Am Montag, 1. Febr., abends präzis 9 Uhr, im Hörfaalr der Jsr. Gesellschaft, Schützenstraße 12: „Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte der jüdischen Anschauung." Referent: Herr Prof. Tr. Fink. — Am Mittwoch, 3. Februar, abends 9 Uhr, in der Realschule der Jsr. Rel.-Gesellschaft, Am Tiergarten: „Lektüre und Erläuterung des Buches Hwb". Herr Dir. Dr. Lange. Gäste (Damen) find willkommen. Verein Mekor-Chaiim, Samstag, 30. Januar, Nachmittags 3% Uhr, - chützenstr. 2, Mikro-Vortrag deS Herrn Max Bender. — Sonntag, 31. Januar, Nachmittags 51/* Uhr: Vorlesung des Herrn Prof. A. Wehl aus „Sefer Schauftim." Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung '22t JY?rU- Mittwoch, 3. Februar 1909, abends 8 Uhr, im Beretnslokale Schützenstr. 2: Bortrag über „Der fünfzehnte Schewat". Referent: Herr Gustav Kaufmann/ Dozent: Herr Prof. Dr. E. Fink. — Samstag, 30. Jan., mittags 12-1 Uhr, im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre des Pentateuch- Kommentars unter Leitung des Herrn S. Schachnowitz „Montefiore", Verein zur Pflege der idealen Jnteresien jüdischer junger Leute. Mittwoch, 3. Februar, abends 9 Uh'', im Saale Langestr. 26, I.: „Musikalischer deklamatorischer Abend". Briefkasten. Langjähriger Abonnent. Es handelt fich bei der Notiz selbstredend um Stopsgänse. In der zweiten Frage sind wir ganz Ihrer Ansicht. Die Notiz wirb veröffentlicht. M. W. Die Notiz in dieser Fassung beruht natürlich aus einem Irrtum. Es sollte nur damit gesagt sein, daß zwischen und m* sowie EHPT und p'3 n"1 keine flipDCn eintreten können. L. S.' in H. Ste haben ein sonderb res Sujet für Ihre Erzählung gewählt, das fie für uns unbrauchbar macht. Fra« F. B. in St. Da wir keinerlei Berfügungsrecht über den Annoncenteil haben, so find wir nicht in der Lage, Ihren: Wunsche irgendwie nachzukommen. P. P 100. Uns ist eine solche Jnstititutton hier . nicht bekannt. H. P. in P. Es ist darüber schon oft in unserem Blatte geschrieben worden und unser Standpunkt dürste Ihnen bekannt sein. Bezüglich der zweiten Frage wenden Sie sich bitte «t daS Bureau für Statistik der Juden ln Berlin-Halenfee, Ringbahnstr. 128. Rabbiner S. F. in M. Eignet fich leider für uns nicht. TamiliennacbricMen. Verlobte: Antonia Figatner, Jos. Geldzähler, Amsterdam-Antwerpen. — Marguerite Meyer, vr. inr. Alexander Klein. Mülhausen (Elf.»-Paris. — AmalieWiefer, Hirsch Silber, Baden (Schweiz)-Zürich. Ver mahlte: James Pollack, LUy geb. Rosenbaum, BreSlau-Franksirrt a. M. — Ludwig Wallach, Jimntz geb. Horn» Cöln a. Rh. Verstorbene: Clara Distelburger (Schiff) Oberthulba. 60 Ir. — Frau H. Pine aS, Cleve. 86 Ir. BsrmiiWohfelern: fflatban, Sobn von Isaak GunderSheim, hier, Rechneistr. 1, in der Synagoge der Männerkrankenkaffe, Rechneigrabenstr. — Seligmann Bär, Sohn von Rabb. Dr. Bamberger, Bad-Kiffingen. Labbai-Anfang u. Ausgang. «2 OBT: Anfang Datm» Ausgang UhrlMin. 1909 5669 Uhr iMin. - 30. Jan. 8. Schewat Frankfurt a. M 4 50 6 05 Berlin .... — — 5 33 München . . . 5 — 5 53 Strafchnrg . 5 r- 6 05 Stnttgart. . . 4 45 5 58 Pole» ... — — Ü 30 Nürnberg . . — — 5 50 Hamburg. . . — — 5 45 Prag. — — 5 80 — -—•■.'lim . — -■-'MinnrTiiriliiiiirr

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