Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1909)
- Date
- 1909-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 4. Der Israelit.. 28. Januar 1908 ersten in Neu-Amsterdam, (New-Aork unter der holländischen Regierung), landeten. Es wurden ihnen mit der Landungserlaubnis große Schwieriegkeiten gemacht. Nach längeren Verhandlungen schrieb die holländische Westindiern-Companie an den Gouverner Stuyvesant, daß man nach vielen Beratungen auf eine Petition gewisser portugiesischer Juden hin zu der Entscheidung gelangt sei, daß sie die Erlaubnis haben sollen, in Neu- Niederland zu verkaufen und zu handeln, zu leben und dort zu bleiben, vorausgesetzt, daß die Armen unter ihnen weder der Gesellschaft, noch der Gemeinde zur Last fallen, sondern von ihrer eigenen Nation unterstützt würden. Aehnliche Versprechungen wurden im Mittelalter gelegentlich einer neuen jüdischen Einwanderung in europäischen Ländern oft gegeben. Man muß dabei auch in Betracht ziehen, daß unter den Juden es verhältnismäßig wenig Landstreicher und Paupers gibt, wobei wir unter Pauper jemand verstehen, der körperlich wohl zur Arbeit fähig wäre, aber den Ehrgeiz verloren hat, für sich und die Seinen zu arbeiten. Es gibt viele Arme unter den Juden, aber sie bestehen meistenteils aus Invaliden, Kranken und Krüppeln. Sogar die sogenannten „Luftmenschen" unter den osteuropäischen Juden sind eine schwer arbeitende Klasse, die immer eine Möglichkeit sucht, zu etwas zu kommen, aber durch widrige Verhältnisse meist daran verhindert wird. . Ueber die Ursachen und die Verbreitung der jüdischen Armut ist nur sehr wenig geschrieben worden, besonders in den westlichen Ländern. Ich kenne nur zwei Schriften über Ostjuden, nämlich Brodowski's „Das jüdische Elend in Odessa" in Nosiigs „Jüdische Statistik" und die Untersuchung, die die J. C. A. über die Armut der Juden in Rußland im Jahre 1898 angestellt und ursprünglich in Russisch und neuerdings auch in Französisch veröffentlicht hat. In Deutschland gibt es verhältnismäßig wenig arme Juden, was auch Ruppin in seinem Buche „Die Juden der Gegenwart" gezeigt hat. Dasselbe scheint bei den einheimischen Juden der westlichen Ländern, wie Frankreich, England, Belgien etc. der Fall zu sein. Und wenn man die Juden in den Bereinigten Staaten in Betracht zieht, so findet man, daß über ihre Armut fast nichts geschrieben wurde. Die Juden in Rußland, Oesterreich-Ungarn, Rumänien etc, die Verwandte in Amerika haben, glauben meistens, daß alle jüdischen Einwanderer in dem neuen Lande zu Vermögen gelangt sind. Es scheint deshalb angebracht, einige Daten über die Verbreitung der Armut bei beit Juden New-Aorks, dem größten jüdischen Centrum der Welt zu veröffentlichen. Obschon es von vornherein gesagt werden muß, daß es sich dabei nicht um Studium, ohne besondere Anstrengung, hingeben zn können." (Tie Rabbinergräber in Tiberias.) In vorletzter stummer brachten wir ein' Korrespondenz aus Tiberias, oie einen Appell an die Glaubensgenossen enthielt, zur Errichtung einer Umfassungsmauer um den alten Mischen Friedhof beizutragen, lieber diese alten Rabbinergräber befindet sich in einem soeben erschienenen Reisebericht aus Palästina folgende höchst interessante Schilderung: „Zunächst liegt unfern vom Kastell, an der rechten Seite des Weges nach Hattin, die Grabstätte Rambam's (Rabbi Mose bcn Maimoni. Man /nennt sie „neue Erate tsch ike". Offenbar rührt dieser Namen von den Sephardim her nnd ist nichts anderes als das spanische eorts chico, d. h. kleiner Hof. Tiefe Benennung pasch ganz gut, denn auf drei Seiten umgibt ein Mäuerchen die Gräber, deren Zwischenräume mit rohen Steinen gepflastert sind. Sie selbst gehören zn den unscheinbarsten Monumenten, die man sich denken kann. Ein plumper Unterbau in der Form eines länglichen Rechtecks trägt einen aus schlechtem Material konstruierten Halbzylinder, welcher mit seiner ganzen Schnittfläche aufliegt. Die weiße Tünche, womit er besprengt ist, gibt einzig Kunde, daß nch die Menschen dieser Steinhaufen noch annehmen. Es sind ihrer sechs, vier größere und zwei kleinere, zwei der ersteren mit einander verbunden. Nach Aussage des Rabbiners Mordechai Metil ist das Grab Rambam's das besterhaltene; ein anderes ist das seines Vaters Maimon, ein drittes enthält die lleberreste von Rabbi Jochrman ben Sakkai, das vierte deckt Rab Anii und Rab Asse (bekanntlich zwei kollrgialische Ammoraim), welche in Liberias dreizehn Schuten gehabt haben; unter dem sichere statistische Erhebungen hinsichtlich der genauen Zahl der jüdischen Armen und Unterstützungsbedürftigen in dieser Stadt handelt, so geben doch die Aufzeichnungen der „Vereinigten jüdischen Wohltätigkeits-Anstalten" die Minimal-Zahlen der Juden, die in Fällen der Not die Hilfe ihrer Glaubensgenossen anrufen müssen. Die Berichte dieser Gesellschaft' sind auch noch deshalb von großem Werte, weil sie nicht nur die Zahl der Hilfesuchenden, sondern auch viel informatives Material über die soziale Lage der Bittsteller sowohl, wie über Alter, Geschlecht, Beruf, Ursachen der Verarmung, Herkunftsländer etc. enthalten. Für diesen Artikel habe ich mich des Berichtes der „Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsanstalten" für 1905 bedient, den ich deshalb bevorzugt habe, weil er der umfassendste Bericht ist, den die Gesellschaft überhaupt veröffentlicht hat, sodaß sich in ihm viele Punkte finden, die weder in irgend einem früheren, noch in einem späteren Bericht erörtert wurden. Im Jahre 1905 wurden 10015 Bittgesuche eingereicht. Diese Bittsteller repräsentierten eine Personenzahl von 44556. Darunter ist jedoch nicht die volle Zahl der Armen in New-Aork zu verstehen, denn die Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsanstalten sind nur für die Fälle in Manhattan und Bronx zuständig. Schätzen wir die jüdische Bevölkerung dieser beiden Distrikte auf 600000, io finden wir, daß im Jahre 1905 etwa 7°/» aller Juden gezwungen waren, Hilfe zu suchen. Mit der Lage in Rußland verglichen, wo nachgewiesenermaßen nahezu aller Juden ganz oder teilweise verelendet sind, ist dieses ein ' kleiner Armuts-Prozentsatz. Aber im Vergleich zu der übrigen eingewanderten Bevölkerung anderer Nationalitäten und Konfessionen zeigt es sich, daß die Juden eine größere Anzahl Hilfsbedürftiger stellen. Die hauptsächlichsten Ursachen sind darin zu suchen, daß es unter den Juden so gut wie keine Ackerbauer gibt, und daß sie kaum je in landwirtschaftlichen Betrieben Arbeit suchen, wo fast immer Arbeit zu vergeben ist. Auch sind sehr wenige ungelernte jüdische- Arbeitskräfte bei Eisenbahn- und Tunnelbauten und in Minenbetrieben beschäftigt, obschon sich in letzterem die Zahl der Juden zu vermehren beginnt. Die große Majorität der jüdischen tandwerker in New-Aork ist in der Bekleidungsndustrie beschäftigt. Die Arbeitsteilung hat sich hier zu einer solchen Vollkommenheit entwickelt, daß nicht nur gelernte Schneider in diesen Betrieben Beschäftigung finden, sondern jeder, der arbeiten will. Aaher kommt es, daß während die Löhne der gelernten Schneider ganz befriedigend sind, das große Heer ungelernter Arbeiter an der Nähmaschine, die Bügler re, in der Regel sehr elende Löhne empfangen und auch oft keine Arbeit haben. Diese Leute und die Hausierer, Straßenverkäufer usw. sind es, welche oft gezwungen sind, die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten in Anspruch zu nehmen. Doch finden sich, wie ich bald zeigen werde, nur sehr wenige körperlich arbeitsfähige Juden unter denen, die die Hilfe der Wohltätigkeitsanstalten in Anspruch nehmen. Die interessantesten Eigentümlichkeiten zeigen sich bei einer Betrachtung der Herkunftsländer der Nnterstützllngsbedürftigen. Von den 10057 Bittstellern waren nur 337 in Amerika geboren d. h. nur 3,3°/» gegenüber 97,7°/» Eingewanderten. Eine andere bemerkenswerte Tatsache ist die, daß während die große Majorität der Armen russische Juden waren, doch beinahe alle europäischen Länder vertreten waren. 8537 d. h. 85,7°/» waren in Rußland, Oesterreich-Ungarn, Rumänien geboren und aus diesen Ländern eingwandert. Von den übrigen 1442 war beinahe jedes europäische Land und viele Teile Asiens und Afrikas und sogar Australiens vertreten. So waren 589 deutsche, 76 englische Juden, 24 aus Südeuropa (Spanien, Portugal und Italien), 43 aus der Türkei (Syrien und Palästina). Algier, Tunis und Egypten stellten je 1 Bedürftigen; auch Frankreich, die Schweiz, Schottland, Holland, Schweden, Serbien und Australien waren vertreten, aber nur mit ganz kleinen Zahlen. (Schluß folgt.) Morrespondenzen und Nachrichten. DerrtUhes MeUh. Berlin, 20. Jannar. Ueber eine Erpressungsaffäre wußten dieser Tage die Berliner Blätter zu berichten. Der Polizei ist es gelungen, zwei Personen,, die sich der versuchten Erpressung gegen einen oberschlesischen Grafen F. schuldig gemacht haben, in Haft zu nehmen. Der eine ist Mitarbeiter einer antisemitischen Zeitung, der sich zur Mitarbeit eine Frau Schüwarht fünften liegt Scheloh, der gefeierte Verfasser der JT"OH mmb Es folgt die „alte Crotetjchike", bestehend in einer rohen Steineinfassung nnd Trümmerhaufen. Tein defekten Zustand verdankt wohl der Platz das Epitheton „alt". Wenn wir die erste Gruppe damit vergleichen, so. draf man sie allerdings „neu" nennen. r> bis 10 Minuten weiter oben am steilen Abhang, neben der Telegrapheleitung nach Nazareth, stoßen wir aus ein schlechtes Gemäuer, welches Rabbi Akiba's Grab bezeichnen soll. Zwischen diesen Platz und die „alte Cvrtetschike" werden noch die Gräber Rab Chija's und feiner Söhne verlegt. Unter dem Westtor des Städtchens, um nochmals dorthin zurückzukehren, sieht man eine horizontal liegende Säule tief im Boden stecken. Unter ihr ruht Rab Hunna. Das sind die einzigen Bauten und Reste, welche unmittelbar westlich van Tiberias sich finden. Verfolgt mau die Straße, so stößt man wenige hundert Schritte von dem Brelchentor entfernt aus den jüdischen Begräbnisplatz, der heute noch als solcher 'dient. Hinter ihm dehnt, sich ein steiniges Terrain aus. Kleinere Basaltstücke, welche sichtbar die Spuren von Bearbeitung an sich trage:-, liegen bald einzeln, bald hausenweise da, immerhin halb im Boden versteckt und von Gestrüpp überwuchert. Eine starke, ungefähr quadratische Mauer, von ca. 2 Meter Höhe mit einem östlichen Eingang scheint der Rest eines kleinen Chans zu sein. Das Material ist Basalt. — Etwas weiter südwestlich, um ein''ziemliches Stück höher gelegen, steht die „Dschami", von Arabern und Juden so genannt. Es ist ein Bau von den bescheidensten Dimensionen. Eine geweißte, fernhin sichtbare Kuppel oeckt den würfelförmigen Unterbau. Als Gebetsort dient er nicht mehr. Das Innere ist nackt, wenn auch im ganzen unversehrt. Vor dem Eingang ist ein dachloses, hofartiges Gemach. Ein westlicher Raum beherbergt eine arme Familie. Tie Arrber lagen, das Gebäude sei von einer Frau gestiftet worden, die sie Sitte Skene neunen. Nach jüdischer Traj diriou soll oie Gattin Akiba's darin ihr Grab haben. I (Joseph Israels), der bekannte jüdische Maler,! wird heute 85 Jahre alt. In vielen Städten Hollands, wie in Haag und Amsterdam, werden kleinere i Ausstellungen feiner Werke, soweit man ihrer habhaft werden kann, veranstaltet. In Amsterdam ba^ eine hervorragende" Kunsthandlung ein erst jetzt öolF endetes Selbstbildnis des Künstlers erworben, das charakteristischer Weise im Vordergrund den hochbctagten Künstler, still vor sich hinsinnend, darstellt, im Hintergrund aber eines der Erstlingswerke des Künst lers „T avid und Sau l." vorsührt. .Mit diesem Selbstbildnis hat Joseph Israels, der das Mische Blut in leinen Adern immer sehr stark und selbstbewußt empfunden hat, eine Art Lebensbeschreibung im Wriß dargeboten; denn das erwähnte Erstlingelverk ist nicht nur hinsichtlich seiner künstlerischen .Auffassung, der stimmungsvollen Verteilung von Licht und Dämmerung, bezeichnend für das ganze Schaffen kec Künstlers, sondern es schlägt auch zuerst die religiöse und speziell die jüdische Note an, die dann in den weiieren bekannten Werken Israels weiter geklungen ist. Von seinen bekannteren Gemälden soll namentlich aus das berühmte Werk „Der Söh^ck des alten Volkes" und aus' den „T h o r a s ch r e i b e r ' hingewiesen werden, bei welch' letzterem der Künstler seine eigenen Züge festgehalten hat. Wir wünschen dem Künstler einen besriedigteu nnd heiteren Lebensabend. (Die jüdische Auswanderung «ach Amertta 4008.) Während des Jahres 1908 sind in den Hasen