Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1909)
- Date
- 1909-01-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449356--65225-2507852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Crzid^ung und l>eV Pai^ojiKl^ &«ll Hn die jüd. Uolksscbullebrer Bayerns. Bekanntlich wurde vom Bayerischen Volksschullehrerverein eine Kommission behufs Sammlung von Material zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Lehrerschaft eingesetzt, um sodann der Kgl. Staatsregierung eine Vorlage zu unterbreiten. Nach Aeußerung des Herrn Kultusministers im jüngsten Landtag sollen auch die Rechtsverhältnisse der jüd. Lehrer geregelt werden Es dürfte sich empfehlen, daß unsere Wünsche gleichzeitig mit denen der übrigen Volkschullehrer durch oen Hauptausschuß an die Kal. Staatsregierung gelangen. Ich habe mich deshalb mit Herrn Schubert ins Benehmen gesetzt, der sich bereit erklärte, unsere Aufstellungen derfragl. Kommission zur Verwertung zu übergeben; dieselbe hält schon im Februar eine Sitzung ab. Ich bitte nun die Herren Kollegen, Wünsche, Anträge, Gesetzesparagraphen, die einer zeitgemäßen Abänderung bedürfen, usw. mir baldigst zukommen zu lasten, damit ich sie sichten und zusammenstellen und rechtzeitig Herrn Schubert übermitteln kann. H. Goldstein — Heidingsfeld. Protokoll der III- Se»eralversa«»lnng des Bundes dtsetzesireuer iäd. teurer Deutschlands zu Traakfwrt a IN Am 28. Dezember fand im Kaufmännischen Verein die III. Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands statt, die einen glänzenden Verlauf nahmder Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Außer 125 Bundesmitgliedern war auch eine größere Zahl Nichtmitglieder, Kollegen aus Bayern und Baden, erschienenviele Freunde unseres Bundes, die am Erscheinen verhindert waren, sandten Begrüßungsschreiben und Telegramme. Nach vorangegangener Borftandssitzung eröffnete der Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Dr. Lange, Frankfurt a. M., 10'/, Uhr den Bundestag und hieß die Anwesenden herzlich willkommen. Er begrüßte besonders die Vertreter der Gemeinde, der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, die Delegierten unserer Zweigvereine, sowie die Leiter der Fortbildungskurse, die fast vollzählig sich eingefunden hatten und später bei Beratung der Thesen dankenswerte Anregungen gaben. In seinem Berichte wirft der Vorsitzende einen Rückblick auf die Fortentwicklung des Bundes in den letzten zwei Jahren, die unsere Erwartungen weit übertraf. Als wir uns, so führte der Herr Vorsitzende aus, in der letzten Generalversammlung trennten, gingen wir auseinander mit dem gehobenen Gefühle,'daß der Anfang gemacht war, Gleichgesinnte zu sammeln. Wir konnten damals, als wir noch mitten im Kampfe standen, Voraussagen, daß die Angriffe und Verdächtigungen auf unseren Bund verstummen, daß unsere Gegner bekennen würden, daß unser Beginnen doch nicht so aussichtslos sei, daß die gesetzestreuen jüdischen Lehrer doch genug Kraft in sich besäßen, um selbstständig für die Interessen der Lehrerschaft und des Judentums einzutreten. Und wahrlich wir haben uns nicht getäuscht, wir können mit Befriedigung auf die Erfolge nach außen und innen blicken! Zwar wird dem Vorstande oft der Borwurf gemacht, daß von der Tätigkeit des Bundes zu wenig in die Oeffentlichkeit dringe, daß die Werbetrommel nicht laut genug gerührt werde. Wir sind aber der Meinung, daß eine stille, fleißige Arbeit — hat doch unser Schriftführer allein in den 31/2 Jahren, außer Drucksendungen, nahezu 600 Korrespondenzen erledigt — oft mehr Erfolg erzielt als eine geräuschvolle. Während der Bund vor 2 Jahren 175 ordentliche Mitglieder zählte, ist die Mitgliederschaft auf 230 angewachsen, die Zahl der Zweigvereine hat sich um 3 vermehrt, so daß dem Bunde folgende Vereine angehören: „Jeschurun", „Unabhängiger Lehrerverein Hessens", „Verein Emden- Oldenbura-Bremen", „Cölner Lehrerverein", „Jsral. Lehrerverein für Frankfurt und Umgegend" und „Verein der Berliner Religionslehrer". Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder ist fast die gleiche geblieben. Ihre pekuniäre Unterstützung hat hauptsächlich den Bund in den Stand gesetzt, nach allen Richtungen, die ihm unsere Satzungen als Arbeitsgebiet bezeichnen, tätig zu sein. Um die geistigen Interessen der Lehrerschaft zu fördern hat der Bund 14 Fortbildungskurse, teils neu geschaffen, teils stark unterstützt. Es bestehen solche in Ansbach, Bamberg, Cöln, Darmstadt, Friedberg, Fulda, Fürth, Gießen, Halberstadt, Hanau, Leer, Nürnberg, Recklinghausen und Wittmund. Für diese Kurse, an denen sich auch Nichtmitglieder beteiligen können, gewährt der Bund eine jährliche Subvention von cirka 1100 Mk. (Gedruckte Lehrpläne über die Leistungen der einzelnen Kurse sind von unserem Schriftführer, Herrn Lehrer A. Hirschberg, Frankfurt a. M., Uhlandftraße 17, unentgeltlich zu haben). Auch die Kantorenkurse unter der bewährten Leitung des Herrn Oberkantor Pesachowitsch waren von zufriedenstellendem Erfolgleider war der Besuch durch die ungleiche Ferieneinteilung in den einzelnen Wirkungskreisen der Kollegen nicht so stark wie es im Interesse der Lehrer zu wünschen wäre. Verschiedene Werke für das Kantorat, die jedem Mitgliede leihweise überlassen werden, wurden angefchafft. Von großem Erfolge waren zwei Petitionen, die wir an den Kultusminister und das Abgeordnetenhaus richteten. In der einen baten wir um Anrechnung der Tätigkeit eines Mischen Lehrers als Kantor und Bal Koreh bei der Festsetzung des Gehaltes, in der anderen, daß die Dienstzeit der Religionslehrer und der Lehrer an Privatschulen bei dem Eintritt oder bei der Umwandlung in eine öffentliche Schule angerechnet werde. Ganz besonderen Dank gebührt dem Vertreter der „Freien Vereinigung", Herrn Rabbiner Dr. Munk-Berlin, für dessen Bemühungen in dieser Angelegenheit. Unsere Pensionskaffe macht recht befriedigende Fortschritte. Ein leider zu ftckih Heimgegangener Kollege, Herr Oberlehrer Dr. Josef Heinemann y'T, in Hamburg hat unserer Kaffe 750 Mk. bei seinem Hinscheiden hinterlaffen. Dank dem günstigen Kassenstände waren wir in der Lage, 2 Witwen Pension zu gewähren, obgleich die Karenzzeit noch nicht abgelaufen ist. — Gemäß der Vorschrift der Satzungen, jederzeit für die Rechte unserer Mitglieder einzutreten, waren wir auch einmal in der Lage, einem Lehrer in einem Prozesse mit seiner Gemeinde beizustehen, der wohl zu seinen Gunsten entschieden werden wird. Auch an freudigen Festen hatte der Bund Gelegenheit teilzunehmen. Als der Bayrische Lehrerverein sein Jubiläum feierte, überbrachten zwei Mitglieder des Vorstandes die herzlichsten Glückwünsche, hoffend, daß unsere gegenseittgen Beziehungen dauernd gute bleiben werden. Mit einem begeisterten Apell, für den Bund und dadurch für Chissuk Emunoh einzutreten, schloß der Vorsitzende seine mit großem Beifall aufgenommene Eröffnungsrede. Hierauf folgte der Bericht unseres KaffierS, des Herrn Eugen Ettlinger, Frankfurt a. M., dem wir auch an dieser Stelle unseren heimlichsten Dank für seine mühevolle und gewissenhafte Tätigkeit aussprechen. Da in den nächsten Monaten allen Mitgliedern und Freunden ein gedruckter Rechenschaftsbericht zugehen wird, der einen genauen Ueberblick über unsere Einnahmen und Ausgaben in dem Zeiträume von der Gründung des Bundes bis zum 31. Dez. 1906 gewährt, so beschränken wir uns in diesem Protokolle darauf, festzustellen, daß in den Einnahmen seit der letzten Generalversammlung nach Abzug aller Ausgaben ein Ueberschuß von über 5000 Mk. verbleibt, so daß unser heutiges Vermögen mehr als 18000 Mk. beträgt. Die Revisoren, Herr Kaufmann Moritz Hirschberg-Frankfurt a. M. und Herr Lehrer Heilbrunn-Mansbach, prüften die Kaffenführung und den Abschluß und ertellten dem Herrn Kassier Decharge. (Fortsetzung folgt.) iM -3