Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1909)
- Date
- 1909-01-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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21. Zarin ar 19(9 Der JSraettr Teile 9 Ro. 3 wenigstens, daß nicht die ganze Kulturwelt in das Horn der „Alliance Jsravlite Universelle" bläst, sondern daß die gesetzestreuen Kreise, sollten sie sich eines Tages zur entschiedenen Wahrung ihrer Interessen in Konstantinopel aufraffen, auf starke und nachhaltige Unterstützung von seiten der westeuropäischen Gesinnungsgenossen rechnen dürfen. Arnertk Neue Organifafion, Sabbaf-Beroegung DJohlräfigheif (Bon unserem Korrespondenten.) New- 4) ork, 10. Januar. Vor einiger Zeit wurde hier eine neue Organisation ins Leben gerufen. Aufgabe dieser Vereinigung ist, nach den Angaben ihrer Begründer, unter denen Rev. Dr. I. L. Magnes, oer neu gewählte Prediger des Tempel-Emanuel, die Hauptrolle spielt, alle Juden der Stadt New-Uork in einem Riesen-Verband zu verewigen. Gleich bei der Gründung des Vereins zeigte sich die Schwierigkeit des Unternehniens. Rabbiner Dr. D rach mann, der als Vertreter der Ort ho d o x e n anwesend war, beantragte, daß es die Aufgabe der Vereinigung vor allem sein sollte, für die religiösen Interessen der jüdischen Gemeinschaft zu wirken. Darüber brach ein wahrer Sturnr der Entrüstung bei den sozialistischen und anderer radikalen Delegierten aus. Diese erklärten rundweg, daß sie für die jüdische Religion oder das Judentum kein Interesse hätten. Dr. Drachmann, der den Antrag zur Abstimmung bringen wollte, entschloß sich aber auf Ersuchen des Vorsitzenden, Herrn Dr. Magnes, im Interesse des Friedens davon vorläufig abzusehen. (?) Das Programm des Vereins ist bis Dato noch nicht festgestellt. Der Verein hat aber schon einen Schritt in die Oeffentlichkeit getan, und zwar in religiöser Richtung. Unter Mitwirkung der jüdischen Sabbat-Association hat er vom Polizei-Kommissar, Herrn Bingham, das Versprechen erwirkt, daß er die Polizei instruieren würde, diejenigen Geschäftsleute, die ihre Läden am Sabbat geschlossen halten, am Sonntag nicht zu behelligen. Die Sabbat-Association hat es übernommen, den sabbathaltenden Geschäftsleuten Certifikate auszustellen, die der Polizei und den Gerichten gegenüber als Legitimationen dienen sollen, daß der betreffende Ladenbesitzer wirklich am Sabbat kein Geschäft betreibe. Die Nachricht von dieser Konzession verbreitete sich wie ein Lauffeuer und machte auf die jüdischen Kaufleute, die unter den Sonntags-Plackereien der Polizei zu leiden haben, einen äußerst wohltuenden Eindruck. Die sofortige Folge dieser Verfügung war eine merkliche' Besserung der Sabbat-Heiligung in den jüdischen Gegenden. Etwa hundert Ladenbesitzer verlangten sofort die Certifikate der Sabkat-Association und die Zahl derjenigen, die, da sie sich nunmehr vom Ruhezwang am Sonntag frei fühlen, sich zur Schließung am Sabbat bereit erklären, ist im steten Wachsen begriffen. Gelingt es, diese Verfügung des Polizei- Kommissars in Kraft zu erhalten, oder gar ein klares und deutliches Gesetz über diesen Punkt zu erlangen, so dürfte man sich davon eine entschiedene Wendung zum Besseren in Sachen der Sabbat-Heiligung mit Bestimmtheit versprechen. Ueberhaupt 'etzt die Sabbat-Association ihre segensreiche Tätigkeit mit Energie fort. Große Propaganda - Meetings werden in verschiedenen Stadtteilen regelmäßig abgehalten, bei denen tüchtige Redner zugunsten beSrctT sprachen. Das Publikum wird aufgefordert, nicht am Sabbat zu kaufen und überhaupt die sabbathaltenden Ladenbesitzer zu bevorzugen, jüdische Fabrikanten werden ersucht, ihre Angestellte am Sabbat frei zu lassen und Stegen werden für Arbeitsuchende, die den Sabbat beobachten wollen, unentgeltlich vermittelt. Das Sabbat-Journal erscheint wieder seit dem Anfang Januar in schönerem Format und mit reichem Inhalt. Ueberhaupt ist eine, rege Tätigkeit in der Sabbat- Bewegung deutlich wahrnehmbar und es läßt sich in dieser Beziehung das Beste erhoffen. Das jüdische Leben ist hier auch auf anderen Gebieten recht rege. Die Wohltätigkeits Gesellschaften arbeiten rüstig zur Linderung der großen Not, die gegenwärtig unter der armen Bevölkerung herrscht. Trotz der Geschäftskrise die die Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder bedeutend abgeschwächt hat, setzen die Vereinigten Wohltätigkeits - Gesellschaften (Uniicd Ilebrew Charme ) ihre humane Arbeit ungemindert fort. Unlängst ist ihnen eine große Zuwendung ganß unverhofft zuteil geworden. Der Aktienmakler Theophilus Mark, der kaum als Jude bekannt war, ist vor einiger Zeit gestorben und hat sein ganzes Vermögen im Betrag von über 300,000 Dollar der United Hebrew Charities letztwillig überlassen. Vor Absendung dieses Berichts erfährt Ihr Korrespondent, daß Herr Jacob H. Schiff für das neue Technikum in H a i f a, Palästina, 100,000 Dollar gespendet hat. Andere reiche Juden sollen sich auch an dieser Aktion beteiligen. Daß amerikanisch-jüdische Millionäre sich um das Wohl ihrer Brüder im Heilgen Lande bekümmern, ist ein neues und gewiß erfreuliches Zeichen erwachenden jüdischen Bewußtseins. (Anmerkung der Redaktion: So erfreulich die Nachricht unseres verehrten Korrespondenten vom Erfolge der Sabbat-Association ist, so können wir uns doch dadurch noch keineswegs von der Zweckmäßigkeit eines Zusammen gehens dieses Verbandes mit den extremsten und radikalsten Reformelementen zur Gründung einer Gesamtorganisation überzeugen lassen. Wenn das Wort „Religion", das der Vertreter der Orthodoxen zu erwähnen wagte, in der Versammlung solchen Sturm der Entrüstung herausbeschwören konnte, daß der Antragsteller eingejchüchtert seine „sonderbare Zunmtung" zurückziehen mußte, so sollten sich doch die Orthodoxen nun ganz klar über die Tendenz der Bereinigung und den Geist, der die ganze Bewegung beherrscht, sein, und die Konsequenzen daraus ziehen. Tuen sie das nicht, so werdet! sie es doch bald erfahren müssen, daß die mannigfachen Gefahren, die ihnen von dieser Seite droht, den einen Erfolg, der vielleicht auch ohne „Gesammtorganisation" zu erreichen gewesen wäre, reichlich abwiegen. Wir verweisen im übrigen auf unsere Ausführungen in der Wochenrundschau der vorigen Nummer. vermischt«. Köln, 17. Januar. Die Verleihung der Rechte eilier S y n a g o g e n g e m e i n d e an die bisherige Relrgionsgeseltschaft Adas; I e s ch u r u n , sowie das 25 j ä f) f i g e B e st e h e it ihrer Synagoge waren die Veranlassung zu einem allgemeinen Fest dieser jungen Gemeinde, welches am letzten Sabbat unter allgemeiner Beteiligung feierlich begangen wurde. In der überfüllten Synagoge, die festlich geschmückt war, wies nach einleitenden, von dem Chor des Lehrerseminars sehr schön vorgetragenen Psalmen, Herr Rabbiner Dr. Carlebach in einer groß angelegten, in Form und Inhalt meisterhaft durchdachten Predigt aus die Bedeutung des Tages hin. Herr Dr. Carlebach schilderte, von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels ausgehend, die Not und Drangsal des Volkes Israel in der Zerstreuung, in der es gleich dein Dornbusch im Feuer der Leiden und Verfolgungeit unversehrt blieb und das nicht zum mindesten, weil es sich überall, wo man ihm gestattete zu verweilen und die Schuhe der Wanderschaft von den Füßen zu ziehen, immer einen heiligen Boden zu schassen wußte, ein Gotteshaus, von dem aus ihm neue Kraft zuströmte. Unsere Synagoge, fuhr er fort, an der zwei .Jahrzehnte hindurch ein Weiser und Großer in Israel, der greise Rabbiner Tr. Plato, lehrend und durch edles Beispiel zu allem Guten alleifernd gewirkt hat, sei auch für uns der Quell frischer Lebenskraft gelvesen als Stätte des Gebetes, Stätte der Weihe fürs tägliche Leben und Stätte der Einigung und Sammlung, und als Frucht der inneren Ucöereinstimmung und der durch die Synagoge geförderten Gnigkeit sei der Gemeinde die königliche Bestätigung geworden, die nun den Grund zu weiterer gedeihlicher Fortentwicklulkg unseres Gemeinwesens gelegt habe. Lebensbedingung und Reichtum einer «Gemeinde seien nicht die große Zahl und Stcuerlraft ihrer Mitglieder, sondern wahres Leben lind Reichtum seien bedingt durch eifriges Thorastudium, ansopferungsfähige und rührige Mitarbeiter an den Aufgaben der Gemeinschaft und heilige Begeisterung für die alten Ideale bei jedem Einzelnen. In diesen, Sinne wünschte der Rabbiner der Gemeinde, daß lie nicht nur existiere, wie so viele andere, auch bedeutendere jüdische Gemeinwesen, sondern lebe uild Reichtümer sammle, deren Ertrag einst Kinder und Kindeskinder erst voll und ganz genießen möchten. Tie Predigt, die einen gewaltigen Eindruck auf alle Zuhörer machte, erhöhte noch die allgemeine Feiertagsstimmung, die die sämtlichen - Gemeindemitqlieder beherrschte. Am Abend vereinigten sich die Gemeindemitglieder mit ihren Damen im Gartensaale des Hotel du Nord zu einem F e st m a h l, das einen überaus schönen und 'würdigen Verlauf nahm. Nach Abfingung des Psalms 150 durch den Seminarchor begrüßte Herr B. H i r s ch die Anwesenden namens des Festcomites. Alsdann ergriff der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Tr. A. O ch s, das Wort und beleuchtete in schwungvoller, oft von lautem Beifall unterbrochener Rede die Entstehungsgeschichte der Gemeinde und die Entwicklung derselben in den letzten zwei Jahren, indem er besonders hervorhob, daß die Gemeinde lediglich ihre Ansichten und ihre Rechte innerhalb des eigenen Kreises zu verteidigen und zu fördern beabsichtige. Die Rede, ein Meisterwerk oer Rhetorik, gipfelte tu einem begeisterten Hoch aus den Kaiser und König, den Förderer jeder guten und religösen Gesinnung, in das die Versammlung jubelnd einstimmte. Nach der Msingung der Kaiserhymne gedachte Herr Rabbiner Tr. Carlebach des Begründers und langjährigen geistigen Leiters der Adaß Ieschurun, des Herrn Rabbiner Tr. Plato, des ehrwürdigen Greises, dessen Gelehrsamkeit, Frömmigkeit, Bescheidenheit und ideale Lebensauffassung uns zum leuchtenden Beispiel 'dienen möchte. .Der Toast auf ihn und seine edle Gemahlin, deren werktätige Nächstenliebe Großes für Köln geschaffen habe, und die kaum ihresgleichen finde, fand begeisterte Ausnahme. Herr I; a a e v a i, C l e e f, der Vorsitzende der Repräientanz, sprach verrn Rabbiner Dr. Carlebach den Dank der Gemeinde ans für seine selbstlose, «usovsernde Hingabe und die großen Verdienste um die Entwicklung der Gemeinde. Herr I. T ü l k e n toastete auf die Verwaltung, die mit Geschick und Eifer oftmals unter Hintansetzung mancher persönlicher Interessen die Gemeinde zu ihrer heutigen Höhe gebracht habe und deren rastloser Tätigkeit er naniers der Gemeindemitglieder gebührenden Tank zollte. Es sprachen noch die Herren Jonas Wolf "ans die Män'.rcr und Frauen, die seit 25 Jahren und länger, teils von Gründung der ehemaligen Religionsgesellschaft an, treu zur Adaß Ieschurun gestanden, Herr Siminarlehrer Gut ans oen langjährigen '■>£*2 und den um die Verwirklichung unsrer religiösen Ideale hochverdienten Herrn M. L. Munk, dem aus Anlaß der Doppelseier der Gemeinde der Ehrentitel verliehen wurde, der eben Gefeierte selbst auf die Religionsschule und ihre Lehrer: Herr Abraham A u e r b a ch feierte mit viel Humor die verschiedenen Funktionäre in der Gemeindesynagoge, während .Herr Seminarlehrer Tr. Auerbach sein Glas den innerhalb der Adaß Ieschurun blühenden Männer- und Frauenvereinen und Herr Joses S c l i g m a n u seine Rede den Frauen widmete. Herr Rafael Sel'igmann und Frl. Elka van Cleef erfreuten die Gesellschaft durch Gesangsvortrüge, und unter Absingnng gemeinschaftlicher Tischlieder und bei der vortrefflichen Bewirtung seitens des Hotels Goldener Stern «Abraham L Horn) entwickelte sich eine so animierte Stimmung, daß sich kaum einer der Teilnehmer bewußt war, daß bereits die dritte Morgenstunde verstrichen war, als das Tischgebet gesprochen wurde. Dieses, nach amerikanischer Art versteigert, erbrachte ein schönes Sümmchen für den Synagogen-Neubaufonds. Das in allen Teilen wohlgelungene Fest legte Zeugnis ab von dem inneren geistigen Zusammenhang aller Gemeindemitglieder und wird bei allen Teilnehmern noch für lange Zeit eine freudige Erinnerung hinterlassen. Darum fand Herr van CCeef begeisterte Zustimmung, als er dem Festcomitö den innigen Dank der Gemeinde für die sorgfältige Vorbereitung dieser echt jüdischen Simcho ausfprach. Berlin, 14. Jan. Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem hat eine Kollektion, welche Filigran- Arbeiten in Silber, Damaskus-Arbeiten in Kupfer, Bilderrahmen, Teppiche oder Kissenplatten enthalten, zum Preise von 40 Mk. und mehr zusammengestellt, welche sich besonlers zum Verkauf oder zur Ber'osung bei Purimfeiern eignen. Bestellungen find au richten an die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem. Berlin, 15. Jan. Laut Mitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Jsraelite Universelle find im November 1908 im New Aorker Hafen 3426 jüdische Einwanderer gelandet gegen 12 418 im November 1907. Von den Eingewanderten kamen 2292 cus Rußland, 914 aus Oesterreich-Ungarn, 163 aus Rumänien, 41 aus England, 9 aus Deutschland. Bon den Eingewanderten gingen 893 nach verschiedenen Punkten der Bereinigten Staaten, während der Rest in New-Jork verblieb. BreSlau, 7. Januar. Einem Gauner in dce Hände gefallen ist hier ein galizischer Eierhändler. Er befand sich mit einem Glaubensgenossen 3ufammen auf dem Wege zum Hauptbahnhof: vor diesem begegneten sie einem etwa 23 jährigen Manne, der mit Erfolg diesen Männern gegenüber einen in Breslau wie anderwärts schon wiederholt angewandten Trick anwandtc. Er verlor in der Nähe ein Portemonnaie, das der Eierhändler aufhob. Nachdem er mit seinem Gefährten zusammen nachgesehen, daß das Portemonnaie leer war, steckte er es ein. Nach einer Weile kam der angebliche Verlierer ihnen nachgelaufen und br- * «ferirTirViT r'afi 1 ■