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Der Israelit · 1909-01-21 · Heft 3 (21.1.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 3 (21.1.1909)
Date
1909-01-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 Rr. 3 Der Israeli». 21. Januar 1909 konstatiert, welche durch verläßlich brauchbare ersetzt wurden. Außerdem bespricht der Jahresbericht noch die gesellschaftliche Aktion des Vereins zur Förderung und Kräftigung von min, welche sehr schöne Resultate gezeitigt hat, so daß in einigen Gemeinden Jugendvereine und Vereine gegründet wurden, und schließlich den Kassastand. Der Bericht wurde einstimmig genehmigt. Mehrere Anträge bezüglich der Modifizierung der Statuten und ein Antrag, daß der Verein arme Kinder, welche sich dem mifln TlöS widmen, unterstützen soll, wurden noch verhandelt und angenommen. Es wurde sodann die Wahl der Vereinsleitung vorgenommen und die bisherigen Funktionäre einstimmig wiedergewählt, worauf der Vorsitzende den Vereinstag für geschlossen erklärte und die Teilnehmer zur weiteren eiftigen Arbeit anspornte Die Gäste begaben sich sodann zu dem zu ihren Ehren veranstalteten Festmahl. Es war eine »vahrhafte N122 tiTOD, bei der viele N-NN '"CT gesprochen wurden. Nachmittags tagten die einzelnen Sektionen und Kommissionen, in welchen über die weitere Tätigkeit der Vereine Beschlüsse gefaßt wurden. Unteranderen wurde Herr Oberrabbiner Lugders beauftragt eine Abhandlung über nu iTDPn “Ul np^im r6n in ungarischer Sprache abzufassen, in »velcher die Wichtigkeit dieser niafE airs Herz gelegt und olle BtI genau und präzise zusammengestcllt sein solle». Dieses Werk »vird in entsprechender Weise verbreitet werden. A. 3. tjtujpimfc. Rabbinerhonferen?. Warschau, 15. Januar. Am 10. ds. wurde hier die viel erwartete Rabbinerversammlung eröffnet "Nach den vielen Vorbereitungen, besonders aber nach den Anrempelungen, die sich seit Wochen die jüdischoppositionelle Presse gegen die „geheimen Pläne" der Rabbiner leistete, durfte man schon recht hohe Anforderungen an die Verhandlungen setzen, die nun auch hoffentlich erfüllt werden. Mehrere hu»»dert Rabbiner aus allen Gegenden Polens und Rußlands sind erschienen, und auch viele Laien-Mitglieder, unter ihnen auch mehrere bekannte Führer und Gemeindevorsteher nchmen an den Sitzungen teil. Die Vertreter der Presse wurden zu den Verhandlungen nicht zugelaffen, »vas durch den oppositionellen Charakter der russisch-jüdischen Presse und ihr Benehmen gegen die Lehrer und Vertreter der Thora im allgemeinen und speziell gegen die Konferenz als gerechtfertigt erscheint. Als erfreuliche Erscheinung ist zu begrüßen, daß auch viele cha ssidische Rabbiner, die sonst sich nur wenig für Gemeindepolitik interessieren, aiuvesend sind und sich eifrig an den Beratungen beteiligen. Begrüßungsschreiben und Depesche»» sind aus allen Gegenden der Welt eiitgegange»». Es wurde zunächst zu den Wahlen geschritten. Zum Ehrenpräsidenten »vurde der Senior der polnischen Rabbiner, der Rabbi Samuel Borinstein aus Sochazev gewählt, als Vorsitzender Rabbiner M. P. Frank aus Kuttna, der in der Leitung von den Rabbinern Graubar t aus B e n d i n, W e i n g a r t e»» aus K o n s k und Rosen selb aus Petrikau unterstützt wird. Als Sekretär fungiert der durch sein hervorrage»»des Wissen bekannte Rabbiner CH. Lipschitz aus Kali sch. Mit einer stammenden und eindrucksvollen Rede eröffnete der greise Vorsitzende die Versammlung und hieß die Gäste, die für ihr Volk und seine heiligsten Interessen zr» wirken, sich anschickten, willkommen. La»»ge, sagte der Redner, wäre es den geistigen Führern der polnischen Judenheit nicht mehr »uöglich gewesen, sich zur Beratung der gemeinsamer». Angelegenheiten zusammenzufindeu, umsomehr fühle er sich veranlaßt, der Regierung, die die Erlaubnis zur Konfererenz erteilt hat, die Gefühle der Dankbarkeit und Ergeberrheit zum Ausdruck zu bringen. Die Versammelten erhoben sich sodann von ihren Plätzen, um dem Kaisergebete das von Oberkantor und Chor der Warschauer Gerneinde vorgetragen wurde, andächtig zuzuhören. Auch wurde ein Huldigungstellegramm an den Kaiser und den Premier abgesandt. Die eigentlichen Verhandlungen begannen in der Abendsitzung des ersten Konferenztages. Auf der Tagesordnung standen zunächst einige Fragen, halachischer wie auch sozialer Natur. Nach einer kurzen Debatte wurde zum erste»» Punkte der Tagesordnung beschlossen, sich a»» die Regierung mit eine»»» Gesuche zu wenden, den jüdischen Soldaten rituelle Beköstigung zu ermöglichen, sowie ihnen zu erlauben, alle religiösen Hebungen ungestört verrichte»» zu dürfen. In der Frage der Sonntagsruhe konnte man sich auf keinen Beschluß einigenwährend die einer» dafür eintraten, für die sabbathhaltenden Kaufleute vollständige Arbeitsfreiheit am Sonntag zu erstreben, hielten die anderen einer» solchen Schritt für zu gewagt und aussichtslos, und meinte»», »»»an solle sich mit einigen Arbeitsstunden am Sonntag begltügen. Die Angelegenheit »vurde einer zehngliedrigen Kornmission zur »oeiteren Durchberatung überwiesen. Die Tagessitzung am 11. beschäftigte sich mit der Stellung und den Pstichter» des Rabbiners in seiner Gerneinde. Der zur Diskussion gestellte Antr-ag lautet.' „Der Rabbiner sei von seiner Gemeinde als Leiter und Vorsteher der religiösen Angelegenheiten a»»zuerkennen, und stehe ihm als solcher das Recht zu, seine Gemeinde vor Geriet und sonstigen Behörden zu vertreten und Maßregeln gegen jede Verunglimpfung der Religion zu treffen oder zu veranlassen". Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso eii» Antrag, »»ach dem alle Angelegenheit und Institutionen der Gemeinde der Aufsicht des Rabbiners zu unterstellen seien. lieber die Machtbefugnisse der Rabbiner außerhalb der Religionsangelegenheilen machten sich verschiedene und geteilte Meinungen geltend. Die Debatte über diesen Punkt dauerte über eine Stunde u»»d nahrn zuweilen einen stürmischen! Charakter cm, so daß eine Pause zur Beruhigung der Ge»nüter eintreten mußte. Nach derselben »vurde der Antrag einer Kornmission über- »viesen. Tie Sitzung des dritten Berhandlungstages »vurde mit einer Rede des Rabbiner Eppstein, S z e i n y, ausgefüllt. Er sprach zunächst über die soziale Stellung der Rabbiner und »nach»-? an» unhaltbare Zustände, die die Autorität der Rabbonin» untergraben, aufmerksam. Zu»»» Punkte „M i l i t ä r b e k ö st i g u n g" stellte er den sehr r-erirünftigen, vo»» der Versammlung auch mit großen» Beifall aufgeuommenen Antrag, bei dieser Gelegenheit die Militärbehörden darüber auszu klären, daß die Juden entgegen all der» Berleuinduirgeit ihre Militärpflicht ganz und voll erfüllen, u»»d sie auf die wahren Ursachen der fehlenden Zahl, die in der Unordnung der Register und willkürlichen Handhabung der Gesetze den Juden gegenüber ruhen, a»rfmerksa»n zu »nachen. Zugleich mögen die Rabbiner auch ihrerseits in ihre»» Geineinden auf die jedem Bürger obliegende Pflicht, Militärdienst zu leisten, nachdrücklich hin- »veisc»». Er sieht es ferner als großen Fehler an, daß die Vertreter, auch der linksstehenden Presse zu den Verhandlungen, die die Oeffentlichkcit durchaus nicht zu scheuen haben, nicht zugelassen wurden. Dadurch würden den böswilligen Entstellungen und Verleuindungen Tür und Tor geöffnet. Ter Rabbiner aus G r a j e w o beantragte, daß zugleich »»»it der»» Protokoll, welches die Versan»n»lung ans Ministerium zu senden hat, ,»uch ein Begleitschreiben abgesandt »vird, in den» das Ministerium über den krassen Unterschied Zwischen den Konferenzen der Kronrabbiner und denen der wirklichen Rabbonim aufgeklärt »vird. Es entspann sich nun eine kleine Debatte über das Verhältnis zwischen Rabbiner und Kronrabbiner, deren Resultat der Beschluß »var, bei der Regierung dahin zu »virken, die Rabbiner auch ohne Maturitätsprüfung mit der Führung der Kronrabbinats-Geschäfte zu betrauen. Die P ä d a g o g i s ch e K o m m i s s i o n legte in der Abendsitzung die Resultate ihrer Verhandlungen vor. Ihr Beschluß geht dahin, daß jeder Rabbiner in seiner Gemeinde mindestens ztvei Stunden täglich talmudischen Unterricht erteilen soll. Bei der Diskussion über diesen Kommissionsbeschluß zeigten sich einige Meinungsverschiedenheitei», die auch Verstimmungen hervorriefen, »»anrentlich als ein hervorragender Vertreter der C h a s s i d i m den Rabbinern Jnteresscnpolirik vorwarf. Es schien einen Augenblick fast, als wollte der historische Kampf zrvischen E h assid i»»» ' itnb M is - nagdim von neuen» losbrechen. Doch gelang es bald den älteren und besonnenen Mitgliedern, mit Hinweis auf den Er»»st der Versammlung und die Noltvcndigkeit eines geschlossenen Zusammengehens, die erregten Geniüter zu beruhigen. Es wurden noch einige Beschlüsse minder »richtiger und lokaler Natur gefaßt, woraus um 12 Uhr Mitternacht mit einer längeren Rede des Vorsitzenden di? Versammlung geschlossen »vurde. Die eilrgesetzten Koinmissionen werden in Permane»rz arbeiten und ihre Beschlüsse dem Plenurr» der nächsten Versammlung, die spätestens nach einem Jahre stattfinden soll, vorlegen. Türket. Die knMeiöung (Bon unserem Korrespondenten.) K o n st a n t i n o p e l, 13. Januar. Tie am 12. Januar stattgehabte entscheidende Sitzung des „Waad ruchani" hat gezeigt, daß die pejtiiuistische Auffassung, die ich in» Gegensatz zü den Korrespondenten anderer Blätter bereits in einen» Briefe vom 3. Januar bekundete, leider berechtigt waren. Die Chacha- »nin» des Waad ruchaiti haben es in ihrer Mehrheit nicht vermocht, gegenüber den» Ansturm . der übernächtiger» Alliancekreisc und der von ihnen fanatisierten Volksrnenge aufrecht zu bleibci». Sie haben durch Majoritätsbeschluß sämtliche fünf Kandidaten als tauglich erklärt m-o sie damit zur Wahl zugelassen. Welche Gewissenskämpfe die ehrtvürdigcu Männer bestanden haben »nögei», bevor sie dieses ihrer besseren Ueberzeugung'" N'idersprechcnde Votum abgaben, entzieht sich der Kenntnis der Oesfentlichkeit. Allein »venu mar» sich vorstellt, daß sie fast alle rvirtschaftlich schlecht gestellt uird durchaus abhängig von den hier an» Ruder befindlichen Gemeindegetvaltigen sind, wenn inan sich vor Augen führt, das; vor dem Beratungslokale eine ungeheure Volksmenge versammelt, war, die eine drohe»»de Haltung aunahn» u»»d vo»» der das Schlimmste zu befürchten gewesen »väre, so wird man das Votum des Waad rucha»»i entschuldigen, we»m auch nicht billigen. Daß die definitive Wahl zu Gu»»fte»» Hain» Nahonms aussallen wird, unterliegt nach der Zusammensetzung des Wahlkörpers 80 Konstantinopeler Mitglieder gegen 30—40 auswärtige) keinem Zweifel. Es fehlt heute an der notwendigen Ruhe, mit über die Folge»», die diese Wahl für die Entwickelm»g der jüdischen Verhält»»isse in der Türkei zur Folge haben »vird, eine Meinung zu äußern; das sei späteren Berichten Vorbehalten. Tie »vesteuropäischen Rabbiner, die im Be- »vußtsein ihrer Verantwortung ihr Wort in die Wagschale geworfen u»»d es versucht haben, die Sache der mit Füßen getretenen Thora ohne Scheu zu vertreten, mögen sicher sein, daß ihr Auftreten von allen wahrhaften B'XT in der Türkei in feiner ganzen Bedeutung dankbar gewürdigt wird. Ist es auch bei dieser Gelegenheit nicht gelungen, den Einfluß der Alliance Jsraelite Universelle zu paralysieren, der seit Jahrzehnten allein hier ausschlaggebend ist und dem die politische Ko»»stellation mtb die dadurch erzeugte Verwirrung der Geister dieses Mal besonders zu statten tarn, so hat die Jnterventio»» der Rabbiner» doch wohltätige Folgen gehabt. Man weiß jetzt

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