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Der Israelit · 1909-01-21 · Heft 3 (21.1.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 3 (21.1.1909)
Date
1909-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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21. Januar 1909._ pfing der Großherzog eine aus mehreren Mitgliedern des Oberrates und des Synodalausschusses bestehende Abordnung, die eine Adresse überreichte. Der Großherzog dankte in einer längeren herzlichen Ansprache für alles, was die Adresse zum Ausdruck bringe. Er wolle die von seinem Urgroßvater hochgehaltenen Traditionen ganz ebenso wie sein seliger Vater pflegen und das Wohl aller Landesktnder im Auge haben — ohne Unterschied. Sehr angenehm habe ihn die pietätvolle Schmückung des Denkmals seines Urgroßvaters und der Ruhestätte seines Vaters berührt und ebenso die Ehrung der verewigten Staatsmänner, die sich ihnen zur Durchführung ihrer Ideen zur Verfügung gestellt hätten. Besonderes Wohlgefallen bekundete sodann Seine Königliche Hoheit über die künstlerische Ausstattung der Adresse, die dem jungen badischen Maler Ernst Kaufmann in München anvertraut worden war. Noch eine besondere Freude haben dem Großherzog und namentlich auch der Großherzogin Luise die Mitteilung bereitet, daß die für das Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dürr heim, die Stiftung der israelitischen Religionsgenieinschaft anlätzlich des Landesjubiläums von 1906, noch erforderlichen Mittel zu Ehren des heutigen Tages bereitgestellt worden seien. Nachdem noch der Großherzog Herrn Geheimrat Becherer seine besondere Befriedigung über die von ihm durch mehr als zwei Jahrzehnte der Landessynagoge geleisteten wertvollen Dienste ausgedrückt und die einzelnen Mitglieder des Oberrats und des Synadolausschusses durch Ansprachen ausgezeichnet hatte, verabschiedete er sich von denselben mit wiederholtem Dank und mit herzlichen Wünschen für das Wohl ihrer Glaubensgenossen. Dieser Empfang wird gewiß alle Juden des Großherzogtums mit Freude erfüllen und ihr Vertrauen zu ihrem geliebten Landesvater, der die Tradition seiner Väter zu hüten verspricht, , noch stärken. Insofern können auch nir Gesetzestreuen unsere Freude an dem Jubiläumsfeste und besonders an dem dadurch verursachten huldvollen Empfange haben, wiewohl sich im übrigen die Geschichte des Oberrates und seine Taktik in der Gegenwart uns nicht so rosenrot ausmalt. Selbst an der Art, wie in der Hauptstadt und in manchen Gemeinden in den Tempeln und an den Grabdenkmälern das Fest gefeiert wurde, wäre vom religionsgesetzlichen Standpunkte aus manches auszusetzen, worüber aber heute, um den Eindruck der Huldigungsfeier der wir uns mit ganzem Herzen anschließen, nicht abzuschwächen, weiter nichts gesagt sein soll. Unerwähnt darf aber nicht bleiben, daß, während der Landesvater den Gedenktag zum Anlaß nimmt, seiner Loyalität allen seinen Landeskindern gegenüber Ausdruck zu verleihen und die Abordnung mit den besten Wünschen, für all ihre Glaubensgenossen entläßt, es die Hauptarrangeure nicht verschmähen, in ihrem Leiborgane, in der A. Z. D. I., ihren Gedenktag mit einigen nichts weniger als festlich gestimmten Ausfällen gegen die böse Orthodoxie, die dem wackeren Oberrat das Leben vergälle, zu begehen. Die Redensarten und Behauptungen sind allzu bekannt und in diesen Blättern so oft schon ad absurd am geführt worden, daß es sich kaum empfehlen dürfte, -aus dieselben nochmals einzugehen. Gesagt sei nur noch, daß dleser famose Festesgruß auch Einige der Nächstbeteiligten hier, die auch sonst gerade nicht zu den Gönnern der Orthodoxie gehören, förmlich frappiert hat. Posen, 13. Januar. Der „Bund gcsetzestreuer jüdischer Jugendvereine" teilt uns mit: „Nachdem auf dem Frankfurter Bundestage die Statuten festgelegt wurden, und Verein „Leschaun Limmudim" in Posen zum Pcäsidial-Verein bestimmt worden ist, fand gestern hier die Wahl und Konstituierung des Vorstandes statt. Der Bund „gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine" hat die Aufgabe, nach Möglichkeit neue jüdische Lernvereine zu gründen, sie sowohl ideell als auch materiell zu stärken und so das Zusammengehörigkeitsgefühl in der gesetzestreuen Jugend Deutschlands zu heben. Bisher gehören Der ffltateltt. 20 Vereine dem Bunde an. Es ist zu wünschen, daß der Präsidial-Verein allseitig in reichem Maße die Unterstützung findet, die er bei seinen schweren, aber mit G. H. segensreichen Aufgaben verdient und nötig hat. Anfragen und Zuschriften, auch Anmeldungen neuer Vereine sind zu richten an den 1 Vors. Herrn Pincus Pleßner, Posen, Alter Markt 95/96. Oesterdeich. Wien, 5. Januar. Die „Israelitische Allianz zu Wien" hielt Ende Dezember Plenarsitzung unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn David R. v Gutmann .ab. Der Präsident berichtete über die von einem Komitee in Berlin und von der „Jca" in Paris in Vorschlag gebrachten Projekte einer Zusammenfassung der Hilfsorganisationen und teilte mit, daß die Vereinsleitung dem Vorschläge der „Jca" zugestimmt habe. Aus dem Präsidialberichte geht ferner hervor, daß der Lämelschule in Jerusalem auch für das laufende Jahr, gemäß einem früheren Beschlüsse des Vorstandes, eine Subvention von K. 3000 und dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" der bewilligte Betrog von K. 5000 überwiesen wurde. Für die Verköstigung armer Schulkinder in Rumänien, besonders von Kindern der durch die Ausweisung in Not geratenen Juden werden auf Grund der vorliegenden Berichte aus dem gemeinsamer Hilfsfond 2500 Francs, ferner aus den Mitteln der „Allianz" für rumänische Schulen Frcs. *2950 bewilligt. Auch das Erziehungswerk in Galizien und der Bukowina genoß die Unterstützung der „Allianz". Dem „Jubiläumskinderhort" in Kolomea wurde für das laufede Jahr eine Subvention von K. 400, der Schule „Sasa Berura" in Sambor K. 100, dem jüdischen Privatgymnasium in Storozynetz pro 1908/9 K. 400, dem jüdischen Schülerheim in Brody ein vom Präsidium seftzusetzender Beitrag, zu den Kosten der Einrichtung bis zur Höhe von K. 500 bewilligt. Außerdem wurde dem „Auskunftsbureau für jüdische Auswanderer iu Basel" die Subvention im Betrage von Frcs. 1000 auch für das laufende Jahr erneuert. Wien, 12. Januar. In der Plenarsitzung des Kultusvorstandes am 6. d. M. fand auch die seit Jahren schwebende Mikwoh-Frage ihre Erledigung. Im Präsidialbericht brachte der Vorsitzende zur Kenntnis, daß bezüglich der Errichtung und Beaufsichtigung der von der Gemeinde neu errichteten Mikwoh zwischen dem Rabbinate der Kultusgemeinde und dem Rabbiner des Vereines „Adaß Israel" (Schiffschule) eine beide Teile befriedigende Vereinbarung getroffen wurde. Diese erfreuliche Tatsache sei das Ergebnis langwieriger Verhandlungen, firr deren gedeihliche Beendigung in erster Linie dem Mikwoh - Komitee, sowie allen unmittelbar Beteiligten aufrichtiger Dank gebühre. Sodann gelangte ein Ansuchen der Frau Maria Himmelreich, Mutter des wegen Mordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilten Leopold Hilsner, um Aufnahme in die Versorgungs-Anstalt der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zur Verlesung, das den tragischen Fall und die Leiden der armen Mutter ausführlich schilderte und großen Eindruck hinterließ. Der Vorsitzende bemerkte, daß das Organisationsstatut für die Versorgungsanstalt als Voraussetzung für die Aufnahme in das Bersgrgungshaus einen mindestens 10jährigen ununterbrochenen Aufenthalt in Wien und ein Mindestalter von 65 'Jahren fordere. Beide Voraussetzungen treffen bei Frau Himmelreich nicht zu. Nichtsdestoweniger rechtfertigte dieser Fall von seltener Tragik auch die weitestgehende Ausnahme. Das Vertreterkollegium stelle deshalb den Antrag, Frau Himmelreich in das Versorgungshaus unter Nachsicht der statutarischen Erfordernisse aufzunehmen. Der Vorsitzende fügte dem hinzu, daß er es als eine Ehrenpflicht der größten jüdischen Gemeinde Oesterreichs erachte, der vom Schicksale so hart verfolgten, unglücklichen Mutter des Hilsner eine Versorgungsstätte zu bieten. Der Antrag des Vertreterkollegiums wurde einstimmig und debattenlos angenommen. Prag, 1ü-Januar. Eine eigenartige Polemik wird in der tschechischen Presse in Böhmen darüber geführt, wer der wahre Schuldige an den Judenhetzen sei. . Das Brünner Alttschechenorgan widmet seinen § Weihnachsartikel dem Verhältnis der Juden zur s tschechischen Politik. „Es gab Zeilen — so schreibt f das Blatt — da i" Juden schon ans dem Sprunge « waren, sich ein für allemal von den deutschen f Parteien deren Antisemitismus halber abzuwenden. t Der unglückliche Mord in Polna hat die Juden t wieder der deutschen Sache geneigter gemacht. j Die deutschen Antisemiten haben für ihre Zwecke z aus dem Morde von Polna — einen Ritualmord J konstruiert, aber die Feindschaft der Juden hat 1 sich ausschließlich gegen uns (die Tschechen) gekehrt." | Dazu bemerkt der hier erscheinende „Den": „Wer hat die Polnaer Affäre unter den Tschechen zu i einer politischen Affäre gestempelt? Die tschechischen | Radikalen und Klerikalen, dieselben, die schon | wieder in die tschechischen Kreise Verwirrung, f freilich, heute anderer Art, hineingetragen. Die | Radikalen sind schon still, an die Polnaer Affäre z erinnern sie sich heute nur wie an ein Gespenst, | das sie gerne beschwören möchten." f Wir glauben, daß Deutsche wieTschechen | gleichen Anteil an den wüsten Hetzereien, an der J Heraufbeschwörung der bösen Geister, die zu fj bemeistern sie nicht mehr imstande find, haben. . | Der „Den" möge doch, wenn ihm das Polnaer | Blutmärchen nicht genug beweist, an den Hilsnerprozeß denken, dessen Gestaltung als Rttualmordprozeß vornehmlich das Verdienst der tschechischen Presse war. Ungarn. DerDereinsfagdes m v,,na; Verbandes. (Von unserem Korrespondenten.) Csorna, 12. Januar. Gestern fand hier der Bereinstag der 7NN'^'Mv-Vereine der Comitate Oed enburg, Raab, Eisenberg und Besprom statt. Die Morgenzüge brachten von allen Seiten die Vertreter der Gemeinden und die Gäste, welche von einer Deputation in den Feftsaal der Kultusgemeinde Csorna geleitet wurden. Anwesend waren die Herren Oberrabbiner von Csorna, Beleb, Raab, Steinamanger, JLnoshäza, D. Kreutz, SLrdva und Tsth, p ferner Vertreter fast sämtlicher Gemeinden der 4 | Comitate und zahlreiche Gäste. Der Oberrab- Z biner von Csorna eröffnete um 9 Uhr Borq mittag in einer gehaltvollen mit min "naFl;| gewürzten Rede den Bereinstag, in welcher er H die Gäste herzlich begrüßte und den Segen de- D Allmächtigen auf die Tätigkeit des Vereinstages | herabflehte. Es sprachen sodann die Herren fj Oberrabbiner von Beleb, Steinamanger | und Jdnoshäza über die Wichtigkeit und die |j heiligen Aufgaben des Vereines, sämtliche Reden 1 machten auf die Anwesenden einen tiefen Ein- | druck. Herr Oberr abbiner Benedikt § meldete, daß Se. Ehrwürden Oberrabbiner | Schreiber aus Preßburg ihn ersucht habe, _ ihm die Statuten und einen Bericht über die' Or- " % ganisation des Vereines zukommen zu lassen, ß da er ebensolche Vereine in den oberungarischen Comitaten errichten wolle. Diese Eri klärung wurde mit Jubel und Begeisterung zur E Kenntnis genommen und beschlossen, alle Bruder- |j vereine bestmöglichst zu unterstützen. Nach Bers! lesung der zahlreich eingelaufenen Begrüßungsdepeschen, verlas Sekretär Lebovits den Jahres- |J bericht, welcher über den Stand und die bis- M herige Tätigkeit des Vereines referiert. Der || Verband besteht heute aus über 400 Mitglieder, ’gj die Organisation ist aber noch nicht beendet und 8 dürfte die Zahl der Mitglieder auf das Doppelte 8 steigen. Die Sektion ret? nttlW hat viel Er- J| sprießliches geleistet. Die D’HSID haben bisher M 12 Gemeinden besucht und haben dort über 3000 H rituell unbrauchbare nil IlTtt und ca. 1000 solche

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