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Der Israelit · 1909-01-21 · Heft 3 (21.1.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 3 (21.1.1909)
Date
1909-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Rr. 3 Der JSraettt. 2 . I nuar. Seite 5 VI. Me augeirvlicrmche Lage der Dinge. Unter diesen Umständen sind jetzt eineinhalb Jahre dahingeqanqen, seitdem R. Elijahu Mosche Paniset seine Stellung in Jerusalem angetreten hat. Die erwähnten Zerwürfnisse und Zwistigkeiten, so bedauerlich sie auch sein mögen, hatten doch auch auf d e ruhige Entwicklung der Dinge keinen merkbar störenden Eu fluß. Das Gemeinwesen sing an, sich wieder zu beruhigen, die neue Leitung trug das ihrige dazu bei, sodaß sogar eine allgemeine Besserung der Lage sich allenthalben bemerkbar machte. Diese Beruhigung kam in erster Reihe den Armen zu Gute, die seitdem besser als früher gestellt waren. Die gewöhnlichen Unterstützüngeit gingen regelmäßig ein und ersuhreit sogar eine Zunahme. Die Einzelnen konnten an Abtragung ihrer Schulden denken, auch die große Schuldenlast, welche die von Antebi seiner Zeit widerrechtlicher, gewalttätiger Weise installierte provisorische Verwaltung ausgenonunen hatte, kontiten allmälich beglichen werden, kurz alles hatte den Anschein, als ob wir auf eine ruhige, friedliche Weiterentwicklung hoffen dürften. Da vollzog sich ungeahnt mit elementarer, plötzlicher Macht die neue Wendung im politischen Leben der Türkei Die Freiheit wurde proklamiert, die Konstitution wurde gewährt, das türkische Volk feierte seine Auferstehung zu einem neuen Leben, und alle Völker des türkischen Reiches durchlvogte der mächtige Drang, sich zu einem einheitlichen, mächtigen Brudervolk zu verbrüdern. Das Volk feierte das Fest seiner Freiheit und zog mit flatternden Fahnen, Freiheitslieder singend einher. Die Leute umarmten sich auf offener Straße, so mächtig durchzuckte der Gedanke der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit jeden Einzelnen. Alle waren von Festtagftimmung getragen, nur uns Juden wurde diese Freude gtrübt und in Trauer umgewandelt durch Störenfriede aus unserer eigenen Mitte, welche die junge Freiheit schändeten und sie mißbrauchten, um Steine auf ihre mißliebigen Feinde zu werfen, dem Rabbiner die Fenster einzuschlagen, und ihr trauriges Metier, mit lügenhaften Pamphleten Haß und Zwietracht zu säen, aufs neue aufzunehmen. Bald traf auch die Kunde ein, daß Rabbi Moscheh Halevi, der Chacham Baschi von Konftantinopel „freiwillig" von seinem Amt zurückgetreten sei und daß ein Lehrer der dortigen Alliance-Schule, Herr Ehajim Na hon m das Amt provisorisch verwalte. Darüber große Freude bei den Parteigängern der hiesigen Alliance, die jetzt mit Hilfe des neuen Konstantinopler Oberrabbiners den gegenwärtigen Inhaber der hiesigen Chacham-Baschi-Würde leicht von 'einem Posten drängen zu können glaubten. Der letztere hatte in der Tat infolge dieser Vorgänge ernstlich die Absicht, ebenfalls sein Amt niederzulegen. Aber den Gesetzestreuen Jerusalems gelang es, durch Hinweis auf das Bedenkliche und Verhängnisvolle eines solchen Rücktritts gerade in die er Zeit, ihn zum Ausharren auf seinem Posten zu bestimmen. Was Herrn Nahoum selber betrifft, so wußte mau zwar, daß er früher einer Lösung der Ehacham-Baschi-Frage im Sinne der Gesetzestreuen abhold war, wie dies bei seiner Stellung ja nicht anders zu erwarten ist. Aber nachdem er mm als Inhaber des Rabbinats durch eigene Anschauung Gelegenheit hatte, die Sachlage zu beurteilen und die Wünsche der gesetzestreuen Majoritäten in allen in Betracht kommenden Städten kennen zu lernen, hielt man die Möglichkeit eines Gesmnungswecksels, der den tatsächlichen Verhältnissen Rechnung trug, nicht für ausgeschlossen. Die Hoffnung hat sich leider als Illusion erwiesen. Herr Nahoum hat es auch in seiner jetzigen Stellung nicht an Anzeichen fehlen lassen, welche nur allzudeutlich zeigen, daß er seiner ursprünglichen Gesinnung treu geblieben ist. Er hat es nicht einmal für nötig erachtet, seine Ernennung zum Chacham-Baschi von Konstantinopel in Jerusalem ofsiziell anzuzeigen und läßt auch sonst keine Gelegenheit vorübergehen, ohne seine Wahlverwandschaft mit Herrn Antebi und seine Antipathie gegen die Gesetzestreuen off n zu zeigen. Dabei ist Herr Nahoum heute erst nur provisorischer Chacham-Baschi, was von ihm zu erwarten ist, wenn er es definitiv würde, das braucht nicht erst ausgesprochen zu werden. Der von dem Vertrauen und der rückhaltlosen Hingabe der hervorragendsten Rabbiner und Kapazitäten Jerusalems und der ganzen Diaspora getragene Chacham-Baschi von Jerusalem wurde von Nahoum 5 mal teils brieflich, teils telegraphisch feines Amtes enthoben. Nachdem ein bereits früher verstorbener Chacham als Stellvertreter eingesetzt wurde und auch ein zweiter, als er von Konstantinopel abreisen sollte, das Zeitliche längst gesegnet hatte, fand sich doch ein in Amt und Würden befindlicher Rabbiner, der die Ambition hatte, dem Befehle Nahoums zu gehorchen. Es ist dies der Chacham- Baschi .von Älepo Hi skia Sabatai, der den greisen Kollegen gestürzt und seine Würde übernommen. Wie die Uebernahme dieses Amtes erfolgte, welche Mittel und Mittelcheu anaewen bet wurden, um Petschaft, Kavassensäbel und sonstige Kleinigkeiten, die mit diesem Amte notwendigerweise verbunden sind, an die neue Herrschaft zu übertragen, sei vorläufig dahingestellt. Der derzeitige Chacham-Baichi von Jerusalem residiert in einem Hotel und alle Welt ist neugierig, wie dieser würdige Mann mit der Regierungsgewalt, auf welche er sich beruft, in die zerfahrenen Verhältnisse Ordnung bringen wird. Allerdings besitzt er in dieser Frage die Autorität der Regierung. Der Gouverneur steht ihm zur Verfügung. Auch Nahoum deckte seine diversen Befehle mit Regierungsdekreten. In welcher Weise aber diese Verfügungen heraufbeschworen wurden, ist den Lesern dieses Blattes zur Genüge bekannt. Es sei hier nur an die Zuschrift Antebis an den hiesigen Pascha erinnert, deren photographisches Facsimile abgedruckt wurde und die von Verläumdungen und Denunziationen wimmelt. Es sei hier ferner die Demonstration halbwüchsiger Burschen erwähnt, die größtenteils Schüler der Alliance - Schule waren und unter Anführung des Heren Almalech, Lehrer der Alliance-Schule, am Zom Gedalja eine höchst taktlose Demonstration veranstalteten. Die Flugschriften, die Pa mp hl te, die Eingaben an den Pascha mit richtigen und zweifelhaften Unterschriften, alle diese Mittel und Mittelchen haben den gewaltigen Chilul Haschem herbeigeführt, daß in der heiligen S adt der höchste jüdische Würdenträger, dessen Frömmigkeit und Charakterreinhcit, dessen Wahrheitsliebe, Milde und Leutseligkeit auch von seinen Gegnern gepriesen wird, ohne jedes Verschulden, ohne Angabe von Gründen, ohne daß er sich hätte verteidigen können, mit der von jüdischen Köpfen und jüdischen Händen aufgestachelter Regier nngsgewalt, seines Amtes enthoben wurde. Wir wollen nicht das Vorgehen der Regierung kritisieren. Wir wissen es aus Erfahrung, daß selbst in europäischen Staaten keine weltliche Behörde in die internen jüdischen Angelegenheiten eingreifen würde, wenn nicht jüdische Hände dabei im Spiele wären. Diejenigen aber, die in Jerufalank dieses Trauerspiel inszenierten, sind in den Augen eines jeden einsichtigen Redlichen gerichtet. Die Situation ändert sich jetzt täglich, stündlich könnte man sagen. Cbacham Hiskia Sabatai hat sich die Sache viel leichter vorgestellt. Einen Chacham-Baschi ernennen, das kann man mit Regierungsgewalt durchsetzen. Aber um Ordnung und Friede in die so fürchterlich aufgewühlten Verhältnisse zu bringen ist etwas erforderlich, was eine Regierungsgewalt nicht bieten kann. Auch Antebi mit seinen Heldentaten konnte nur zerstören, aber nicht a u s b a n e u. Es verlautet allgemein, laß dieser gestrenge Herr seine der Einzelheiten dienliche Abbildungen wird der Wert des stattlichen Heftes noch erhöht, ganz besonders aber durch die beigegebenen Pläne aus dem Januar und April 1908, die das Aussehen des Ruinenhügels vor und nach der Ausgrabung veranschaulichen. (Juden als Borkämpfer der Sttavenpefreiung.) In einer Broschüre von Leon Hübner finden wir interessante Details über den Anteil europäischer Juden an dem Sklavenbefreiungskriege in: Staate Kansas. ^Tie Majorität der Bevölkerung war wohl gegen die Sklaverei, aber die Behörden unterhielten starke Truppen, um das Volk in Schranken zu halten. Tie „Vorder Ruffians" verübten die unglaublichsten Gewaltakte. In diesem kritischen Momente erschien der berühmte Feldherr John Brown mit seinen * Freiwilligen vor Osawatomie. Unter seinen Offizieren befanden sich auch drei Juden: Theodor Wiener, ein Pole, Jakob Benjamin, aus Böhmen und August Bondi aus Wien. Bondi wurde im Jahre 1833 in Wien geboren, genoß eine gute Erziehung und schloß sich, faunt ln Jahre alt, der akademischen Legion an. Bald oaraus j wauderte er mit seinen Eltern nach Amerika aus. Im Jahre 1805 siedelte sich die Familie in Kansas an. j Wiener und Benjamin crössneten in Kansas einen! Geschüstsladen und da sie von Anfang an sich der Be- | wegung gegen die Sklaverei angeschlossen hatten, waren! sie den Behörden, die sich durch die Sklaverei.bereichert hatten, ein Dorn im Auge. Als später John Brown in offenen Kamps gegen die Sklavenhändler trat, widmete sich August Bondi mit seinen Kameraden Wiener und Benjamin ausschließlich diesem edlen Befreiungs- Werke. In allen Feldzügen konnte man August Brndr in den-ersten Kampfreihen sehen und sein heldenmütiges Verhalten lebt auch heute noch im Gedächtnisse der Bevölkerung des freien Kansas. (Auktion wertvoller Bibelausgaben.) In Lon-; don fand kürzlich die Auktion der berühmten Amherbst-! Bibliothek statt, bei welcher auch eine Anzahl;ehr! seltener Bibelausgaben sehr große Preise erzielte:,.! lieber fünfzig verschiedene Bibel-Raria waren in: Kata-! log verzeichnet, darunter auch mehrere in hebräischer! und chaldäischer Sprache. Die zweite Bibel, die unter! den Hammer kam, stammte aus der Druckerei ocs! Abraham ben Ehajim (1482). Es ist dies ein äußerst j seltenes Exemplar der eäitio prinaepg, einer hebräischen j Bibel verhältnismäßig gut erhaltenen Zustandes. Ter! Band ka:n um den Preis von 101 Pfund Sterling in oen Besitz des Mr. Quaritch. Dieter Preis wird mit Rücksicht daraus, daß im Ganzen 12 Exemplare dieser Bibelausgabe bekannt sind, als nicht zu hoch angesehen. Ein seltenes und auch historisch sehr interessantes Buch ist Nr. 89 des Katalogs. Es führte dort den Name», „Biblia Lengua Espanola". In der Tat war es ein seltenes Exemplar der ersten Bibelausgabe in spanischer Sprache; es enthält bloß das alte Testainent und wurde ausschließlich von den spanischen Juden benützt. Ter Seltenheitswert dieser Ausgabe besteht hauptsächlich darin, daß sie von der Inquisition ausdrücklich verboten wurde. Das Buch wurde um den verhättnisnräßig geringen Preis von 30 Pfund Sterling losgeschlagen. sAntiquitäten.) Wie vorsichtig man die alten Z,engen, aus die sich heute oft die Wissenschaft auch bei ihrer Beurteilung der Bibel beruft, nehmen muß, zeigt die Aufsehen erregende Fälschungsgeschichte von ägyptischen Antiquitäten, die durch Hieroglyphen über die Umschissung Afrikas um 600 v. der übl. Zeit, den Anschein historischer Bedeutung erwecken sollten, zur Zeit die Pariser Gerichte beschäftigt. Französische und belgische Museen haben diese Skarabäen angetanst. Die,e stellten sich aber jetzt als Fälschungen heraus. Der „B. L." berichtet darüber aus Paris, 6. Januar: Tie Verläufer der bekannten Skarabäen des Königs Necho, von denen ein besonders großer von der Witwe des Aegyptologen Bonrriant an Guimet, den Direktor des berühmten Pariser Antiquitäten-Museums, für 2<soo Mk. verkauft worden ist, find verhaftet werden und haben ihre Schuld gestanden. Ein zweiter Sürrabäns, dessen Inschrift sich derjenigen des an Guimet verkauften anschloß, wurde dein Konservator der ägyptischen Altertümer an den Königlichen Museen von Brüssel, Eapart, ebenfalls von Frau Bonrriant zum Kaufe angeboten. Guimet und Capart einigten sich dahin, daß die beiden Steine in einer Sammlung bleiben sollten, und Guiniet überließ sein Exemplar an Eapart unter der Bedingung, daß an Frau Bonrriant 2000 Mk. bezahlt würden. Dies geschah auch. Die Pariser Akademie der Inschriften und schönen Literatur hatte am 26. Juni und 17. Juli Borträge über die Objekte angehört und sich für deren Echtheit ausgesprochen. Aus dem Berliner Aegyptologen - Kongresse wurden Zweifel laut und eine eigens eingesetzte Kommission erklärte die Skarabäen für eine Fälschung aus neuerer Zeit. Frau Bonrriant und ihr Sohn, der selbst Aegyptologe ist, wollten oieses Urteil nicht anerkennen und Eapart, der die Steine zurnckgeben wollte, wandte sich an die Pariser Justiz. Der Untersuchungsrichter Ehsiiebönoit wurde mit der Aufklärung der Angelegenheit betraut. Er stellte fest, daß der junge Bonrriant bei einem Bildhauer Skarabäen bestellt hatte, die auch geliefert wurden, i'edoch ohne Inschrift. Diese muß von anderen Händen hergestellt worden sein. Frau Bonrriant und ihr Sohn srild hinter Schloß und Riegel und geständig. Es handelt sich nur noch darum, nachzuweisen, wer die Inschriften versaßt und graviert hat.

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