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Der Israelit · 1909-01-21 · Heft 3 (21.1.1909) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 3 (21.1.1909)
Date
1909-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der JSraellt Wt. 3 <*rttf 4 21. Januar MC0 brachte richtig einen Mann seiner Wahl auf den Rabbinatsstuhl. Das alles geschah so rasch und unvorhergesehen, daß alle wie betäubt und ei staunt fragten, wie ein solcher Staatsstreich in Jerusalem möglich war/ in Jerusalem, wo doch die erdrückende Mehrheit aus gesetzestreuen, gottesfürchtigen Juden besteht. Wie war es nur denkbar, auch blos den Aschkenasim ihr gesetzlich verbürgtes Wahlrecht mit so verwerflichen Mitteln in einer Stadt, wie Jerusalem zu entreißen! Herr Antebi griff mit brutaler Gewalt allenthalben ein, der Pascha deckte diese Willkür durch seine staatliche Autorität mit Anwendung rücksichtslosester Grausamkeit, und Antebis Anhang posaunte jubelnd diese verübte Vergewaltigung als das endlich erreichte Ziel seiner längst gehegten Wünsche aus. Die treuen Gläubigen Israels, die den Zusammenbruch ihrer heiligsten Heiligtümer vor ihren Augen sich vollziehen sahen, durften ihr Schicksal nur in aller Stille beweinen. Sie wußten, wenn dieser Gewaltakt sich für die Dauer behaupten würde, daß es dann un( die Verbreitung der Thora in der heiligen Stadl und die bloße Erhaltung des Judentums geschehen sei. Obwohl nun die Organe der Regierung sie einzuschüchtern versuchten und strenge Befehle erließen gegen jeden, der es wagen sollte den Maßnahmen des Paschas zuwiderzuhandeln/ trotz aller Drohungen und Schrecken schickten die Gesetzestreuen unter tatsächlicher Lebensgefahr eine Deputation nach Konstantinopel mit der Bitte um Aufhebung dieser Wilkiirakte und dem Verhängen, dieses gegen ihren Willen aufoktroierte Oberhaupt abzusetzen. Die Deputation legte der Regierung nahe, daß nur Religiöse sich zur Wahl eines religiösen Oberhauptes qualifizieren und daß die Alliance, welcher diese Qualifikation abgeht, in einer so eminent religiösen Angelegenheit keinen entscheidenden Einfluß geltend machen könne. Chacham-Baschi in Konftantinopel war damals Rabbi Mosche Halevi, ein gottesfürchtiger Rabbiner alten Schlages. Es mag hier dahüt gestellt bleiben, ob er in »seiner übergroßen Bescheidenheit und Zurückhaltung, wie manche behaupten, seiner Umgebung nicht zuviel Spielraum gelassen, und ob er bei dem ui gewöhnlichen Ansehen, dessen er sich beim Hvf erfreute, nicht verpflichtet gewesen wäre, mehr an die Oeffentlichkeit zu treten und tätig einzugreifen — um das zu beurteilen, ist eine Kenntnis aller Motive und Beweggründe erforterlich, die uns abgeht, weshalb wir diesen Punkt hier auf sich beruhen lassen. Soviel steht über allen Zweifel erhaben fest, daß dieser Mann mit jeder Faser zu den treuen *712' *b *7*>NX1 /D^lÖX *12W ^X'l;r©3 ns*? pnnxi npinn 12 qx „Ttfin; naim nnx Prc na; siiV' mb rranp - nrm 'Harn bx nxn : mnn d: * (feine Remiuiszeu . Es dürften vier oder fünf Jahre her sein, daß id; in einem Wiener Kafseehause, das ich zu besuchen pflegte, die Bekanntschaft eines älteren Herrn machte und mit ihm ein Gespräch anknüpfte. Wir unterhielten uns über vergangene Seiten, über Geistesheroen des Judentums und kamen dabei auch aus Suinsoii Raphael Hirsch, dem ehemaligen Landrabbiner von Mähren zu sprechen. Beim ersten Nennen dieses Namens blitzte es in den Augen des älteren Herrn, er machte eine Bewegung und sagte: „Es gehört zu nreinen schönsten Iugenderinnerungen, als dreizehnjähriger Schutknabe vor diesem Manne gestanden und ein hebräisches Gedicht vorgetragen zu haben. Auch ich habe in meiner Jugend ziemlick) viel hebräisch gelernt, von dem Gelernten hastet heute nichts mehr in meinem Gedächtnisse, das Leben hat mich aus ander? Bahnen geworfen; aber das hebräische Gedicht, welches ich damals vorgetragen habe und das Datum, an welchem dies geschah, weis; ich heute noch ganz genau." Er trug mir das Gedicht vor und erzählte mir auf Befragen den Anlaß desselben. „Zwischen der Gemeinde Butchowitz und ihrem Rabbiner war ein Zwist ansgebrochen und zur Schlichtung desselben der Landrabbiner angeruseu worden. Auf der Hinreise passierte S. R. Hirsch die Gemeinde Austerlitz, di» Gelegenheit nahm, ihren hochverehrten! Landrab- Bekennern des altüberlieferten Judentums zählt, und Irls Kenner der Thora uno persönlich mit den herrlichsten Tugenden geschmückt als Rabbiner dastand. So lange er an der Spitze der jüdischreligiösen Angelegenheiten in der Türkei stand, so lange durften die Gottesfürchtigen auf die treue Erhaltung und tatsächliche Förderung aller religiösen Angelegenheiten vertrauensvoll hoffen. Als nun der Chacham-Baschi von den Ungeheuerlichkeiten hörte, deren Schauplatz Jerusalem, dieser Herzpunkt unserer heiligsten Regungen, geworden war, und daß gar die Organe der Alliance dabei ihre Hand im Spiele hatten, trat er von jähem Schreck ergriffen, sofort in den Bruch und öffnete der Regierung die Augen über die Vorgätlge in Jerusalem. — Der Pascha von Jerusalem wurde seines Amtes entsetzt und an seine Stelle wurde der bekannte Pascha Akrem Bey berufen. Damit ging auch die Herrlichkeit Antebis und sein auf Gewalt und Trug gegründeter Bau in Trümmer. Als der Chacham-Baschi erwog, welchen Mann er für den Chacham-Baschi-Posten in Jerusalem designieren sollte, so stand es ihm zunächst fest, keinen Rabbiner dafür vorzuschlagen, der irgendwie bei den jüngsten Streitigkeiten engagiert war:, um nicht den Unwillen der Gegner damit zu provozieren. Da fiel ihm ein, daß einer der Jerusalemischen Rabbiner sich um diese Zeit in der Provinz Buchara in einer Mission der heiligen Stadt aufhielt. Es war dies der gesetzestreue Rabbiner Elia Mosche Panisel, der während der ganzen Zeit der Wirren, weitab vom Kampfplatz, dem ganzen Streit vollständig fern stand und weder für noch gegen irgend eine der bestehenden Parteien engagiert war. Dieser äußere Umstand ließ ihn, abgesehen von seiner persönlichen Qualifikation, für diesen Posten besonders geeignet erscheinen. Telegraphisch nach Konstantin opel berufen, weigerte er sich zuerst mit aller Entschiedenheit dieses verantwortungsschwere Amt anzunehmen und war erst nach vielem Drängen sowohl des Chacham-Baschi von Konstantinopel, sowie anderer Rabbiner Jerusalems und des Auslandes dazu zu bewegen. Der Oberrabbiner von Konstantinopel erwirkte dann einen königlichen Befehl, der dem disignirtcn Rabbiner die Würde eines Chacham-Baschi zuspricht. So sollte dieser nun seinen Einzug in Jerusalem halten, dort die aufgeregten Gemüter beschwichtigen, damit dann, sobald wieder Ruhe und Frieden hergestellt war, die eigentliche Chacham-Baschi-Wahl nach gesetzlicher Vorschrift erfolge. Die Gesetzestreuen Jerusalems waren voller Freude über diesen Ausgang der bestehenden Wirren. Es war ein heiliger Sieg, den alle biner zu begrüßen. Sämtliche Gemeindemitglieder mit dem Rabbiner an der Spitze und die Schuljungeno zvgen zum Empfange aus, bei welchem Anlasse das von Rabbiner Hermann Tufchak verfaßte Gedicht am 11. August 1851 vvn mir vorgetragen wurde. Das Gedicht lautet: TO TOi bnp nar rrnni nnr cpSxP Tin 132in2 L" D’p^X L"X irrr5? X2 ernen nr ■pe nixnS min inrs: *7x122 nnx -jns : np *7x122 nnx *7112 ,'2x y:nb cm mnor cv nettn xP 12 '2 nnx lasnps *7122 2x dx 'mrv Pip2 xnpx nnx /crr nnx *7113 L. Wiesmer, Wien. (Das alte Jericho.) Die Deutsche Orient-Gesellschaft läßt dem 38. Heft ihrer Mitteilungen, das von Assur und Babylon handelte, unmittelbar das 39. folgen, in welchem Professor Sellin und seine Mitarbeiter über die Ausgrabung von Jericho berichten. Was einem jeden von uns seit seiner Kindheit aus den biblischen Erzählungen geläufig war. Kack» und Spaten der Ausgräber haben eg jetzt b»- Gemeinden Jerusalems du*rch einen besonders feierlichen Empfang des neuen Chacham-Baschi feierten. Auch der neue Pascha Akrem Bey zeichnete den einziehenden Rabbiner besonders huldvoll durch ungewöhnliche Ehrenbezeugungen aus, denn er hatte höheren Orts die gemessene Weisung erhalten, dem allgemeinen Volkswillen der gesetzestreuen Kreise und nicht den Separat- Wünschen einzelner Minderzähligen Rechnung zu tragen. Wer diesen von rauschender Begeisterung getragenen Empfang gesehen hat von dem Augenblick an, als der neue Chacham-Baschi in Jaffa den Boden des heiligen Landes betrat und nachher Zeuge des Einzugs in Jerusalem war, konnte sich ein Bild von der Würde der Fürsten und Häupter der Gola machen, die in alter Zeit an der Spitze Israels standen. V. Neue Ränke. Dem kleinen rührigen Kreis der Alliance- Vertreter und ihrem Anhang in Jerusalem war die große Ehre, die dem neuen Rabbiner allseitig in so hohem Grade entgegengebracht wurde, selbstredend stark gegen den Strich. Sie konnten nicht ruhigen Bluts bleiben bei dieser Freude der Gesetzestreuen über diesen Sieg. Sir spannen deshalb neue Ränke mannigfachster Art, um die Ruhe zu stören und die Freude an diesem Sieg zu trüben. Sie suchten einen gegen den andern zu hetzen und eine Gemeinschaft gegen die andere aufzureizen, überall unterstützt von Herrn Antebi und seinem Anhang, um so die Zwistigkeiten weiter zu schüren und mit lügenhaften Flugschriften jeden anzugreifen, den sie als Gegner betrachteten. In Wirklichkeit beruhigte sich die Gemeinde allmählich. Einzelne verließen sogar die gegnerische Seite und kehrten in die Reihen der offiziellen Gemeinde zurück. Immerhin aber blieb noch ein winziger Rest solcher zurück, die sich in ihren Hoffnungen getäuscht sahen und den Frommen nicht verzeihen konnten, daß sie die Hoffnung der Gegner, die ganze Gemeindeletung an sich zu reißen, vereitelt hatten. An ihrer Spitze stand wie immer der unvermeidliche Herr Antebi, dem ein gottesfürchtiger thornkundiger Rabbiner ein Dorn im Auge ist. Mit Hilfe des Geldes, das er von der Alliance und der Jca in Händen hat, zog er viele der arabischen Juden (die Jemeniten und Urfalim) an sich, die ihm dann Heeresfolge leisteten und jeder Parole, die er ausgab, blindlings folgten. Er hetzte die Aemeniten gegen die Sefardim, zettelte fort undfort neue Streitigkeiten an, so daß die Regierung fortwährend mit Vorwürfen und Anschuldungen gegen die Sefardim, ihre Führer, Rabbiner und Chachamim behelligt wurde. ftärigt: schier unbezwinglich mußten die aus riesigen Blöcken geschichteten Mauern erscheinen, mit denen die hochragende Stadt rings umgürtet war. In der eingehenden Schilderung, die der als Architekt an der Ausgrabung beteiligte Tr. Langen egger von der an mehreren Stellen auf beträchtliche Strecken genau untersuchten Außenmauer von Jericho entwirft, tlingt als Grundton überall die Bewunderung durch für das hohe technische Wissen und Können der Baumeister, die in grauer Vorzeit dies gewaltige Werk so geschichtet haben, daß „im Gewirre der Fugung kekne Stelle bleibt, an der ein Instrument der Zerstörung wirkungsvoll einsetzen könnte". Innerhalb dieser mäßigen und weithin sichtbaren llmmauerung erhob sich dann noch eine von einer Toppelmauer mit starten Ecklürmen umgebene Zitadelle, die ebenfalls zu einem beträchtlichen Teil freigelegt worden ist und von Tr. Langenegger in bezug auf ihre interessante architektonische Struktur eingehend gewürdigt wird. Daß diese imposanten Befestigungswerte in ihrer Gesamtheit tatsächlich auf die älteste Zeit der Geschichte Palästinas zurückgehen, die inan als die kanaanitische zu bezeichnen sich gewöhnt hat, daran lassen die bei der Ausgrabüung gemachten keramischen Funde keinen Zweifel. Wie Professor W a tz i n g e r, der Archäologe der kai.aanitischen Gefäße und Gesäßbruchstücke aufs.deutlichste von den Kannen, Schalen und Henkelkrügen aus der viel später,, erst nach einem langen Zeitraum, tvährerrd dessen die dem Fluche verfallene Stadt als Acker- und Gartenland dagelegen hatte, einsetzenden israelitischen Besiedelung. Wiederum durch Jahrhunderte von dieser getrennt ist dann die oberste, frühbyzautinische Schicht, die durch große Amphoren, kleine Glas gefäße, Lampen, sowie durch allerhand Geräte aus Stein, Eisen, Bronze, Bein und Holz gekennzeichnet sind. Durch zahlreiche, hem UerftändnfO

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