Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1909)
- Date
- 1909-01-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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21. Januar 1909 Der JSraeltt. No. 3 Sette 3 immer mehr gefährdet werden, allezeitfelbst wahrzunehmen. Die Quellen des modernen Wissens müffen der Jugend in jüdischem Geiste erschlaffen werden, bevor sie sich ihr von selber mit Macht öffnen und in wildem Strome alles Alte und Heilige dahinreißen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß man das deutsche Vorbild ohne Weiteres auf Rußland übertragen und damit die Lebenskraft des Judentums, das alte minn “llaV, unterbinden solle Aber ein Mittelweg zwischen der Abschließung von aller Kultur und der Nivellierung der alten Thorgröße ist sehr wohl denkbar, und er muß beschritten werden. Die Rabbiner der jüngeren Generation sollen nicht nur Lehrer nach Innen, sondern auch Vertreter der Gemeinden nach außen sein. Dann wird es um manches besser bestellt sein im jüdischen Lager in Rußland und Polen. Es ist von der Versammlung auch eine permanente Kommission für Erziehung und Unterricht eingesetzt worden. Auf dieser Kommission ruhen die Hoffnungen Aller, denen die Sorge um die Zukunft der russisch-polnischen Judenheit am Herzen liegt. Wien unS Prag. Die österreichische Regierung will den Frieden nach innen und außen. Nachdem es ihr durch ein fteundliches Entgegenkommen annähernd ge lungen ist, sich den türkischen Boykott vom Halse m schaffen, ist sie nun auch ernstlich bemüht, den Bruder Tschech zu beschwichtigen und bessere Beziehungen unter den feindlich gegenüberstehenden Nationen in Böhmen anzubahnen. Wie man in den Zeitungen liest, sind Versuche zu einer Verständigung unternommen worden, die eventl. durch ein den allseitigen Wünschen der Bevölkerung möglichst entgegenkommendes Sprachengesetz herbetgesührt werden soll. Die Erfolge waren bisher recht minimale, denn nicht einmal dev sonst unter Kriegern während der Friedensverhandlung übliche Waffenstillstand ist in den Straßen Prags eingetreten, und der „Graben" niußte, nach den Zeitungsberichten, auch noch am letzten Sonntag durch Polizei geräumt werden. Ob und inwieweit eine Verständigung doch noch herbeigeführt und der Friede hergestellt wird, läßt sich mit Bestimmtheit heute noch nicht sagen. Eines aber wiffen wir heute schon: keine Bevölkerungsklaffe sehnt sich so heiß nach diesem Frieden als die Juden/ die Juden, die, ginge es mit rechten Dingen zu, den Kämpfen und nationalen Reibereien völlig intereffenlos hätten gegeuüberstehen können, werden die ersten sein, die erleichtert aufatmen, wenn die Ordnung in den böhmischen Städten wieder hergeftellt wird und ruhige Zeiten wiederkehren, in denen ihre Geschäfte von den Deutschen nicht mehr gemieden, und ihre Firmenschilder von den Tschechen nicht mehr heruntergeriffen werden. Allein werden die Versuche der Regierung von Erfolg gekrönt sein? Wird die von den besten Teilen der Bevölkerung so sehnsüchtig herbeigewünschte Ruhe auch bald eintreten? Dessen sind die Kenner der Verhältnisse und objektiven Beurteiler der Situation nicht gar so sicher. Das Uebel sitzt nämlich viel tiefer, und mit dem Versuche einer partiellen Besserung an einem Teile der österreichischen Monarchie ist den heraufbeschworenen Geistern nicht mehr beizukommen, wird der Sache des Friedens, dessen das zerrüttete Oesterreich wie kaum ein anderes Land bedarf, kaum gedient sein. In Wien herrschen unbeschränkt die Christlich-Sozialen, die, Hof- und salonfähig, auch immer mehr die Massen an sich ziehen. Diese Partei mit ihrem aus dem einzigen Punkte bestehenden Programm „Kampf gegen die Juden" hat den Haß gesäet, der nun an allen Ecken und Enden der Monarchie aufgeht und Blüten zeitigt, die wohl die Säemänner selbst mit Entsetzen erfüllen. „Wir sind die Herrn im Hause", so lehrt die Logik der Lueger-Partei, „und machen unser Hausherrn-Recht geltend allen gegenüber, die einer anderen Nationalität angehören oder sich zu einer anderen Partei bekennen!" Der Appell an die dunklen Instinkte des Volkes hat noch nie seine Wirkung verfehlt. Er wnrde auch in Böhmen, wo unter dem Mantel des Patriotismus allerlei dunkle Triebe und Leidenschaften schlummern, gehört, und die Parole der W i e n e r lautete in die Denkart der T sch e ch e n übertragen: „Wir sind die Herren Böhmens und machen unser Hausherrnrecht geltend allen gegenüber, die nicht zu uns gehören, vor allem gegenüber den Deutschen." Was dem einen recht, ist dem andern billig/ und in Wien, wo manheuie über die Prager Exzesse so erstaunt und erregt tut, sollte man doch am meisten Verständnis für eine solche Politik voraussetzen. Aber dieses Verständnis geht doch, wider alles Erwarten, den Wienern ab. Sie würden sonst die ersten Versuche zu einer Sanierung der ganz unerträglichen Zustände nicht in Prag, sondern zunächst in der Donaustadt unternehmen. Da wird der Haß geschürt und genährt, die Zwietracht eifrig gesäet, die nachher überall so üppig ins Kraut schießt. So lange hier die christlich-soziale Politik weder von der viel gerühmten christlichen Liebe noch von der sozialen Gerechtigkeit etwas an sich hat, solange man hur Ausnahmegesetze gegen eine schwächere Minorität schmiedet, solange eine Resolution Schmid hier mit Aussicht auf Erfolg eingebracht werden darf, solange ist man auch nicht berechtigtste geringste Hoffnung auf eine Besserung der Lage in anderen Teilen der Monarchie zu setzen. Nach der Quelle des Uebels werden die Herren in der Hauptstadt, die sich um eine Verständigung unter den Nationalitäten in Böhmen ernstlich und redlich bemühen, ihren Blick lenken müffen, und sie werden, wie hier ausgeführt, nicht so gar weit und lange zu suchen haben. vir edacham-vaschi.?ragr in Jerusalem. (Schluß.) IV. Der evacdam-Daredl und die Beamten der Alliance Israelite. Noch bevor Rabbi Jakob Schaul Eljaschar V'XT das Zeitliche gesegnet, hatten bereits die Alliance-Beamten begonnen, sich in alle Gemeindeangelegenheiten in ganz aufdringlicher Weise zu mischen. In seinen letzten Lebensjahren hatte dieser Rabbiner unter jenem unheilvollen Einfluß zu leiden. Auf Schritt und Tritt bekämpften sie ihn und verbitterten dem Greis das Leben, weil er sich eben mannhaft diesem verderblichen Einfluß widersetzte. Am meisten jedoch hatte ihn der mächtigste Angestellte der Alliance, Herr Ante bi, gekränkt und verhöhnt und man darf wohl sagen, baff er es war, der den Tod dieses hochbetagten Greises beschleunigt und alle jüdischen Angelegenheiten in Jerusalem in Verwirrung gebracht hat. Herr Antebi ist ein junger, hitziger, streitsüchtiger Mensch, der gern alles nach seinem Kopfe durchsetzen möchte, der dem Judentum fern und fremd gegenüber steht und dabei ein fanatischer Parteigänger des Prinzips ist, das alles französisieren möchte. Da er jeder Zeit über die reichen Geldmittel der Alliance und der I. C. A. verfügen konnte, war es ihm leicht, mit vielen Beamten der Regierung intime Beziehungen z« unterhalten, besonders aber mit dem Pascha Rafir Bey, der leider nur zu rasch Antebis mächtiger Freund wurde. Was Antebi im Schilde führte, brachte der Pascha zur Ausführung. Am 28. TamuS 5666 schloß Rabbi Eljaschar die Augen, und fakti ch um dieselbe Stunde stürmte Herr Antebi in das Bureau der Gemeinde Jerusalem, beschlagnahmte die Bücher, riß die Zügel der Leitung an sich, nahm von dem Rabbinat Besitz, veranstaltete Wahlen nach seiner und seiner Gesinnungsgenoffen Gutdünken und schirr usw. das Alles ist Sache des Wirtes. Und da hat mein Freuno Samson Mieder recht, wenn er sagt: „Wissen Sie, Herr Rabbiner, daß Ein jüdischer Restaurateur mehr Leute zum Trefohessen brrngen kann, wie zwanzig Hochzeitsreisen?" Wohl ist es sehr schwer, ein jüdischer Restaurateur zu sein, wohl erlaubt sich, besonders an Badeorten der jüdische Kurgast sehr viel, was er im christlichen Restaurant niemals wagen würde, — doch der Restaurateur, der seine Pflicht tut, braucht sich nichtsbieten zu lassen. Er nehme sich ein Beispiel an einem bekannten jüdischen Hotel, das in jeder Beziehung mustergültig geführt wird, wo sich aber auch der Wirt nicht das Geringste bieten läßt, man fürchtet seinen Grimm, aber man hat Respekt vor ihn: und seinem Hotel. Der Mann hat recht, genau wie mein Freund Samson recht hat. Der fromme jüdische Reiseltdc hat oft große Entbehrungen sich aufzuerlegen und er ist nicht anspruchsvoll, er ist unendlich, dankbar, wenn er an dem Orte, wohin er gerade verschlagen ist, ein kleines Zimmer findet, wo ihm ein einfaches bürgerliches Mittagbrot in reinlicher Form vorgcsetzt wird; er bedarf keiner großen Restauration, er bedarf nur einer Gelegenheit, wieder einmal einen warmen Bissen zu erhalten. Und diese Gelegenheit müßte in jedem Orte zu finden seiir. Schon jetzt helfen viele fromme jüdischen Lehrer aus, um der guten Sache willen, aber es gibt noch viele Orte, wo es fehlt, oder' wo die bestehende Gelegenheit durch eine andere ersetzt werden müßte. Im Verzeichnis des Hamburger Vereins ist z. B. für ganz Mecklenburg keine Speisegelegenheit angegeben, mrin Freund Samson klärte mich auf, daß' die Frau eines dortigen Schochets zwar zu essen gebe, aber es mit ihrer Stellung nicht vereinbaren könne, im Verzeichnis zu stehey. (!!!) Wenn das jüdische Hotel- und Restaurationswesen einen Aufschwung nehmen soll, so liegt es in erster Linie in der Hand der jüdischen Reisenden, Gäste und Geineindemitglieder. Man verwechsle nicht Ursache und Wirkung, indem man sich über die Wirkung beklagt, die man selbst verursacht hat. Eines ist durch das Andere bedingt. Der Wirt ist leistungsfähig, wenn sein Lokal besucht wird. Man sei gerecht auch gegen den Wirt, dann hat man auch ein Recht Besseres zu verlangen. Wie häufig werden in größeren Städten auch sehr anständige jüdische Restaurationen von jüdischen Vereinen und Gesellschaften zurückgesetzt, die jüdischen Gemeindemitglieder treffen sich in aller: möglichen Lokalen nur nicht im jüdischen, dort kann man nichts sehen und man wird auch nicht gesehen, die Toilette muß doch bewundert werden. In einer Stadt Rheinlands erregte es großes Aufsehen, daß in ein und derselben Zeitung der jüdische Jugendverein seine Kaisergebnrtsragsfeier für ein christliches Restaurant, der katholische Jugendverein für das dortige jüdische Restaurant seine Feier annoncierte. Es muß ganz offen einmal gesagt werden, die jüdischen Gemeindemitglieder unterstützen viel zu wenig ihre Restartrationen und nachher beschweren sie sich, daß solche nicht auf der Höhe sind, man vertvechselt eben UrfacheundWirkung. Es fehlt an Jneinandergreifcn der Faktbren, die eigentlich auf einander angewiesen sind. Das jüdische Restaurant muß zum Zentralpunkte der Gemeinde für Familien- und Bereinsfestlichkeitcn werden, ja zum Treffpunke tder Gemeinde, dann wird es auch enrporblühen können und Allmählich hochmodern sich kleiden können. Auf diese Pflicht hinzuweisen und auf ihre Verwirklichung hinzuarbeiten ist eine Aufgabe bet Rabbinen, denn gute jüdische Restaurants sind feste Säulen, auf denen die Erhaltung der Frömmigkeit ruhet, uüd was eine gute Restruration schaffen und was eine schlechte verderben kann, das hat mein Freund Samson schon gesagt, und der Mrnn hat recht. * |HDT niB Z«il«n der €rinn<runfl an $. R. ßirjd) Van Au^ einer im Drucke > efindlichen neuen S ammlung hebr. Dichtungen von Rabb. Dr. Armand Kaminka in Win.)! ,-niE -pör >bx rrnna "ptt trawi nnn rpp rrnr ib iroYwiTra ♦C2B& |rp* "liL!2 cPn: "pS rrm rmSn posi p: rpa pso bz cn c:p cnxTcr - ]rr: rrn ,--nx Tsbz -pn rr fisrpSi .mn nnz zip-nzz zbi jtx Tr ,-rv:c "pS txö ruiam Ss ’prr '; r "p-rrcTe ms« m ixzb nr 7..; bz’ bev ^3 *) 1 brr prrv “pana er kcd br rzvz cbiy px.