Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1909)
- Date
- 1909-01-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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. Der JSraeltt. Nr. 3. 14. Januar 1909. Sette 13 A Bestand der Oberstufe in der Elementarschule, auf der man nach dem Dlktat schrieb, betrifft, so halten wir den für verfehlt, wenn auch die Annahme von der Existenz einer solchen Klaffe berechtigt ist. Spr. Salomo 32, 20 soll den Beweis liefern, aber nachdem am Text erst einige kräftige Korrekturen vorgenommen worden find. Der Vers ist schwierig zu verstehen, und zwar ist es das Wort O'&bv, das einiges Kopfzerbrechen macht. Der Verfaffer meint nun, dieses Wort sei eine aus dem Wort entstandene Corruptel, auch müffe statt 'Y?r>2 die zweite Person stehen, alsdann übersetzen wir ganz gemütlich: „Stehe, du hast dir nach meiner Zunge, d. h. nach meinem Diktat, vgl VÖÜ 8*1p1 (Jer. 36,18) ausgeschrieben usw. Ja, wenn man so willkürlich emenüteren will, dann kann man aus allem alles machen, wenn man der eigenen Hypoth se e nen Vers anzupaffen sucht, und daß der Verfaffer, um seinen Sinn in den angeführten und den mit ihm im Zusammenhang stehenden Vers hineinzubrtngen, nicht weniger als fünf Korrekturen nötig hat, macht die Sache nicht schöner und glaubwürdiger. Doch soll uns dies und manches andere, was in dieser Schrift von der allzugroßen Korrekturlust des Berfaffers Zeugnis ablegt, nicht abhalten, die Aufmerksamkeit der Fachmänner auf fte zu lenken. 8- ■»ann* |nrp n"r ro^n bw snvi 8V2 rrn pr D’aaniön PV 8"2"2in p"n"8 '*128 pip P2N pnar Dm2K n«2 Jerusalem. 1. Heft. Eine gründliche, alle Seiten l eleuchtende Abhandlung über die Unbrauchbarkeit durch Propfung erzielter Ethrogim für rituelle Zwecke legt uns der als bedeutender Gelehrter bekannte Rabbiner Kuk in Jaffa vor. Die Frage ist ja schon eine alte, und zwar eine entschiedene. Verdienst des Berfaffers ist es aber, das Material sorgfältig zusammengestellt und durch treffliche Bemerkungen erläutert zu haben. Wie sehr es aber auch anzuerkennen ist, daß der Verfaffer fich bemüht, die aus Palästina stammenden- E hrogtn angelegentlichst zu empfehlen, da bei ihnen jeder Zweifel an der Herkunft von gepfropften Bäumen aus^esch offen sei, und so lehr andererseits diese Ethrogtm, die in Wirklichkeit tadellos schöne Exemplare aujweisen, besonders zu empfehlen sind, da eine Förderung der palästinenfischen Agrikultur Pflicht eines jeden Juden ist: so sollte man fich doch hüten auszusprechen, daß fast alle nicht aus Jerusalem stammenden Ethrogim 2'22"112 tSNSTD seien. Ich erinnere nur daran, daß es eine Zeit gegeben hat, wo eine ganz exquistte Schönheit der Frucht den Verdacht des direkten 22"1)2 erregten und man deshalb geneigt war, die »eorfuer Ethrogim als zu erklären. Man vergleiche wie fich der Verfaffer 7m ETI ^PW in 2"ö"nn PI 8 P“P2 1 p"c im Sinne des -irPH darüber äußert. Wie follre es denn auch möglich fein, den Bedarf in Ethrogim mit der Produktion Palästinas allein zu befriedigen. Daß man bet Bedarf Palästina unter allen Umständen vorziehen soll, habe ich schon oben bemerkt. Die Schrift sei jedem, der fich für halachische Untersuchungen interessiert, auss wärmste empfohlen. 8. Die Satire in der jüdischen Literatur von Heinrich Groß. Augsburg 1908. Wenn auch das nicht untntereffante Büchlein im allgemeinen nichts Neues bringt, so ist es doch unseres Wissens ein erster größerer Versuch, die im Schoße des Judentums bejonders üppig blühende Satire „monographisch zu behandeln'. Gelegentlich stützt der Verfasser seine Ausführungen durch Beispiele aus witzigen Stachelschriften und Spottgedichten. Was uns aber den ungestörten Genuß des Buches beeinträchtigt, ist der Umstand, daß das Thema den Verfaffer zu persönlicher Satire wider Bibel und Talmud fortreißt. Man lese Sette 3, wo er schreibt: „Die Bibel zeigt uns in dem schlauen Laban, der in Jakob seinen Meister gefunden hat, den mit Recht betrogenen Betrüger." Oder man lese Seite 35, wo der Verfaffer den Satiriker Kalonymos b. Kalonhmos gegen die „Spitzfind gkeit" des Talmuds auszuspielen sucht, während iclbft ein Grä > den Ka'.onymo schen Purimtrakrat i ur als „harmlosen Faschingsscherz" dahingestellt sein läßt. Oder man lese S. 51, mit welchem Behagen der >> erfaffer uns die Bernsteinsche Satrre über den Sabbalheruw (in sein.m Bögelen der Maggid) vorführt. Dem Buche fehlt übrigens der abrundende Schluß _ 8-iipn Des Samuel al- Magrebi Abhandlung über die Pflichten der Priester und Richter bei den Karäern. Nach einer Berlimr Handschrift herausgegeben, übersetzt und mit Anmemerkungen versehen von Dr. Julius Cohn. Berlin 1907. Die karäische Literatur hat e ne Reihe von 'Haß Pfiitttn gezeitigt. Uutcr diesen nimmt das Buch des von Moses Baschjafi als eine cer letzten Autoritäten bezetch- »■ ten Samuel ha Rophe al-Magrebi einen hervorragenden Platz ein. Es ist arabisch geschrieben, erfuhr auch eine hebräische Ueberfetzung und ist bereits^in einigen Teilen ediert. Die vorliegende Abhandlung über die Priester und Richter bei den Karäern bildet den 11., den vorletzten Abschnitt uitt. zerfällt in sieben Kapitel. Die Edition nebst Übersetzung und anmerkender Erklärung ist die Frucht wiffenfchaftlichen Ernstes und Fleißes und stellt eme wettere Bereicherung unserer Kenntnisse über die Karäer dar. Die Abhandlung als solche bietet zugleich einen inirreffrmirn TtzMick in die teuchische Auslegungsweise der Karäer. 8^11" 7k Sprecdraal. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu dem in Ihrer werten Zeitschrift geführten Streite über Goldbergs „Zahlengebäude" gestatten Sie auch mir einige Bemeramgen. Sei auch zugegeben, daß die Broschüre anfechtbare Stellen enthält, so ist doch nicht zu leugnen, daß Goldberg darin auch rein objektive Tatsachen anführt, die zum mindesten Beachtung verdienen. Mit welchem Rechte können wir, nachdem die Siebenzahl unbestritten im Gesetzesinhalt bedeutungsvoll hervortritt, in der Darstellungsform (man vergl. auch die Ansicht, über min "HSD % Sabb. 116a) ihr häufiges Auftreten dem Zufall zuschre b.n? Bon den von Goldberg gebrachten 164 Beispielen dürften etwa 100 als gefichert gelten. Rechtfertigt diese Zahl nicht genügend die Annahme einer Absicht? Und wenn erst das Prinzip der Zahlensymboii feststeht und andere Zahlen, z. B. die Zahl 26, auffallend häufig erscheinen, so sind das Tatsachen, mit denen wir zu rechnen haben. Die Zahl mit dem Zahlenwert des IN 2V in Beziehung zu bringen, liegt nahe. Wer es nicht mag, der bestreite eser hat damit noch nicht bewiesen, daß es unzulässig ist. Dem Verfaffer liegt es gewiß fern, die p"nin lediglich als ein Zahlensystem erklären zu wollen, aber wie bisher die verschiedenen Erklärungen zu den einzelnen Stellen, die verschiedenen Deutungsarten im allgemeinen nebeneinander bestanden, können und dürfen wir auch in dem Gedanken Goldbergs eine uns neue Erklärungsart finden, die meines Erachtens in unserem alten Schrifttum schon Parallelen hat, und vielleicht zu rechnen ist unter die nmn^ 2'22 B'ö- Ms. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie zu dem Meinungsaustausch bezüglich der Goldbergschen Arbeit einige Bemerkungen, deren Berechtigung deshalb nicht abzuweifen ist, weil ja in Nr. 50 Ihres gesch. Blattes eine Erwiderung seitens des Herrn Autors gebracht wurde. 1. Der Herr Autor kann den Borwurf der Inkonsequenz nicht von der Hand weisen. Saturn — um ein Beispiel anz füren — wird, nachdem die Endziffern 9, 2, 8, 8, 2 der Faktoren im Amalekbericht zu 11 (--2-1-9) reduziert wurden, diese Zahl nicht auch noch zu 2 (11 — 1 -j- 1) zusammengezogen, wie es ein anderes Mal mit der Zahl 25868 geschah? Antwort: Weil sonst das nm V8, womit die angeführte Midraschstelle beleuchtet wird, erlöschen würde. 2. Nachdem Herr Gotdberg auch negative Zahlen benützt („1689 — 51 . 17 — 31 . 26"), kann die von Herrn eand. Phil. Cohn erwähme Formel für jede beliebige Zahl benutzt werden. 3. Wie sehr solche Zahlenverhältnisse auf Zufall beruhen, beweist folgende Tatsache: Bon den Pariser Lotterien fiel der Haupttreffer der Ponponniere auf Nr 1037137, der größte Treffer der Munizipallose auf Nr. 230385, zwei Gewinne der Preffelotterte von je 80000 Frcs. (Quersumme die „eigentliche Cinheitszahl 8") auf Nr. 9606 und 13188 uno endlich einer von 25000 Frcs. (Quersumme die „stilistische Einheitszahl 7") auf Nr. 435504. Quersumme der Losnummern jedesmal 21, Anzahl der Lose 5. 21 + 5 26! 4. Was berechtigt den Herrn Verfaffer, für einen Wortbegriff einen Zahlenbegriff zu setzen, weil die den Wortbegrtff bezeichnenden Buchstaben zufällig als Ziffer dienen zur B.zeich ung des Zahlen: egrtffes? Was berechtigt ü,n, das Stcllendezlmalsystem im schriftlichen Ausdruck an Stelle des Zahtcndezimalsystems zu sitzen, zudem die jüdischen Ziffern das erstcre gar nicht kennen? Wann ist beispielsweise jStP 333 und wann 3X3? Sind doch Ziffern an und für sich beoeutungSlos ebenso wie die Buchstaben. Der Sinn ist es doch, welcher den Worten erst Bedeutung verleiht. 5. Wenn unsere Weisen s. A. dem Zahlenwert mancher Worte Bedeutung beilegen, so geschieht das aus mnemotechnischen Gründen, oder um einen Ausgangspunkt für eine k etrachtung zu gewinnen. Daß fich die Kabbala mit der Umsetzung der Worte in Zahlen beschäftigt, mag sein. Dann ist das Goldberg,che Werk in dieses Gebiet zu verwei en. Die angeführten Worte des b"l bedeuten nichts anderes, als daß die min ein Wesensausdruck, eine Wesensübermittlung, eine Lvesensbezeichnung Gottes bildet, wie der Name die charatteristtsche Bezeichnung für den Menschen ist. 6. Das Gefährliche ist der Umstand, daß den Gegnern des Judentum» willkommene Gelegenheit geboten ist, dem Juden Zahlenabec glauben vorzuwerfcn. Wenn die Zahl 13 al-s die Hälfte von 26 (stehe „Genealogie Sems") Bedeut .ng besitzt, warum wäre ein ander.r aus einem anderen Grunde nicht auch berechtigt,' die Zahl 13 zu ürchten? 7. Was die Zahl 7 betrifft, so möge man bedenken, daß die Woche 7 Tage hat und dag daraus die Stebenzahl bei den Vorschriften von beispielsweise nB'BV und anderem zu erklären ist. 8. Dec Herr Verfasser muß zugeben: Entweder ist bei der Wahl der Ausdrücke, bei oec e.nzahl der Worte usw. auf den Zahlenwert Rücksicht genommen, dann wird I die exegetische und tradtttonette Erklärung im höchsten Maße eingeschränkt. Wie könnte man dann beispielsweise -■yflW ynil mCV IDn lernen? Oder aber es ist auf den Zahlenwert keine Rücksicht genommen, dann wären iegliche Zahlenergebniffe eben nur Zufall. 9. Wie gedenkt schließlich der Herr Autor die Schwierigkeiten zu überwinden, die ihm in Fällen von 2'n21 mp/ vom 7,21271 'J u. a. entgegentreten? 10. In einem festgefügten Z chlengebäude darf nichts dem „subjektiven Ermessen" anheimgestellt sein, sonst greift natürlich Willkür um sich. 11. Wenn erklärt wird, daß in einem Abschnitte der Name et> er Person 7 mal vorkommt, müßte man auch erklären können, warum das nicht in einem anderen Abschnitt der Fall ist. Ebenso verlangt die Konsequenz, daß die Größen der Koeffizienten erklärt werden müffen, warum z. B. die Endzahl 26 im Amalckbertcht aus 7 + 14 + 5 zusammengesetzt ist und nicht anders. Das müßte doch seinen Grund haben. Eine solche Erklärung tu natürlich unmöglich! Und damit das ganze „Zahlengcbäude." Ermetzhofen, 28. Dezember 1908. David Weinmann, Lehrer. Tie n2*12 über die n^2B. In Nr. 32 des „Israelit" erklärt Herr Rabbiner Dr. S. Bamberger in Kisfingen, daß die n^'DE n2*12 nicht so zu sprechen sei, wie fie von Dr. Kahn in seinem „Reglement zur Benutzung der Mikwa" und von Dr. L. Münz im O'V) min (2. Ausl.) angegeben ist, nicht in der Form n^2vn bP/ sondern in der im 7H1Ö8 2p#1 n'2^ angeführten Form nb'OB niLB bp- Diese letztere Formel stimme zwar mit der in der k"1DJ) erwähnten nicht überein; fie beruht aber auf einer Ueberlieferung und sei allgemein verbreitet uüd dürfe darum nicht geänd.rt werden. Als Stütze für seine Ansicht bringt Herr Dr. Bamberger ein Gutachten von R. Sch. Hurwitz V'ätt, in dem ausgeführt wird, wir bätten zahlreiche ni2"12, die anders gesprochen werden, als fie nach der möi lauten sollten: in allen solchen Fällen geschieht dies auf Grund einer Ueberlieferung, und so habe man auch in d.esem Falle an der von der Ueberlieferung tradierten Formel festzuhalten. Gegen d ese Auseinandersetzungen wendet sich in einer im Fpy EpTl abgedruckten längeren Abhandlung der Verfaffer des min, Dr. L. Münz, um nachzuweisen, daß die von ihm rezitierte Formel Ts^Ivn bp für uns maßgebend sein muß. Der Jnhatt der gründlichen Abhandlung sei hier in gedrängter Kürze wtedergegeben. Zunächst wird betont, daß in allen Quellen ohne Ausnahme, sowohl im Talmud wie in den Deztsoren nur die Formel n^2£n bp gebracht wird, während ni2C£ bp nb'nto überhaupt nirgends, in keinem hebräisch geschrievenen nSD erwähnt ist. Eine aufmerksame Betrachtung unserer ni2*12 zeigt ferner, daß bei flp“i2' in denen ein Tun, ein Handeln erwähnt wird, die Formel ni2C£ bp keine Verwendung findet, z. B. fi^BJ bp 7ILB nS128 bp /nblb- Diese Formel wird nur bei ni2-Q angewendet, in welchen von einer Tättgkeit, einer Hand ung nicht gesprochen wird, z. B. n'L'L ni2££ hp- (Denn das Wort n'2t'2L bezeichnet keine Handlung, sondern ein Gegegenpand, mit dem die gebotene Handlung geübt wrrd.) In der fraglichen n2n2, in der von einer Handlung gesprochen wird (n*?'2B bezeichnet ja ebenso wie n^'28 n^BJ eine Handlung), können also die Worte ni¥B bp nicht stehen. Was die Behauptung b trifft, die im Guwchten ausgesprochen wird, daß wir eine uns überlieferte Formel auch dann festhalten müffen, wenn fie fich mit der der 8*1123 nicht deckt, so kann diese dcch nur den Sinn haben, daß wir den r©)} der x“1!2J nicht sprechen, wenn uns von den und Q’pDIS andere ni87D12 überliefert werden. Keineswegs' kanic eine angebuche Trauilion, die in keiner der Quellen auch nur eine Spur von Beweis für fich, dagegen alle D12B1B gegen fich hat den Anspruch machen auf Beachtung gegen B'pDIBl Uebrigens ist es kaum anzunehmen, daß der JTTB8 2p#1 Pst2^ auf Grund einer Tradition, die in den B^BIB angegebene Formel absichtlich geändert habe Denn in diesenl Falle würde der 1181 sicherlich nicht versäumt haben, darauf hinzuwetsen, daß er den nDll der xiöl bewußt ändere u d sich dabe5 auf seine Tradition stutze. Auch was sonst im Gutachten zugunsten der Formel ni2L!2 bp vorgebracht wurde, wird zu widerlegen versucht. Wenn aber Herr Dr. Bamberger behauptet, daß die Formel miCÖ bp überall verbreitet sei, so wird dagegen vemerkr, daß jene 0’"|fip, nach denen in wetten Gegenden ter Diaspora das religiöse Leben sich p:ak>isch richtet, nö2n usw. und die jüdischdeutschen Handb cher nur den 7p'2Bn bp 71212 kennen, daß also diese Form der n2"ö eigentlich,als die überall akzeptierte zu bezeichnen wäre. So wird in jener Abhandlung in überzeugender _ Weife dargctan, daß die im min (2. Aufl.) für die 71212 angegebene Form Ts^'IBN bp die richtige, maßgebende ist. (Wir schließen hiermit die Dtskulfion über dieses Thema. Red.)