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Der Israelit · 1909-01-14 · Heft 2 (14.1.1909) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 2 (14.1.1909)
Date
1909-01-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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cfje Wart Ulcraris Die Iflcdiziti im talmud. Bon Dr. med. A. Stern, Arzt, Frankfurt a. M. II. Viel derartiges Material hat dem Talmud die Volksmediziit geliefert ltnd ein großer Teil der medizinischen Ideen und Heilmethoden, welche im Talmud Erwähnung finden, sind auf diese zurückzuführen. So wird öfter der Pflegemutter des Rabbi Abaje (Rektor der Hochschule in Pumbaditha in Babylonien, 277—337 u. Z.) Erwähnung getan, welche in allerlei Heilkünsten erfahren war. Im Altertum herrschte die indische und ägyptische Medizin*). Ueber die medizinischen Kenntnisse der Inder sind wir hauptsächlich durch das Werk Ayur-Veda Susruta's unterrichtet, dessen Datierung großen Schwierigkeiten begegnet, und das von den verschiedenen Autoren ein halbes Jahrtausend vor, resp. nach unserer Zeitrechnung versetzt wird, über die der Aegypter, außer durch die griechischen Schriften, durch ägyptische Bilder, Inschriften, Skulpturen und Papyri. Der größte und besterhaltene Papyrus, rein medizinischen Inhalts, ist der Papyrus Ebers, geschrieben zur Zeit des Königs Amenophis I., etwa aus dem XVII. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Er trägt die Ueberschrift: „Buch von der Bereitung von Arzneien für alle Körperteile von Personen". Die Krankheiten entstehen durch Einwirkung böser Dämonen, die Bereitung der Arznei ist stets von Sprüchen und Beschwörungen begleitet. Die Heilung war genauestens vorgeschrieben, ein Verstoß gegen die Vorschrift wurde schwer bestraft. Ihre anatomischen Kenntnisse waren minimal, ihre Physiologie ergeht sich in Spekulationen über die verschiedenen Elementarstoffe des Körpers. Welcher Art diese Kenntnisse waren, möge eine Stelle aus dem Berliner Papyrus beweisen, welche von den „Metu" (Adern und Nerven nach Ebers) handelt: „Der Kopf hat 32 Adern, von ihm aus schöpfen sie den Atem nach der Brust, so daß sie den Atem allen Gliedern geben." Ich nehme Gelegenheit, hier eine Stelle ans dem Sohar (zugeschrieben Rabbi Simon ben Jochoi im II. Jahrhundert u. Z.) anzuführen, welcher wohl eine derartige Ansicht zu Grunde liegen dürfte: „Durch 32 Kanäle verbreiten sich die drei Teile des Gehirns in den ganzen Körper, auf diese und jene Seite. So umgeben sie ihn von allen Seiten und verbreiten sich nach allen Teilen" *) Vergl.: Landau, Geschichte der jüdischen Aerzte. Hae^fer, Lehrb. der Geschichte der Medizin. (Jena 1882.) Th. Buschmann, Handb.d.Gesch.d.Mediz. (Jena1903.) Dr. Jul. Pagcl, Eins. i. d. Gesch. d. Mcd. (Berlin 1898.) Baas. Grundriß der Gesch. der Medizin. (cfr. Wunderbar l. c.). Nun gibt es allerdings nur 24 Gehirnnerven (12 Paare). Man müßte zur Erklärung annehmen, daß die 3 Aeste der 5. Gehirnnerven einzeln zählen, das wären 28, und daß vielleicht die einzelnen Fasern des Riechnervenkolbens, welche die Schädelbasis an der Lamina cerebrosa (siebförmige Platte) durchbrechen, auch einzeln gezählt werden, zumal jede einzelne Faser durch ein kleines Loch des Knochens hindurchtritt. Nach Ansicht der Aegypter soll ein Nerv vom Herzen direkt zum vierten Finger der linken Hand gelangen (Hyrtl, Anatomie des Menschen). Durch Leichenbalsamierungen konnten die Aegypter zu umfassenden anatomischen Kenntnissen nicht gelangen, weil hierbei nur die Baucheingeweide herausgenommen wurden, während das Gehirn durch besondere Instrumente auf dem Wege durch die Nase entfernt wurde. Trotz alledem weist die Heilkunde der Inder und Aegypter einen reichen Schatz ausgezeichneter Medikamente und viele Prozeduren auf, mit denen wir noch heute in modifizierter Weise arbeiten. Ihre medizinischen Schriften enthalten glänzende Anweisungen überDiätetik und Chirurgie, mehrere eingreifende chirurgische Operationen waren ihnen geläufig, unter anderem der plastische Ersatz der Ohren, der Nase und Lippe, die Staaroperation, die Operation der Nasenscharte und Kieferspalte, Plombieren der Zähne und künstlicher Ersatz der Augen (beides an Mumien noch nachweisbar), Bauchstich bei' Bauchwassersucht, Oeffnung der Bauchhöhle, Darmnaht, Castration, Kaiserschnitt, Operation von Blasensteinen, Operation von Hämorrhoidalknoten durch Messer oder Aetzmittel, Amputieren, Heilung von Knochenbrüchen durch Verbände (gut geheilte Brüche an Mumien nachzuweisen), Entfernung von Geschwülsten, allerlei geburtshilfliche Operationen. Scheute man sich doch in Aegypten in der späteren griechischen Zeit nicht, an zum Tode verurteilten Verbrechern vivisektorische Eingriffe vorzunehmen. Trotz alledem konnte die ägyptische Medizin bei ihrer Verstrickung mit ihrer Religion und bei dem Mangel genügender anatomischer und physiologischer Grundlage nur rohe Empirie bleiben und nicht zur Wissenschaft, d. h. „zu der Höhe fortschreiten, auf welcher die Stimme der Erfahrungen zu allgemein gültigen Gesetzen sich verdichtet und diese letzteren auf ihre natürlichen Ursachen erforscht werden." Diese Entwicklung nahm die Medizin erst in den Händen der Griechen um 500 v. u. Z. Sie löste die ägyptische Medizin ab und blieb, später von der Medizin der Araber beeinflußt, herrschend bis in unsere Zeit. (Fortsetzung folgt.) USD Schulwesen im alten Israel. Bon D. Aug. —M ücherschau. Klostermann, Prof. ö. Theologie in Kiel. Leipzig 1908. Deichertsche Verlagsbuchhandlung. Preis 90 Pfg. Für die Erforschung des bürgerlichen Lebens tm alten Israel steht uns nur dürftiges Material zu Geböte. Wir find bei den wenigen Hinweisen, die uns die biblischen Schriften in dieser Beziehung bieten, auf Vermutungen und Kombinationen angewiesen, deren Richtigkeit, wenn fie auch auf den ersten Blick einleuchten, nicht leicht nachgeprüft werden können. Wir müsien also, wenn unS solche Forschungen geboten werden, mit der Wahrscheinlichkeit zufrieden sein. Der Verfasser der vorliegenden Schrift bietet uns nun solche aus Andeutungen konstruierte Kombinationen, die uns ein System des Schulwesens im alten Israel darlegen. Daß ein Schulwesen zu jener Zeit existiert haben muß, dürfte, worauf der Berfasier ganz richtig hindeutet, aus der Tatsache hervorgehen, daß der Bater durch die Religion verpflichtet war, sein Ktnh zum Lesen und Verständnis der heil. Schrift hinzuleiten, und es ist eine ganz natürliche Entwicklung, daß der Einzelunterricht des Vaters, der fich nicht immer ausführen ließ, zu einem Schuluntericht fich ausgestaltete, wo bann der Lehrer an die Stelle des Vaters trat, und die Schüler als seine Kinder bezeichnet wurden. Wie dieses Schulsystem eingerichtet war, das will der Berfasier an der Hand einiger Schriftstellen Nachweisen Die gelegentlichen Andeutungen, in denen der Berfasier einen Hinweis auf die Existenz dreistufiger Schulen erblickt, dürften für die erste und zweite als richtig gelten: Buchstabieren und Lesen und dann die tiefere und reifere Erfasiung des Gelesenen; nicht gelungen erscheint uns der Beweis für die höhere Schule, in der man nach Diktaten nachschrteb. Was nun die erste Stufe betrifft, so ist der Beweis geistvoll und originell. Es ist der schwierige Vers Jesaja 28, 10, den der Berfasier als ein aus dem - chulleben gegriffenes Bild anstehr, das der Prophet zürnend seinen Mltlebenden entgegenhält, die nicht sehen, nicht hören, nichts lernen wollen. Das ijf und *)p^ fp sind ihm keine Wörter für Begriffe, sondern nichts anderes als die Bezeichnung der Buchstaben und 'p, die man im Unterricht, oder auch vielleicht sonst, nur konsonantisch benannte, wie auch die Griechen mit der Zeit nicht Beter, sondern nur Be sagtenwir hätten also die Lautiermethode hier schon in ihren Anfängen. Der Sinn wäre also: soll man euch lehren, wie die Kleinen, die kaum der Mutterbrust entwöhnt sind, taß man ihnen auf der Tafel ein Zau neben Zau, ein Kau neben Kau vorschretbt, hier ein wenig nachyilft, dort ein wenig. Das Neue an dieser Auslegung mag manchen überraschen, aber sie ist darum nicht ohne weiteres abzuw isen. Wenn noch in später Zeit in den Kinderschulen ethische Belehrungen an die Bezeichnungen der Buchstaben des Aleph, Beth usw. (Sabbath 104 a) angeknüpft wurden, so widerlegt dieses jepe Auffassung nichtdaß die Größeren die wirklichen Rauten der Buchstaben kennen lernen mußten, ist unzweifelhalft. Was nun aber der Nachweis für den einstmaligen

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