Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1909)
- Date
- 1909-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9H. 2 Der JSraeltt. scheinungen in der Natur mit der Fähigkeit verbindet, all die Einzelheiten in ’ die adäquate dichterische Form zu bringen. Bei ihm und bei den anderen enthalten aber diese dichterischen Ergüsse zugleich eine religiöse Färbung. Die Naturschwärmerei wird s. v. v. zur Gottesverehrung, der Naturdienst zum Gottesdienst. Es wiederholt sich hier, was uns aus dem Altertum wohlbekannt ist. Der Polytheismus war Naturdienst. Seine edelste Form erhielt er in der griechischen Religion, weil der Schönheitssinn der Griechen die mit den religiösen Gefühlen verwandten ästethischen zu besonderer Vollendung zu gestalten wußte. Unsere Zeit hat vor dem Altertum unendlich viel voraus. Zuerst die viel reichere Kenntnis der Natur, sodann aber den monistischen Zug, die durch die Jahrtausende hindurch gewonnene und unverlierbar gewordene Ueberzeügung der Menschheit, daß das scheinbar Viele, das unendlich Mannigfaltige der Welt den Stempel eines Geistes trägt, eine geschlossene Einheit darstellt. Die Kombination dieser beiden Momente verbunden mit der Bereicherung der Gefühle, die eine verfeinerte Kultur immer mannigfaltiger gestaltet hat, erzeugt drum den modernen N a t u r d i e n st, an Stelle des Polytheismus tritt der Monismus, beide aber sind, wie erwähnt, in ihrem Wesen identisch. Es wäre wiederum eine höchst dankbare Aufgabe, zu zeigen, daß alles Positive, was die Monisten dem von der alten Religion abgefallenen und nach einer neuen religiösen Erhebung darbenden Geschlecht zu bieten haben, aus dem Wege der Erschleichung gewonnen ist. Die tiefen Wirkungen, die sie auf ein empfängliches Gemüt zweifellos ausüben, erzielen sie durch die Schilderung der Herrlichkeiten in der Natur und durch den Nachweis, daß die Summe all r Erscheinungen ein einziger Gedanke beherrscht. Nichts anderes aber hat der M o n o t h e i s m u s gelehrt, von seinen Verkündern in der Bibel bis auf seine Bekenner in unserer Zeit. Von der wunderbaren Gestaltung der Natur haben sie die stärksten Kräfte für ihr religiöses Innenleben gewonnen und aus der Einheit in aller Mannigfaltigkeit, die ihnen so deutlich vor die Augen trat, daß sich die ganze Welt als ein Makrokosmos, ein einziger Organismils ihnen darstellte, au§ dieser Einheit glaubten sie den stärksten Beweis für das Dasein eines Schöpfers erbringen zu können. Wir müssen es uns versagen, näher darauf einzugehen. Wir wiederholen nur: den, der sich mit den Erzeugnissen der modernen Literatur eingehend beschäftigt, übermannt oft der Zorn, wenn ersieht, wie aus der Schatzkammer unserer heiligen Literatur entwendetes Gut dazu dienen muß, den fremden Tempel zu schmücken. Fürchzimmer als Nachtquartier an und bittet ihn, über seine Wohnung zu verfügen. Mit Sonnenuntergang kommen alle Männer, welche Zeit dazu haben, um den Gast zu besuchen, und.beweisen ihm auf verschiedeue Weise ihre Teilnahme. Ist der Gast ein gelehrter, frommer Glaubensgenosse, so beugen vor dem Fortgehen Alle ihr Haupt, um seinen Segen zu empfangen; auch die Frauen und Kinder eilen zu diesem Zwecke herbei. Bisweilen kommt auch wohl ein Abgesandter aus Palästina dorthin, um für seine bedürftigen Stadt- und Landgenossen milde Gaben zu sammeln. Dann bleiben Hand und Geldbeutel nicht geschlossen, während durch das Los bestimmt wird, wer von den Gemeinde-Angehörigen ihn mit Pferd oder Kameel an seinen nächsten Bestimmungsort begleiten soll. (Arier absolut — solang er unfern Willen tut.) Herr Dr. Arendt, das führende Mitglied der Fraktionell der Reichspartei und der freikonservativen Partei, hat es mit den Antisemiten, die ihm bisher seine jüdische Abstamnrung gnädig verziehen und ihn sogar ihrer persönlichen Freundschaft für würdig erachtet hatten, jetzt gründlich verschüttet, und zwar wegen seiner Kritik an den drei neuen Reichstagsgemälden. Das Organ des Herrn Liebcrmann von Sonuenberg, der bisher auch persönlich mit Herrn Dr. Arendt ein Herz und eine Seele war, schreibt nämlich voller Empörung: „Mit einigem Befremden erblicken wir in den Reihen der modernen Bilderstürmer auch Herrn Dr. Arendt, M. d. R. und Vorsitzender der Reichspartei. Es ist bei ihm hoffentlich nicht die Stimme des undeutschen Blutes, die ihn verlockt, den Maler mit recht groben Worten herunterzureißen. Man kann ein treuer Bimetallist sein und dabei wenig Kunstgesühl besitzen. teten wir nicht den Vorwurf eines phantastisch ausschweifenden Pragmatismus, man wäre versucht in dem Ansturm des Monismus die iTtPö zu sehen, die bitteren Erfahrungen, die dem Anbruch des messinnischen Zeitalters vorausgehen müssen, und die doch wieder dazu dienen, eben dies Zeitalter vorzubereiten. Was am Monismus von Wert und Bedeutung ist, das teilt er mit dem Monotheismus. Denken wir nun noch an manche anderen Erscheinungen, an die Entwicklung, die die christliche Theologie genommen, die fast alle spezifisch christlichen Dogmen abgeworfen hat und sich zum Monotheismus immer mehr erhebt, so scheint sich auch der Monismus unter die Bewegungen einzureihen, die eine immer größere Verbreitung des Monotheismus in die Wege leiten. So seltsam es klingt, der Monismus würde mit dazu dienen, die Zeit heraufzuführen, "iriN *ieen -ina 'n nvr tonn nva, in der alle nicht nur einen Gott anerkennen auch die Monisten sprechen von einem Gottin dem auch der Begriff des einen Gottes der gleiche, von allen gemeinsam anerkannte ist, die Zeit, in der alle religiösen Strömungen in den jüdischen Monotheismus münden. (Fortsetzung folgt.) und Nachrichten. orrespondenzen Deutsches Frankfurt a. M. 11. Januar. Gestern fand in der Aula der Realschule die ordentliche Generalversammlung der Synagogengemeinde „I s r a e l i t i s ch e R e l i g i o n g e s e ll s ch a f t" statt. Der Vorsitzende Louis Feist verlas den Rechenschaftsbericht für 1907/08. Die neue Synagnge, Friedberger Anlage, habe sich in ihrer inneren Einrichtung als sehr zweckmäßig erwiesen und übe große Anziehungskraft auch auf die Fremden aus, die dem Bau rückhaltlos ihren Beifall zu zollen. Die großen Ausgaben machen eine Erhöhung der Jahresbeiträge nötig. 1ann soll man allerdings so klug sein und den Mund halten. Wie wir dem.Abg. Tr. Arendt aus gewissen Gründen, die mit der Rasscnfrage Zusammenhängen, seine Stellungnahme nicht verübeln dürfen, so müssen wir es bei Ternburg senior halten." Also gewogen und zu leicht befunden; über das „jüdische Blut", mag es auch nach so sehr verwässern sein, kommt kein antisemitischer Teutobold hinweg! Wie wird es erst Herrn Tr. Mugdan ergehen, wenn er, von den jüdischen Wählern gemieden, es einmal auch in irgend einer Angelegenheit mit be;i Antisemiten verderben sollte?! (Altjüdische Münzen, s Im „Anthropos", einer internationalen (mehrsprachigen) Zeitschrift für Völker-- und Sprachenkunde berichtet ein Travpistenmönch Marianhill (Natal), über eine alte Münze, die sich in oem Museum dieser südafrikanischen Stadt befindet, wohin sie im Jahre 1898 nach ihrer Auffindung gebracht worden war. Arbeitende Brüder des Klosters hätten sie in einer Gartcnanlagc aufgelescn, wo sie in der oberen Sand- und Humusschichte, etwa 30 bis 50 cm tief, lag. Das Gepräge der Münze ist noch sehr scharf; sie kann nur kurze Zeit durch Menschenhände gegangen sein. Dieser Uinstand legt den Gedanken nahe, die Münze müsse ans dem Seeweg nach Natal gelangt fern. Seefahrer älterer Zeit dürsten wohl auch die nahegelegene Bucht von Durban, die einen prächtigen Hafen bildet, gekannt haben. Auf der einen Seite der Münze ist ein nclch abgebiloet, die andere Seite trägt einen Palmbrum mit runden Früchten. Rechts und links vom Stamme des Baumes befindet sich ein kleiner slaschenartigcr Gegenstand. Das Fundstück ist, wie P. Sh. S t ra thffiänn (Mödling) in der genannten Zeitschrift erklärend rnitteilt, nach Form und Aufschrift eine 11. J muar. Seite 5 Die Spenden hätten im Verhältnisse zu früheren Jahren abgenommen. Der Vorsitzende gedenkt pietätvoll der im verflossenen Jahre verstorbenen Gemeindemitglieder, zu deren Ehren sich die Versammlung erhebt. Anläßlich der Centennarseier S. R. Hirsch's habe die Gemeinde eine imposante Schulfeier veranstaltet, während der Tagung der Freien Vereinigung seien die Mitglieder der verschiedenen gesetzestreuen Korporationen zu einer gemütlichen Zusammenkunft eingeladen worden, da die Gemeinde ihrer Synrpathie für die Bestrebungen jener Vereinigungen habe Ausdruck geben wollen. Die Rechnung schließt mit einem Fehlbetrag von 20.< 00 Mk., während die voraussichtlichen Ausgaben im Budget für das kommende Jahr um 8000 Mk. die Einnahmen übersteigen. Der Vorsitzende appelliert an die fteuerkrästigen Mitglieder, ihre Jahresbeiträge entsprechend zu erhöhen Der Bericht konstatiert des Ferneren gute Erfolge in den Schulen und den Humanitären Anstalten der Gemeinde und verzeichnet dankend eine Reihe von Stiftungen, die auch dieses Jahr von hochherzigen Spendern der Gemeinde-Verwaltung zugewiesen wurden. Betreffs der asten Synagoge und ihrer Benutzung seien noch keine definitiven Beschlüsse gefaßt worden. Die Commission zur Revision des Gemein de statuts hat im Berichtsjahre ihre Arbeiten vollendet und deren Ergebnis der Verwaltung unterbreitet, die mit der Beratung zur Zeit beschäftigt ist. Der Bericht schließt mit Dnnkesworten an die Lehrer und Beamten, der Gemeinde sowie an bie Gemeindemitglieder, die dem Vorstand durch ihre Mitwirkung die Arbeit erleichtert haben. Eine Diskussion des Berichtes fand nicht statt. In der anschließenden Ergänzungswahl wurden die Herren AdolfStern in den Vorstand, Louis Feist und Hugo Bondi in den Ausschuß gewählt. berliner Brief. (Bon unserem Korrespondenten.) E. B. 10. Januar 1909. Kurz vor Jahresschluß hat die Repräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde noch ein Werk geleistet, das geeignet erscheint darzutun, wie vortrefflich diese Vertretung der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands den Geist der Zeit begreift und den Forderungen des Tages gerecht wird. In der Sitzung vom 20. Dezember hat sie mit 11 gegen 5 Stimmen einem Antrag des Herrn Justizrats Veit Sim o n zugestimmt, welcher den Gemeindevorstand auffordert, bei der weiteren Anstellung von Organisten für die Orgel- und Harmoniumbegleitung, soweit geeignete Bewerber vorhanden, jüdische K u p f e r m ü n z e aus v o r ch r i st l i ch e r Z e i t. Die außerordentlich gut eryaltenen Schriftzeicheir sind altsemitische Charaktere in der Gestalt, wie sie im 2. und 1. Jahrhundert v. der ä. Ztr. noch aus Münzen und Denkmälern rngewcndet wurden. Tie Transskriprion in der hebräischen Quadratschrift ergibt die Worte: (Vorderseite:) „viertes Jahr (Rückseite:) der Befreiung Sions". Die vielumstrittene Frage nach dem Charakter und der Herkunft der südafrikanischen :Hninenstätten tritt mit diesem Funde zweifellos in ein ganz neues Stadium. (Die erste hebräische Druckerei.) Zu unserem Artikel im Kleinen Feuilleton der letzten Nummer über die Juden in Messina und Reggio ist noch, boizurragen, daß in der jetzt so viel genannten"unglücrlichen Stadt Unteritaliens, Reggio, die Wiege der hebräischen Typographie stand. Im Jahre 1475 wurde dort die erste hebräische Buchdruckerei errichtet und das erste Buch in hebräischer Sprache gedruckt. Es war dies der Koinmeutar Raschis zum Pentateuch ohne Text. Der Pentateuch selbst wurde erst später gedruckt. Bon Reggio verbreitete sich der hebräische Buchdruck noch vor Schluß oes 1.'». Jahrhunderts nach vielen Städten Italiens, so nach Pinna di Sacco, Bologna, Neapel, Mantua, Souciuo, von welch letzterem Orte die berühmte Druckersantilie: die .Sonciaten, die auch in Konstantinopel die hebräische Typographie begründete, ihren Namen hatte. In Mitteleuropa wurde zuerst in Prag (1513; hebräisch gedruckt, von wo ans der hebräische Buchdruck nack' Polen und Deutschland durch die „Gersonden" sich verbreitete.