Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1909)
- Date
- 1909-01-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449354--65194-2507819- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit 18 Rr. 1. Der Israelit. (Die rührten nicht von jüdischen Lehrern her. Die Red.) Das Verhältnis zwischen Lehrer und Gemeinde Hammelburg war immer ein friedliches; kleine Differenzen kommen schließlich vor. Wohl sollte der fixe Gehalt des Lehrers in Hammelburg den Zeitverbältniffen entsprechend erhöht werben, was auch von mir Vertretern der Hammelburger Gemeinde gegenüber betont wurde. Ich zweifle auch nicht, daß die Hammelburger Gemeinde dieser gerechten Forderung entsprechen wird. (? Die Red.) Auf diesem Gebiete der Gehaltsverhältniffe der Religtonslehrer ist aber nicht nur in Hammelburg, sondern allgemein eine Besserstellung der Lehrer zu wünschen. Auch die Unterrichtsfrage in der Filia'gemeinde wurde vou Ihrem Berichterstatter in unrichtiger Weise geschildert, und wäre rs jedenfalls — wenn es dem betr. Herrn um die Sache zu tun ist — richtiger gewesen, zunächst bei mir darüber anzufragen. Er hätte dann erfahren, daß seit längerer Zeit in den N^ichbargemeinden aus Mangel an Bewerbern ein Lehrer nicht angestellt ist und sohin kein Lehrer der Behörde bezeichnet werden konnte, der zur Uebernahme des Unterrichts bereit sei. (Herr Lehrer Gundersheimer dachte noch nicht an einen Weggang von H, als die betr. Gemeinde schon den Unterricht einstellen ließ. Die Red.) Die betreffende Ftlialgemetnde wollte wiederholt auf meine Beranlaffung einen Ausländer in provisorischer Weife anstellen. Derselbe wurde jedoch von der Behörde nicht genehmigt, ebenso wie in einer anderen Gemeinde meines Distrikts ein Ausländer nicht bestätigt wurde, obwohl die Bitte um Zulassung in provisorischer Weise dem Kgl. Staatsministerium unterbreitet wurde. Nachschrift der Redaktion: Es ist sehranerkennenswert, daß Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger für die angegriffenen Gemeinden eintritt, aber diese verdienen eitle solche Rücksichtnahme wirklich nicht, denn beide haben nicht nur das Interesse ihrer Religionsschule schwer geschädigt, sondern auch in höchst eigenmächtiger Weise gehandelt, indem sie es nicht für notwendig fanden, das zuständige Rabbinat von ihrem Vorgehen zu verständigen j schon das letztere allein verdient ernste Rüge. Was nun die provisorische Anstellung von Ausländern anlangt, so sind die bayerischen Religionslehrer der Regierung zu besonderem Danke verpflichtet, daß sie sich dagegen ausgesprochen hat. Gibt es denn wirklich keilt anderes Mittel, um den Gemeinden zu helfeil? Wir befürchten von diesem Aushilssmittel eine ernstliche Gefährdung der an und für sich schon Prekären Lage der bayerischen Lehrer, und wir fürchten noch mehr für das Schicksal der provisorisch Angestellten. Erst jüngst sollte ein solcher in einem bayerischen Städtchen trotz hohen Alters und ohne Rücksicht auf seine traurigen Familienverhältnisse auf das Pflaster gelvorfell werden. Jetzt handelt es sich nur um einige Ausnahmefälle, sobald aber die Gemeindell merken, daß die Regierung nachgiebig ist, werden sie gar nicht an eine Aufbesserung der Gehälter denken und sich mit einem unqualisizierten Lehrer begnügen. Dann treten in Bayern dieselben Verhältnisse ein, wie wir sie in Hessen jahrzehnte lang beklagt und nur mit großer Mühe beseitigt haben. Darum: vicksanr eoriLnIss! Cöln a. Rh. Am Sonntag, den 22. Nov., fand die zweite Konferenz des Zweigvereins „Rheinland" des Bundes g. j. L. statt. Nach Eröffnung derselben gab der Vorsitzende eine Uebersicht, über die rührige Tätigkeit des. Bundes in letzter Zeit, und erwähnte besonders die an das Haus der Abgeordneten gerichtete Petition um Erlangung einer Entschädigung für den Synagogendienft, die bereits einen erfreulichen Erfolg gebracht hat, sowie die Petition um Anrechnung der all Privatschulen verbrachten Dienstjahre. Außerdem gibt der Vorsitzende bekannt, daß in den Dezemberferien der Bund in Frankfurt die öffentliche Generalversammlung abhält, und wünscht eine zahlreiche Beteiligung der Vereinsmitglieder all derselben. Ein Teil der Reisekosten soll vergütet werden. Der Kassierer exstattete sodann den Kassenbericht. Es folgte nun der Vortrag des Herrn Freimark- Cöln „Ueber Reform des hebräischen Sprachunterrichts". Der Referent prüfte die Erfolge, die im hebr. Sprachunterricht erzielt werden und kam zu dem Schluffe, daß diese der aufgewandten Mühe und Arbeit, nicht immer entsprächen. Er suchte die Ursache dieser mangelhaften Erfolge aufzudecken und. sieht in der Methode, nach der wir den hebr. Sprachunterricht heute erteilen, den wichtigsten Faktor, der verbesserungsbedürftig sei, wenn wir das Ziel, das uns für den hebr. Unterricht vorschwebt, erreichen wollen. Daher müsse der hebr. Sprachunterricht in die Bahnen des fremdsprachlichen Unterrichts gelenkt werden. Es sei zu diesem Zweck ein Buch zu schaffen, das, dem jeweiligen Standpunkt des kindlichen Geistes entsprechend, systematisch aufgebaut, den ganzen Stoff des Chumesch enthalte. Diese Gedanken führte er weiter aus und zeigte, wie eine solche Unterrichtsweise durchführbar sei. Wie nicht anders zu erwarten, platzten die Geister in der Diskussion heftig aufeinander. Die Debatte konnte, da viele Redner zum Wort gemeldet waren, nicht geschlossen werden, sondern soll in der nächsten Versammlung am 10. Jan. ihre Fortsetzung finden. Kollege Heimann-Brühl übernimmt ein Korreferat zu obigem Vortrage. Es wird dann angebracht sein, über die gefaßten Beschlüsse zu berichten. Scholl jetzt sei gesagt, daß die meisten Diskussionsredner sich ablehnend gegen diese Reformvorschläge verhielten, da die Ursachen für die oft geringen Erfolge andersrvo zu suchen seien, und die bisherige Methode nicht den böseil Namen verdiene, den sie in manchen Kreisen erhalten habe. Nach Erledigung dieses Stoffes wird Herr Seminarlehrer Dr. Auerbach referieren über das Thema: „Wie lehrt man die jüdischen Gesetze, ohne die Kinder in Konflikt mit ihren Eltern zu bringen?". Mcherschau. Sprüche de^ Bäter ‘'piß von Dr. M. Lehmann S Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Preis: 2 Bände brofchiert 8 M., in zwei Letnwandbänden 10 M. Auf der Generalversammlung des Bundes gef. jüd. Lehrer wies der Korreferent für das Bundesthema, Herr Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach, mit Recht aus die Wirkungslosigkeit der in den Landgemeinden noch üblichen hin und bezeichnete es als eine Hauptaufgabe der Forrbildungsku se, daß dort den Teilnehmern Gelegenheit geboten werde, sich auf den allsabbathlichen Schtur gründlich vorzubereiten. Die vorhandenen waren für ganz andere Zeiten berechne,, selbst der so beliebte 2'N NpIX von Schwarz ist veraltet. Heute wirkt nur der freie Bortrag. Es wäre aber gänzlich verfehlt, nun etwa an Stelle des genannten Werks oder des *T)KBn muss eine Predigt zu setzen. Die Homilie, die alte pEVrt in moderaer Form, das ist die geistige Kost, die für unsere Gemeinden am zweckentsprechendsten ist. Woher aber der Stoff zu derselben nehmen? Der angehende Lehrer mag noch so sehr von der Notwendigkeit einer Umgestaltung der Vortragsweise beim Schiur überzeugt sein, der gute Wille wird scheitern an der Unmöglichkeit, eine wirkungsvolle Homtlie zusammenzustellen. Diese Kollegen möchten wir nun auf Dr. Lehmanns „Sprüche der Väter" verweisen nnd sie ihnen aufs wärmste empfehlen, denn wir besitzen in diesem Werke, das ja s. Zt. bruchstückweise im „Israelit" erschien, ein das allen Ansprüchen genügt und das es dem Lehrer ermöglicht, sich in fast müheloser Weise auf seinen Vortrag vorzubereiten. Es war ja Tr. Lehmanns größtes Verdienst, daß er die gewaltigen Goldbarren der von S. R. Hirsch zu tage geförderten Geistesschätze m kleine Münze umgeprägt, die man dem einfachen Manne bieten konnte. Es lebte etwas in ihm» von dem Geiste des Rabbi Zadok, dem man nachrühm.e, er verstehe jedes Wort der Thora so zu deuten, daß auch der Beschränkteste es verstehen könne. In den Erläuterungen zu den /TOX ’’p‘1Ö hat er nun seiner eigenen Deutungskunst ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Hier ist Geist von seinem Geist, hier findet stch eine Fülle geistreicher Gedanken in schöner Form. Es find keine bloßen Erklärungen, sondern Homilien, in 7. Januar 190S. denen er Geschichtliches, Belehrendes, Erbauliches, mit besonderer Anwendung auf heutige Zeitverhältmffe, aber auch viele pniflPl 'VINN und geistreiche „Wörtchen"*) mit großem Geschick verwendet hat. Besonders find hagadische Erzählungen aus Talmud und"Mtdrasch überall da eingeflochten, wo geistige Anschaulichkeit am Platze ist. Auch der Sohar kommt zu se;nem Recht und Lehmann hat gezeigt, daß fich auch dort Perlen und anderes Geschmeide vorfindet und daß er beffer ist als der Ruf, in den^ihn unsere^neologen Geschichtsschreiber gebracht Habens Der Stoff, den das Werk bietet, reicht für mehrere Jahre aus und wir hoffen, daß bet gewissenhafter Benützung desselben, worunter wir das Aufsuchen einer jeddn Stelle aus der angezogenen Literatur verstehen, bei dem angehenden Lehrer sich eine solche fDJlK stnstellt bau er alle Hilfsmittel entbehren und aus den Quellen schöpfen kann. Die neue Israelitische Jugendbücherei „Saron" Unterhaltendes und Belehrendes aus alter und neuer Zeit. Herausgegeben von I. Herzberg, Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig, hat drei Bändchen, zwei Gedichtsammlungen,und eine Erzählung erscheinen lassen, jx Die Gedichte, „Tulamit"«betitelt, stnd in der*Hauptsache Zusammenstellungen aus Gedichtwerken bekannter Uebersetzer des Tenach und der Dichter der spanisch-italienischen Schule, sowie anderer jüdischer und nichtjüdtscher Autoren. Die Gedichte sind für die reifere Jugend bestimmt, würden ihren Zweck aber erst dann in reichem Maße erfüllen, wenn die vielfachen Uebersetzungen die Jugend zum Studiuni des Tenach und unserer Dichter in der Ursprache anregen würden. Besonders die metrischen Uebersetzungen der Dichtungen aus der spanischen Glanzperiode find bei aller Vortresflichkeit doch nur ein schwacher Ersatz für das Original und der herrliche Blütenstaub dieser Dichtungen geht bei dem Hinetnzwängen in ein neues Sprachgewand verloren. Der Leserkreis, an den sich die Sammlung wendet, wird durch ein Gedicht des Herausgebers „Vorsätze eines Konfirmanden", betitelt, gekennzeichnet. Das Prosabändchen „Die drei Nationen" von Dr. Ludwig Philippson enthält die Lebensgefchichte der Angehörigen dreier Nationen, die ihrer Heimat verlustig gegangen, eines Indianers, eines Polen und eines Juden. Die Geschichte ist höchst abenteuerlich, und ein Zusammentreffen in einer Höh e des Urwalds bei einem fürchterlichen Unwetter gewiß nicht sehr wahrscheinlich. Hier erzählen sie einander ihre Lebensschicksale. Nachdem auf 52 Seiten der Indianer und der Pole zu Worte gekommen sind, ist der kleinere Rest des Buches dem Juden Vorbehalten, und aus diesem Grunde wendet stch der Herausgeber wohl an die israelitische Jugend. Die Rettung einer Christin aus dem Feuer, die zweimalige Alternative eines Uebertritts zum Christentum oder einer Loösagung von feinen liebsten Plänen, aus der der Held siegreich als Jude hervorgeht und schließlich der Uebertritt jener Christin zum Judentum aus Liebe zu ihm stnd jedoch unseres Erachtens keine Momente, um dies Buch gerade der jüdischen Jugend zu widmen Es ist kein Verdienst, sich nicht taufen zu lassen, und es ist bekanntlich nicht gestattet, einer H-irat zu Liebe zum Judentum überzutreten. Auch die Lchlußbemerkung des Buches: „Aber der Jude besteht auf immer, weil er keinen Staat und keinen Stamm, weil er nichts will als seinen Glauben bewahren, diesen frei bekennenüben und lehren in der Mitte der Völker, weil er das Göttliche will, das für alle Menschen" ist anfechtbar. Es dürfte doch wohl nicht richtig sein, der Jugend zu sagen, daß der Jude keinen Staat und keinen Ltamm will, vielmehr müßte man ihr sagen, daß der Jude wartet, bis es Gott gefällt, ihm seinen Staat wieder zu geben, und daß er auf seinen Stamm zu allen Zeiten fernes Lebens stolz sein muß. D. Sch. rssn Briefkasten. I. F. in H. Sie scheinen im Gegensatz zu dem Wortlaut Ihrer sogenannten Berichtigung, — die Begriffe „neologe Lehrer" und „Verband der jüd. Lehrerveretne" ohne weiteres zu identifizieren, sonst könnten Sie stch nicht ein Berichtigungsrecht vindizieren, das in dem v e r m u r l i ch von Ihnen gemeinten Artikel weder juridisch noch sachlich begründet ist.sßJm übrigen können wir alles, was dort gesagt wurde, jederzeit beweisen, t,r o tz d e m dem „Verbände" auch religiös gestnnte^Lehrer angehören. *) Man vergleiche S. 121 im 2. Buch 2. Abt.