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Der Israelit · 1909-01-07 · Heft 1 (7.1.1909) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 1 (7.1.1909)
Date
1909-01-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 12 No. 1 #3*xoeltt.‘ das Konsistorium sogar daS Einschreiten der betreffenden fremden Gemeindevorstände oder gar der Regierungen gegen die kühnen Rabbinen herbeisühren Molle, die es gewagt haben, dem Geiste des nn nr o'my Vtotr1 zu gehorchen. — Die Pariser Zentrale der „Alliance" und die hiesigen Freunde NahoumS arbeiten natürlich Hand in Hand. Beide hatten es z u n ä ch st Der - sucht, das Schriftstück als F älsch ung hinzu- ' stellen, ent Versuch, der natürlich mißglücken mußte. Die Bemühungen, eine regierungsseitige Korrektur der Rabbinen herbeizuführen, dürsten wohl ebensowenig Erfolg haben. Wenn ein intimer Freund des Herr.? Nahoum in seinem eigenen Organe Nahoum nicht besser zu verteidigen weiß, als daß er sagt, Herr Nahoum habe sich, „seit er die Würde des Großrabbiners begleite, in einen gewissenhaften und gottesfürchtigeu Juden verwandelt" so ist das eigentlich der klassischste Beweis, wie schmachvoll die Wahl eines Haim Nahoum zum Großrabbiner sein würde? Und wenn derselbe Freund —- man vermutet, es ist Herr Abraham Parchi — ehrlicher Weise gesteht, es habe ja nichts z u sagen, w e n n H e r r Hai m N a h o u m i n den religio ns g e s c tz l i ch c n Entscheidnn gssch riften a uch nicht so sehr bewandert sei, dafür gebe es ja ein Besdin, so dürfte auch dieses Geständnis eine glänzende Rechtfertigung der in dem Briefe der westeuropäischen Rabbinen vertretenen Auffassung sein. Trotz allem und trotzdem Herrn Nahoum in denk Großrabbiner von Aegypten, Rafael üen Schimon, ein geradezu idealer Kandidat gegenüberfteht, ein Mann von imponierender Erscheinung, der Lebenserfahrung, Weltkenntnis, hervorragende Thora-Gelehrsamkeit, phänomenale Sprachkenntnisse (Französisch, Italienisch, Hebräisch, Spaniolisch, Arabisch und Englisch) besitzt, so scheint die Situation doch keikeineswegs geklärt. Die lächerliche Vorstellung, daß die Wahl Haim Nahoums notwendig sei, um das materielle Los der Massen zu bessern, beherrscht natürlich gerade das niedere Volk. Unter seinem Einflüsse wagt sich die bessere Einsicht der Führenden, selbst soweit sie auf jüdisch-religiösem Boden stehen, nur schwer hervor. Ob die Chachamim des Waad ruchani aber den unter den hiesigen Verhältnissen geradezu heroisch zu trennenden Mut haben werden, ihrem Gewissen gemäß, Nahoum rundweg abzulehnen, ist fraglich. Möge es diesen Männern, die zum allergrößten Teil echte Jehudim und, gelingen, die schwere Prüfung zu bestehen und damit dem Judentum der Türkei einen Dieirst erweisen, der ihnen übty1? unvergessen bleiben wird. Tie entscheidende Sitzung des Waad-ruchani findet wahrscheinlich nächsten Sonntag, die Wahl selbst eine Wocke iväter stcstt._ Konst antin op el, 25. Dez. Der Kammer wird ein Gesetzprojekt zugehen, das die Ausdehnung der Wehrpflicht auf die Nichtmohammedaner, also auch auf Juden, zum Gegenstand haben wird. Alle jungenMannschaften bis zum Alter von 21 Jahren werden eingezogen werden. Die übrigen werden wie bisher die Militärsteuer bezahlen, um für ihre Nichtverwendung ein Aequivalent zu leisten. — Nichtmohammedaner werden in Zukunft auch als Schüler in die staatlichen Militärschulen ausgenommen, da keineswegs die Absicht besteht, irgend einen konfessionellen oder nationalen Unterschied im 'Heere platzgreifen zu lassen. Schreiben ohne Ende. (Bon unserem Korrespondenten.) Jerusalem, 24. Dezember. Ehacham Baschi Panisel, der in seiner bescheidenen anspruchslosen Weise bis zum letzten Augenblicke auf seinem Posten ausharrte und unglaubliche Unbill von allen Seiten über sich hat ergehen lassen, ist nunmehr seiner dornen vollen Würde ledig. Antebis Schützling, der Cha cham-Baschi von Aleppo, hat mit Gewalt von den amtlichen Büchern und Siegeln des Cha cham Baschi Besitz ergriffen und seine Herrschaft etabliert. Es würde ein-trauriges Kapitel geben wollte man alle die heuchlerischen Friedensver sicherungen neben den unverblümten Aeußerun gen gewalttätigen Uebermutes, die von der An tebi-Partei und leider auch von einem Teile der jenigen, die sich vor der Gewalt immer zu beugen pflegen, produziert wurden, hier vorzuführen. Es ist besser, darüber zu schweigerl und die Leh ren aus den Ergebnissen der letzten Wochen erst dann zu ziehen, wenn sich die Gemüter beru higt haben werden. Siegt in Konstantinopel Haim Nahoum, so bleibt für das gesetzestreue Judentum in der heiligen Stadt keinerlei Rer tuirg mehr, wenn die A s ch k e n a s i m sich nicht ans Her türkischen Konsistorialverfasfung los reißen und sich auf eigene Füße st el len; denn es ist unter anderen Umständen nur eine Frage der Zeit, wie lange es dauert, bis alle Rabbinatssitzc mit Zöglingen des Konstan tinopeler Rabbinerfeminars und mit Werkzeugen der Alliance Jsraelite Universelle besetzt sind. Käme es dahin, dann gute Nacht Judentum. -i- -t- * Tie I nspektions fr o m nt isfion der „Alliance Jsraelite Universelle" hält sich seit einigeil Tagen hier auf. Sie hat ihre Tätigkeit damit begonnen, alle diejenigen, die von ihre eine gründliche Untersuchung der Antsbi'schen Machenschaften erwartet hatten, gehörig abzuschrecken. Die Chachamim der sephardischen Gemeinde, welche der Kommission eine Denkschrift über die Jntriguen Antebis überreichen wollte», erhielten die Antwort, die Herren hätten sich a u sschließlich um die A l l i a n c e s ch u l e n z u kümmern? - Ein hiesiger Vertrauensrnann europäischer Körperschaften hat dennoch versucht, das deutsche Mitglied der Kommission, Dr. P o rg e s,. über die empörenden Hetzereien Antebis auszuklären. Dr. Porges soll erwidert haben, Antebi verdiene nur Bewunderung, es fei ein Glück für Jerusalem, daß ein so „genialer und hochgebildeter.Mann" Einfluß beim Gouverneur besitze und biefeit Einfluß zu grinsten der jüdischen Interessen ausnutzen könne?? Die Kommission wird vor: Herrn B 6 n cd i c t dirigiert, der ein Herz und eine Seele mit Antobi ist und sein jahrzehntelanges gemeinsames Wirken mit ihm im Beanrtenkörper der Alliance selbstverständlich nicht verleugnet. Tie Tätigkeit der Kommission ist dem» ach, soweit wenigstens die Frage einer objektiver! Untersuchung der gegen Antebi ergangenen Anschuldigungen fn Betracht kommt, lediglich Farce. Auch hinsichtlich der Schulen wird kaum eine Aenderung eintreten, da selbst bei der etwaigen Neueinfübruna einiaer .Hebräischstunden heriSteift tu cujiuvii genau so ünMnsch bleibt wie bisher. Jaffa, 25. Dezember. Die Eröffnung des Parlaments wurde auch hier und in Jerusalem von der gesamten Bevölkerung in großen Straßen Umzügen und Volksversammlungen gefeiert. Als sonderbare Rednertribüne diente ein großes, auf einen Wagen aufgeladenes Boot. Sämtliche Häuser waren beflaggt und am Abend illuminiert. Auch alle im Hafen liegenden Schiffe bekundeten ihren Anteil an der türkischen Feier durch Flaggenhiffen und Illumination. Von den Juden, die am gesamten Umzuge teilnahmen und auch in der Synagoge eine große Volksversammlung veranstaltet haben, wurden Ansprachen in hebräischer, spaniolischer und türkischer Sprache gehalten. In der vorigen Woche ist ein Teil einer hiesigen neuerbauten Mädchenschule eingestürzt. Verunglückt ist zwar dabei niemand, aber es herrscht eine große Erbittrrung gegen die Bau- Kommission und gegen die Bauunternehmer, obwohl man sagt, daß ein großer Sturm das noch unvollendete Gebäude erschüttert und so den Einsturz herbeigcführt habe. Der materielle 7, Januar 1909;? Schaden ist jedenfalls sehr beträchtlich. — Die vom Bauausschuß der Mädchenschule eingesetzte Kommision zur Feststellung der Ursachen des , . Einsturzes gelangte zu dem Resultate, daß die Wahl des Baumaterials und die Konstruktion dieses Flügels der für ein solches Gebäude not- . wendigen Solidität nicht entsprach. Für den /j Weiterbau sind mehrere Maßnahmen von der l Kommission getroffen worden, die der Festigkeit des Gebäudes dienen sollen. Da der Bauunternehmer die ganze Arbeit und einen großen Teil des Baumaterials auf eigene Rechnung übernimmt, wird der Schaden des Odessaer Komitees infolge des Unfalls wohl nur einige tausend Francs betragen. Afrika. Kapstadt, 3. Jan. Seit der Entdeckung der Goldminen in Transvaal hat Südafrika eine besondere Anziehungskraft auf jüdische Einwauderer ausgeübt. Nach der Zählung von 1904 wohnen in der Kapkolonie bereits nahezu 20,000 Juden. In der Zeit von 1904 bis 1907 trafen nach dem Bericht des Einwanderungsamtes in Kapstadt 162,000 Einwanderer ein, darunter befanden sich 141,000 Briten, 8000 Russen, .5000 Deutsche und 1800 Amerikaner. Auffallend ist der hohe Prozentsatz der russischen Ankömmlinge. Nach dem Bericht des Einwanderungsamtes waren die Einwanderer aus Rußland aber nicht Nationalrussen, sondern Juden. Wie das deutsche Generalkonsulat in Kapstadt bemerkt, befindet sich auch unter den deutschen und russischen Ankömmlingen erfahrungsgemäß ein gut Teil jüdischer Konfession Dieselbe Erscheinung zeigt sich bei den Naturalisierungen in der Kapkolonie. Nach dem Bericht des deutschen Generalkonsulats in Kapstadt ist anzunehmen, daß etwa •/« bis 3/4 aller in den letzten Jahren naturalisierten Einwanderer Juden gewesen sind. Im ersten Halbjahre 1908 befand sich nach amtlichen Ermittelungen unter den 218 Naturalsierten annähernd 166 jüdischen Stammes. Die Bereitwilligkeit mit der die jüdischen Einwanderer von der Regierung als Bürger ausgenommen werden, stellt ihnen das beste Zeugnis aus. vermischtes. Frankfurt a. M, 5. Januar. Wie sehr bei der Untersuchung der Speiseröhre von geschlachteten Gänsen Vorficht geboten sei, zeigt die Tatsache, daß von 65 Gänsen die eine hiesige, unter Aufsicht der Religionsgesellschaft stehenden Geflügelhandlung vorige Woche schlachten ließ, sich bet der Untersuchung — die hier vom Schocher vorgenommen wird — nur 23 als -^3 erwiesen. Diez, 3. Januar. Eine Grabschändung wurde auf dem jüdischen Friedhof hier durch Umwerfen uno Zertrümmern von vier Grabsteinen begangen, besonders die Inschriften sind ganz zerstört. Budapest, 29. Dezember. Kultus- und Unterrichtsminister Graf Albert Apponhi hat beide israelitische LandeskanLletenaukaefQrbert, innerhalb zweier Monate oüs Verzeichnis und den Gehaltsausweis derjenigen Rabbiner zu unterbreiten, die auf eine staatliche Ergänzung ihrer Bezüge Anspruch machen können. Warschau, 1. Jan. Die hier im 43. Jahrgang erscheinende jüdische Wochenschrift . Jzraelita", das Organ der polnisch-jüdischen Asfimilatton, hat mit deml. t Jan. 1909 ihr Erscheinen eingestellt. London 31. Dez. 1908. Ein Wohltätigkeits-Diner, da» hier vor einigen Tagen zugunsten des Jüdischtu Hospitals stattfand, ergab für tiefes Hospital die Summe von 12000 Pfund Sterling, d. h. rund eine Biertelmillton Mark! Frankfurt a. M., 5. Jan. In fesselnder Weise childerte am vergangenen Montag Fräulein Frieda Jülich im „Jüdischen Frauenverein" die Schicksale der - ara Eopia Sullam, jener glaubensstarken Jüdin, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Venedig gelebt har. Ein echtes Kmd der italienychen Rena ssance mit einer umfassenden Allgemeinbildung u d außerordentlicher Begabung für die schönen Künste, war Sara Copia, die Tochter Simon Copias, eine begeisterte Anhänge rin ihres Glaubens und im jüdischen Schrifttum aller Zeiten sehr bewandert. 21 Jahre alt, vermählte fie sich mit Jacob Sullam, mit dem sie im herzlichsten Einvernehmen lebte. Trotz der Ghettoschranken wurde die durch Schönheit und Anmut noch besonders Ausgezetch- I I I l 1 < t t ( h T J li s. o tz fi v ß L Ä V s % <§ <§ Ii tt CI h' * QI N fd H (9 pi fl» o Ö B su B ke de T B Hi bc «I ui in T H' de H, tu Um 1QJ fta fiel Fc Ei D, äu fol Lo für Bc F Li bei tis, fl sm OT ach M lUV Ju vei ein Ko

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