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Der Israelit · 1908-12-31 · Heft 52 (31.12.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 52 (31.12.1908)
Date
1908-12-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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l t>-c. uilleton. Samuel da üagiä. Sine jüdische Erzählung aus der spanisch-maurischen Zeit. Zweite» K«ch. (Fortsetzung.) „Wären alle Menschen meine Sklaven", sagte er in seinen Versen, so würde meine Seele dock nicht zufrieden sein. Sie würde zu einem Ort aufsteigen, höher als die höchsten Sterne, und dort angelangt, würde sie noch höher steigen. Er hatte folgenden Vers ersonnen, den er bei jeder Gelegenheit, besonders beim Schachspiele zititte: „Für mich schläft das Unglück beständig, ihm ist ausdrücklich das Gebot gegeben worden, mich niemals heimzusuchen". Unsere Weifen sagen: Oeffne niemals dem Hinderer den Mund. Hätte Jbn Abbas diesen Spruch gekannt, hätte sich sein Schicksal vielleicht anders gestaltet, denn gerade diese unverschämte Herausforderung, die er dem Geschicke entgegenwarf, sollte den Keim zu seinem späteren Falle bilden. Sie hatteallgemeinen Unwillen in Almeira erregt, und ein kühner Dichter machte sich zum Dolmetscher der öffentlichen Meinung, indem er an die Stelle der zweiten Hälfte des Verses folgende Worte setzte, welche sich nachmals als wahre Weisagung erwiesen : „Aber die Zeit wird kommen, wo das nimmer schlummernde Schicksal das Unglück aufwecken wird". Als echter Vollblut-Araber Hatzte Jbn Abbas die Berber und verachtete die Juden. Vielleicht wollte er nicht gern, daß sein Herr sich der arabisch-slavischen Liga anschöße, den in diesem Falle wäre Zohair von dem Haupte dieses Bündnisses, dem Kadi von Sevilla, in den Schatten gestellt worden; aber doch war er höchst aufgebracht, über sein Bündnis mit einem Berber, der zum ersten Minister einen Juden hatte, den er verabscheute und von dem er sich gehaßt wußte. Im Verein mit Jbnabi-Mnsa, auch Jbn Bakkana genannt, dem Vezier der Chammuditen von Malaga, hatte er anfangs gesucht, Samuel zu stürzen. Um dies zu erreichen hatte er unzählige Verleumdungen ersonnen, ohne indessen seinen Zweck zu erreichen. Daraufhin bemühte er sich,' seinen Herrn mit dem Könige von Granada zu entzweien, indem er ihn aufforderte, dem Feinde des Ehabbus seinen Beistand zu leihen. Dieser Plan gelang ihm. Sechstes Kapitel. Auf dem Wege von Granada nach Baza kommt man durch eine Gegend, wo die Mehrzahl der Einckohner in Höhlen wohnt. ( Deren Hauptstadt ist Guadix und bei ihr haben die Gewäffer im Laufe von Jahrtausenden tiefe Talsenkungen ausgewaschen und darin seltsam geformte Hügel, Berge, vereinzelte Kegel und Würfel von allen Größen und Gestatken stehen laffen. Wenn man sich.vom Gebirge dieser Talsenkung nähert und hinabschaut, glaubt man eine verzauberte Stadt t se en, so sehr gleichen diese stehengebliebenen gel alten Bürgen mit Türmen und Zinnen. ^Täuschung ist um 'so größer, als in der Tat viele dieser Kegel und Würfel, die aus leicht zu bearbeitenden, aber widerstandsfähigen Schiefer- Ion bestehen, bewohnt sind. Die Bewohner haben die Kegel ausgehöhlt und mit Türen und Jenstern, mit Schornsteinen und hie und da sogar, mit Balkonen und Miradores versehen. Zu der Zeit, da wir den Leser in diese Gegend führen, ist von alledem nichts zu bemerken, denn es ist Nacht, stockfinstere Nacht. Eine größere Anzahl von Personen aus Granada haben die geräumigste dieser Höhle, vier Zigeunerfamilien gehörig, für die Nacht gemietet. Eine Unmenge Sandalen, die vor dem Eingang der Höhle stehen, zeigen uns, daß die Versammelten sich bereits eingesunden haben. Wir treten in den dunklen Leib der senkrecht abgegrabenen Bergwand. Unser Auge gewahrt eine Anzahl Fackeln, die in gewißen Abständen in den Boden gesteckt sind. An den Wänden der einer großen, wenn auch niederen Halle gleichenden Höhle scheinen bei dem ersten Anblick eine Anzahl weißer Haufen auf dem Erdboden zu liegen. Bei näherem Zusehen sind es die Einberufenen, die in ihre weißen, den Kopf bedeckende Burnuffe gehüllt hier auf der Erde kauern. In der 'Mitte des Raumes ist aus Erdmaffe ein kleiner Hügel mit abgeplatteter Spitze errichtet, der offenbar als Rednerttibüne dienen soll. Eine dumpfe kalte Moder- Luft benimmt beinahe den Atem, von den Wänden sickert langsam das Schwefel Wasser, in den Ecken liegen menschliche und tierische Schädel und Knochen. Ein Berber besteigt die improvisierte Rednertribüne und alles erhebt sich von der Erde, den Berber umdrängend. Sein funkelndes Auge überfliegt rasch die Versammlung, alle bewundern die jugendliche Kraft und Schönheit der schlanken Glieder, deren tiefe Bronze nur um die Hüften ein kostbarer Schürz von Scharlach verhüllt. „Freunde," Hub er an, „ich ließ Euch hierherkommen, weil wichtige Dinge zur Beratung stehen". Ehabbus ist tot und fein ältester Sohn Badis ist im Begriffe, sich die Krone Zawis aufs Haupt zu setzen. Das, Freunde, darf unter keinen Umständen geschehen, denn wie kein anderer eignet sich der jüngere Sohn des hinausaestiegenen Fürsten, unser Bologguin, dazu, die Zügel der Regierung zu ergreifen. Badis ist ein Schlemmer und ein Säufer, ein Mann der die Pracht und den äußeren Glanz den inneren Werten vorsieht, Bologuin hingegen liebt die Künste und die Wissenschaft und geringer als die Wiffenschaft ist der prächtige Glanz im Geleite der Fürsten. Aber nicht nur Badis auch Samuel muß fallen und vor allen Dingen gilt es diesem. Er ist die Seele von Badis. Mit Badis werden wir fettig, wenn der Jude fort ist. Er wird ersticken in seiner Völlerei. Ich weiß, daß nicht alle von denen, die Ihr heute hier, mit dieser Rede einverstanden seid. Deshalb schwöret, daß ohne meine Zustimmung nichts von dem was hier verhandelt werden wird, außerhalb dieser Höhle zur Verlautbarung komme." Ein vielstimmiges „Wir schwören" erscholl in dem dumpfen Raum. Ich kann Euch jetzt zu meiner großen Freude mitteilen, daß Stadt und Land in ihrer übergroßen Mehrheit auf unserer Seite stehen. Der gesamte Berberische Adel, die vornehmsten Juden haben den Namen Bologguin auf ihre . Fahne geschtteben. Verzichtet Badis nicht gutwillig, so laffen wir ihn in der Al- Hambrah gefangen nehmen und ihm den Garaus machen, denn auch das Militär ist gewonnen. Wollen die Araber, die zu BadiS neigen, irgendwie Anstalten treffen, sich unseren Plänen nicht zu fügen, dann wehe ihnen, sie sind des Todes. Was wir nun hier noch hauptsächlich wissen wollen, das ist die Ansicht der Juden über ihren Glaubensgenossen Samuel. Hanget Ihr an ihm fest, so betrachtet Euch als unsere Feinde, laßet Ihr ihn fallen, dann reichet uns die Hand." Jbn Migas meldete sich zu Watte, seitdem wir ihn nicht gesehen war er alt geworden, sein bissiges verärgertes Gesicht von einem grauen des // zerzausten Barte eingerahm', blickte mißtrauisch in die Versammlung. „Brüder und Freund.'," sprach er, Samuel, einst der Liebling von Berbern, Arabern und Juden ist nach und nach zum gehaßtesten und gefürchtesten Mann des Landegeworden. Sein vielgepriesener Idealismus ist längst nicht mehr echt, er ist unfähig geworden sich selbst ins Gesicht zu sehen, könnte er eS, er' würde erschrecken. Seine gewürzkrämerische Ritterlichkeit steht im vollkommenen Einklang zu seiner heuchlerischen Gottgefälligkeit. Dieser Held ohne Furcht und Herz, die Verkörperung einer egoistischen kalten Tugend, bewundert mit Vorliebe sich selbst und ist der Verderb des Landes. Ich bin zwar Jude, aber trotzdem rufe ich und mit mir die besten Juden dieses Landes: „Nieder mit Samuel". „Nieder mit Samuel" scholl es hundertfach in der Höhle. Nehemia Haschkofa bestieg den Hügel. „Vor Samuels Amtszeit," sprach er, „hat man michöfters zu diplomatischen Sendungen verwendet. Seit Samuel die Zügel des Vezierates führt, wurde ich zu den Diensten des Staates nie mehr herangezogen. Ich zahle die höchste Grundsteuer im Lande, wer hat vor fünfzehn Jahren den Streit mit der ara'isch-slavischen Partei geschlichtet? Ich bin es gewesen — früher der erste Mann von Rimon-Sephard — so nannten die Juden Granada — heute durch Samuels Machenschaften nicht viel mehr als eine Null. Jeder Staatsmann sorgt, wenn er zu hoher Stelle gelangt ist, für seine Freunde und Glaubensgenossen, Samuel tat das Gegenteil. Auch ich stimme in den Ruf: „Fort muß^Samuel vom Königsthrone". „Fort mit Samuel vom Königsthrone", riefen die Versammelten. Isaak ben Leon richtete nunmehr an die Einberufenen das Wort: „Auch ich bin für die Entfernung Samuels. Denn während seiner langjährigen Tätigkeit am Hofe fand man überall nur heimliche Interessen, eine ungeheure Empfindlichkeit, ewig wachsenden Ehrgeiz und einen Emst, der ebenso leer wie eitel ist. Seine ganze Kunst bestand hauptsächlich darin, Ehabbus' Schwachheit möglichst auszubeuten', Jrttum zu nähren und sorgsam zu verhehlen, was er dachte, wenn der Herrscher fehlte. Er verstand es, sich stets zu ducken, desha b konnte er sich bis jetzt stets halten. Sein Glück hat lange lange gedauert, wenn es jetzt zusammenbricht, so kann es nicht unsere Schuld sein". Ein Gemurmel ging durch die Menge : „Es ist nur seine Schuld — nicht die unsere —" „— Nein, nicht wir, er selbst." — Ein jüdischer Sandalenmacher trat aus: ' W „Ihr werdet erstaunt sein, Leute, mich hier zu treffen, aber ich will Euch den Grund sagen: ich habe seit vielen Jahren die Fußbekleidung für meine Glaubensgenossen angefettigt, bis eines Tages ein Araber, Ibrahim, zu allen Söhnen Israels ging und sie bat, doch bei ihm in Zukunft arbeiten zu lassen, da er weniger verlange mnd bessere Maare liefere. Und die Jehudim hätten auf ihn und gaben ihm ihre Bestellungen. Da ich dies nicht in Ordnung fand, ging ichzu unserem Vezier, um mir mein Recht zu suchen, denn es ist doch nur das einfache Recht, wenn Juden bei Juden ihre Fußbekleidung ansertigen lassen und was meint Ihr, was mir Samuel der jüdische Minister erwidette?" Allgemeines Schweigen. Nun ich will es Euch sagen: Lieber Freund, sprach er mit seiner süßlichen Stimme, ich kann Euch nicht Helsen. Nach meiier Auffassung tun die Juden nur Recht, wenn sie die arabischen Handwerker unterstützen. Das ist das beste Mittel, ihren Haß gegen uns zu mildern. Die Juden mögen ihre Kunden unter den Arabern und Berbern suchen und viele, die redlicher und billiger arbeiten, wie die Andersgläubigen haben

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