Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1908)
- Date
- 1908-12-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«tc. 52. Bette 10. Der Israelit. Bl. Dezember 1908 Oberrabbincr Moritz Fuchs einaeweiht. Das Hauptverdi.nft um die Errichtung dieses neuen Gebäudes erwarb sich der dortige Gemeindepräses Alexander Ullmann. 24. Dez. Am 21. d. Mts. veranstaltete der hiesige „Tiferesz-Bachurim" iSraeiittscher Jugendveretn, rin Bekleidungslest, bei welcher Gelegenheit arme Kinder mit warmen interkleidern versehen wurden. Der Präses, Herr Raphael Kohn begrüßte die Gäste und würdigte in schwungvollen Worten dir ersprießliche Tätigkeit des Vereins. Ferner sprach Herr Adolf Graf, Bereinspredtger. Das Publikum spendete dem Festvortrage des Herrn Graf, der tn längerer wtrkungsvoö^r Ansprache die Zuhörer für die Ziele und Zwecke des Vereins zu begeistern wußte, reichen Beifall, Ihm folgte Herr Adolf Stern, der die Bedeuttmg der Chanucka-Lichter mit enthufiastischen Worten zu Ausdruck brachte. Unter großer Begeisterung erhob fich Herr Dr Viktor Schonfeld, Rabbiner aus Wien, und hielt eine Vorlesung über „Leben und Wirken Sam on Raphael Htrschs". Der Redner gab in seiner schlichten, von jeder Phrase und jedem Ueberschwung freien Art und ei» eindrucksvolles Bild von der überragenden Grüße des Meisters, dessen wisienschafrltche un§ praktische LeistungenzurWtedererweckung des gesetzestreuenJudentums heute ttvtt On Gesamtheit in dankbarer Verehrung gewürdigt werden. Der Redner legte es hauptsächlich der Jugend ans Herz, ihn zum Vorbild zu nehmen und fich mit dessen Werken recht vertraut zu machen.- Der gehaltvolle Bortrag machte allgemein tiefen Eindruck. Zum Schlüsse sprach Herr Gabor Reichsfeld, Gründer des Vereins, dessen edle Zwecke und Ziele allgemeine Sympathien fanden. Damen und Herren aus dm vornehmsten Kreisen der Stadt konnte man unter den BeretnSmttgliedern versammelt sehen. Personalien. H«mober, 28. Dez. Anläßlich des 25 jährigen Jubiläums des Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann Md am Freitag abend in der festlich geschmückten ynagoge Fest-Gotteediensl statt und abends wurde durch die Kinder deS Leaisenhauses und der Freischule dem Jubi ar ein Siändchen gebracht. Am Sonnabend morgen beim Feftgotresdienst wurde der Herr Landrabbiner in auszeichnender Weise zur Thora aufgerufen und ihm nach der «chlußbrocho ein von Herrn Rabbiner Dr. Freund verfaßter Mtschvbärach gesprochen/ nach Einhebung der Thora bestieg Herr Dr. Gronemann die Kanzel und knüpfte Ml seine vor 26 Jahren gehaltene Probepredtgt über den Text. Wp3Tl 'T» 'DM, »ich bürge für ihn, von meiner Hand hast Du ihn zu fordern, meine Mannes ehre fi-tze ich Dir als Pfand ein, das sei Dir genug" und schilderte in sehr schönen Worten die Aufgaben die er i ei seinem Amtsantritt übernommen und die er während feiner Amtszelt zu erfüllen gesuchr. euch ferner wolle er seinen Aufgaben gerecht werden um sie seinem Amtsnachfolger spättr einmal in gleicher Weise zu überliefern. Ei» Gesang -Hallelujah" beendete die Feier. Um 12 Uhr wurde dem Jubilar seitens einiger Gemeinde-Mitglieder eine n,tt mehreren hundert Unterschriften versehene Adresse überreicht. Die Hauptfeier war auf Sonntag verlegt und so begab Pch ein Teil des Borstandes und Repräsentanten- KollegiumS um 11 'I, Uhr zum Herrn Landrabbiner, um ihm namens der Gemeinde und Berwalturg durch eine in warmen Worten gef. rochene Rede des Herrn Justizrat Dr. Wolfe« Glückwünsche darzubrtngen und ihm ein Ehrengeschenk, bestehend in einer mit Widmung versehenen silbernen Jardiniere zu überreichen. Hieran ichioffen sich die Begrüßungen f et zahlreichen Deputationen u .dBeretns- Borstände. Die Chewra-5kadischo überreichte dem Herrn Landrabbiner durch Herrn Berliner eine Adresse und machte ihm Re Mitteilung von einer Stiftung auf feinen Namen. Die Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem, Vertreter der auswättigen Gemeinden, Jsraelittsches Waisenhaus, tSraelittfcher Verein für Krankenpflege, Blumemhül tistUNg, ZtonSloge, die Verwaltung des jüdischen Lehrerseminars, Ke ReligwnSfchule, der Talmud-Thora Verein, der HandferttickettS- und Girtenbauoerein, Verein jüdischer Lehrer der Provinz Hannover, Altersversorgung und Krankenhaus, Verein ehemaliger Religtonsschülerinnen, M. M. Davtd'sche Freischule, Verein jüdischer Turnerschaft, Zionisten, Ortsgruppe Hannover, Jüdischer Jugendverein schickten ihre Deputationen. Unter einer Reihe von Adressen mrd Geschenken, auch prachtvolle Blumenwenden «tin glänzendes Biumen-Arrang-ment des Magtstc tdnigltchen Haupt und Residenzstadt Hannover. RachmtttagS 3 Uhr fand ein Festessen von 135 Gedecken, zu Ehren des Herrn Landrabbtner in den Räumen deS Koozerthauses statt und nahmen an diesem 'auch die Behörden, vertreten durch Herrn Königl. OberregterungSrat GraShoff und Senator Fink teil. Herr Justtzrat Dr. Wolfes begrüßte die Gäste. Co- - dann brachte Herr Rabbiner Dr. Lewinski, Hildesheim in kernigen Worten den Kllsertoast aus. Herr Rabbiner Dr. Lüb, Emden toastierte auf den Jubilar. Herr Oberregterungsrat Grashoss überbrachte in herzlichen Worten die Glückwünsche der Königlichen Regierung, des Regierungspräsidenten unß berBeämten für KuktuS Angelegenheiten. Hevr Lanürabbiner Dr. Gronemann dankte in sehr warmer Weise Und gab'der Hoffnung auf ferneres friedliches und mittS Einvernehmen Ausdruck. AlSdann brachte Herr Dr. med. Hirsch ttneN begeisterten Toast auf die Regierung unh den Magistrat aUs, und dankte für daS glänzende , Einverne men zwischen ihnen und der Gemeinde. Herr Senator Fink dankte und gab die feste Versicherung, daß daS gute Einvernehmen auch ferner erhalten bleibe und ' man den Wünschen der Gemeinde stets wohlwollend ent» gegenkomme. ES kamen noch zu Worte: Herr Se minardirektor Dr. Knoller, Herr Dr. med. Berget, Herr Rabbiner Dr. Freund, Herr Lehrer Zuckermann, Herr Rabbiner Dr. Löwenthal, Hamburg. Mit dem Ti'ch gebet mit eingelegten Brochaus für Herrn Dr. Gronemann, schloß die Tafel. Nach kurzer Pause begannen die Aufführungen mit einem g'änz. nden Fack lzug der Kinder der Erziehungsanstatt y» hlem und >des Waisenhauses, ein Orchester aus jungen Herren befreundeter Famielten, lebende Bilder, die Oppenheimer'schen Familtenbllder darstellend, been beten die in ausgezeichneter Stimmung verlaufene Feier. Crailsheim, 17. Dez. Am 12. Dezember feierten die Herren David Friedmann undMoses Grünsfelder ihr 25jähriges Kirchenvorsteher-Jubiläum. Aus diesem Anlaß versammelten fich die Gemetndemitglieder Um^ihre lieben Jubilare, um einige fröhliche und vergnügte Stunden in ihrem Krebse zu verbringen. Der Vorsitzende der Festversammlung, Herr Kirchenvorstehkr Josua Stein, begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Sodann ergrtff Herr Vorsänger und Schullehrer Straus sen. das Wort, der die ersprießliche Wirksamkeit der beiden Jubilare um das Gemeindewohl feierte, ihnen als Anerkennung für ihre treuen Dienste ein prachtvoll ausgearbettetes Dipü m überreichte und mit einem Hoch auf das Jubelpaar seine beifällig aufgenommene Festrede schloß. Em humoristisches Gedicht wurde zu Ehren des Abends von Herrn Lehrer Straus jun. vorgetragen, das den vollen Beifall der Anwesenden fand. "Der Synagogenchor erfreute du ch seine schönen, exakt eingeübten und vorgettagenen Lieder die erschienenen Gäste, die mit ihrem Beifall auch nicht geizten. Herr Bertholb Stein bracht seine Wünsche im Aufträge der beiden Vereine „Einklang" und „Gemeindeverein" dar und Herr Jakob Eslinger leerte sein Glas auf das Wohl tes Seniors des Synagogenchors, Herrn Ludwig Friedmann. — Die beiden Herren dankten für ihnen gewordene Ehrung und wünschten der Gemeinde fernerhin alles Gute. Mö iett diese beiden Männer noch lange gesund erhalten zum Glücke unserer Gemeinde. Ansbach, 20. Dez. Am 13. Dez mber starb Herr Privatirr Bernhard Mahler dahier im nahezu vollendeten 80. Lebenjahre. Er war aus Lehrverg gebürtig einer ehemals refpettab.en jüdischen Gemeind ', die längst zu bestehen a fgehört hat und nun daS Schicksal vieler anderen teilt. Im Hause des Dahingeschiedenen hatten Einfachheit, Bescheidenheit und Zufriedenheit, gepaart mit reinster Gottesfurcht, bauende Stätte. Beliebt 'und geehrt von allen, ohne Unterschied des Ranges und Standes, repräsentier e Herr Mahler so echt und recht den n ackeren Vertreter des alten Kehillolebens, wur Vorstand der Chewro Kadischo, viele Jabre Mitglied der Kuttusverwaltung, ein eifriger, unermüdlicher Besucher der Synagoge, geschmückt mit dem Diadem eines unbefleckten guten Namens. Durch den Tod seiner Gatttn, das frühzeitige -- terben einer Tochter, sowie zweier chwiegerjöhne in der Blüte der Jahre hat er vielts Leid erduldet und in Ergebung wie ein Held ertragen. Kein Wunder daher, daß sein Tod eine gewaltige Lücke bet Familie uno Gemeinde verursacht. Herr Rabbmer Dr. Kohn schilderte die edlen Tugenden dieses Mannes und zeichnete das herrliche Charakterbild des verstorbenen. •rfasun Würzburg, 28. Dez. Die durch Berufung des Herrn Dr. Klein als Bereinsrabbiner nach N.rnberg zu besetzende Lehrerstelle an der israelitischen Lehrerdlldungs-Anstalt zu Würzburg wurde dem Herrn Josef Wohlgemuth aus Hamburg übertragen. Harburg (Bayern), 27. Dez. Bet der hier vorgenommenen israelitischen Gemeindewahl wurde Herr erson Stein zum Bor stand der hiesigen Gemeinde einstimmig wiedergewählt. Dieses ehrenvolle Amt bekleidet er schon 33 Jahre hindurch mit treuer Hingabe u d in einer ersprießlichen Wirksamkeit zum Wähle unserer Gemeinde. Wasseluheim, 27. Dez. Der Senior der elsaßlothringischen Kantoren, Herr Leopold Lenz hier, der in dem hohen Alter von 84 Jahren steht, gedenkt auf den 1. Januar 1909 sein Amt niederzulegen. Während 32 Jahre amtierte er hier in Wasselnheim, das fich im Gegensatz zu andern jüdischen Gemeinden des E.saß stets Vergrößert. Durch seinen religiösen Sinn und feine liebenswürdigen Eigenschaften steht er bet seinen Mitbürgern ohne Unterschied der Konfession in hohem Ansehen. Möge er stch noch lange der wohlverdienten Ruhe erfreuen. Osterburken, 28- Dezbr. Der Gr ßherzog von Baden verlieh dem Bezirksättesten, Herrn Emanuel Strauß hier, das Berdtenstkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen. Delsberg (Schweiz), 25. Dez. Letzten Donnerstag verschied hier an den Folgen eines Schlaganfalls Herr Moses Schoppich in einem Ait.r von kaum 60 Jahren. Schon die Grv eitern des Verstorbenen waren von Oberhagental (im Elsaß) in die Schweiz gezogen und hatten, als die ersten Juden fich in DelSberg nieder- »elassen, wo fie durch ihre Rechtschaffenheit und Wohliättgkeit ich bald allgemeine Achtung und Liebe erwarben. Der Verstorbene war ein redlicher Geschäftsrnan , ein treuer Gatte, ein liebreicher Vater und ein frommer Jude in deS Wortes wahrster Bedeutung. Sein Geschäft war eines der wenigen, welche in Delsberg am fiDV? SS* chloffen hatten. Wie sehr beliebt er bei Juoen und Nichtjuden gewesen, das zeigte am letzten Sonntag die überaus große Teilnahme bet feiner Beerdigung. Auch in Basel, wohin die Leiche überführt wurde, gaben zahl« reiche Freunde dem Verdorbenen das Geleit zum Fried- Hofe, wo Herr Rabbiner Dr. Cohn ihm den wohlverdienten Nachruf hi tt. iYdxjO Briefkasten. B. I 38.. Ist leider für uns unverwendbar. Manuskript folgt mit Dank zurück. I. H. in I. Zu unserem Bedauern können wir auch dieses Mal. die Arbeit nicht verwenden. L hrer T. in M. Gegen eine objekive Besprechung des Buches ist nichts ein zuwenden. Oberhcss n. Es ist selbstredend nicht statthaft, daß ein Schocher, der stch 20 Jahre keiner Prüfung unterzogen bat, weiter frbäkbtet. Rabbiner S. K. in Z. Wenden Sie stch an Herrn Wolf Pappenheim, Wien, Kl. Fahrgafle 1. L. St. in N. Wir haben, von der Auszeichnung deS Herrn keine Notiz genommen, fühlen uns daher auch nicht veranlaßt, Ihre „Enthüllungen" zu veröffentlichen. Frl L. F. B. Die Aenderung war eine logische Notwendigkeit — und die Logik geht auch rm Gedichte vor dem Rhythmus. S. Plni. 10 Mk. für „Chanuckaspende" erhalten. Lehrer Sch. in G. Kann aus verschiedenen Gründen nicht erscheinen. Rabbiner v. I. L. in T . Leider unverwendbar. Besten Dank. üereinskalender. Jüdischer Frauenverein e. B. Am Montag, 4. Jan., abends 8% Uhr im Hörsaale der Jer. Rel.- Geseuschaft, Schützenstr. 12: „Sara Copia Sullam, rin Bild der Gl.ubensrreue." Referemin. F äulein Fr re da Jülich. — Am Mittwoch, 6. Jan., abends 9 Uhr, in der Realschule, der Jsr. Rel.-Gesellschaft, Am Tiergarten: „Lektüre und Erläuterung des Buches Hiob". Dir. Dr. Lange. Verein Mekor-Chaiim, Samstag, 2. Januar, Nachmittags 3% Uhr, -- chützenstr. 2, Mikro-Vortrag deS Herrn Siegfried Jeidel Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung '2L rv?nj- Mittwoch, 6. Januar 1909, abends 9 Uhr, im Vereinslokale Schützenstr. 2: Vortrag des Herrn Professor Dr. E. Fink über „Naturwiffenschaftiiche Hypothesen im Lichte jüdischer Anschauung." — Samstaa, 2. Jan., mittags 12*/* Uhr, im Hörsaule der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre des Pentateuch- Kommentars unter Leitung des Herrn S. Schachnowitz. ((ladt Schlug 3erRe9ahlion elnaefroffen). Vereinigung; trääitiontll'gmföesmtier Rabbiner. (Telephonischer Bericht.) Marburg, 31. Dezember. Die Bereinigung traditionell-ge-- setzestreuer Rabbiner begann ihre Bera-? tungen gestern Mittag unter sehr starker Beteiligung der Kollegen, die zumeist von den Frankfurter Tagungen herübergekommen waren. Dr. Ehrentreu-München hielt ein beifällig aufgenommenes Referat über KITH Alsdann sprachen Dr. Goitein-Burgkundstadtund Dr. Kohn-Ansbach als Referent und Korreferent über die Stellungnahme zum Zionismus. Während der erste Referent eine reservierte Stellung einnahm, gegen die Zugehörigkeit zum M i s r a ch i aber keine Bedenken hegt, hielt der Korreferent bei aller Würdigung der verdienstlichen Bestrebungen der Misrachifraktion eine Beteiligung an derselben so lange für unmöglich, als nicht die auf dem VI. Kongresse abgegebenen Erklärungen über das Verhältnis des Zionismus zur jüdischen Religion im offiziellen Programme festgelegt feien. Die schließlich mit 23 gegen 14 Stim^ men angenommene Resolutton sagt im ersten Teile, daß nach den Wandlungen des Zionismus und der Unbesttmmbarkeit der wei^ teren Entwickelung eine generelle Stellung-? nähme unmöglich sei. Der zweite Teil erklärt eine Beteiligung am Misrachi erst dann für möglich, wenn die oben bereits angedeutete Bedingung erfüllt sein werde. In Anwesenheit des landesherrlichen Kommissars und einiger Landtagsabgeordneten referierten Dr. Le w i n - W r e s ch e n und Dr. Baßfreund-Trier über den Religionsunterricht in lehrerlofen Gemeinden. Die Sitzung dauert fort. Es wird noch Dr. Lerner-Altona über ein wissenschaftliches Thema referieren. / ~