Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 52 (31.12.1908)
- Date
- 1908-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449351--65160-2507785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
y 4-: > .; .‘&Vr. Bette 8 Ar. Der JSraettt. 31. HchewSLr 188M anstvortunasvolle Aufgabe deS NÄ^N des Gntscheidenoen in, praktischen Fragen, sowie die M nicht minder heilige Pflicht des n^iJK bV2, des | . Sittenpredigers zufalle mit Anführung intet. ' restanter Stellen belegte er auch die Notwendigkeis eines korrekten Midraschtextes. Zu allseitigem k''HWauern mußte das Referat wegen vorgerückter Stunde abgebrochen werden, doch erbot sich Dr. Th. zur Fortsetzung desselben in der nächsten Sitzung. Herr Dr. Silberberg hatte die freunolichkeit, im Anschluß an s in jüngst gellten es Referat über den „Religionsunterricht . Hr 7 höheren Schulen" eine reichhaltige Lehr- - mi ttel-Ausstellung in einem Nebenzimmer 'zu arrangieren. Sämtliche Vorträge, die vie'^ Interessantes und Lehrreiches boten, ernteten reichlichen Beifall und auf alle Teilnehmer wirkte es erhebend, wieder einen Tag dem so wertvollen K Meinungsaustausch mift gewidmet zu haben. W a r b u r g, 28. Dez. Am 18. v. M. wurde ^"vor dem Landgerichte in Paderborn die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das freisprecheude §} Urteil des hiesigen Schöffengerichts wegen Ueber- - tretung der Metzger gegen das Schächwerbot der M. Polizeiverwaltnng verhandelt. Das Verbot war M auf Veranlassung der Königlichen Regierung zu Minden auf Grund einer Schlachthausverord nung aus dem Jahre 1888 ergangen. Die Verhandlung vor dem Landgerichte endigte Mit der Bestätigung des freisprechenden Urteils ^der Borinstanz. Als durchschlagend hat das .Landgericht den Einwurf der Verteidigung angesehen, daß die eben genannte lokale Schlachthaus- -ordnung durch eine Regierungsverfügung vom Jahre 1890 als aufgehoben betrachtet ist, ..welches bestimmt, daß von dem Verbot des Schlachtens der Tiere ohne vorherige Betäubung .die nach jüdischem Ritus zu schlachtenden Tiere auszunehmen sind. Das Urteil ist inzwischen .rechtskräftig geworden, und da bereits im Laufe des Somme>s die hiesige Stadtverordneten-Ver- Sammlung auf Antrag der Metzger den genannten Paragraphen des Schlachthausstatuts durch einstimmigen Beschluß beseitigt hat, so ist die Schächtfrage für unseren Ort in günstigem Sinne erledigt. Bern, 25. Dez. Wie alljährlich zu Ende des Jahres stellte sich auch Heuer pünktlich das Jahrbuch des berühmten schweizerischen Nattonal- < vwnomen Prof. Hilty ein, das von der ge- " Sildeten Welt, auch weit über die Grenzen der - Ejögenossenschaft hinaus mit Spannung erwartet wird. Auch das Buch pro 1908 enthält eine Me von Auslastungen und Betrachtungen über lden und Judentum. Jntereffant ist die Abmg, die die auch in ihrem Blatte letzthin so treffend gekennzeichnete „Geschichte der Juden" non Professor H eman darin erfährt. Hilty schreibt: „Es mutz ein Mann ein solches Buch schreiben, der die Zeiten der Vergangenheit aus zuverlässigen . OlneÄen genau kennt und es auf seiner Exil- Wanderung durch die vielen Jahrhunderte be- ^gleiten kann, der aber auch zugleich prophetisch " Juden der Zukunft" am Ende des großen ~ sehe« kann. Wer die Geschichte der Juden will, muß sich ganz in den Geist dieses ckgeytümlichen Volkes versetzen können, wobei ein ^gewisser Glaube an deffen Zukunft auch nicht ' stchlen darf. Diese Eigenschaften fehlen Professor Heman vollständig, deshalb ist seine Geschichte auch wertlos." Hilm kommt auch aus den bekannten bundtzWrichtllchen Entscheid wegen des GefiügelschLchtens zu sprechen und meint, daß der BundesgeHchtsbeschluß in Sachen Fröhlich ein einstimmiger hätte sein sollen. — Ein wohltuendes Wort zu Zeit, da die hiesigen TierschÜtzler im Ausum Gutachten gegen das Urteil des Bundesgertchtes betteln. Neutra, 24. Dez. Den Neglogeu in Neutra /schont ihre erst vor einem halben Jahre vollzogene Trennung von der dortigen Muttergernemde sehr übel bekommen zu sem. Es scheint dem Häuflein Neologen doch viel bequemer, auf Kosten der Fleischsteuer zahlenden Orthodoxen die Gesamtgemeinde in neologen Geiste zu leiten, als auf eigene Faust neologe Gemeinde zu spielen. Doch werden die dortigen Orthodoxen gewiß auf der Hut sein, und die nunmehr losgewordenen Tyrannen sich nicht wieder auf den Hals schaffen. Dieses schon im Interesse des zu wahrenden Friedens. Denn mit den zurückkehrenden neologen Gernegroßen würden auch wieder die Parteizwistigk.iten ihren Einzug in die Gemeindstube halten. N«tzt«nr». Petersburg, 23. Dez. Die Interpellation bezüglich der Judenfrage ist in der Reichsduma noch nicht zur Verhandlung gelangt, hat aber schon eine erregte Judendebatte gezeitigt. In einer der letzten Sitzungen beantragten die Interpellanten die Dringlichkeit für ihre Interpellation. Es kam zu einer stürmischen Debatte, in deren Verlaufe sich die Rechte in den wüstesten Beschimpfungen der Juden und der nichtantisemitischen Dumaparteien erging. Für die Dringlichkeit stimmte die äußerste Rechte und mit ihr — die Sozialdemokraten. Die letzteren mit der Begründung, daß diese Interpellation als eine Verhöhnung der Juden gar nicht wert sei, erst noch in der Jnterpellationskommission verhandelt zu werden. Vielmehr solle man die Interpellation sofort beraten und ablehnen. Mit Stimmenmehrheit wurde schließlich die Dringlichkeit abgelehnt. Ueber den Standpunkt der Regierung gehen noch die Ansichten weit auseinander. Wie man hört, beabsichtigt die Regierung den Reaktionären gewisse Zugeständnisse zu machen. So. soll der Bizeminister des Inneren dem Abgeordneten Nisselowitsch erklärt haben, daß die Regierung genötigt sein werde, 15000 außerhalb der Ansiedlungsrayon wohnenden Juden auszuweisen. Finnland. Helsingfors, 22. Dezember. Wie ein Vermächtnis aus trübstem Mittelalter lastet bis auf den heutigen Tag ein beispiellos rigoroses Ausnahmerecht über der Judenheit Finnlands. Vor kurzem hat Georg Brandes einige Proben dieses Elends zur Kenntnis der europäischen Oeffentlichkett gebracht, aber in den letzten Tagen sind diese Mitteilungen durch weit schlimmere Vorgänge überboten worden. Momentan werden zirka 30 arme jüdische Familien mitten im rauhen Winter aus dem Lande ausgewiesen, und das gleiche Schicksal kann hier alle anderen Juden treffen. Darf doch bis jetzt ein Jude nur in den drei Städten Helsingfors, Abo und Wiborg wohnen, und auch dieses Wohnrecht ist mit unglaublich entwürdigenden Bestimmungen verbunden. Obwohl die meisten Juden im Lande geboren und auferzogen sind, muß dessenungeachtet ein jeder von ihnen alle sechs Monate einen Aufenthaltsschein erhalten, in dem angegeben wird, daß er nur mit Zigaretten, alten Kleidern und ähnlichem Kram handeln darf. Wenn ein ude sich aber verheiratet, soll er sogar laut dem besetze des Landes verwiesen werden. Wo nun verrostetes Gesetz solche Barbareien und Absurditäten kennt, da bleibt die oberste russische Berwaltungsspitze erst recht nicht zurück und drängt gewöhnlich auf Jnnehaltuug des gültigen Rechts. Eine Zeitlang schien allerdings auch im Schicksale der hiesigen Juden eine Wendung eintreten zu sollen. Denn als die große russische Freiheitsbewegung auch nach Finnland hinüpergriff und mannigfach Humanitälsaefühle auslöste, da trat zugleich eine ewiffe Strömung zugunsten der Berfplüesten er Verfolgten hervor. Mit dem Vordringen der .russischen Reaktion ist jedoch auch diese Frage van der Tggesorduung verschwunden, und Ke stesigen Juden leben yuWnetzin einer panikartigen WmMvg, stets voll Furcht vor ** :!r ° falaittxuu ez. Der Eisenbahnverkehr i$ Palästina hat durch die Einführung des täglichen Personenzugverkehrs äuf der Strecke Haifa-Damaskus eine bedeutende Verbesserung erfahren. Eine weitere Verbesserung ist dadurch herbeigeführt worden, daß jetzt die Personenrüge auf der Strecke Jaffa-Jerusalem in jeder Richtung nicht nur einmal, sondern zweimal täglich verkehren. Des morgens und mittags wird ein Zug ln jeder Richtung abgelaffen. Man kann also jetzt in einem Tage von Jaffa nach Jerusalem und zurück fahren, was bisher trotz der relativ kurzen Entfernung (86 km.) nicht möglich war, was für den Verkehr der Hafenstadt Jaffa mit der heiligen Stadt und den dazwischenligenden Kolonien ein nicht zu unterschätzender Fortschtttt bedeutet. Tunis. . Tunis, 8. Dez. Wie wir bereits mitgeteilt erscheint seit einiger Zeit in Tunis unter dem Titel „Le Döfenseur" ein Wochenblatt, das sich die Verteidigung der Juden und die Herbeiführung ihrer vollständigen Gleichstellung vor dem Gesetze, vor Allem aber ihre Befreiung vom Drucke der Mohammedaner bezweckt. Die erste' Nummer dieses Blattes formuliert die Forderungen der Juden in Tunis wie folgt: 1. Verlangen die Tuniser Juden, daß, wenn ein Jude mit einem Mohammedaner einen Prozeß hat, so möge dieser nicht vor einem mohammedanischen Gerichte nach den Grundsätzen des Korans, sondern vor dem französischen Gerichte auf Grund der allgemeinen französischen Gesetze verhandelt und abgeurteilt werden. 2. Soll den Tuniser Juden die Möglichkeit gegeben werden, französische Bürger zu werden. Zur Erklärung dieser Forderung sei darauf htngewiesen, daß laut den für Tunis geltenden Gesetzen, jeder fremde Untertan französischer Bürger werden kann, wenn er den Nachweis erbringt, daß er eine bestimmte Zeit hindurch in- Tunis ununterbrochen gewohnt hat. Mit den Tuniser Juden wird nun eine Ausnahme gemacht, daß ihnen solche Seßhaftigkeitspapiere nur in dem Falle ausgesolgt werden, wenn sie Nachweisen, daß sie 3 Jahre hindurch in der Tuniser Armee gedient haben. Die Juden würden nun sehr gerne dieser Forderung Nachkommen, wenn die Mohammedaner, aus denen fast ausschließlich die tunesischen Regimenter bestehen, sie zum Militärdienst zulaffen würden. Den Juden bleibt demnach nichts anderes übrig, als sich für den schweren Dienst in der „Fremdenlegion" anwerben zu lassen. Tatsächlich dienen auch zahlreiche tunesische Juden in der Fremdenlegion und auch in den französischen Regimentern, die in Marokko gekämpft haben, gab es zahlreiche Juden aus Tunis. 3. Verlangen die Juden,, daß sie zu den öffentlichen Grellen, welche ihnen heute noch fast ausnahmslos verschlossen sind, zugelassen werde«. Amerika. New-Jork, 8. Dtzember. Per Handelsminister der Bereinigten Staaten Oskar Strauß, dem auch das Ein- und AuswanderungHwffort zugewiesen ist, hat soeben seinen diesjährigen Bericht herausgegeben. Diesem Berichte wurde in Amerika mit Spannung entgegenaeseheu, weil man eine prinzipielle Aeußetüng über die Frage der Restriktton der Einwanderung mit deren Anwachsen im Frühjahre wieder gerechnet wird, erwartete. Oskar Strauß wendet ßch mit aller Schärfe gegen jeden Versuch, die Einwanderung durch Verschärfung der berteffenden Gesetze herbeizuführen. Er hptont, daß Amerika seine Größe gerade den Einwanderern zu verdanken habe, ohne daß Amerika deshalb der Gefahr ausgesetzt Wochen chäxe, sein? Wttoyyk EinentünmKit, seinen „AcherikMismM" einz _ WßtzL IK.SPI fr sinnlosen MeMtnog «MI die EMigrantzn G irgend Mer ‘ui*