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Der Israelit · 1908-12-31 · Heft 52 (31.12.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 52 (31.12.1908)
Date
1908-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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81. Dezember 1S08. Der JSraeltt. Nr. 52. Seite 7. fchen Herrschaft loszuwinden und die legislative Staatsgewalt in die Hände seines eigenen Senats zu legen. Zu den alten Gesetzen kamen neue hinzu, und. alle wurden, sie und werden sie heute noch in rigorosester Weise durchgesührt. So leicht wurde aber den Antisemiten Finnlands der Kampf nicht gemacht. Der jüdischen Minorität, die sich tapfer zur Wehr setzte, entstand Hilfe von einer Seite, die anzurufen sie nie gewagt hatte, von den Sozialdemokraten, die in Verbindung mit den kleineren linksstehenden Fraktionen die Mehrheit im Landtage bilden. Die Sozialdemokraten haben bekanntlich einen Antrag auf volle Emanzipation der Juden eingebracht, der auch demnächt zur Beratung gelangen wird. Die Chancen dieses Antrages können nicht schlecht sein, da er die Konservativen um den Schlaf und die Seelenruhe gebracht hat. Sie wurden besorgt und nachdenklich. Die Gefahr, die sie für . ihre Sache wittern, machte sie erfinderisch und so verfielen sie auf einen wahrhaft teuflischen Plan. „Die Sozialdemokraten und die Ltnksliberalen, so kalkulierten die Antisemiten, all diese naiven Schwärmer, von denen nunmehr das Schicksal und die Zukunft der Juden im Lande abhängt, sprechen von Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit. Auch wir wollen die Liebe, ^nd zwar die Tierliebe, mit der wir nun als Aushängeschild auf den Plan treten und unsere Forderung stellen, deneu sich die Linksstehenden und Freidenkenden, wollten sie ihrem Programme treu bleiben, nicht mehr würden verschließen können". So entstand der Antrag, bezüglich des Schächtverbots als Ersatz für das gefährdete Judeygesetz. Wir haben bereits auf die Gefahren hin gewiesen, die dieser Antrag auch für die Juden des ganzen russischen Reiches in sich birgt, und auf die unabweisbare Notwendigkeit einer gemeinsame Abwehr. In der neuen Beleuchtung, die nun die die Angelegenheit durch die angeführten Tatsachen erfährt, erscheint uns diese Pflicht noch um so gebieterischer an uns alle heranzutreten, als es sich jetzt bei diesem Verteidigungswerke eigentlich mehr um einen Aufklärungsdien ft handeln würde. Die Liberalen Finnlands, die weder mit der Sache noch mit dem jüdischen Ritus sonderlich vertraut sind, können leicht auf den antisemitischen Leim gehen und sich der Anschauung der unter dem Deamantel der Tierliebe auftretenden Judenfeinde anschließen, daß „ein veralteter Brauch von nebensächlicher ritueller Bedeutung vor den modernen Begriffen des Tierschutzes schwinden müsse." Dem muß mit aller Energie entgegengetreten werden. Es muß das ganze einschlägige Material aufgefahren werden, um jene irrige tendenziös verbreitete Meinung bei den frei- und rechtgesinnten Elementen nicht aufkommen zu lassen. Daß die Arbeit eine intensive Mithilfe der Juden aller Länder, und namentlich der deutschen und englischen Judenheit erheischt, haben wir bereits erwähnt und braucht kaum nochmals erörtert zu werden. LtfCi. orrespondenzen und Mlachrichten. Derrtsttzes Metch. Berlin, 27. Dez. Am 20. Dezember fand unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Der. Vorsitzende gab Auskunft über die Schritte, die im Interesse der rumänischen Juden im Hinblick auf eine eventl. Koi.ferenz der Signatarmächte des Berliner Vertrages unternommen wurden. Der Ausschluß billigte einstimmig die bisherigen Maßnahmen nach dieser Richtung. Dann machte Herr Dr. Nathan Mitteilungen über das Technikum in Haifa, für welches das Terrain bereits abgegrenzt ist und die Bauvorbereitungen bereits getroffen sind. Mit großer Befriedigung nahm der Ausschuß Kenntnis von dem Fortschreiten des außerordentlich bedeutsamen Werkes für den Orient, dessen wirtschaftliches Aufblühen von der Einführung der technischen Fortschritte und der Erschließung neuer Verkehrsmittel abhängig ist. Neben diesem groß angelegten Projekt soll nach den Beschlüssen des Ausschusses das sonstige Schulwerk des Hilfsvereins durch Bereitstellung ausreichender Mittel in zweckentsprechender Weise wieder aufgebaut werden. Für. die bestehenden Schulen des Hilfsvereins in der Türkei wurden erhebliche Bewilligungen vollzogen. Einen ferneren wichttgen Gegenstand der Beratungen bildete das Hilfswerk in Galizien/ es wurde beschlossen, die in Oestereich auf diesem Gebiete in die Wege geleiteten verschiedenen Hilfsaktionen wie bisher mit Geldmitteln zu unterstützen. Zum Schlüsse wurde über die Tätigkeit des HÜfsvereins auf dem Gebiete des Auswanderungswesens berichtet, und es wurden die Modalitäten festgestellt, nach denen die Arbeit für die jüdische Auswanderung fortzufetzen ist. Berlin, 27. Dez. Der Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin erhält folgenden Bericht aus Helsingsfors: Zahlreiche Juden find mit siebentägiger Frist aus Finnland ausgewiesen worden Die Notlage mitten im kalten Wmter ist eine außerordentliche. Bon dem wachsenden Antisemittsmus des finnischen Senats zeugt auch die Tatsache, daß der Senat ein allgemeines Schächtverbot zu erlassen im Begriffe ist. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß Finnland gegen die russische Unterdrückung die Sympathien der zivilisierten Welt immer erneut angerufen hat und daß nunmehr die finnische Regierung genau nach russischem Vorbild in rücksichtslosester Weise zur Austreibung der wenigen Juden, die es in Finnland gibt, schreitet. Es gehört zu den Unbegreifl chkeiten, daß die Finnländer, die um ihre Freiheit zu kämpfen haben, sich die Sympathien der human denkenden Welt durch solche Maßregeln verscherzen. Hamburg, 20. Dezember. Das Repräsentanten-Kollegium der Deutsch-Jsr. Gemeinde hielt eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Die Abrechnung für das Jahr 1907f bie mit einem Fehlbetrag non 1500 Mk. schließt, geht an eine aus den Herren Gustav Tuch, Paul Laskar und Jof. Ritter bestehende Kommission zur näheren Prüfung. Alsdann werden einige Wahlen vorgenommen und zwar wird zum Mitglied der Verwaltung des Altenhauses der statutengemäß ausscheidende Herr Ernst Liebermann wiedergewählt. In die Besteuerungskommission wird für den eine Wiederwahl ablehnenden Herrn Gustav Adler Herr Ph. Winter gewählt, ebenso werden die Herren Carl Bunzel und Herrmann Elkeles zu neuen Mitgliedern der Kommission bestimmt. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die'Budgetberatung für 1909. In der Diskussion wird «nächst der folgende Antrag der Herren Frautädter, Levy und Ritter angenommen: „Das Repräsentanten-Kollegium weist auf seinen Beschluß vom Jahre 1907 hinsichtlich der verspäteten Vorlegung der Abrechnung und des Budget hin und bittet den Gemeindevorstand um eine Antwort, weshalb diesem Beschluß keine Folge ae- | geben worden ist. Das Repräsentanten-kollegium wiederholt hiermit seinen Wunsch, der Vorstand möge es veranlassen, daß in Zukunft der Vorschrift des § 50 der Satzungen genügt werde". Ferner wird ein Antrag Laskar angenommen, wonach die gemäß § 61 ad 2 der Satzungen vorgesehene Wohlfahrtskommifsion baldigst gewählt und das Regulativ dem Kollegium vorgelegt werde. Auf Antrag des Herrn Tuch wird beschlossen, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu. richten um Auskunft über Bau und Eröffnung der Haushaltungsschule, ferner über Mietung und Erösftrung der neuen Räume für die Gemeindebibliothek, sowie über Einsetzung der verschiedenen statutengemäß vorgesehenen Kommissionen. Ferner wird der folgende Antrag des Herrn Alexander Levy und dreier Genossen angenommen: „Das Repräsentanten-Kollegium ersuche den Gemeindvorstand um seine Mitgenehmigung zur Einsetzung einer gemischten Kommission zwecks Beratung der Vorarbeiten zur Erbauung eines eigenen Gemeindehauses". Beim Schulwesen wird auf Antrag des Herrn Tuch beschlösse», eine Kommission zur Beratung der neuen Satzungen der Israelitischen Töchterschule einzusetzen. Die übrigen Positionen werden genehmigt. Posen, 24. Dez. Heute fand hier die dritte Quartalsversammlung der „B e r e i n i g u n g v o n Rabbinern der Provinz Posen zur Wahrung desüberliefertenJudentums" statt. Erschienen waren: der Ehrenvorsitzende Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld-Posen, die Herren Rabbiner Dr. Ansbacher-Labischin, Cohn- Rawitsch, Dünner-Rogasen, Krauß-Schildberg, Lewin-Kempen, Neuhaus-Osttowo, Nobel-Filehne, Silberberg-Schrimm, Theodor-Boianowo, Weil- Czarnikau, Wreschner-Samter. Mit einer sinnreichen Anlehnung an die beim N213N "13 berücksichtigten D’DSSin Q'v' und D'arpn v'»' berichtete der Vorsitzende Dr. Wreschner, daß der Verein trotz seiner Jugend mit Freuden auf die vergangene Zeit zurückblicken, nicht minder auch mit Zuversicht der Zukunft entgegensehen könne, da er bereits regsame Tätigkeit entfalte, 20 Mitglieger zähle und auch außerhalb der Provinz sich warmer Sympatie erfreue. Hieraus folgte ein von Herrn Dr. med. Jeremias-Posen freunblichst übernommenes Referat: „Wie sichern wir uns die rituelle Zuverlässigkeit moderner Heil- und Nährpräparate". Der Redner führte aus, daß verschiedene dieser Stoffe, wie z. B. Maggi, Puro entschieden. seien, vor Verwendung derselben umsomehr zu warnen sei, da diese sowie viele Heilpräparate oft ohne ärztliche Verordnung verwendet würden, sodaß auch von keinem niOBT “pliS irvn Gebrauch gemacht werden könne. Unter anderen praktischen Anregungen sprach er den Wunsch aus, daß gesetzestreue Chemiker diesem so wichtigen und aktuellen Gebiete ihre Aufmerksamkeit widmen mögen, «m in fraglichen Fällen Auskunft erteilen zu können. Im Laufe der sich anschließenden Diskussion empfahl Dr. Neuhaus die in Berlin und wohl auch in anderen Gemeinden aufliegende Liste, aus der die Zulässigkeit bezw. Unzulässigkeit moderner Heil- und Nährpräparate zu ersehen fei. Sodann folgten freie Besprechungen, wie gegen die leider in weiten Kreisen verbreitete Vernachlässigung von r6'3Bl iTT3 nraS“! Abhilfe zu schaffen sei. Auf Antrag Dr. Cohn-Rawitsch wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Fellchen- , selb, Cohn, Wreschner, Neuhaus, ersucht, ein in geeigneter Weise den einzelnen Gemeindemitgliedern einzuhändigendes kurzes Schriftstück abzufafsen, das in entsprechender Form auf die Wichtigkeit dieser ni3Cö Hinweisen solle. In der Nachmittagssitzung hielt Dr. Dünner- Rogasen einen halachischen Vortrag über TOT ’Xn, in dem er einen kurzen Ueberbltck über die gab, mehrere Stellen aus und KJiöDlfi anführte, um verschiedene Schwierigkeiten zu beseitigen, und mannigfache Anregung ur Verttefung in dieses inhaltreiche Kapitel bot. m Anschluß hieran sprach Dr. Theodor- Bojanowo über «Midraschsorschung". Nach einer mit Humor gewürzten Einleitung wieis der Redner auf die Wichtigkeit des Midrasch für den Rabbiner unserer Zeit hin, dem zugleich die ver-

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