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Der Israelit · 1908-12-31 · Heft 52 (31.12.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 52 (31.12.1908)
Date
1908-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr . SS Jahre 15.000 Mark für Arbeitslöhne ausge geben werden, und die Institution ist andauernd in weiterem Aufschwung begriffen. Herr Rechtsanwalt P o l l a ck-Breslau berichtet in fesselnder Weise über die Breslauer Peah, die etwas später als die Berliner ins Leben getreten und auch etwas anders organisiert ist, aber ebenfalls die günstigsten Erfolge aufweist. Seine fesselnden und humorvollen Ausführungen ernteten den reichsten Beifall seitens der Versammlung. Herr P l e ßner-Posen kann über die dort bestehende Peah Ebenfalls nur Günstiges berichten. Die Herren Kels-Hamburg und Loeb-Frankfurt teilten mit, daß auch an ihrem Wohnsitze eine Peah demnächst ins Leben treten wird. Es folgt dann die Beratung der Anträge von Ortsgruppen, die auch dieses Mal in großer Zahl gestellt sind und das intensive Interesse der Ortsgruppen an der Weiterentwickelung des Verbandes in erfreulicher Weise bekunden. Es gelangt zuerst der Antrag des Ortsgruppe Frankfurt a. M. auf Abänderung des § 7 der Statuten zur Beratung. Der Antrag besagt, daß künftig nur"auf je 50 Mitglieder — statt wie bisher auf 25 — ein Delegierter entfallen soll; Ortsgruppen unter 50, aber mit mehr als.10 Mitgliedern, bleiben nach wie vor zur Entsendung eines Delegierten berechtigt. Ferner sieht der Antrag als Novum die Einsetzung eines Zentralkomitees vor, das sich mit dem geschäftsführenden Ausschuß in die Leitung des Verbandes teilen soll. Nach langer Debatte wird der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. — Die übrigen Anträge, sotpeit sie nicht durch die Beratungen bisher erledigt nnd, wie Antrag Köln, oder der Behandlung der vorgesehenen Sonderkonferenz unterliegen, werden dem geschäftsführenden Ausschuß zur Erwägung übergeben. Es erfolgt dann die Vornahme der Neuwahlen. In den geschäftsführenden Ausschuß werden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt, nur wird an Stelle des Herrn Neuberger, der eine Wiederwahl aus privaten Gründen ablehnt, Herr Rechtsanwalt Dr. Gronemann gewählt. In das Central-Comitee berufen werden die Herren: Fränket-München, Pleßner-Posen, Jacobson - Hamburg, Kober - Breslau, W e r t h e i m - Fulda, Joseph- Hälberstadt und L o e b - Frankfurt a. M. Für die nächste Tagung liegen Einladungen aus Hamburg und Breslau vor. Die Versammlung entscheidet sich für B r e s l a u. Während der Verhandlungen war ein Telegramm aus Wien eingelaufen, wonach dort am Tage vorher in einer großen Versammlung für Oesterreich-Ungarn ein Verband der Sabbathfreunde gegründet worden ist. Diese frohe Kunde wurde mit Jubel ausgenommen und die Absendung eines Glückwunsch-Telegrammes beschlossen. Mit einem herzlichen Dank an die Delegierten für ihre hingebende Arbeit, an die beiden Frankfurter Vereine, die durch ein solennes Frühstück für das leibliche Wohl der Delegierten gesorgt hatten, sowie an die Verwaltung der Frankfurt-Loge schließt der Vorsitzende gegen Vs 7 Uhr die Versammlung. MBmi grretrerttiuer jüdUcber Lehrer. Auch der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands hatte seine General - Versammlung auf den 28. Dezember gelegt. Schon % Stunde vor Beginn hatte sich der kleine Saal , des Kaufmännischen Vereins so gefüllt, daß man säst glauben mußte, der Raum würde nicht ausreichen. Auch Nichtmitglieder des Bundes, vor allem.Herren aus Bayern und Baden, hatten sich zahlreich eingefunden. Um 10 y* Uhr eröffrtete dev Vorsitzende mit kurzen, begrüßenden Worten .- die Versammlung und gab als ersten Punkt der Tagesordnung den Rechenschaftsbericht des Vorstandes über die abgelaufenen zwei - Jahre. Es seien Jahre ruhiger Arbeit gewesen, Aber die er berichte, der Erfolg habe gezeigt, daß Der ASraeltt 31. Tezcmber. Seite 5 die gesetzestreue jüdische Lehrerschaft genug Kraft in sich und Rückhalt genug an der gesetzestteusn Judenheit besitze, um ohne Hilfe von anderer Seite für ihre Interessen zu sorgen, daher habe es keiüer besonderen Werbeaktion bedurft, der Gedanke des Zusammenschlusses gleichgesinnter Elemente habe seine werbende Kraft in sich. So erkläre es sich, daß der „Bund", der vor 2 Jahren nicht 170 Mitglieder zählte,, heute deren 237 ausweise, daß aus den drei angegliederten B e reinen sechs geworden seien. Der Vorstand habe seine Aufmerksamkeit allen Zweigen der ihm obliegenden Aufgaben nach Kräften zugewendet, insbesondere habe er durch Einrichtung bezw. Subventionierung der in regelmäßigen kleinen Abständen abzuhaltenden Lernkonferenzen, deren 14 er mit über 1000 Mark jährlich subventioniert habe — es sei auch Nichtmitgliedern des Bundes die Teilnahme ermöglicht worden —, ferner durch K a n t o r e u t u r f e in Frankfurt der geistigen Förderung der Lehrerschaft zu dienen gesucht. Für die materiellen Interessen der Lehrer habe der Bund im vorigen Jahre durch eine Petition, die dem Herrn Kultusminister überreicht sei, und in diesem Jahre durch eine Petition an das Abgeordnetenhaus und durch eine zweite mit der „Freien Vereinigung" gemeinschaftlich überreichte, die durch die jüdischen Zeitungen bereits bekannt gegebenen Erfolge in Sachen der Besold ungsvorlage erreicht. Obwohl die Karenzzeit für die Pensionskaffe noch nicht abgelaufen sei, sei doch schon in zwei Fällen von dem Recht, Pensionen an RelikLenverstorbenerLehrerzu bewilligen, Gebrauch gemacht worden. Das führte den Vorsitzenden dazu, der im Laufe der Berichtsperiode verstorbenen 6 Kollegen zu gedenken und mitzuteilen, daß Herr Dr. Heinemann ^-Hamburg dem Bunde letztwillig die Summe von 750 Mark hinterlassen habe. Auch bei freudigen Anlässen habe der Bund seine Sympathien auszudrücken Gelegenheit gehaft. Mit einem warmen Appell an die Mitglieder, weiter für die Ziele des Bundes zu wirken, schloß der Bericht. Dem Berichte des Kassierers, Herrn E. Ettlinger, entnehmen wir, daß der Kassenbestand trotz Ausgaben von ca. 1800 Mark pro Jahr, sich auf 1900 Mark erhöht habe. Es folgte nunmehr das Referat des Herrn Seminarkehrers Gut über das Vnndesthema. In klaren, wohldisponierten Ausführungen wies Herr Gut aus die Bedeutung der Lernkonferenzen hin nnd gab eine knappe Schilderung seiner eigenen Erfahrungen und der Beobachtungen der übrigen Kursleiter, die ihre Berichte an den Bundesvorstand eingeschickt hatten. Er stellte dann nach den gemachten Erfahrungen seine Thesen auf mü> begründete feine Forderungen geschickt und überzeugend. Der Korreferent, Herr Distriktsrabbiner Dr. P. K o h n-A n s b a ch, erklärte sich mit den Ausführungen des Herrn Referenten und seinen Thesen prinzipiell einverstanden, er beschränkte sich daher hauptsächlich darauf, zwei bedeutungsvolle Seiten des Wertes dieses ö'WtP, wie er sie am liebsten genannt wissen wollte, hervorzuheben. Einerfetts wies er auf den Selbstzweck, den sie im Sinne des nWl DOV 12 JVJffl hätten, hin, andererseits betonte er stark und warm, daß sie den Lehrer in kleineren Orten befähigen sollten, in noch größerem Maße, wie es jetzt möglich sei, die religiösen Führer und Berater ihrer Gemeinden zu werdend Seine Thesen wichen daher in etwas, auch der Anordnung nach, von denen des Referenten ab. Beide Redner fanden reichen Beifall. Bor Eintritt in die Generatdiskussion begrüßte der Vorsitzende noch den inzwischen erschienenen Herrn Rabbiner Dr. Breuer und den Vertreter, des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesettschaft und eröffnete dann die Generaldebatte, an der eine eifrige Beteiligung stattfand und die manche beherzigenswerte Anregung darbot. Nach etwa dreiviertelstündiger Dauer mußte die Diskussion der vorgerückten Zeit wegen vertagt werden. Herr Rabbiner Dr. Breuer nahm am Schluffe der Debatte Gelegenheit, auch seiurdseits in dieselbe einzugreifen, und verknüpfte damit Worte der Freude über den ernsten, würdigen Verlauf der Verhandlungen, denen er beigewohnt, und die herzlichsten Wünsche für eine weitere gedeihliche Entwickelung des Bundes. Als Vertreter der „Freien Bereinigung" und der Verwalt tung oer „Israelitischen Religionsgesellschaft^ begrüßte Herr I. Rosenheim die erschienenen Gesinnungsgenossen und lud die Versammlung im Namen der Gemeinde zu einem Imbiß in der Mittagspause ein. Die um halb 4 Uhr eröffnete Nachmittagssitzung brachte, nachdem die Generaldebatte bald erschöpft war, eine lebhafte, angeregte und an«? regende Spezialdebatte über die einzelnen Thesen der beiden Herren Referenten, die sich fast 2 Stunden hinzog, und eine Fülle von beherzigenswertem Material für die Zukunft bot. Die beiden letzten Punkte der Tagesordnung waren schnell erledigt. Die Anträge, die gestellt waren, fanden durchweg einstimmige Annahme, die Wahlen erfolgten per Akklamatton. Mit Worten des Dankes schloß der Vorsitzende um 6 Uhr die Versammlung. Ausführlicher Bericht folgt in „Erziehung und Lehre". Bund liidirclm Akademiker. ucoer die am Montag eröffnete Tagung des Bundes jüdischer Akademiker kann noch kein Bericht erfolgen, da die Verhandlungen des Delegiertentages bei Schluß der Redaktion noch fortdauern. Am Dienstag Abend veranstaltete der B. J. eine öffentliche Versammlung. Es ist nicht zu bestreiten, es war ein Wagnis, am Schluffe der großen Reihe von Versammlungen, die bei aller Großartigkeit der Veranstaltung und trotz der umfassenden Bedeutung der Verhandlungsgegeystände vielleicht gerade durch die Fülle der gebotenen Anregungen eine gewiffe Ermüdung beim Publikum wohl nicht ganz verAnderu konnten, für den dritten Abend oer großen Aor je einen Vortrag über „Die Ziele und AN -' gaben des B. J. A." anzusetzen. Aber gleichwohl, das Wagnis gelang; ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden, FrankfuMr und Auswärtige, selbst das Ausland war vertreten. Es war ein herzerfreueuder Anblick, wie da am Präsidententische neben würdigen ällereü Semestern ganz junge Studenten in völliger Gleichberechtigung ihren Platz hatten — und eine leise Ahnung stieg in uns auf von der großen Bedeutung einer zu idealem Zwecke begründeten Gemeinschaft, welche Gegensätze überbrückt und die verschiedenartigsten Menschen mit ihren Kräften und Anlagen in gegenseitiger Beeinflussung zu* gemeinsamem Streben nach gemeinsamem Ziele eint. ' Mit meisterhafter Präzision charakterisierte terr eard. math. Max Munk aus Köln die rundlagen, auf denen sich die bedeutenderen jüdischen Studentenvereine in Deutschland erheben. Die einen verdanken ihre Entstehung dem Bedürfnis nach Abwehr des Anttsemittsmus und sehen in dieser mehr negattven Arbeit ihre Aufgabe, die anderen erschöpfen sich in einseitigster Betonung des national-jüdischen Prinzips. Der B. I. A. dagegen ist die einzige Kottooration, die es sich zur Aufgabe macht, ihre Mitglieder zu echten gesetzestreuen Juden heranzuziehen. Ihm sich anzuschtießen ist heilige Pflicht eines jeden gesetzestreuen Studenten, der es ernst nimmt mit feinem Judentum. Mit feuriger Begeisterung schilderte der zweite Vortragende, Herr Dr.MeierHildesheimer aus Berlin als „Alter Herr" des Bundes, wie die Parteiungen innerhalb der deutschen Judenheit in den Studentenverbindungen ein getreues Abbild fänden. Wie die Orthodoxie in Deutschland, die gar lange wie als Veilchen im Verborgenen muhte, in den letzten Jahrzehnten zu immer weiterer Entwicklung gelange, so gewinne auch die Bewegung der Gesetzestreuen jüdischen Studenten immer mehr an Bedeutung. Mit,

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