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Der Israelit · 1908-12-31 · Heft 52 (31.12.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 52 (31.12.1908)
Date
1908-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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81. Dezember 1908 ist, daß diese Erhöhung fast ^ausschließlich Propagandaversammlungen gn bauten ist, sodaß damit wettere Kreise den Ideen der Bereinigung zugänglich gemacht wurden. Neue Aufgaben für die Propaganda bieten sich vor allem den großstädtischen Orts- »gruppen, die zu Wanderredner-Zentralen werden sollen. Ebenso schweben Verhandlungen mtt den gesetzestreuen attonen im Rheinland, in Westfalen und Baden, en der bestehenden freundschaftlichen Fühlung auch eine organisatorische Beziehung dieser Verbände zur „Freien Bereinigung" Herzustetten. 1 Der Bericht regt an, daß die gefetzestreuen Gesinnungsgenossen mehr alS bisher bei freudigen und ernsten Anlässen durch große und kleine Zuwendungen ihrem Zugehörigkeitsgefühl zur Gesamtheit Ausdruck verleihen möchten. Eine vielseitige und vielfach erfolgreiche Tätigkett hat die „Freie Bereinigung" auf dem Gebiete oer Gesetzgebung und Verwaltung entfaltet. Nachdem es ihr im Vorjahre gelungen war, die Bereitstellung eines Dispositionsfonds im preußischen Etat zu Gunsten des jüdischen Religionsunterrichts zu erwirken, hat sie durch erfolgreiche Verhandlungen mtt den Parteien des Abgeordnetenhauses die von der Regierung erlassenen ÄusftHrungsbcftimmungen günstiger zu gestatten gesucht und wird weiter bemüht sein, die in Aussicht gestellte Erhöhung des Fonds durchzusetzen. Die preußischen Gemeinden wurden über die Maßnahmen aufgeklärt, die zur Erlangung kommunaler und staatlicher Zuschüsse für die Zwecke -es Religionsunterrichtes zu ergreifen feiert. Die Schultrmmiffion Hut alsdann den ixt Betracht kommenden Gemeinden mit detaillierten Auskünften und Ratschlägen zur Seite gestanden und auf Wunsch die Aufarbeitung der erforderlichen Eingaben übernommen. In der Frage der Vorbildung der Religio ns lehr er hat die Bereinigung unterm 24. Februar durch Eingabe an den llnterrichtsminlster Stellung genommen. Sie strebt die ausschließliche Verwendung seminaristisch gebildeter Lehrer als Ziel im, spricht sich aber gegen die derzeittge Aufhebung der Ministerialerlasse vom 19. März 1863 und 3. Oktober 1870 aus. Der Minister hat rn diesem Sinne auch entschieden. Gelegentlich des Lehrerbes oldungs-Zres e tz e S wurde eine.Reihe von Schritten bei den Behörden und beim Parlament unternommen, die .rach verschiedenen Richtungen guten Erfolg erzielten. So ist jetzt beschlossen worden, den vor ihrem Eintrttt in den öffentlichen Schuldienst an israelitrschen Religionsschulen tätigen Lehrern, die volle Dienstzeit anzurechnen und sie von jeder Nachzahlung an die Alterszulagekasse zu befreien. In der Frage der Neuregelung der Sonntagsruhe hat die Bereinigung Eingaben an oas Reichsamt des Innern, den Bundesrat, sowie sämtliche Bundesregierungen gerichtet, durch persönliche Audienzen beiden Ministerien verschiedener Bundesstaaten aufklärend gewirtt und durch Abordnungen chres Vorstandes bei dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Staatssekretär des Innern eingehend Bor> trag über die Wünsche der gesetzestreuen Juden bei der Neuregelung der Sonntagsruhe gehalten. Die betreffende Vorlage ist noch in Ausarbeitung begriffen. In der Abwehr der schechitafeindlichen, tierschützlerifchen Bestrebungen würde mancherlei geleistet. .Besonders erfreulich ist ein durch die >,Freie Vereinigung" erzielter Erfolg in Koblenz, wo durch rasches persönliches Eingreifen ein fchächtfeindlicher Erlaß unter Zustimmung des Kriegsministeriums mit sofortiger Wirkung aufgehoben wurde. Der JSraelit. -Seite S No. KL Sehr rührig hat die „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" gearbeitet, die an 120 Landorten Versammlungen abhielt, an 50 Plätzen Schiurim einrichtete, die notwendigen Bücher lieferte und 550 Exemplare von Hirsck's Choreb, zunächst an Lehrer auf dem Lande, verteilte. Der von der Kommission herausgegebene „Jüdische BolkSbote" hat großen Beifall gefunden und soll womöglich weiter ausgestaltet werden. Die Unterstützungs-Kommission hat Gemeinden Subventionen zur Äufrechterhaltung des Religiosunjerrichtes, zur Anlage und Reparatur von Mikwaoty, zur Verköstigung der jüdischen Landarmen und zu zahlreichen anderen Zwecken des jüdischen GemetnoeleoenS gewährt. Sie hat ferner Betträge zur r i tu e ll e n B e r-- rösttgung von Soldaten während ihrer Müitärzeit und zur Verpflegung jüdischer Gefangkner gezahlt. Größere orthodoxe Bereinigungen, die auf exponierten Posten für die Sache des überliefer, ten Judentums kämpfen, erhielten beträchtliche Subventionen. Ein besonderer StipendrenfondS wurde begründet, der gesetzestreuen jungen Leuten, die sich für den Lehrerberuf vorbereiten» während ihrer Präparanden- .und Seminarzett Unterstützung gewähren soll. — Die in Berlin gegründete Frauenaruppeder „Freien Bereinigung" will besonders Beiträge zur Militärverköstiaung herbeischaffen, Die Herstellung zuverlässiger Ritualien g'efilin und Messusoth) wurde in bisheriger eise mit ziemlich beträchtlichem Kostenaufwand betrieben. Die „Kommission für Literatur uid Presse" hat bphufs Herstellung und Vertrieb guter jüdischer BoltSliteratur eine Gesellschaft mtt beschränk, ter Haftung" errichtet, die unter dem Namen „Jüdischer Bolksschriftenverlag, G. m. b. H.," unterm 31. Oktober inS Handelsregister eingetragen worden ist. Sie wird Belletristik, Ethik, Dinim, populäre Wissenschaft, Biographien, Jugendliteratur re. pflegen. Ferner sind die Vorarbeiten zur Errichtung der Apologetischen Zentral sie lle jetzt vollendet worden. Ter Bericht beschäftigt sich ferner mit der G r ü n - düng der „Liberalen Bereinigung". Die „Freie Bereinigung" .hat es bisher nicht für nötig erachtet, eine umfassendere .Abwehrbewegung gegenüber diesem Vereine zu organisieren, sondern sich darauf beschränkt, ein den unjüdischen und widerspruchsvollen Charakter des liberalen Programms beleuchtendes Flugblatt denjenigen Gesinnungsgenossen, die es wünschten, zur Verfügung zu stellen. Auch wurden einige aufklärende größere Versammlungen veranlaßt. . " Die „Palästina-Kommission", deren Vertreter Herr Rabbiner I. Horovicz in Jerusalem ist, hat sich auf dem Gebiete des ErziehungswesenS in Palästina « betätigen begonnen und ferner die Förderung und Anlage von Mikwaoth m Jerusalem ihre Fürsorge zugewandt. Die Kommission hat mit ihrem Rate den bedrängten Gesinnungsgenossen im heiligen Lande während der letzten Wirren vielfach erfolgreich zur Seite gestanden. Der Bericht schließt mit einem warmen Appell an das Berantwortlrchkeitsgefühl jedes Einzelnen innerhalb der jüdischen Gesamtheit. . Durch den Gedanken der ewigen jüdischen Pflicht seien alle Glieder dieser Gesamtheit zy einer idealen Gemeinschaft verbunden, die es nicht zulasse, daß der Einzelne gegenüber irgendwelcher religiöser Not stumm und teilnahmslos bleibe. Die „Freie Bereinigung" wolle zu ihrem Teile dazu beitragen, daß ganz Israel zu ernem Träger der Gottesherrlichkeit heranreife. Als die Verlesung des Berichts, an vielen Stellen von lebhaftem Applaus unterbrochen, beendet war, erhob sich langanhaltender begeisterter^ Beifall. Es war die Freude über das mit Gottes Hilfe Erreichte, die hier zum Ausdruck kam und die frohe Zuversicht, daß es auch in Zukunft gelingen werde, den unendlich vielseitigen Aufgaben der Vereinigung in immer steigendem Umfange gerecht zu werden. Herr Seminaroberlehrer Jacob Stall, Würzburg, ergriff nun bas Wort zu seinem groß angelegten Referat über: „Die jüdischen Gemeinden und dir Lehrerbewegung". Der Redner hatte die bedeutungsvolle, aber unendlich schwierige Aufgabe, die große Oeffentlchikett mtt den sozialen und wirtschaftlichen Problemen, wie fie zurzett die' Lehrerkretse bewegen, bekannt zu machen, um auf diese Weife den Sorgen und Anliegen des Lehrerstandes die Herzen der Gesamtheit zu gewinnen. ES war eine gründliche, btS ins Kleinste ausgearbeitete Studie über daS Leben und die Leiden der Lehrer auf dem Lande, ihr Fühlen und Denken, ihre Hoffnungen und Bestrebungen. Er lenkte daS Augenmerk auf viele unhaltbare Zustände, die eS heute dem jüdischen Lehrer unmöglich machen/ der idealen Auffassung seines Berufes auch p attisch, ganz gerecht zu werden. Er tritt für die. Erhaltung und Ausbreitung der jüdischen Konfessionsschule ein und bekämpft in erschöpfender Weise die irrige Annahme, als feien die Aemter des Lehrers, Kantors und Schochers nicht vereinbar. Die tztchechita fei kein entwürdigendes Handwerk, sondern ein idealer Berus, der technische Krmst und reiches jüdisches Wissen erfordert. Die Schächtaebühren sollten aber, um die unabhängige Stellung des Beamten möglichst zu wahren, nicht direkt an diesen entrichtet werden, - sondern in die Gemeindekasse fließen, von der der Lehrer ein Fixum als Schochet erhallen soll. Der Redner plädiert unter ausführlicher Darstellung der Zustände für eine Besserung der sozialen Stellung und wirtschaftlichen Lage der Lehrer. Das Referat, das wegen seiner sachlichen Ausführlichkeit an das Konzentrationsvermögen der Laien starke Ansprüche stellte, enthiett gerade für diese viel des Beachtens- und Beherzigenswerten und die „Freie Vereinigung" hat sich ein großes Verdienst um die Sache der Lehrer dadurch erworben, daß sie einem Berufenen Gelegenheit gab, vor dem Forum des Bereinstages und in Anwesenheit vieler Gemeindevorsteher die Wünsche der Lehrerschaft zu lautem Ausdruck zu bringen. Nach einer Büffet-Pause von zwanzig Minuten begann Herr Rabb. Dr. Munk aus Berlin sein Referat über „Die Grundlagen der Ethik im Lichte des Judentums." Der Bortrag, dessen reicher Inhalt hier nicht ein-, mal annähernd wiederaegeben werden tortu, bot einen Ueberblick über die ewig sich wiederholenden Versuche, auf dem Wege verstandesmäßiger Konstruktion einen zureichenden Grund für die Ethik, im besonderen für den Pflichtbegriff zu finden. Der tatsächlichen, durch die Geschichte der Philosophie erwiesenen Unmöglichkeit einer zureichend begründeten wissenschaftlichen Ethik, entspricht ihre logtsche lln- 1* der Vergangenheit abzuwetfen, und eine neue Zeit einzuleiten. Da müsse aber der Glaube, daß man das auserwählte Volk sei, beiseite geworfen werden. Nachdem noch einige ähnliche Reden gehalten worden waren, verließ die wilde Schar das Lehrhans. Die Gemeinde blieb aber in stummer Betäubung zurück, tiefer als je bedrückt und zerknirscht. Jochanans Herz war zerrissen, ob dieser Entweihung des Heiligtums und wer hatte sie gar begangen? Sein Sohn! Sei« Erst» geborener! Der Erstling seiner Hoffnung und da war noch jener gekommen, hatte ihm die Ktnoh entrissen und sie zerfetzt und weggeworfen, wie einen verächtlichen Lappen. Wohl batte Jochanan erst jüngst den Pogrom m seiner Stadt mit angesehen, aber damals hatte er sich nicht so sehr entsetzt, wre jetzt; damals war ja alles durch Gojim geschehen, aber jetzt..... Und während so Jochanan in ttefes Sinnen versunken, vor der Tempelmauer saß, drang die Stimme seines Nachbarn an sein Ohr, der im Tone bitteren Borwurfs den Schriftvers ausfprach: „Gerecht ist der Ewige, denn seinem Aussprüche widersetzte ich mich!" Jochanan zitterte, er dachte an die furchtbare Strafe, die seinen Sohn ereilt hatte. Denn er wurde eines politischen Mordes verdächtigt und vor das Kriegsgericht gestellt. Die Verteidiger behaupteten, daß sich ein Freispruch erzielen lassen werde, oder daß man zum mindesten Begnadigung erwirken könne, aber Gebalkjah verzichtete aus seine Rechtfertigung, wies auch die Verteidigung zurück» er wollte nicht, daß man für ihn erntrete, und erst recht nicht, daß man für ihn um Gnade bitte. Die Gendarmen und Gefängniswärter verwunderten sich über fein Betragen, denn er war plötzlich ganz ruhig und sanftmütig geworden. Wenn man mit ihn» redehe, schwebte auf seine» Lippen ein demütiges und weiches Lächeln. DaS Urteil empfing er ohne Zeichen von Erregung und auch nachher war er immerfort heiter, wenigstens äußerlich. Stundenlang konnte er in einer Ecke feiner engen Zelle sitzend, auf irgend einen Punkt starren, als ob dort sich alle seine Gedanken konzentrierten und als ob er von dort die Lösung eines dunklen Welt-Rätsels erhoffte. Manchmal, wie von einem Schlummer erwachend, fuhr er sich mit der Hand Wer die Stirne, stand auf und ging in seinem Gemache gemessenen Schrittes einher und sang ein trauriges, trauriges Lied. Manches Mal blieb der Gefängnisdirektor vor ihm stehen, schaute ihm zu und fragte sich: Kann dies ein Mörder sein, oder versteht er es so geschickt, sich zu verstellen, daß er auch mich täuschen tarnt. Man gab ihm ein Buch zum Lesen, aber er öffnete es kaum. Vordem hatte er viel gelesen, aber jetzt verspürte er keine Lust mehr dazu: er wußte ja schon im Voraus, baß er in dem Buche die Lösung des Rätsels, dem er nrchforschte, nicht finden würde. Jochanan bemühte sich von jenem Tikchohbeav ab, das Andenken an seinen Sohn aus seinem Herzen herrruszureißen; selbst seine Frau durfte den Namen des Sohnes nicht vor ihrem Manne erwähnen. „Hörst Tu, Weib," hatte Jochanan zu ihr gesagt, „mich hat man zum ersten Mal zur Parschas Prnchas ausgerufen und zwar zu jenem Abschnitte, in dem eS heißt: „Und einen Sohp wird er nicht haben". Hetzt verstehe ich, jene Worte waren mir ein Vorzeichen. Ich svltte keinen Sohn haben, .merkst Tu wohl? Schweige, Törin, so ist die Bestimmung deS Himmels." Und als fein <3oljn zum Tode verurteilt wurde, sprach Jochanan den Segensfpruch: „GelÄbt fei der Ewige, der ein gerechter Richter ist." Gr Überwand sein Herz, daß eS um den Getüteten nicht trmrerte, der ja Won zu Sobzette« als tot hatte feiten müssen. Nichtsdestoweniger, als einer der Gendarmen mtt der Meldung kam, paß es chm 'erlaubt sei, den Sohn vor der Hinrichtung noch einmal zu sprechen, veränderte sich sein Sinn, die große Liebe und die väterliche Zärtlichkeit, die er stets für seinen teuren Sohn gehegt hatte, erwachten Plötzlich wieder in ihrer vgllen Macht, sodaß sie sein Herz vor den überwallenden Gefühlen fast zu zersprengen drohten. Es drängte ihn, den Sohn zu sehen, wenn es auch nur ein einziger Augenblick fein konnte, ihn zu küssen, mochte er auch gewesen sein, was auch immer, selbst ein Räuber oder ein Abgefallener. Aber jetzt war er doch zerknirscht und gedemütigt, und da war er sein liebes, liebes Kind, feine eigene Seele. Außerdem wollte Jochanan auch die Seele seines Kindes, wenn nicht vom leiblichen, so doch vom geistigen Tode erretten — ihn zur Ruhe und Rückkehr ermahnen. (Schluß folgt.) («utifemitische Gelehrsamkeit.) Dre anttskMitische Zeitung „Das Reich" beschäftigt sich ur Anknüpfung an die Pariser „Assaire Steinheil" des Angehenden mit den Frauen im Judentum (?). All die Schauermären, die eine sensationslüsterne Presse in den letzten Tagen über den Tod Fau res und Murawjes zusammengedichtet, wird hier in ziemlich konfuser Zusammenstälung anfgetischt, um daraus den Schluß zu ziehen, daß besonders das ^Judentum sich seiner Frauen meistens bedient hätte mu alle Dinge zum besten Judas.zu verkehren. Seit de» Tagen der Esthers und Delilas (!) hat iich Judentum nach dieser Richtung hin nicht geänvert usw. . Run scheint der hochgelahrte ArÄelsttzcewer, de», de« Name „Steinheid zu einem Erguß über d«r unheilvollen Einfluß der jübsichen Frauen auf deH

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