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Der Israelit · 1908-12-24 · Heft 51 (24.12.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 51 (24.12.1908)
Date
1908-12-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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«r 51. Gew 10. »er QStaeltt. 24 Dezember 1908 der Schüler beim Verlassen der Religionsschule - nicht nur die religiös-sittlichen Lehren des Juden- - tums mit Herz und Gemüt erfaßt haben, son-; dein auch mit den spezifisch jüdischen religiösen; Pflichten bekannt sein müsse. Es. bedarf heute keines solchen Sturmlaufs mehr gegen eine Methode, wie die oben geschilderte. Selbst in Würtemberg ist damit gründlich aufgeräumt worden. Der neue Lehrplan für die dortigen jüdischen Volksschulen schreibt v u. W. für die zwei letzten Schuljahre nur eine eingehende Behandlung der vor, um , aus ihnen die religiös-sittlichen Lehren abzuleiten; das alte Lehrbuch wurde aber nicht einmal einer ' Erwähnung gewürdigt. In gleicher Weise haben sich fast alle jüdischen Lehrervereine Deutschlands gegen einen , ausgedehnten, von den übrigen Religionsfächern losgelösten Betrieb des Religionsunterrichts ausgesprochen } für die zwei letzten Schuljahre wurde nur eine Zusammenfassung, Vertiefung und Begründung des bisher aus biblischer Geschichte, , Gebetübersetzen und Pentateuchunterricht gewonneuen religiösen Lehrstoffs verlangt, eins Forderung mit der man sich durchaus einverstanden erklären muß. Eines Lehrbuchs bedürfe es aber dazu nichtdas war die allgemeine Meinung. Im Widerspruch mit dieser Stellungnahme . erscheint aber die Tatsache, daß nicht nur die vorhandenen Leitfäden und Lehrbücher für den systematischen Religionsunterricht immer wieder Neuauflagen erleben, sondern daß sich sogar für Neuerscheinungen ein reges Interesse zeigt. Woher diese auffällige Erscheinung? Entspringen i diese Lehrbücher wirklich einem innern Bedürfnis, ' oder sind es äußere Gründe, die ihnen einen iw den seltensten Fällen verdienten, Erfolg verschaffen? Wir neigen dieser letzteren Auffaffung „ $u: Es ist bekannt, daß die große Mehrheit der ' jüdischen Kinder christliche Lehranstalten besucht/ für den dort erteilten Unterricht untersteht aber der jüdische Lehrer der Aufsicht christlicher Direktoren. Ja, selbst für den Unterricht in besonderen Religionsschulen existiert in manchen deutschen Staaten, wie Bayern, Heffen u. a. m. ein Mttbeaufsichttgungsrecht der christlichen Distrikts- und V Kreisschülmspektoren. Für den Christen aber ist . der systemattsche Religionsunterricht, erteilt nach einem Lehrbuche, ähnlich seinem Katechismus, " der einzig denkbare und wir haben bisher nichts » getan, um die maßgebenden Herren darauf auf- merksam zu machen, daß es für uns nicht nur einen anderen Weg gibt, sondern daß es der naturgemäße und darum richtigste ist. Heute würde der Direktor eines Gymnasiums oder einer - Realschule den jüdischen Lehrer sehr erstaunt anfehen, der ihm auf die Frage, nach welchem Lehrbuch er seinen Religionsunterricht erteile, ' erklären würde, er benütze überhaupt keines, denn die Aufklärungsarbeit ist fast ganz versäumt worden. Aber aych noch aus einem andern Grunde haben die erwähnten Lehrbücher V ein so zähes Leben: es ist so bequem nach ihnen zu unterrichten, besonders nach den dünnleibigen. Der onlehnende Religionsunterricht bedarf einer eingehenden Vorbereitung und eines sehr sorgi faltig ausgearbeiteten Lehrplans, denn kein wichtiger Abschnitt darf übergangen werden, keiner darf ganz unberücksichtigt bleiben. Der Leit- ' faden überhebt uns aller Mühe und man wird - bei der Prüfung gar nicht schlecht danrit ab- . schneiden. So werden alle Vorträge und alle Konserenzbeschlüffe wenig fruchten und die jungen Lehrer werden auch künftig die bequeme Landstraße wählen, wenn man ihnen nicht ein Lehrmittel bietet, das chnen die Arbeit erleichtert. Wir besitzen ein solches in 7>?LM min, G ebet- und Religionsbuch für die reifere Jugend, Uebersetzungsbuch zu den Gebeten der Oberstufe von Kirchenrat / Dr. Theodor Kroner-Stuttgart: Hier ist ein glücklicher Versuch gemacht worden, den Unterricht im Gebetübersetzen zu beleben, zu vertiefen und ihn zum Hebel der Charakterbildung und der Herzensveredlung zu machen. Das Buch soll aber auch den Unterricht in der Religionslehrs durch Anlehnung an die Gebete an- ‘ laulidjer, zweckmäßiger und darum erfolgreicher gestalten. Aus ihm lernt der angehende Lehrer nicht nur den streng logischen Aufbau der Gebete kennen, sondern es erleichtert ihm seine Vorbereitung aus den Unterricht im Gebetübersetzen und ersetzt ihm ferner das systemattsche Religionsbuch. Und gerade dieser Teil des Buches erscheint uns, trotzdem der Verfaffer ihn nur als einen Versuch bezeichnet, besonders gelungen. Man vergleiche gleich das erste Kapitel: Die Heiligung und Rüstung im Dienste Gottes, oder VI a, der Sabbath. Da ist ein solch inniges Durchdringen, eine solch enge Verbindung von Gebet und den ihm zugrunde liegenden Gedanken, von Gesetzesvorschriften der schriftlichen und mün dlichen Lehre und ihrer religiös-sittlichen Bedeutung, den rrnsön '»yto,- daß es nur ganz geringer Mühe seitens des Lehrenden bedarf, um sowohl den Unterricht im Gebetübersetzen als auch in der Religionslehre zu einem fruchtbringenden zu gestalten. Warum wir gerade heute aus dieses Buch aufmerksam machen? Die Freunde des Herrn Dr. Coblenz werden nicht müde, seine „Jüdische Religion" als eine methodische Glanzleistung hinzustellen, indem sie es mit Herxheimer, Büdinger und Groß vergleichen. Demgegenüber wollten wir auf ein Lehrbuch aufmerksam machendas in methodischer Beziehung turmhoch über dem genannten steht, für das aber nie die Reklametrommel gerührt worden ist. Aber aus noch einem anderen Grunde verdient das Kroner'sche Lehrbuch die aufmerksamste Beachtung eines jeden jüdischen Lehrers. Die Zeit ist ja vorüber, wo sich das Schlagwort „Konzentration des Unterrichts", einer übergroßen Beliebtheit erfreute und unter der Flagge desselben viel methodischer Unfug gettieben wurde. Bei unserem Religionsunterrichte kann nicht nur von einer übermäßigen Betonung des Wertes der Konzentratton keine Rede sein, sondern man vermißt sie häufig auch da, wo sie von Nutzen ist, oder gar unumgänglich nöttg ist. Während bei dem christlichen Religionsunterricht auf eine organische Verknüpfung von Katechismusunterricht mit der biblischen Geschichte, dem Bibelspruch und dem Kirchenlied gedrungen wird, stolzieren bei uns die einzelnen Unterrichtsfächer nebeneinander her, als ob sie sich,kaum kennten. Hier ist nun ein vielversprechender Anfang gemacht, eine organische Verknüpfung zweier zusammengehöriger Fächer herbeizuführen. Hier ist aber auch gezeigt, inwieweit die systemattsche Religionslehre auf der Oberstufe durch Zusammenfassung und Erweiterung des bisher behandelten religiösen Lehrstoffes vollständig zu ihrem Rechte kommen und wie völlige Klarheit — selbstverständlich nur im relativen Sinne — über das Lehrgebäude der jüdischen Religion geschaffen werden kann. Man mag im Einzelnen mit dem Verfaffer rechten, in der Hauptsache muß man ihm zustimmen und deshalb muß auch, soweit die Volksschule in Betracht kommt, unsere Devise sein: Bibel und Gebetbuch seien vorzugsweise unsere Lehrbücher. Die Hilscbaüiing in ihrer Bedeutung für den llrligionzünterricht. Bon Lehrer M. Ucko in Bad Ems. Das Verdienst, den Unterricht aus den Fesseln des humanistischen Mechanismus befteit und auf ein psychologisches Fundament gegründet zu haben, gebührt unstreitig Comenius, indem er die theoretische Forderung von der Anschaulichkeit des Unterrichts m einem pädagogischen Unterrichtsbetrieb erhob. Rousseau und.Basedow wirkten in demselben Sinne. Einen nachhaltigen Einfluß übte Pestalozzi in dieser Richtung aus. Das Anschauungsprinzip — begründet in der Anerkennung der Anschauung als der Basis aller Erkenntnis — beschränkt sich nicht bloß auf das sinnlich Wahrnehmbare, sondern dehnt sich auch auf das Gebiet des Ethischen, Aesthetischen nnd Religiösen aus. In neuerer Zeit hat man, irregeführt durch! ein zu wettgehendes Streben nach sinnlicher j Anschauung, das Anschauungsprinzip oft in eine übertriebene, sehr häufig auch in eine verkehrte- Veranschaulichung ausarten lassen. Dies vor allem im Religionsunterricht", besonders in derbiblischen Geschichte. Hier werden im Interesse der Veranschaulichung von einigen Methodikern die biblischen Erzählungen der Unterstufe ihres religiösen nnd ehrwürdigen Charakters zuweilen ganz beraubt, andere lenken durch ihre extreme Veranschaulichung geradezu vom Unterricht ab, anstatt anschaulich zu unterrichten. So lassen sie beispielsweise bei der Geschichte von Abrahams Auszug eine Hütte bauen, einen Altar, errichten, Feuer anzünden usw. Andere appelieren fast nur an den Verstand, anstatt auf bas Gemüt einzuwirken. Durch alle die angedeuteten Lehrweifen kann die hohe Aufgabe des Religionsunterrichts: den Kindern die Wahrheiten und Schönheiten unserer heiligen Religion so zum Verständnis zu bringen, daß sie das kindliche Gemüt ergreifen und zu einem gottgefälligen Tugendleben aneifern, auch nicht entfernt gelöst werden. Kalte Berstandesnaturen werden groß gezogen, die innerlich wenig oder gar nicht von der Religion ergriffen sind. Der Lehrer, der den Religionsunterrichtzinsbesondere den biblischen Geschichtsunterricht, fruchtbar gestalten will, muß vor allem anschaulich und lebendig erzählen können. Sein Vortrag muß so wirken, „als ob der Schüler in unmittelbarer Gegenwart das Erzählte und Beschriebene hörte und sähe." Der Lehrer muß es verstehen, die Begebenheiten mit solchen kleinen Zügen und Nebenumständen auszumalen, die das Interesse der Kinder erwecken und ihrer Phantasie Stoff geben. Alles Abstrakte muß vermieden werden. Mit allgemein gehaltenen Redensarten ist bei Kindern n'chts zu erreichen. Die Darstellung gewinnt auch dadurch an Anschaulichkeit, daß man die Personen selbstredend nustreten läßt. Das gute Erzählen ist bekanntlich eine Kunst, das gute Erzählen einer biblischen Geschichte nicht minder. Ein neuerer Pädagoge sagt: „Ich halte die fleißige Uebung im Erzählen der biblischen und anderer guten Geschichten für die besten Mittel, es dahin zu bringen, daß die Menschen in ihrem täglichen Umgänge sich einander öfter an Gott und göttliche Dinge, erinnern , daß sie sich wechselseitig mehr Liebe znr Tugend und mehr Abscheu wider das Laster einflößen und also ihre wahre Glückseligkett immer mehr fördern." Der anschauliche, lebendige Unterricht kann Wunder wirken. Daher ist die Veranschaulichung für den Religionsunterricht von der größten Bedeutung, weil nicht das rein Geistige, sondern das Anschauliche der kindlichen Auffaffunasweise gemäß ist, zum Herzen spricht, das Gefühl erregt und den Willen in Tättgkeit setzt. Nur durch diese Vermittelungen kann die Erkenntnis in die Sphäre des Willens und Handelns übergesührt werden, denn „der Entschluß des Willens ist nicht durch das Wissen gegeben", wie Sokrates meinte. Insofern ist die geistige Anschauung nicht nur Mittel zum Zwecke, sondern selbst Ziel, weil sie der Weg ist, auf dem der Religionsunterricht zum Fühlen und Wollen des Kindes und damit zur praktischen Tugendübung Vordringen kann. Berichtigung. In der Korrespondenz aus Bayern in Nr. 49 von „Erziehung und Lehre", findet sich ein bedauerlicher Irrtum. Nicht in der Gemeinde Unterthal, sondern in Völkersleier hat der Kultusvorstand den dorttgen jüdischen Schülern recht lang andauernde Ferien verschafft. Ebenso teilt uns Herr Lehrer,Bierschild inAltenkunstadt mit, daß die Mitteilung, der oberftänkische Landrat habe zwei Gemeinden Zuschüsse /ms den Kreisfonds gewährt, die früher gestrichen waren, eider nicht den Tatsachen entspreche^ vielmehr sei einer wetteren Gemeinde, deren Elementarschule' nur einen einzigen Schüler aufweistz der bisher iewilligte Zuschuß versagt worden. Als einzig Erfreuliches bleibt also nur der Erlaß des Kultusministers, der aber praktisch wertlos ist, solange die Landräte ihren ablehnenden Standpunkt aufrecht erhalten. v

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