Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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. 24 Dezember 1908. Der Israelit. Nr. 51. Seite 7. sieht, mit fünf Deputierten richtig vertreten sein. Die Zahlen scheinen uns doch gar zn rund, um Anspruch auf Genauigkeit machen zu. können. Allein abgesehen davon kann auch nach' anderer Richtung von einer richtigen jüdischen Vertretung nicht die Rede sein. Die Wahlen der jüdischen Deputierten waren von oen sattsam bekannten Verhältnissen, wie sie. zur Zeit in der hiesigen innerjüdischen Politik herrschen, beeinflußt. Darüber ein anderes Mal. Heute ist die Freude der jüdischen Bürger der Türkei, gleich den anderen Nationen dieses Landes, eine aufrichtige und ungeteilte. In sozialer und wirtschaftlicher Beziehung haben die Juden wie die anderen nur Gutes von der neuen Aera zu erwarten und in religiöser Hinsicht wäre viet zu erreichen, wenn die religiösen Massen ihre abergläubische Furcht vor dem Golde der „Alliance Jsraelite" allmählich verlernten und die Wahrung ihrer Interessen selbst in die Hand nähmen. K o nst a n t i n o p e l, 17. Dez. Der Wahtauftnarsch für die Chachambaschiwahl ist nunmehr vollzogen, obgleich über den Termin der Wahl noch nichts Näheres bekannt ist. Es sind fünf Kandidaten aufgestellt: 1. Haim Nahoum, 2. dessen Schwiegervater, Herr Seminardirektor Dannon, 3. Herr Hiskija Sabbatai, derzeitiger Rabbinatsverweser in Jerusalem, 4. Habib, Chachambaschi von Brussa und 5. der Chachambaschi von Aegypten, Rafael Benschimon in Cairo. Bon diesen 5 Kandidaten sind die 4 ersten als von der Alliance Jsraelite abhängig zu betrachten, obgleich sich diese offiziell nur für Haim Nahoum engagiert hat. Das geht soweit, daß letzterer sich nicht geniert, öffentlich zu erklären, die Alliance Jsraelite werde, obgleich sie jetzt in Konstantinopel hohe Schulgelder erhebt, und es ruhig zusieht, daß die ärmeren Kinder den Missionsschulen anheimfallen, eine Aenderung in diesem Zustande eintreten laffen werde, wenn Herr Haim Nahoum Chachambaschi werde. Man sollte eine so unerhörte Verquickung politischer Aspirationen mit den heiligsten Anliegen des jüdischen Gewiffens kaum für möglich halten. Bei Lichte besehen, bedeutet die erwähnte Erklärung nichts anderes, als daß es der Alliance Jsraelite im Grunde furchtbar gleichgiltig ist, welches Schicksal die armen Konstantinopler Jndenkinder erleiden und daß ihr deren religiöses Heil gerade gut genug ist, um als Prämie einer willfährigen StimmabLabe bei der Wahl zu gelten. .Das verhindert natürlich nicht, daß die ungebildete Volksmasse sich Vorreden läßt, gerade die Wahl des Alliance-Kandidaten werde auch in wirtschaftlicher Beziehung aus aller Not erlösen. Angesichts dieser Verwirrung ist über den Ausgang der Wahl absolut Sicheres nicht vorauszusagen. Palästina. Crauergoffesöiensfe. (Bon unserem Korrespondenten.) I e r u s a l e m, -9. Dez. Hier steht alles unter dem Eindruck der Trauerbotschaft von dem Hinscheiden des allverehrten Präses der Amsterdamer Pekidim, des Herrn M. S. Rubens jr. an» In der sefardischen Hauptsynagoge fand heute Mittag um 3 Uhr ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Die Hauptrede hielt Chachambaschi P a n i s e l, dem der Rosch Beth-Din Rabbi Samuel Riss im folgte. Im Anschluß daran widmete der Vertreter der Pekidim, HerrRabb. H o r o v i c z, dem Heimgegangenen warme Worte des Gedenkens. Trotz des strömenden Regens waren fast alle Chachamim und angesehene Mitglieder der sefardischen Gemeinde erschienen, um das Andenken des D’Tpan zu ehren. Es wurde rühmend hervorgehoben, daß das Amsterdamer Komitee seit vielen Jahrzehnten seine segensreiche Wirksamkeit auf alle Gemeinden der heiligen Stadt erstrecke, ohne zwischen Aschkenasim und Sefardim Unterschiede zu machen. In.der großen aschkenasi sch e n Synagoge wurden Hespedim gehalten von den Rabbinern R a s ch k e s und Weiß. Letzterer hob hervor, wie schmerzlich gerade in unserer Zeit mit ihren zerstörenden Tendenzen der Verlust eines von echt jüdischem Geiste beseelten Erez Israel-Freundes, wie es der Heimgegangene war, zu beklagen fei. Es sei eines der unsterblichen Verdienste der Amsterdamer Pekidim, daß sie unter Leitung des Heimgegangenen der eerusalemer Bevölkerung und ihren geistigen ührern niemals Wohltaten aufgedrängt hätten, die nicht den Gesinnungen nnd Wünschen der damit Bedachten selbst entsprachen und daß sie sich immer in enger Fühlung mit den berufenen religiösen Führern der Gemeinden gehalten hätten. Mit dem üblichen BP*Tp Gebete und bem D’öm schloß die erhebende Feier. Am Sonntag werden Trauerfeiern in der Synagoge der „Bothe Machseh" und am Montag in dem sogenannten Amsterdamer Beth-Hamidrasch in Jerusalem stattfinden. Auch in Hebron, Sassed und Tiberias sind Hespedim angeordnet worden. Heute ist der mit der Verwesung der Jerusalemer Rabbinats betraute Hiskija Sabbatai von Aleppo hier angelangt) begrüßt von den Intimen Antebi's. Ein Telegramm Sabbatai's an Oberrabbiner Salant soll bei der öffentlichen Meinung die Vorstellung erwecken, als ob dieser mit der Berufung Sabbatai's einverstanden gewesen wäre. Es wird sich ja bald zeigen, ob Hiskija Sabbatai den Direktiven des Herrn Antebi gemäß, die alte Politik der Vergewaltigung wieder aufnehmen wird, oder ob er etwa versuchen wird, wider den Stachel zu löken. Letzteres wäre nicht unmöglich, da ja bei der bevorstehenden Wahl unter Umständen noch Kräfte in Erscheinung treten könnten, die sich nicht ohne weiteres von Herrn Antebi dirigieren ließen. Um diese zu gewinnen, ist natürlich ein gewisser Schein von Unparteilichkeit sehr vorteilhaft. vrrmircbtcs. Michelstadt, 22. Dez. Der Gemetnderat beschloß, wie das „Erbacher Kreisblatt" meldet, zu Ehren des 1847 verstorbenen weltberühmten Rabbis Seckel Löb Wormser, der als Gelehrter und Menschenfreund seiner Vaterstadt viele Wohltaten und Ehren erwiesen hatte, eine Gedenktafel an dem Hause, in dem er zu'etzt wohnte, gegenüber dem Amtsgericht, anbringen zu laffen. Ein Komitee, das stch teils aus dem Gemeinderat, teils aus der Bürgerschaft rekruttert, soll das hierzu Nötige in die Wege, leiten. Durch die im „Israelit" vor zwei Jahren erschienene Erzählung, deren Held Rabbi Seckel Löb W rmser ist, wurde die Aufmerksamkeit der Michelstädter Bürg rschaft erneut auf Rabbi Seckel Löb Wormser gelenkt, ein Inten sie, das jetzt zu dem erwähnten Beschluß geführt hat. Odrastheim, 20. Dez. Nach fünfmonatlicher Vakanz wurde die hiesige Kantorstelle wieder besetzt. Der einzige Bewerber, (trotzdem die Stelle 13—1400 Mark einträgt) Herr S alomon Weil aus Bakbram, wurde gewählt. Die hiesige jüd. Gemeinde war noch vor ra. 25 Jahren eine der größten frömmsten und musterhaftesten Gemeinden des Elsaß, sie umfaßte 60—70 Familien, während sie heute kaum einen Minjan zählt. Auch die Nachbar-Gemeinde Scharrachbergheim war vor noch nicht allzulanger Zeit noch eine prächtige jüd. Gemeinde. Hier wohnen nur noch drei Familien. Trotzdem ist noch kein rOH? vorül ergegangen, ohne Gottesdienst mit Minjan, mämlich durch Hinzuziehung der Fehlenden auS Nachbargemeinden flegen Vergütung. In Scharrachberghetm versteht schon eit 30 Jahren ein Privatmann, Herr M. Bloch die Stelle als Kantor. C. L. Myslowitz, 18. Dez. Auf der Plefferstraße, der belebtesten Straße unserer Stadt, warf ein etwas angetrunkener Grubenarbeiter einem vorübergehenden jüdischen Handelsmanne eine Schlinge von starkem Draht um den Hals und zog sie zu, so daß der Ueberfallene in Gefahr geriet, erdrosselt zu werden. Herbeigeholte Polizeibeamte nahmen den Uebeltäter fest. Wegen seiner Tat zur Rede gestellt, sagte der Mann: „Es ist ja doch nur ein Jude". Wien, 20. Dez. Der Bethaus-Verein „Eures we' chulom", große Schiffgaffe 24, hat anläßlich des 60jähr. Regierungs-Juotläums unseres heißgeliebten Monarchen einen feierlichen Gottesdienst veranstaltet, bet dem Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Berisch Winter eine schwungvolle, vom patriotischen Geiste gettagene Festrede hielt. Mit einer Fülle geistteicher Bemerkungen und eingeflochtener tteffenber Erklärungen verschiedener Bibel- und Talmudstellen hat er die Bedeutung dieses Tages beleuchtet und den Sinn der Jublläumsfeier zu Gemüt geführt, was auf die Herzen der Zuhörer erhebend und erbauend wtrtte. London, 15. Dez. Die „Jewish Preß Limited" in London ist wegen eines Artikels nt dem „Jewish Journal" zu einer EntschädigSstrafe von 250 Pfd. St. verurteilt worden. Die genannte Zeitung hatte ein jüdisryeS Mitglied des Londoner Grasschaftsrates beschuldigt, bei einem Festessen rituell verbotene Speisen genvsien zu haben. Der Beschuldigte erblickte darin eine schwere Beleidigung, und der Richter schloß sich dieser Ansicht an. « Frankfurt a. M., 20. Dezbr. Am Samstag, 19. Dez., feierte der „Montefiore-Verein" im dicht besetzten Saale des neuen Kaufmännischen Vereins sein Chanuckafest. Die Festrede hatte Herr Dr. Heinemann übernommen. Der Redner schilderte die Bedeutung des Chanuckafestes von anderen, ganz neuen Gesichtspunkten aus. Nicht der Hellenismus, sondern das Gemisch von hellenischer und orientalischer Kultur, wie es nach Alexander dem Großen den Orient beherrschte, wäre es, was bei den Juden so verpönt war und sie zu verzweifeltem Kampfe hcrausforderte. Das Griechentum habe keineswegs die Aesthetik über die Ethik gestellt. Andererseits seien die^Juöep auch stets der Aesthetik, wie sie von den früheren Griechen gepflegt wurde, zugänglich gewesen. Die Ausführungen des Herrn Dr. Hein-mann, mehr im Tone einer wissenschaftlich-literarischen Abhandlung als in denr einer schwungvollen Festrede gehaltm, gestalteten fich zu einer geschickten und geistreichen Verteidigungsrede für Griechen uud Griechentum, die man mit Jntereffe anhörte, wenn man fich auch mit ihr nicht in allen Tellen einverstanden erklären konnte. Die eigentliche Feststimmung trat mit den lebenden Bildern aus der Makkabäergeschichte ein. Fünf Nummern und jede für fich ein Meisterstück ersten Ranges. Die Bllder an fich waren lebendige Kapitel aus dem „Buche der Makkabäer" und führten eine so beredte Sprache, daß sie die vielen Worte der Erklärung eigentlich gänzlich überflüssig machten. Es muß aber anerkannt werden, daß Herr I. B. Levy, der den erklärenden Text verlas, fich dieser Aufgabe mit viel Verständnis, Liebe und Begeisterung entledigte. Für den zweiten, mehr humoristischen Teil war es bem Verein gelungen, erprobte Kräfte, ja hervorragende Künstler zu gewinnen. Herr Alfred Hoehn saß am Klavier und entlockte diesem Zauberkasten wunderbare Töne, die auch ins Herz derjenigen drangen, die gerade nicht zu den Mustkkennern gehören. Herr Arthur Hellmar vom hiesigen Schauspielhause rezitterte Ernstes und Heiteres und Fräulein Sellin von der Over erster te mit ihrer edlen 5kunst die Gemüter. Den Schluß bildeten ein paar bekannte, ja allzu bekannte KouplerS, die selbst dadurch, daß fieHerr Anton Menssinger vom Refidenztheater mit vollendeter Kunst zum Bortrag brachte, von ihrer Banalität nichts verlorsn. Allein ihren Dienst taten diese lustigen und lustigen Lieber doch. Denn fie amüsierten die Anwenden und lösten förmliche Lachsalven aus. Mit einem großen herzlich vergnügtem Lachen schoß dann das Fest, für besten Beranstaliung die Mitglieder dem Bereinsvorstanoe rückhaltlos - Dank und Ankennung zollen. frankfrrrt a. M , 23. Dez. Die Chanuckafeter ionistischen Bereinigung", dtemn 21.d.Mts. im großen Saale des neuen Kaufmännischen Bereines stattfand, war von Anfang btS zu Ende wohl gelungm. Das Programm enthielt so viel Gut-JüdischeS, daß man nicht überzeugter Zionist zu sein brauchte, um fich im Festsaale wohl zu fühlen. Der erwattete Festredner. Herr Jork - Steiner, hatte im letzten Momente wegen Unwohlseins abgesagt. Als Ersatz trat für ihn ein Herr Dr. Bloebe aus die Festbühne. Biel mehr hätte stetlich auch der viel erwartete Herr Steiner nicht bieten können. Mit großem Jntereffe und sichtlicher Bestiedigung lauschte das überaus' große Auditorium den Ausführungen des Redners, der sehr kampfesmutig nach rechts und links ausschlug und eindrucksvoll für die zionistische Sache agitierte. Sehr scharf zu Gericht ging er mit dem Reform-Judentume, indem er alle die bekannten neologen Spezialitäten der jüngsten Tage in anmutiger Weise und mit gutem Humor schilderte. Für die Orthodoxie hatte er viele liebenswürdige und schmeichelhafte Worte. Sie, die Gesetzestreuen, bildeten den besien, opferfreudigsten Teil des jüdischen Volkes usw. Im übrigen zeigte fich aber der Redner mit' den. Zielen und Zwecken der Orthodoxie, da, wo er auf ihre Stellung zum Zionismus zu sprechen kam, nur wenig vertraut. Der übrige Teil des Programms bestand aus mufikalischen Vorttägen und Rezitationen. Bon den ersteren find besonders die künstlerisch vollendeten Borträge des Herrn und der Frau G en tner vom hiesigen Opernhause hervorzuheben, die umsomehr erstellten, als fie jüdischen Inhalts waren. Bon den letzteren hinterließ die Rezitation der bekannten Zionibe von Jehuda Halebv durch Fräulein Lewisohn einen mächtigen Eindruck. Der Einakter „Abarbanel" gefiel ganz besonders wegen seiner ausgesprochenen zionistischen Tendenz, die noch durch die Darsteller in ganz besonders geschickter este zum Ausdruck S wurde. Eingelettet und geschloffen wurde die rltung mit vortrefflichen Chorgesängeü des „Neumannschen Gesangvereins". Frankfurt a. M., 33. Dez. Die Israelitische Volksschule hatte am Dien»u:g Abend ihre Channckafeier, zu der stch eine kleine Anzahl von Schulfreunden und -Freundinnen etnfand. Wer da die frischen Gesichter der Kinder sah, alle leuchtend vor Freude und Entzücke« und beseelt vom Wunsche, mit ihrem besten Können dir