Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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24. Dezember 19öfe 'Cei?t»r, eilt <- fangenen Pflichtenkreis gebannt, damit er seiner Freiheit froh werde, er will nicht mehr an dem Riß sich verbluten, der durch sein Inneres geht. Mas Sünde, was Leid! Der moderne Glaube vom LHen gibt ihm wieder das Geschlossene der Persönlichkeit. In der Freude des Stchauslebens wird er der inneren Harmonie sich bewußt, „ei n L e b e n in S ch ö n h e i t" ist wahre Religion. Das Alles sind nur Andeutungen, sie sollen in einer Artikelserie für die^ drei erwähnten Gebiete weiter ausgeführt und durch Belege aus der zeitgenössischen Letteratur (bewiesen werden. Hier sei das Resultat vorweagenommen: Wie einst in der Diadochenzeit, so hat auch heute die Wahrheit in das Reich des Scheins sich geflüchtet, .Religion wird künstlerisches Genießen, religiöse ^Betätigung wird ästhetisches Empfinden. Wie einst in der Diadochenzeit! Denn auch in der Stellungnahme des Judentums zu den geistigen Bewegungen der Neuzeit sehen wir' die gleichen Vorgänge sich abspielen, wie im griechischen Altertum. Jüdische Hellenisten waren es, die den Abfall vom Glauben der Väter verbreiteten, jüdische Priester, die den Tyrannen Handlangerdienste leisteten und.ihr Volk und seine Lehre an ' den Rand des Abgrundes brachten^ Und jüdische Vertreter moderner Bildung sind es, die die «wigen Wahrheiten des Judentums den Fordermtgen des Zeitgeistes opfern wollen; jüdische Priester, „Rabbiner", die sich vereinigen, um dem modernen Empsinden Raum zu schaffen in der vermeintlichen Enge altjüdischen Bewußtseins. Auch sie drängen sich, dem Geschmack, dem künstlerischen Empsinden, der zeitgenössischen Ueber- Mgung, diesem modernen Tyrannen, der die Schwächlinge und Halben innerhalb der Judenheit ständig bedroht, die Arbeit nur ja zu erleichtern. Aber nicht stille Trauer ist am Platz, nicht ' unfruchtbare Klage. Chanucka ist erschienen. Und aus den Lichtern der Menorah leuchtet uns -Mathithjahus^ Geist und ruft uns zur Tat! Der innere Feind hofft uns zu überwinden. Er pocht auf, feinen Reichtum, auf das Gewicht, das ' -ie Masse ihm gibt, auf die größere Zahl. Wohl, ^wir sind in unserem Lande die Wenigen und die ^Schwachen. Aber gleich Mathithjahu und seinen Genossen werden wir die Vielen und die Starken überwinden, so wir uns mühen die Gerechten zu fein' und die Reinen, wenn der Geist Gottes über uns kommt, daß wir'nicht still und resigniert auf den modernen Götzendienst schauen, sondern /zum Kampfe sammeln die Getreuen! Ein Jeder zur Arbeit, zur mutigen Tat! ‘ Unsere ethischen Lehrbücher geben eine weise Regel: Wann immer du eine Stunde der Einkehr abgehalten, die Kraft deiner Seele aufs Höchste W. A Ldanulra in der Cbora. Zvm Wochenabschmlte. Vnfere weisen Lehrer pflegen für die jüdisch historischen "Nisse auch der nachblblrschen Zeit Andeutungen und ,. rspuntte in den Worten der Schrift zu suchen, »man, Mordechat, Esther, find schon in der Thora ver- "^ usw. (Liehe Talmud «Megtllah".) Gewiß war kein müsfigeS Spiel mit Worten und Buchstaben, MMdttn.ein bedeutsamer Hinweis aus die Eigenart der RB^M^LÄ^uch der Bücher, sondern auch als WM.ch ' der Geschicke Israels bisans Ende der Zeiten. - W^ist die gleiche Quelle, aus der die Lehre wie daS HMolkAeben quillt; ist die eine ewig und unvergänglich, so «rmr andere seine eigene Wesensart in der Zeiten dtscheinungkn Flucht nicht aufgegeben Haben. Damm - - Grundzüge der Geschichte Israels, auch der seiner Msmunst schon im Buche seiner Lehre enthalten. Tort ist rundton angeschlagen, der dann später als Akkord WW alS Dissonanz auS all den Ereignissen, GeschHpissen und : ^"-^hrungen seines Lebens wieder herausklingt. Hamans ' Mddie HAferhanö Morbechats, die gespannt ist, dich völlig in den Dienst Gottes zu stellen, richte deinen Blick nicht auf die Gesamtheit der Handlungen, sondern geh' sofort an ein bestimmtes Werk, führe das eine aus, so es an sich auch noch so unscheinbar. Dann werden die Stunden der Einkehr von dauerndem Erfolge sein. Das sei auch unser Beginnen! In kommender Woche sinddie großen Tagungen im Kreise unserer Genossen. Wer immer zu uns steht, der gelobe es sich, den Arbeiten, die dort beschlossen werden, seineKraft zu weihen, mit den Fähigkeiten, die Gott ihm gegeben, in den Dienst der heiligen Sache zu treten. Chanucka neigt sich dem Ende zn. Daß ein Jeder von uns aus dem Entzünden der Lichter die Kraft gewinne für die Erfüllung einer festumgrenzten Aufgabe und sei sie noch so winzig, — das ist unsere Hoffnung und Zuversicht Ein Gruß an die Brüder für die kommender: Tage' ruro dt rwöi 'n 222 ’m '12? J ... . Von gen böhmifdten Bergen. In Wien haben Deutschnativnale Studenten ihre jüdischen Kommilitonen blutig, geschlagen und ihnen die Nahrung, nicht die geistige, an der almamater, so weit haben sie es noch nicht gebracht, sondern die Nahrung in der Mensa academica entzogen. Dafür haben aber die Tschechen in Prag jüdische Fensterscheiben Ungeschlagen, jüdische Firmenschilder demoliert und einige jüdische „Deutschnationale" mißhandelt. Der Witz ist alt und wiederholt sich je nach Zeit und Umständen in den verschiedensten Formen. „Schlägst du meine Juden, schlag' ich deine Juden!" . .! Unter den 'deutschen Studenten, die dieser Tage aus verschiedenen Universitäten Deutschlands die nationale Pilgerfahrt nach Prag unternahmen, sollen sich auch mehrere Juden befinden. Daß sie Juden sind, erfahren wir nicht etwa von den Tschechen, die im Grunde bei ihren Raufereien und Demolierungen keine konfessionellen Unterschiede kennen, sondern von den Deutschen selber, von ihren Waffenbrüdern, mit denen sie Schulter an Schulter in fremdem Lande für die deutsche Sache kämpfen. ... die im Verborge en heranblühende Mvrthe für den Siegeskranz des Gerechten, allrs, alles hat bereits auf die eine oder andere'^rt in der Thora seinen kräftigen Ausdruck gefunden. Warum sollen wir nicht auch die Chanutage schichte, ohne uns eines Anachronims schuldig zu machen, Inder Thora suchen dürfen? Gewiß, er ist darin enthalten, der Sieg des waffenlosen Rechtes über die schwertgürtele Gewalt, und nicht zum minhestm in den zwei Wochenabschnitten, die unser Kalender, scheinbar zufällig, in eine zeitliche Beziehung zu Chanuka gemacht hat. zunächst. Es ist bekannt, daß die Weisheit unser Lehrer in diesem ruhigen „SBetlm" unseres Stammr aters angesichts der unzähligen und übermächtigen Esaus, die auf ihn einstürmten, den wunderwirkenden in der Geschichte waltenden göttlichen Weltengetst erblicken, der ihm zuriefi.Japjp «Fürchte nicht, mein Diener Jakob!" Und nun erst der Köntgstraum tm heutigen Wochenab schnitt. Wie bunlel, wider alle Statur unb alles Gesetz, unbegreiflich und unlösbar mußte der Traum Pharaos den in. der Kastentradition Aegyptens aufge-ogenen C har tum tm erscheinen. Die Fetten und Starken von den Schwachen, Kleinen und Dünnen restlos verschlungen. Wie war doch dieser phantastische Traum fo wenig der Lehrendem Leben und Denkart der Aeghp- Uv angepafet. (Sin Joseph aber konnte in dieser Erscheinung nichts Unmögliches, nichts Widernatürliches finden: Für ihn, bim das Geetz der Uebermacht und das Recht der Faust nichtS bedeuteten, lag dse Sache klar und einfach da. Der Traum war auch sein Traum. Der Köntgstraum in der Geschichte feiner Ahnen) seiner Nachkommen, Tfc BniJM flpIDJÖ- Der Kumpf des Kleinen und Schwachen gegen Pmcht und brutale^ Diese von ehrlichem Patriotismus erfüllten aber etwas naiven jungen Herrn verdienen zwar unser Mitleid, dürfen sich aber über ihr Geschick nicht beschweren. Wer sich in einen fremden Kreis drängt, sich für fremde Ideale erwärmt, sich unklug und taktlos zugleich in die Naufhändel Anderer mischt, und schließlich auch freiwillig Prügel für andere empfängt, der soll sich nicht beklagen, wenn ihn neben dem gewollten Schaden auch der wohlverdiente Spott trifft, wenn er von den Feinden als Feind geschlagen, dazu noch von den Freunden als komische Eigur verlacht wird. Allein auch friedliche ärger, die strikte Neutralität bewahrten, und sich nicht im geringsten in die nationalen Raufhändel mischten, wurden in Prag bedauerlicher Weise angegriffen und vielfalch beunruhigt. Bon einer Ausschreitung gegen I u d e n zu sprechen, hieße aber trotzdem, die Lage wie den Lauf der Dinge vollständig verkennen. Die jüdischen Firmenschilder mit ihren deutsch klingenden Namen sind in den Augen der Slaven aller Länder deutsche Firmenschilder, und diese werden, unbekümmert um die Kottfesstütt ihrer Inhaber, entweder in Boykott-StiMmuttg ignorirt, oder, wenn sich die Verhältnisse so zugespitzt baben, wie zur Zeit in Prag, erbarmungslos heruntergerissen. — Daß aber lüe Juden Böhmens angesichts der Scheiben- und SchllderspUtter ja nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß sie wirkliche Deutsche seien, und als solche, ein Anrecht darauf für deutsche Interessen tu aktive Tätigkeit zu treten, dafür sorgen — die Deutschen. Nicht etwa allein die Christlich Sozialen in Wien, sondern mit gleichem Eifer auch die sogenannte „Deutsche Fortschrittspartei" in Böhmen. Sv wurde letzthin tm österreichischen Reichsrate die haßerfüllte Rede eines Tschechen gegen Deutsche und Juden durch den charakteristischen Zwischenruf des böhmischen d e u t s ch-- s 011 * s ch rittl-i chen Ab geordneten Dr. Pergelt, gekrönt: „Die Juden schenkest w i r d e n T s che ch en Darob entrüstete sich ganz besonders der bekannte jüdische Abgeordnete Hof rat Kura n da und mit ihm alle, die die letzten Jahrzehnte scheinbar verschlafen haben und sich nun etwas unsanft aus ihren Verbrüderungsträumen aufgerüttelt sahen. Die Eingeweihten dürften aber von dieser Aeußerung kaum sonderlich überrascht gewesen sein. Der latente Antisemitismus der „Fortgeschrittenen" war allbekannt, und der Umstand, daß er sich mm gelegentlich in etwas unvorsichtiger Weise Luft gemacht, kann die Juden Böhmens in ihrer Ueberzeugung nur bestärken, daß sie trotz aller Vorkommnisse der letzten Tage nur wenig Grund und Recht haben, stch zu Gewalt, die unterliegt und restlos verschwtndtt: Er durfte getrost an die Lösung des Rätsels Herangehen, Auch ste, die Chartumim, versuchten den Trum zu deuten, allein, in einer Weise, die von falschen Voraussetzungen ausgehend, die Wahrheit nicht treffen und den König nicht befriedigen konnte. Dir Zahl war cs, die fie zu allernächst insAuVfaßten, an die fie sich klammerten, von der ste den Schlüssel erwarteten, ohne auf die Sache einzugehen. Der Inhalt des Traumes wahrscheinlich, aber, die gut hatten für ste Bedeutung und führten ste zu den sonderbarsten Kombinationen. Joseph aber, der echte Abrahamite, weiß, daß die Zahl an sich nichts bedeutet und der Inhalt hatte für ihn nichts des Rätselhaften und Unwahrscheinlichen. Abraham stand allein da, als er von Haran aus seinen Tiiumphzug wr die Sache Gottes unternahm. Zu Isaak sprachen mächtige Könige: „Gehe, du bist stärker als wir." Sein Baier Jakob hatte mehr als einmal der .gerechten Sache' gegen Uebermacht zum Siege verholsen. Joseph also dringt tn daS Wesen der Sache ein beurteilt sie nach thiem inneren Gehalte,und siehe, das Rätsel ist gelöst. ... Die historischen Weltrötsrl, dessen eines die Makabäergeschichte ist, waren .in der Tat nicht unlösbar für die Löhne Jakobs, denn was Joses in dm schwersten Stundin seines Lebens zur Seite stand, was ihn durch alle Prüsungen und Versuchungen deS Lebens zum Helden und Sieger machte, V28 TllQl» W herrliche Lichtgestalt des BaterS, die ihn leitete, töm helfend schützend und ermutigend, auch warnend und.mahnend . zur Seite stand, diese Lichtgestatt deS Ahnen sthtte und. leitete auch Seit Makkabäerkampf, herJyMWM, Aases allen Verführungen “