Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 51 (24.12.1908)
- Date
- 1908-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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sarr. Begründet non Dr. Lehmann in W« 40. lahraami. - m a— 24. Dezember 1908. Sranhfurt a. M.. flen 3[h K,sjera 366a MBL ir, 'Zutedte M. UO dt-LteASvrM, H^tSüSgiche aus M Mchr«MttprHk W M kuSsu85: 'Oefterrelch'Ungarn 2 Le.» 8drUand-1 Rav.."England 2 sK.» Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postünhalten» Buchhandlm^en» sowie direkt bei 8er Expedition, HestauSgade nur direkt., Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Inseratenannahme bur durch inHaasenstein u. Bögler L-G. Gonto bei der fl. ft* Postsparkasse Wie» Ro. VS SVK. Frankfurt a. M. imd deren Filialen. Eonto bei der Rigaer Gomnterzbauk in Riga Konto bei dem ft. Bostsparkassenamt Budapest Ro. 184S4. ' _ und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialvstok, Reval und Lodz ver NsckSruck Ser Artikel UNS eorrekpon9en?en Ses „Ispaelif“ m nur unter gMStter OuÄlensngsde. uns. soweit es sich um größere NukMe handelt, nur naäi üorheriger Genehmigung gettattet- Nestbeticismus und Zudem««. ■ -r Ein. Fest grüß ' r.. vöu Dx. I. Wohlgemutst in Berlin. Unsere Feste sind Tage der Festigung. Nicht ein Schwelgen -in Erinnerungen, nicht eine yöllige Hingabe an das Gefühl, eine gehaltene Freude, gebunden an ,die Erfüllung genau umgrenzter Pflichten. Auch hier als erstes und wichtigstes die Tat. Und durch die Tat soll der Wille und unsere ganze Persönlichkeit gefestet werden zur Vollbringung fernerer Taten im Kreise des Jahres. Dein Chanuckafeft gibt, das Gepräge daD )en der Chanuckalichte, eine sen und damit kraft.her ihnen von ber Bib/l verliehenen Befugnisse ein göttliches Gebot. Eine. Tat wird vön^uns gefordert, eine symbolische Handlung, die einerseits^ das innerste Wesen des geschichtlichen Vorgarnes auf die kürzeste Formelbringt. Das Wunder des Oelfrügleins sollte es vor aller Augen sichtbar machen, daß es ein heiliger Krieg gewesen und daß er M«r deshalb siegreich ansge'fochten ward, weil. Gott Sit der; Kämpfern Jävitt für. seine heilme K^bre, ine Tat aber""uttch'"^bie -'Uns* andrerseits'' "oen Wollen-.stärkt und die Kräfte stählt für unser ferneres Wirken im Dienste Gottes. *tlK mim iTMD 'D Es ist bekannt, daß das. Chanuckalicht das Feuer des Gesetzes, die Mistesslrahlen unserer Lehre darstellen soll, uns in seinem LeÄchten zeigt, daß im Kampfe zwischen Hellenismus und Judentum die Wahrheit siegte über den schönen Schein und uns mahnt, gegenüber dm Modegöttern de^ Zeit unsere Persönlichkeit zu wahren. Wie wir geworden durch, die, Überlieferung der vergangenen Geschlechter und durch die Erziehung in der jüdische« Gemeinde, skr sollen wir bleiben und unser Inneres festigen ""gegen jede Schwäche, öie uns angesichts der'schier .übermächtigen Angriffe einer gottentfremdeten Welt anwandeln könnte.. . Einem jeden Jahrhundert stellt das Chanuckafeft seine Aufgabe,, denn in jedem Geschlecht waren dunkse Gewallten an der Arbeit, nicht nur unsere Körper zu toten, sondern auch uns geistig zu vernichten. Acheresscheint,als ob. keine Zeit die Aufgabe kn so ursprünglichem Sinne gestellt hat, wie die unsere. Keine, die soviel verwandte Züge mit der hellenistischen aufweist.. Man darf natürlich bei dem' Vergleich sich, nicht an HWfltetz -Men. Welckarofle Kluft zwischen Menschheit in diesen, beiden Jahrtausenden entfaltet. Doch wenn wir auf den Menschen blicken, der in seinem Streben und Irren sich immer. gleich geblieben, wenu - wir, «ns das-Wesen der geii.igen Bewegungen sehen, bann überrascht uns die. merkwiirhige Uebereinstimmung in den . geistigen Strömungen so weit von einander geschiedener Zeiten. r Die Religion der gebildeten Welt — und das Griechentum repräsentierte damals diese Welt — lag in den letzten Zügen! 'So wenig der Polytheismus dem griechischen Altertum bot, er war doch immer Religion, heilige Scheu vor höheren Mächten, Grundlage einer Ethik, beherrschendes Prinzip eines bewundernswerten Gemeinsinns. Die letzten Jahrhunderte griechischer Philosophie, die in Skepsis und Eklektizismus gemündet, die verfeinerte Kultur einer den Idealen des freien Bürgertums untreu gewordenen Zeit hatten aber die Götter entthron!, und mit der Scheu vor ihnen war, was an erhebenden und -sittigenden Kräften jn der Religion sich wirksam erwiesen, verloren gegangen. Doch zu tief wurzelt im menschlichen Herzen das Bedürfnis. religiösen Empfindens. Es müßte verdorren, wenn daS j GefüA nicht NahrWg erhielte. ,ynh hieie NcchrrsU 'sucht es'aus Äner verwandten Duelle zu ziehen, aus 'den Tiefen, die das Reich des Schönen dem kundigen Ackge und dem, geschärften 'Ohr erschließt. Jn die Kunst flüchtet sich, wer seinen Glauben verloren. Es ist der gleiche Vorgang, der unsere Zeit charakterisiert. Vordem Ansturm einer selbstherrlichen Und alles meisternden Wissenschaft, vor den Forderungen einer von eigensüchtigen Interessen beherrschten Politik hat die Religion der gebildeten nichtjüdischen Welt, die Waffen gestreckt. Von allen Dogmen hat sie sich losaesagt. Was zugleich Fundament, Mauern und Balken ihrer religiösen Heimstätte war, das ließen sie zerfallen oder trugen sie leichten Herzens mit eigenen Händen ab. Und vor der Kälte, die sich nun auf alle wärmeren Regungen des Herzens leate, flüchtete man in die Wunherwelt der Schönheit und Kunst. Die Liebe zu ihr vermag — so meint man — mit Zauberbanden den Menschen durchs Leben zu gleiten. Das wird natürlich, nicht so klipv und klar ausgesprochen. Dann träte der Widersinn und die Unmöglichkeit des Beginnens ja sofort zu Tage. Nur in den Flegeljahren der neuen Epoche verführte jugendlicher Leichtsinn die Stütmer zu sÄlch^n Unvorsichtigkeit«!.. David Frittw. Strauß Glauben", ohne weitere Einschränkung die Kunst als Surrogat für die Religion vorzuschlagen, lieber derqxtige ststnnpe Versuche ist man hinaus. Die Religion tritt uns auch bei den Modernen als eine selbständige Macht, die ihre Rechte an dem Menschen hat, entgegen. Doch wenn wir all den geistigen Bewegungen der Neuzeit, soweit sie zur Religion in Beziehung treten, auf den Grund gehen, wenn.wir alle Auseinandersetzungen mit der Religion, alle Versuche, ein neues religiöses Glandensbekenntnis zu schaffen, auf ein gemeinsames Prinzip bringendann zeigt sich überall das Vorwiegeu des Aestheticismus, ein Schwärmen für Schönheit in Nytur und Kunstfür die innere Harmonie im Seelenleben des Menschen..- . . r . Bou drei Seiten drangen die Fluten der Zeitströmnngen auf das Bollwerk der alten Religion ein. Die Naturwissen schafft schwemmt denMonismus'herän, die historisch-philologisch e Forschung die Ergebnisse der Rel i - gi on sg es chichte und die moderne Psycholo g ie den ethischen Jnd iv idualismus. Die drei Grundpfeiler des Bollwerks schienen so dem . modern Gebildetengeboxsten. die -Kehre vom *Ähtt,LH KKksr'von der Öffeuv ahrUng und die alte Lehre vory Menschen. Aber er tröstete sich bald. Für das Alte und Unbrauchbare wurde Ersatz geschaffen. Das religiöse Gefühl, früher auf einen transcendenten Gott ge- ' richtet, auf einen außerweltlichen Schöpfer dös Alles, fand jetzt Befriedigung in der Hingabe an die Natur. Den unscheinbaren Keim und das vollendete Wesen, die vergangenen und die kommenden Zeiten umschließt ein Band, ein Göttliches in Allem und Jedem, das Kleine zum Größten bestimmt und das Größte dem Kleinen verwandt, das Ganze ein Widerschein unendlicher Schönheit. Der Monismus wird überall dort, wo er den Boden strenger wissenschaftlicher Beweisführung verläßt, zur Naturschwärmerei. Dis' Bibel, in dem Urteil der früheren Geschlechter das Buch der Offenbarung, der für alle Zeit gültigen Willensäußerung Gottes an den Menschen, ist in die Werke der.Weltliteratur eingereiht und ästhetisch gewertet. DasPropheten--, wort, das dem Hannner verglichen wird, der den . Felsen zerspaltet, weil es den unbändigen Mlley zähmen und in den. Dienst Gottes zwingen soll, - das wird in feiner Schönheit empfunden, das Herz wallt auf und fühlt sich erbaut; Der. ^ensch endlich, nach der alten Lehrx m seiner ein Schöpfer glttch Gp tt, M