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Der Israelit · 1908-12-17 · Heft 50 (17.12.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 50 (17.12.1908)
Date
1908-12-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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c;-w.;;s TV'""'t; S-'T’zAXtlSSF’Timp - fcttte 9. Übt.' 60 ' Dar-Ä-Bey und spricht die Hoffnung. aus/ daß Las französische BoK auch ßie Befreiung der Juden von Tunis durchsetzen werde. Amerika. New-Dork, 3. Dezember. In unserer vorletzten Nummer veröffentlichten wir ein offenes Schreiben des Präsidenten der nordamerikanischen Republik, Theodore Roosevelts, in welchem dieser seinen überaus liberalen Standpunkt dariegte. Dieses Schreiben hat nun von jüdischer Seite ein Echo gefunden. Der Vorstand der „Jewish Sabbath Association" („SchomreiSchabbos") sah sich veranlaßt dem Präsidenten der Republik für sein Auftreten in einem recht intereffanten Briefe zu denken, in welchem es unter Anderem heißt: „Wir wissen Ihnen Dank für die Vornehmheit, den wahren Liberalismus, der aus Ihren Anschauungen spricht. Sie stehen im wahren Einklänge mir den Traditionen unserer Republik und mit den Prinzipien, von denen notwendigerweise jeder Staat geleitet werden sollte, der das Bestreben hat, wirkich frei und fortschrittlich zu sein. Es wäre tatsächlich reaktionär, mittelalterlich und durchaus nicht amerikanisch, wollte man die amerikanischen Bürger aus konfessionellen Gründen von einander unterscheiden und behaupten, daß ein hohes Amt Jemandem nur deshalb zugebilligt werde, weil er einer bestimmten Kirche oder einem bestimmten Glauben an gehört und wir sind Ihnen dankbar für die Klarheit und Unzweideutigkeit, mit welcher Sie diese fundamentale Wahrheit zum Ausdrucke brachten. Ihre Worte gewinnen besondere Bedeutung in einer Zeit, in welcher, wie wir zu unserem Bedauern bekennen müssen, Versuche gemacht werden, die amerikanische Nation mit Gewalt zu entfernen von ihrem ehrwürdigen Grundprinzipe der absoluten Gleichheit aller Bürger und hineinzutragen in unser Land konfessionelle Reibereien und Konflikte, welche der Wohlfahrt der Staaten stets zürn Schaden waren, von denen wir bisher glücklicherweise befreit waren. Ihr Brief ist eine meisterhafte neuerliche Erklärung der Grundprinzipien der amerikanischen Freiheit, die bestimmt ist, . historische Bedeutung zu erlangen und geeignet ist', für die Zukunftjeden Versuch, in Äe Rechen der amerikanischen Bürgerschaft konfessionelle Mißhelligkeiten zu tragest, von vornherein zu entmutigen." Bor einigen Tagen fand in New-Z)ork eine Beratung des „Central Rumanian Relief Comite", einer Körperschaft statt, die vor zwei Jahren aus Delegirten aller in Amerika befteyeuden rumänischen Landsmanschaften, Synagogengemeinden, Logen, Gesellschaften etc. zu dem Zwecke ins Leben gerufen wurde, um ihren unglüMchen in Rumänien zurückgebliebenen Glaubensgenoffen in ihrer Notlage behilflich zn sein. Die Beratung galt in erster Linie der Entgegennahme des Berichtes des Präsidenten Dr. F. A. Sieaelstein, der während des letzten Sommers als Spezialemissär des Comites in Rumänien Oesterreich- und Deutschland geweilt hatte. Sowohl aus diesem umfangreichen Berichte, als auch aus einem vom rumänischen Comite in Jassy eingelangten Briefe ist zu ersehen, daß im kommenden Frühjahre eine Massenauswanderung von Juden aus Rumänien zu gewärtigen sei, da diese Unglücklichen ihr bitteres Los in ihrer Heimat nicht Ünger zu ertragen vermögen. Auf Grund dieser Berichte wurde sofort ein Subcomite eingesetzt, welches die notwendigen Vorkehrungen zu treffen haben wird. In Brooklin wurde unter überaus zahlreicher Beteiligung der 54jährige freiwillige Feuerwehrmann, Samuel Abrahams, zu Grabe getragen. Abrahams hat bei der heldenmütigen Rettungsaktion während einer großen Explosionskataströphe sein Leben eingebüßt. Unter großen gefahren hatte er eine Fmu und zwei Arbeiter auS den Trümmern gerettet und als er sich daun anschickte, noch ein viettes Menschenleben zu retten, und sich auf die gefährlichste Stelle vorgewagt hatte, wurde -er selbst das Opfer seiner Rettungsarbeit. Jetzt wendeten sich die Sympathien aller Kreise der Witwe und den zum Teile noch unversorgten Kindern des heldenmüttgen Märtyrers seiner Menschenliebe zu. vemlretzier. Berlin, 29. Nov. In der gestrigen Sitzung der Aerztekammer Berlin-Brandenburg kam folgender Antrag der Ostpreußischen Kammer zur Beratung: „Durch den Herrn Minister den Herrn Reichskanzler zu bitten, eine Gleichstellung der russischen Paß- Vorschriften für deutsche Aerzte mosaischen Glaubens mtt denen der übrigm Aerzte erwirken zu wollen-" Der Referent, Sanitätsrat Dr. Wiesenthal tellte in seinem Bericht u. a. folgende unerhörten Vorkommnisse mit Ein Arzt jüdischen Glaubens in Ehdtkuhnen wollte für wenige Tage nach Petersburg reife-i und machte nun die Erfahrung, daß er.einen Paß nur unter großen Schwierigkeit« und günstigstenfalls nur mit empstndlichen und krankenden Aufenthaltsbeschränkunaen bekommen konnte. Die Aer tekamMer Ostpreußen beschloß darauf, an die Regtetung die Bitte zu richten, auf Beseitigung dieser Ausnahmebestimmungen htnzuwtrke«. Der Referent legt die gedruckt« Paßvorschristen, die für deutsche Christen keine besonder« Unbequemlichkeiten aufweisen, vor. Die Juden werden aber in drei Klassen geteilt, Inhaber eingettagener Firmen, Armestellte von solchen, die als HandlungSteisende nach Rußland gehen und sonstige Reisende. Für die ersten beiden ist die Paßbesschaffwpg zwar auch umständlich, aber unter allen UmstSnk möglich. „Sonstige" Reifende jüdischen Glaubens, also auch Aerzte, Rechtsanwälte rc. bedürfen einer Erlaubnis des russischen Ministeriums des Innern, die am besten durch Vermittlung des deutschen Generalkonsulats in Petersburg eingeholt wird, unter Angabe von Zweck, veabstchttgte Dauer der Reife, Zett ihres Antritts und der Orte, die besucht werben sollen. Die Aufenthaltserlaubnis erfolgt im allgemeinen höchstens auf drei Monate. Zu einer Aufenthaltserlaubnisüber sechs Monate bodarf eS der Erlaubnis von drei Ministern. Hat man dte Erlaubnis, so entstehen wieder in einzelnen Orten große Belästigungen, man darf nicht in bestimmten Straßen wohnen, darf nicht in bestimmt« Hotels schlafen und muß sich mtt solchen niederen Ranges begnügen ufw. Der Referent bringt zahlreiches Material darüber bet, wie dem jüdischen Asfistenten einer Berliner Universttätskltnik gegen 39 Mk.. Kosten nicht erlaubt wurde, eine Schwerkranke nach Rußland zu begleitenwie einem anderen Arzt, der nach Moskau zu einer Operation bemfen war, wohl die Erlaubnis erteilt wurde, weil eben in dem Paß das Wort Hebräer fehlte, dem aber in Moskau empfindliche Unannehmlichkeiten nur erspart blieben, well er sofort abretste. Einem <tojm wurde nicht gestatte^ die kranke Mutter zu besuchen. Die Kammer hörte die Ausführungen des Redners mtt wachsendem Erstaunen an und trat dem Än rrag einstimmig bei. Berlin, io. Dez. Im Srankenhause der jüdischen Gemeinde hier hat in der Zett vom 23. viS 26. November die staatliche Prüfung von sieben dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zugehörenden Schülerinnen stattgefunden. Sämtliche sieben Schwestern haben dte Prüfung mtt dem Prädikat „sehr gut" bestanden. Die staatliche Prüfungskommission besteht aus den Herren Geh. Regierung- und Medizinalrat Dr. Wehner, der Professoren Dr. Israel und LazaruS. Der Prüftmg wohnte die Oberin Fräulein Rose Blau bet. " Berlin, 13. Dez. AuS dem Nachlaß der am 11. Juni 1968 in Berlin verstorbenen Frau Professor F. Bernstein find dem Hilfsverein der Deutschen Juden Mk. 20.000 überwiesen worden Die Testatorin war die Gattin deS 1894 verstorbenen Berliner Universitätslehrers Professor Bernstein, der bei den ersten russischen Judenverfolgungen unter Jgnatiew sich in eifrigster Weise an der Hllfsattion zu Gunsten der Unglücklich« beteiligt hat. Seine ihn um viele Jahre überlebende Gattin war durch ihre Wohltätigkeit allgemein bekannt. Breslau, 4. Dezember. Das Jüdische Schwesternherm besitzt ein eigenes Grundstück ans der Kirschenallee 33 in Kleinburg und Betreibt dort die Ausbildung jüdischer weiblicher Personen zu Krankenschwestern uno deren Verwendung in der Krankenpflege .Der Verein, welcher mit einer Jahressumme von 87,60 Mk. zur Gemeindeeinkommensteuer herangezogen worden war, strengte unter Hinweis auf diesen seinen Geschäftsplan beim BezirRausschuß eine Klage gegen den hiesigen Magistrat, und zwar auf Befreiung von' der Gemeindeeinkommensteuer an, und begründete diese mtt der Behauptung, daß er weder aus seinem Gewerbebetriebe noch aus seinem Grundvermögen irgend welches Einkommen beziehe. Außerdem seien nach § 33 des Einkommensteuergesetzes juristische Personen überhaupt zur Einkommensteuer nicht heranzuziehen. Der Beklagte (Magistrat) wandte dagegen ein, daß der Verein sein Grundstück für privatwirtschaftliche Sondeiqweckv seiner Mitglieder benutze und daß ferner nach einer OberverwaltungsSvrichts-Entfcheidrmg auch juristische Personen und mit juristischen Rechtenausgestattete Vereine zur Gemeindeeinkounnensteuer herangezvgen werden können. — Der Bezirksausschuß erkannte auf Abweisung der Klage des Vereins, dessen Ansprüche für unbegründet erklärt wurden. Seine Steuerpflicht ergebe sich aus dem § 33 Absatz U beb in Frage kommenden Gesetzes. Stuttaarl, 13. Dez. Sie berichteten vor kurzem von dem 30jährigm Jubiläum der Israelitischen Religionsgesellschaft. Gewissermaßen als. nachträgliche - Jubtlämnsgabe wurde unserer Gesellschaft von den Mitgliedern, Herrn K. Ehrlich und feinen 3 Sühnen ein neuer Almemmor gestiftet. IJTßKl baS war das Leitmotiv dieser opferfteudigen Herren, als fie die primitive Stätte, von der bisher das Gotteswort verlesen wurde, in eine wahrhafte Zierde unserer klein« Synagoge umwandelten. Der Almemmor ist in Eichenholz ausgeführt, unb wird an den vier Ecken von prachtvollen Kandelabern überragt. Der Fa milin Ehrlich, welcher vom Vorstände eine kunstvoll ausgeführte Adresse überreicht wurde, fei auch an dieser Stelle herzltchst gedankt. — Aus demselben Anlässe stiftete Herr Bett Merzbacher eine große Ehanuka-Menauroh. Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß fich dte Israel. NeltgionSgesellschaft auch in andersdenkende«' Kreise« einer immer «mehmendm Gunst und AnerLmmug erstellt. So wurden ihr ln bat letzten Tagen, von den Erben der früher in HechtngeN wohiß hast« Familie Ha hum eine größere« Sttsttmg überreicht: DÜrkhei«, a. Hardt, 14. Dez. Herr Robb. Dr. A..? awonbi teilt unck mtt/ baß er nachflote vor sowohl für das üeltge Land als für alle anderen Swetge jüdtfcher Wohltätigkett bereitwilligst penden entgegen nimmt und weiter befördert. KaifetslaNterU, 9. Dez. In der letzt« Nacht wurde in der hiesig« Synagoge eingehrochen. Die Die« gelangt« durch ein« Lüfrschacht in 'das Innere. Sie warm gerade daran, b« Orferstock mtt der Axt zu zertrümmern, als eint Poltzeipatumtlle vorüber ging und daS Geräusch wahrttahm. ESgelgng, die beidm Stnmecher, zwei 19 jährkge Burschest, dingfest zu machen. Raribox, 6. Dezbr. Die Spitzest- und Gemälde* AuSWellvmg deS Ob'evschle fischen MuseumSist eröfsntt tovrden und übt estft starke AnzwhnngSkrast auSI Der Verband der oierfchlefischen ShrÄaogmgemetvdm hat das Müseütn zur Zentrale für SäüMung jMscher Altertümer gewä lt und alle angeschloffenen Gemeind« aufgefordert, das Museum durch ueoerweisung von bedeulsamm Altersstücken zu unterstützest. Wie», S. Dez. Anläßlich de» VV jährig« SkaifrrjubilämnS wurde am Mittwoch, den 9. Dezember im Bethause der Talmud T h o r a ll. Malzgaffe 16 eine HuldigungSfeier unter großer Beteiligung abge^rltm. Nach Rezitation mehrerer Psalm« folgte eine Festrede von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Schenk, der die Wichtigkeit dieses Tages vom religiös« undpatriotisch« Standpunkt geziemmd beleuchtete, welche auf dte Herz« der Zuhörer erheb«d und erbgnmd wirkte. All« Teilnehmern wirb. diese schöne Feierlichkeit unvergeßlich bleib«. Budapest, 16. Dez. Der hauptstädtische Lehrer Julius Gabel, Redakteur der . Uug. iSrael. Wochmschttst" hatte in seinem Blatte dm Redatteur der zionistisch« „Allg. jü. Rundschau", L. Lebowttsch beschuldigt, ^rß derselbe „den Zionismus zu eigen« Zwecken ausbeute". Hierauf erstattete letzterer die Anklage weg« Ehrende-, leidtaung gegm Gabel. In dies« Tag« fand nun dte Verhandlung dieses PreßprozeffeS stcät. Der Borfitzende deS Gerichtshofes, Richter Makur, war der Ansicht, daß das meritorische Etngeh« auf das Wes« deS Zionismus nicht vor Gericht gehöre, und so hatte auch der Gerichtshof den Beschluß gefaßt, den vom Angeklagtm angebotmen Wahrheitsbeweis nicht zuzulaffm. Me Vertreter beider Parteien aber, der Vertreter des Klägers, der Zionist Dr. Ostern, und der des Angeklagten, der Anttzwnist Dr. Förhes, ließ« fich die Gelegmhett nicht entgehen, um für und gegm dm Zionismus Lanzen zu brechen. Erster« sagte unter anderem, „die Sehnsucht des Jubmtums fei es, wieder einmal in dem Lande seiner Ahn« Wurzel zu fass«, weher seine Kraft und die Erhabenheit feiner Idem stamm«.-Diese Sehnsucht entspringe nicht nur der jüdisch« Seele, sondern die Juden aller Länder werd« mehr oder wmiger immerfort daran erinnert, an diesem Streb« sestzuhalvm. — — Die Tisza-Eszlareer Blutbeschulbigung und der Dreyfuß-Prozeß haben fich ja in unser« Tag«, vor unseren Augm abgespielt. Die rumänisch« Jubmver- . folgungen und dte russisch« Judenmetzeleim gehören ja noch heute zu den alltäglich« Begebenheiten. Und Hab« wrnicht erst in dm jungst« Tagen im ungarisch« Parlia mmte von volkcpcrrtetlicher Seite gehässige Angriffe gegm die Juden gehört? Alle diese Ereignisse ermahn« unS daran, daß wir tm best« Falle nur geduldet werden". Hierauf folgte die etwas optimistisch gestimmte Rede deS Verteidigers Dr. FerqeS, der unter anderem sagte: „$iet in Ungarn sei die Freihett bereits verwirklicht, wozu sollt« sich also Sie Juden Ungarns nach Jerusalem ehnen? Wer diese Sehnsucht in Ungarn predigt, bechwört für dasselbe eine Gefahr (??) herauf und muß mtt all« Mttteln bekämpft werden. Der Zionismus fei nur ein Spinnmaewebr, nicht feltm auch em Geschäft, ein Erwerbszweig. Jedenfalls aber fei der Zionismus r

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