Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 50 (17.12.1908)
- Date
- 1908-12-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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, grite 30 Ko. 50 tür was die Ahnen gelitten, getragen — S paßt ja nicht mehr zu euren Tagen. .. Wozu aber noch in den Tempel geh'n, Wenn man nicht glaubt ans Wiedersehn? Für wen uoch Maskir und Kaddisch sagen, Und-Kränze auf die Gräber tragen? Doch willst du die toten Eltern ehren So mußt du deine Kinder lehren Was Jenen hehr und heilig war. Doch ich, mein Sohn, ich mu^ jetzt fort, ech wohn' doch auf dem „guten Ort", ch darf nicht länger bei dir weilen Muß fort zu den andern Lebendigen eilen." Ephraim fährt aus dem Traum empor, Noch klang ihm der Mutter Stimme ins Ohr. So liegt er schlaflos und sinnend wach, Und denkt dem Traum von der Mutter nach/ Erhebt sich am Morgen bleich und blaß... Warum sind die Kiffen so naß, so naß —? inderecke. Das erfte Chanuhafeff. Erich und Kurt waren zwei kleine, treue Freunde. Sie waren Nachbarskinder, seit kurzem Schulkameraden und hatten ein inniges Freundschaftsband geschloffen. Ihre Erziehung war besonders in religiöser Hinsicht eine sehr verschiedene. Nichtsdestoweniger harmonierten sie selbst sehr aut und schienen auch in ihrer Gesinnung sich sehr zu ähneln. Kurt wuchs unter fünf Geschwistern in einem einfachen echt jüdischen, frommen Hause auf, wäbrtnd Erich als einziger Sohn seiner dem Judentum völlig entfremdeten Eltern von der Schönheit seiner Religion nie etwas erfahren hatte. Erst der Verkehr mit feinem kleinen Freunde Kurt hatte die in ihm schlummernde jüdische Gesinnung wach gerufen. Er hatte durch seinen Umgang mit dem Freunde das wahre S Leben, die sinnigen jüdischen Gebräuche gelernt und helle Begeisterung dafür gewonnen. Wie sehr die echte Frömmigkeit ein jüdisch empfindendes Herz und besonders das weiche Gemüt eines Kindes anspricht, das konnte man deutlich bei Erich erfahren und das hatten die Eltern seines Freundes Kurt wohl wahrgenommen. Es war ihren Blicken, die das Herz eines Kindes leicht zu durchdringen vermochten, nicht entgangen, welch' tiefen Eindruck der erste Freitag Abend auf den kleinen Knaben ausgeübt hatte, der herrliche Freitag Abend, den Kurt in seiner Heiligkeit zum ersten Male erlebte. Mit welch' aufrichtiger kindlicher Freude erzählte ihnen Erich, daß er von seinen Eltern die Erlaubnis erwirkt habe, ihrer Einladung Folge zu leisten und während der lanu^. Winterabende Freitag-Abend-Gast zu sein. Was sollte er drüben während der Zeit beginnen r Der Vater war so frühe noch im Geschäfte, die Mutter hatte oft noch Besorgungen zu machen, sie wußten ihren Sohn also im Hause seines Freundes gut aufgehoben. Und er war es in der Tat. Wie lauschte der Knabe doch aufmerksam den Worten des frommen Hausvaters, der seinen Kindern stets Neues und Schönes von der Geschichte des Judentums und feinen Vorschriften zu erzählen wußte. Kurt gewann bald tieferes Verständnis für die jüdische Lehre und suchte, soweit es in seiner schwachen kindlichen Kraft lag, sein Leben danach einzurichten. Das Haus seines Freundes war ihm zum zweiten Heim ge- „JSrarlit.- 17. Dezember 1908 worden. Er war jetzt nicht mehr nur sein Freitag- Abendgast, sondern verbrachte seine freie Zeit lieber hier als zu Hause, wo er sich ohne Gespielen einsam fühlte. So war es denn selbstverständlich, daß er heute am ersten Chanukaabende, bei seinem Freunde nicht fehlen durfte. Kurt hatte ihn nach Schul' herübergeholt und ihn auf Alles vorbereitet, was nun kommen sollte. Aber io schön hatte sich Erich diesen Abend trotzdem nicht vorgestellt. Wie wurde selbst der kleine Knabe von den Brochaus ergriffen, die der Hausvater mit seiner wohlklingenden Sttmme voll Innigkeit vortrug. Auch die drei Söhne hatten ttotz ihrer jungen Jahre diesen verständsnisvollen Bortrag dem Vater schon ab gelauscht. Auch die beiden kleinen Mädels durften um hinter den Brüdern nicht zurückstehen zu müssen zur Erhöhung der Chanukafreude kleine Lichtchen entzünden. So war Erich der Einzige in der Kinderschar, der zuschaute. Trotzdem war er ganz mit Herz und Sinn dabei. „Welch' schöner Anblick muß das doch sein", dachte er, da er die vielen einzelnen Lichtchen betrachtete, „wenn am. letzten Tage die vielen Lichter brennen", und er nahm sich vor, sie an den folgenden Tagen auch zu entzünden. Er wurde aus seinem Sinnen durch die Töne des Klaviers aufgeschreckt, das zur Begleitung des „Moans Zua-Liedes" ertönte. Kaum war der Gesang verklungen, so verlangten die Kinder stürmisch nach der Chanukageschichte, die ihnen die Mutter immer so hübsch zu erzählen Pflegte; doch heute wollte diese selbst Zuhörerin sein. Kurt hatte die Geschichte erst in der Religionsschule gelernt, er sollte nun auch seine Kunst im Erzählen zeigen. Und er blamierte sich nicht. Er hatte alles wohl behalten und erzählte nun in seiner kindlichen Sprache von den Kämpfen und Siegen der Makkabäerhelden, von der Neueinweihung des Tempels und all den Wundern' an die uns das Chanukafest erinnert. — Ungeduldig harrte inzwischen das „Trendel" darauf, daß es endlich fein lustiges Spiel beginnen sollte. Und wie flog und tanzte es nun, hurtig und flink gedreht von den kleinen und zierlichen Fingern der lustigen Kinderschar, die bei jedem Tanze vom neuen mit gespannten Blicken und lautem Jubel sich des tollen Treibens des „Trendelchens" erfteuten. Doch das „Trendel" * hatte sich bald müde getanzt und auch für die eifrigen Spieler war die Stunde des Scheidens gekommen. Mit dem Tröste auf den morgigen Gewinn machten sie dem Spiel gehorsam ein Ende und verabschiedeten ihren lieben Freund Kurt. Freudestrahlend lief dieser nachhause und erzählte dem eben vom Geschäfte heimkehrenden Vater unter Heller Begeisterung von dem schönen Abend, den er bei seinem Freunde verbracht. Unter Tränen bat er nun seine Eltern flehentlich, ihm auch einen Chanukahleuchter zu kaufen, oder wenigstens kleine Lichter, wie sie Kurts Schwesterchen entzündeten. Sinnend hatte Erichs Vater der Schilderung seines Söhnchens zugehört. Er dachte zurück an längstvergeffene Zeiten, da er in der Jugend im Elternhause auch die Chanukaabende gefeiert. Auch er hatte als Knabe noch manche jüdischen Vorschriften kennen gelernt und auch ausgeübt. Doch da man in seinem Elternhause nicht die forderliche Liebe und das richtige Verständnis für all die sinnigen Gebräuche empfand, hatte er sie in ihrer wahren Schönheit nicht schätzen gelernt und fern vom Elternhause sich frühe gänzlich von chnen losgesagt. Er versprach dem Wunsche seines lieben Kindes zu willfahren und ihm einen Leuchter zu verschaffen. So wurde denn anderen Tages unter dem vielen Gerümpel in der- Kammer ein alter, verblaßter Chanukaleuchter hervorgeholt, den Erich's Vater vor alter Zeit zuyause benutzt hatte. Wie freute sich Erich, als man ihm denselben zeigte. Er erzählte seinem Freunde von seinem Entschlüsse und dem Funde, und Kurt versprach, ihm die Chanuka-Brochaus beizubringen. Da er Erich schon etwas Hebräisch lesen gelehrt hatte, meinte er, ginge das sicher ganz schnell. Gar bald hatte der eifrige Knabe denn wirklich die Brochaus von seinem jungen Lehrer erlernt und konnte kaum die Stunde erwarten, da sein Vater am Abend vom Geschäfte nack*fuse kommen sollte. Es war ein herrlicher Anblick, als nun der kleine Knabe, umringt von seinen Eltern und Freunden, den Chanukaleuchter entzündete. Er zeigte dabei solch tiefen Ernst und solch wahres Verständnis, daß selbst die Eltern von der innigen Frömmigkeit ihres Sohnes ergriffen wurden. Tränenden Auges umschloß der Vater sein einziges Kind, das zum erster Male echt jüdisches Empfinden in seinem Herzen entfacht hatte, und versprach, ihn gleich seinem Freunde, durch Unterricht in die jüdische Lehre eindringen zu lassen und ihm so den Weg zu einem wahren jüdischen Leben zu bahnen. - Hell flammte der alte Chanukaleuchter auf/ in der Wonne nach so vielen Jahren durch eine tteue Kindesseele wieder zu seiner alten erhabenen Bestimmung gelangt zu sein, ließ er sein Licht doppelt hell und leuchtend erstrahlen. Ick. Raffel. i. Drei Worte nenn ich Dir, hohen Klangs, Beginnend das Lied der Freude, Des weihevollen Jubelsangs, Hell klingend in die Weite/ — Dort ganz des Trübsals Schleier sich senkt. Wo gläubig man der drei Worte denkt. Sie künden ernste, schwere Zeit, Da Glaube und Lehre bedrohet, Wo locket Verführung, Wo dräuet die Not, Und Lohn wird der Sünde, Wo Treue bringt Tod. Sie künden von Helden voll Löwenmut, Die freudig den Kampfe gewaget, Bon Unerschrocknen, die ihr Blut Geopfert unverzaget, Die kämpften und litten um ihren Hort, Um unser teures Gotteswort! Sie künden di.» Wunder, die Gott vollbracht, Der Schirm und Schild uns geblieben, Der aus des Unglaubens finstrer Nacht Errettet seine Lieben. Und die Lampe, die Frevler löschten aus/ Hell strahlet sie wieder im göttlichen Haus! Ja tönt ihr drei Worte, hohen Klangs, Beginnend das Lied der Freude, Des weihevollen Jubelsangs, Hell klingend in die Weite Und kündet es stoltz der ganzen Welt: Nie schwindet das Licht aus Jsrael's Zelt l II. Ich bin ein kleiner droll'ger Wicht, Tanz' nur aus einem Bein, Lacht mich nicht aus! — Sonst, paß aus, Hab rasch mich gerächt Und falle schlecht! Und dann — ja dann — Doch wer's versteht, Geschickt mich dreht Und trifft die richt'ge Seit', Ja der sich freut, Denn er gewinnt Bonbons die Maff', — Hei, welch ein Spaß! Nun schnell, Wer ist so hell', Daß er mich kennt, Mit Namen nennt? — . v..,*