Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 50 (17.12.1908)
- Date
- 1908-12-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Aas We i f and JLebe . Osroelif" Olluslrierfe Beil Die Sammlungen der Gesellschaft für jüdische üolkskunde zu Hamburg. Unter den mannigfachen bedeutsamen wissenschaftlichen Sammlungen Hamburgs verdient die der Gesellschaft für jüdische Volkskunde zu Hamburg als wertvolle Ergänzung der Hamburger Museen Beachtung. Allerdings besitzt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine schöne Sammlung jüdischer Kultgeräte, denen im „Illustrierten Führer." ein besonderer Abschnitt gewidmet >st. Bei der Aufnahme dieser Geräte in das Museum war aber vor allem ihre technische Ausführung und tadellose Erhaltung maßgebend. Die Sammlungen der „Gesellschaft für jüdische Volkskunde" sind dagegen vorerst wegen ihrer kulturundvolksgeschichtlichenBedeutung zusammen gestellt worden, während ihr kunstgewerblicher Wert erst in zweiter Linie in Betracht kam. Die Hamburger Sammlung verdankt ihre ersten Gegenstände einem vorbereitenden „Komitee für jüdische Volkskunde", das bereits im November 1896 seine rege Tätigkeit begonnen hatte. In den zehn Jahren ihres Bestehens sind die Sammlungen vor allem durch Schenkungen zu einem kleinen Museum der Kultur- «te der Juden angewachsen. e Gegenstände selbst für die Sammlungen nicht zu , * erlangen waren, war man bemüht, wenigstens bildliche Reproduktionen zu beschaffen. Zu einem guten Teil ist es wohl dem Vorgehen der Hamburger Gesellschaft zu danken, daß seither in Frankfurt a. M., in Wien und neuerdings in Straßburg und Hannover Spezialsammlungen entstanden sind. Diese Sammlungen enthalten natürlich hauptsächlich Gegenstände, die im religiösen Leben der Juden Verwendung finden. Dem Kunstgeschmack und der Phantasie der Verfertiger ist hier ein weiter Spielraum geboten, und da der ärmste wie der höchstbegüterte Jude diese Gegenstände für sein Haus gebraucht, haben die Werkmeister auch in der Wahl der Stoffe Gelegenheit zu mannigfaltigen Neugestaltungen. Besondere, für die Heimat der Meister charakteristische technische Fertigkeiten werden in den Dienst der religiösen Kunst gestellt, so daß man schon äußerlich die Gegenstände nach ihrer Herkunft meist mühelos scheiden kann. Im allgemeinen gilt, daß Gegenstände aus italienischen Werkstätten unter dem Einstuß ihrer Umgebung einen höheren Grad von künstlerischer Individualität offenbaren, daß w w W « & *v Chaimkalainpe. für Holland und Niederdeutschland die Freude an der Filigrankunst besonders bezeichnend ist, daß Gegenstände aus Mitteldeutschland und Oesterreich meist ein geringeres Maß Erfindungskraft aufweisen. Aus Indien und dem Orient stammende Kultgegenstände zeigen die unmittelbare Beeinstußung durch die Kultur und die Vorbilder der heinrischen Kleinkunst. Doch läßt sich überall die Wahl der Embleme und besonders bezeichnender Formen eine gewisse Gemeinsamkeit innerhalb der ganzen Gattung Nachweisen. Neben geschmackvollen Holzschnitzereien aus deutschen Bethäusern bewundert man in der Hamburger Sammlung die zierliche Sabbathlampe, die einst am Ruhetage ihr mildes Licht über die frohen Hausgenoffen gebreitet, die Stickereien, die an den festlichen Tagen den Tisch des HaufeS geziert, den Kelch für den Wein, über den an Sabbathen und Festen der Kiddusch gesprochen ward, wertvolle Gehäuse für Meffusaus, allerlei Chanukahleuchter, vor allem aber eine kostbare Sammlung Chanukahleuchter und Hawdalah - Geräten. Zahlreiche Eiuzelgegenstände deS jüdischen Volkslebens in Rußland und in Amerika, unter ihnen eine Sammlung von Theaterzetteln der jüdischen Theater ^.in New-Aork und eine Reihe von Amuletten vervollständigen diesen umfangreichen Teil der Sammlung. Ihre zweite Abteilung bllden Porträts von jüdischen Gelehrten und von Judentypen, sowie künstlerische Darstellungen, die von jüdischen Meistern stammen oder sich auf jüdische Stoffe beziehen. Der wertvollste Teil dieser Reihe ist die von einem Freunde der Gesellschaft, Herrn Louis Friedenheim, Hamburg, geschenkte Sammlung der Hochreliefs des zurzeit in Jerusalem tätigen Professors Boris Schatz. An diesen Teil der Sammlung gliedert sich unmittelbar eine Zusammenstellung von Münzen und Medaillen an, die, von Juden geschaffen, die Erinnerung an verdiente Juden oder zum Gedächtnis an geschichtliche Ereignisse geprägt worden sind. Hier sind besonders Hamburgensien vertreten. Polittsche und Privaturkunden füllen eine dritte Abteilung, handschriftliche Statuten, Schutzbriefe, in denen einzelnen Juden der Aufenthalt und die Ausübung eines Gewerbes an einem Orte zugestanden ward, Lehrbriefe auS einer Zeit, in der man nur selten einmal einem Juden das Erlernen eines Handwerks oder einer Kunst gestattete, Pässe und Leibzollzettel, die der Jude bei der Ueberschreitung einer der zahllosen LandeSgrenzenZim alten Deutschland für schweres Geld