Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 50 (17.12.1908)
- Date
- 1908-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'l' . 7^.' >- r •> ■ ~f " , - 1 Hr. Ä Der Israelit. allrar Ziegeleien Juden. Die Zahl der jüdischen Arbeiter, die zum Anseriigen der Ziegeln angestettt sind, ist erheblich — nach offiziellen Ziffern von insgesamt 2271-1079, während nach dem Korrespondenten der Jca 2371 Juden dort beschäftigt sind. In dem uns vorliegenden Bande nimmt man jedoch eher an, daß die Juden selten zum wirklichen Verfertigen der Ziegel beschäftigt, vielmehr öfters als Fuhrleute benutzt wurden, die die Waren in die Stadt brachten. Auf der anderen Seite gehörten 49,6 o/0 Ziegeleien Juden und im Südwesten 28,8 o/0. Tie Juden nehmen ganz besonders an der Steingut- und Porzellan- Manufaktur teil. Diese Industrie konzentiert sich hauptsächlich auf das Gouvernement Wolhynien. Nach amtlicher Statistik gehörten die vier bedeutendsten Porzellanfabrrken Juden. Ihre Produktion betrug 316,400 Rubel, und sie beschäftigten 640 Leute. Die Korrespondenten der Jca besichtigten 7 dieser Fabriken (einschließlich der 4 oben erwähnten) wo sie 1107 Arbeiter zahlten, wovon 902 in jüdischen Fabriken beschäftigt waren. Bon den letzteren war der größte Teil (846) Juden. — Bon den 12 Mörtelfabriken im Gouvernement Jekaterinoslaw gehörten 6 Juden. 3 Steinbrüche wurden im Gouvernement Wolhynien festgestellt; 3 in Kiew und l in Tchernigoff. Sie alle waren indisches Eigentum. — Im Nordwesten gehören 8 Glas- Hütten Juden — 38 o/o aller Hüttenwerke. Im Südosten wurden 16 Glashütten gezählt, die sich der Flaschcnsabrikation widmeten, wovon 8 Juden gehörten. Die Juden sind hier in der Mühleninouftrie sehr stark vertreten. Nach den amtlichen Berichten waren in den Mühlen im südwestlichen Teil 7744 Leute beschäftigt, darunter 2000 in Mühlen von jüdischen Eigentümern. Im Süden gehören die bedeutendsten Feinmehl-Mühlen mit Dampfbetrieb jüdischen Besitzern. — Im Jahre 1897 bestanden im Nordwesten 236 Lohe-Gerbereien, die 2885 Arbeiter beschäftigten und eine jährliche Produktion von 3,958,000 Rubel hatten. Hiervon gehörten 165 (70 <yb), welche 2297 Arbeiter beschäftigten, Juden. — Nicht weniger beachtenswert ist die Tatsache, daß in dem Distrikt Lodz-Sosnowice die Woll-Produktion jüdischer Fabriken 40,8 o/0 der Gesamtproduktion ausmacht; daß von 290 Woll-Fabriken im Gouvernement Pietrikow und Kalisch 148, oder 51 Prozent, Juden gehörten. Me Gesamtzahl der Arbeiter in den jüdischen Fabriken, welche die Wolle und Baumwolle fabrizieren, erreichen die Höhe von 34,000. 1416 jüdische Fabriken in Polen wurden von Korrespondenten besichtigt. Daselbst wurden 43,011 Arbeiter beschäftigt. Es ist klar, daß diese jüdische Fabriken einen großen Teil der ganzen Bevölkerung mit Arbeit versorgen. Es könnten viele Fälle verzeichnet werden, in welchen sie diese nützliche Rolle spielen. Trotzdem würbe in 3 Mörtel-Fabriken, welche Juden angehörten, und wo 75 Arbeiter beschäftigt waren, nicht ein einziger jüdischer Arbeiter gefunden. Von 27572 Arbeitern, die in jüdischen Fabriken beschäftigt waren, zählte man 5236, oder nur 18,9°/« Juden. — In den Zuckerfabriken mit Dampfbetrieb, die jüdischen Besitzern gehörten, zählte man nur 234 Juden unter 5,156 Angestellten. Das vorliegende Buch bestätigt, daß man in den bedeutensten Fabrik in Lodz nicht einen jüdischen Arbeiter treffen kann. In den Fabriken der Aktiengesellschaft I. K. Podnanski, daselbst, deren Produktion 120 Millionen Rubel beträgt und die 6300 Arbeiter beschäftigt, sind nur einige Dutzend Juden angestellt und diese sind in zahlreichen Abteilungen zerstreut. Diese Fabriken nehmen die zweit-wichtigste Stellung in Polen ein. Auch die Baumwollwaren-Fabrir der Aktiengesellschaft von Schaia Rosenblatt beschäftigt keine jüdischen Arbeiter. Diese Fabrik besitzt 50000 Spindeln. Dieselbe Ausschließung von Juden, abgesehen von einigen jungen Mädchen, die mit Handarbeiten beschäftigt werden, ist in dem Woll- und Baumwoüwaren-Geschäft von M. Silberstein, Aktiengesellschaft, zu bemerken. Diese Gesellschaft beschäftigt 1400 Arbeiter. — Ein anderes Beispiel hierfür ist „das große jüdische Textilwarenhaus" von Gunzberg in Zawiercie. Sein Umsatz erreicht 10 Millionen Rubel unb es sind dort 7000 Arbeiter beschäftigt. Jedoch befinden sich darunter nur 200 jüdische Arbeiter. Ungeachtet all besten, was oben angegeben ist, gibt es, wohl gemerkt, unter dem jüdischen Gewerbe Daten, die ungünstig aussehen. Was die Arbeitgeber selbst betrifft, so sieht man, daß sie mit schrecklichem Mangel an genügendem Kapital zu kämpfen haben. Dies schließt sie fast gänzlich von solchen Fabrikationszweigen aus, deren Betrieb - bedeutende Küsten verursacht, und die. nach diesem Buche die besten Aussichten haben. Hingegen sind die Fabriken, deren Errichtungskosten gering sind, in jüdischen Händen und nehmen den Charakter der Kleinindustrien an. Das Resultat ist, daß die Produktionssumme der jüdischen Fabriken oft viel geringer ist, als die der Fabriken der Nichtjuden. Während die Durchschnittszahl der beschäftigten Arbeiter in einer jüdischen Fabrik in Polen 30,4 beträgt, ist sie in einer nichtjüdischen Fabrik 101,8. „Die mechanische Triebkraft ist immer ein mehr oder wenig deutlicher Beweis von der Bedeutung einer Fabrik", heißt es in dem vorliegenden Buche, „wenn sie auch nicht deren einziger Beweis ist." Bon den 1416 jüdischen Fabriken in Polen, die die Korrespondenten besichtigten, 'hatten 386 mechanische Triebkraft,' unter den 451 nichtjüdischen Fabriken hatten 311 solche Triebkraft. Mit andern Motten, die jüdischen Fabriken, die mit mechanischer Triebkraft ausgestattet sind, bildeten 27,3 aller von ihnen besichtigten jüdischen Fabriken,' und die nichtjüdischen Fabriken mit mechanischer Tttebkraft sind gleich 69°/» aller nichtjüdischen Fabriken, die von den Korrespondenten besichtigt wurden. Ferner, während in einer jüdischen Fabttk mit mechanischer Triebkraft durchschnittlich 71,5 Arbeiter beschäftigt waren, erreichte die Durchschnittszahl der Arbeiter in einer nichtjüdischen Fabttk mit mechanischer Tttebkraft 135 .... Während die Durchschnittszahl der Arbeiter in klagt sich darüber, daß ein „gewisses" Blatt fortgesetzt ihre Familienannoncen zu geschäftlichen unv Propagandazwecken nachdruckt. Dieses gewisse Blatt ist aber, wie jeder weiß, keines aus der materialistischen Judenpresse, sondern die idealistische „D e u t s ch e Tageszeitung". Auf welchem wunderbaren Wege hat sich der Einfluß des Judentums auf das agrarische Antisemitenorgan übertragen? <Die Bibel in der Politik.) Wie ein protestantischer Pastor einem Minister in Spanien mn aus der Bibel geholten Waffen zu ernem rednerischen Triumphe verhaft, das erzählt der deutsche Pastor Fliedner-Madrid in seinen „Blättern aus Spanien": „Als die Aufregung wegen des spanisch-amerikanischen Krieges am höchsten war, fand in den Cortes eine erregte Debatte statt. Da ereignete es sich, daß rn der Sitzung des spanischen Parlaments der Karlist Mella heftig gegen die Regierung sprich und zuletzt ausrief: „Wehe dem Lande, dessen König ein Kind ist, und dessen Regenten Weiber sind!" Natürlich rres diese Unverschämtheit die größte Entrüstung hervor. Spaniens König ist ja erst 14 Jahre alt, und ferne Regentin ist eine Frau. Ter Kammerpräsident sagte: „Sofort nehmen Sie das Wort zurück! Ich hebe die Sitzung nicht eher aus, als bis Sie das Wort zurückgenommen haben." Darauf erwiderte Mella unverfroren: „Das bat der Prophet Jesajas gesagt. Dann müssen Sie den Propheten Jesajas das Wort zurücknehmen lassen!" .Anderen Morgens lese ich dielen Vorgang in der Zeitung und sende sofort dem mir bekannten Minister Morlet ein Bittet in's Parlament hinein, des Inhalts, daß es ihn interessieren würde, Mi erfahren, daß der Prophet Jesajas das gar nicht gesagt habe. Derselbe habe im Gegenteil gesagt, Kapitel 49,25: „Fürstinnen werden Deine Pflegerinnen und Säugammen sein!« Ter Minister sendet mir gleich aus den Cortes seinen Tank zurück; aber abend spät wurde ich nochmals aus dem Bette geholt, denn ein Bote des Ministers ist da, welcher sofort Antwort haben muß. Der Minister schreibt, daß Je die Bibel aus der Bibliothek des Parlaments genommen und die Jesajasstette auch gefunden hätten, allein die andere Stelle hätten sie nickt finden können. Ick denke bei mir: „Du wirst doch nicht falsch zitiert haben, das ist doch sonst nicht gerade deine schwache Seite." Da fällt mir ein, daß in der katholischen Bibel der Prediger Salomo Eeclesiastes, aber Sirach Ecclesiastieo heißt; lrun hatten die guten Leutchen im Eeelssiastico nachgefucht und natürlich nichts gefunden. Sofort schickte ick dem Minister einen Band der katholischen Bibel, in welchem der Prediger Salomo steht, legte an die betreffende Stelle ein großes Buchzeichen mit der spanischen Aufschrift: „Suchet in der Schrift!" Am nächsten Tag hält der Minister, der einer der besten spanrschen Redner, wenn nicht der beste ist, eine brillante Rede, wirst dem Karlisten Mella vor, daß er die Bibel mißbrauchte. Ter Prophet Jesajas habe ja an der und der Stette das Gegenteil gejagt von dem, was Mella behauptet habe, und die Fürstinnen gepriesen. Die andere Stette stünde fteilich auch in der Bibel, allein er sei überzeugt, daß. Mella dieses Kapitel überhaupt nicht vor Augen gehabt habe, denn sonst würde er auch gelesen haben in den letzten Bersen: „Rede nichts Arges vom Könige, auch nicht irr Deinem Herzen!" Mehr «och, es sei, ganz gewiß, daß er überhaupt dieses Kapitel nicht einmal dem Anfänge nach gekannt habe, sonst würde ihm seine Rede in der Kehle stecken geblieben seiitt denn da beiße es: „Wer viele Worte macht, der ist ein Narr!" — Ter Minister wurde mit rauschendem .Beifall - überschüttet, und die ganze Kammer war starr über die Bibelkenntnis ihres Ministers." 17. Dez mver. Gelte 5 einer jüdischen Fabttk ohne mechanische Tttebkraft 15 beträgt, sind es in einer nichtjüdischen Fabttk ohne mechanische Tttebkraft durchschnittlich 28.2." Von den jüdischen Fabriken in Bialystok ist in dem Buche gesagt, daß, je mehr man deren besichtigt, man umsomehr bettoffen ist von der Unzulänglichkeit der Anlage und der lückenhaften technischen Einrichtung Unreinlichkeit, Unordnung, irrational konstruirte Fabrikgebäude; beklagenswerte hygienische Zustände in den Werkstätten das sind die bezeichnenden Züge des jüdischen Fabrikwesens. Und während der jüdische Arbeitgeber durch ungenügendes Kapital eingeengt wird, wird der jüdische Arbeiter infolge von Mangel an geeigneter technischer Schulung gelähmt. Das Resultat davon ist) daß er oft von „gelernter Arbeit — wie z. B. die metallurgische Jndusttie — ausgeschloffen, oder dort nur als Handlanger angestellt wird, wie dies in Schuhfabriken der Fall ist. „In den geräumigen und hellen Lokalen der Fabrik", wie uns in Bezng aus eine Tuchfabrik in Bialyfwk berichtet wurde, „wo der technische Betrieb mittels mächtiger moderner Maschinen vorherrschend ist, kann man einige verttnzelte Hand-Webstühle, gleich einigen vergänglichen Spuren, sehen, vor welchen mit bleichen, abgehärmten Gesichtern die jüdischen Weber fitzen. Dort ~ befinden sie sich — unter 400 Arbeitern nur eine Hand voll — und ihre Tage in den Fabttken sind gezählt. Die Besitzer, die dem Fortschritt in der technischen Industrie eifrig folgen, werden wahrscheinlich diese lästigen Hand-Webstühle nicht länger dulden. 4lnv dann werden die jüdischen Arbeiter, statt wie ihre christlichen Kameraden zu den Maschinen überzugehen, die Fabrik verlassen müssen, ohne zu wissen, wo sie für ihre Kenntnis und Erfahrung passende BeschäfÜgung finden können, und so werden sie schließlich das schreckliche Gespenst der Arbeitslosigkeit und des Mangels vor sich sehe«." Die jüdischen Arbeiter sind von Natur aus durchaus nicht fürfeinereArbeit unbrauchbar. Es liegen zahlreiche Fälle vor, in denen Juden für feinere Arbeiten angestellt stnd. Wir finden z. B. jüdische Eisengießer, jüdische Uhr-, Lampen-, Schirmmacher etc. Wie uns in Bezug aus ein gewisse große Schmuckuhren-Fabrik bettchtet wird, werden jüdische Arbeiter mit den feinsten Arbeiten beschäftigt, und die Verfasser dieses Buches meinen tatsächlich auch, daß die Leichtigkeit, mit der die jüdischen Immigranten in Amettka sich den Verhältnissen der mechanischen Jndusttie anpaffen, genügenden Beweis dafür liefere, daß die Juden mit demselben Erfolge in. den Fabttken und Werkstätten in Rußland arbeiten könnten. „So könnten, wenn Rußland ein Land größerer Geld- Produktton würde, die Millionen darbender Juden für die Zukunft Arbeit finden (nach Hebung gewiffer Hindernisse) und sich in den verschiedenen Zweigen der Industrie ein Fortkommen r Die Lage der jüdischen Angestellten t,. durch ihre religiösen Verpflichtungen naturgemäß ernstlich erschwett. Durch die Sabbathruhe sind sie von vielen Fabriken ausgeschloffen. Es ist klar, daß der Fortschritt der mechanischen Erfindungen in den russischen Fabttken, bei dem Mangel an einem ausgedehnten und bestimmten Aufwande für die technische Unterweisung der' Juden die unglückliche ökonomische Lage der Juden nur noch verschlimmett wirb. Das Festhalten an der jüdischen Religion erschwett die Lage auch noch auf andre Weise. E§ legt dem russischen Arbeiter noch die Sorge um die religiöse Erziehung seiner Kinder und besondere Ausgaben für die Feier des Sabbath auf. Diefühtt dazu, daß sie höhere Löhne als die polnischen Arbeiter verlangen müssen, und, daß sie infolgedessen gettngere Aussichten auf Anstellung haben als ihre polnischen Konkurrenten. Und vor allem kommen natürlich die unmenschlichen Gesetze die die Juden in ein begrenztes Rayon drängen, ihnen den Verkauf ihrer Arbeit auf dem besten Markt unmöglich machen und sie schließlich dazu zwingen, zu nehmen, was sichihnen noch erübttgt — entweder Hungertod oder den Bettelstab. — rssn