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Der Israelit · 1908-12-17 · Heft 50 (17.12.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 50 (17.12.1908)
Date
1908-12-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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- ' 1 4?i 50 sollen sich aber. auch die modernen Makkabäer, die heute auf den Festbühnen die nationalen Heldentaten der Alten nicht genug rühmen können und sich selber als deren natürliche Nachfolger Preisen, ob es ihnen auch wie jenen nur um das reine heilige Erbe der Väter zu tun ist, ob sie wie jene in allem darauf bedacht waren, daß die Harmonie zwischen Alt und Jung, die Verbindungsbrücke zwischen Einst und und Jetzt unversehrt bleibe, daß nicht nur der Geist des kämpfenden Juda, sondern vor allem auch der des alten MatiSjohn in ihrer Mitte lebe, ihre Taten beseele und ihren Kampf fette? Der echte Makkabäergeist ist der, welcher Leben schafft und Wunder wirkt in der Geschichte Jsrael's, der aus der glorreichen Vergangenheit sich auf die Zukunft überträgt und die Gegenwart beherrscht, der Geist, dessen Odem den Schwachen zum Sieger werden läßt und der Einst und Jetzt, Alt und Jung harmonisch zu dem Jubelrufe vereinigt: Jrrtxrt nnnb Die JuSenfrage in 5er Duma. Die Judenfrage wirin den nächsten Tagen in der Duma eine gründliche Erörterung erfahren. Nicht etwa, daß sich die Liberalen auf ihre Pflicht dem unterdrücktesten Teile der Bevölkerung gegenüber besonnen hätten und nun entschloffen wären, in der Volksvertretung dahinzuarbeiten, daß den Juden' statt „Judengesetze" Menschenrechte gewährt werden. Nein, die liberalen Oktodriften find momentan für die Polen engagiert und haben genug zu tun, um ihnen eine tudeureine Städteverwaltung zu sichern. Und die nochliberafern Kadetten schweigen und gehen, um nicht in den Ruf von Judmknechten zu kommen, dieser heiklen Frage geflissentlich aus dem Wege. Aber die reaktionäre Rechte ist es, die fühlt, daß es so nicht weiter gehen kann, und Lärm schlägt. — Die Juden, sagen die Echtrussen, genießen unter Stolypin zu viele Rechte. Unter dem „milden" Regime und der schlappen Handhabung der Maigesetze gelang es den Juden, sich Positionen zu erringen, aus denen sie zu jagen gerade die Jgnattewschen Gesetze Kleines Feuilleton edamlks. „Lob und Preis dem Helden Juda! Heil der kleinen tapferu Schar, die der grimmen Weltmacht Syrien Schrecken und Entsetzen war! Laßt es uns der Wett verkünden: „Auch in uns wallt Heldenblut!" Den Tapfersten ebenbürtig macht uns Makkabäermut." — Wißt ihr auch, warum er kämpfte, den ihr also tönend preist? Weil die Axt des Griechen fallen wollte Judas edlen Geist. Wißt ihr auch wofür er kämpfte? Für der Väter Heiligtum, für des Ew'gen Offenbarung, filr die Thauro, Judas Ruhm. Wißt ihr, gegen wen er kämpfte mehr als gegen Syriens Macht? Gegen die, die fremdem Geiste ihre Opfer dargebracht, die der fremden Welt im Umkreis wahllos alles abgelernt und dabei vom Bätererbe treulos sich und feig entfernt. -- tiix aSt&ttf- . " vom Mai 1882 bezweckten. Also fragen die Vertreter der vereinigten rechtsstehenden Fraktionen in ihrer Interpellation die Regierung an, ob sie gewillt sei, den jüdenfreundlichen Kurs aufzugeben und eine schärfere Handhabung der Judengesetze zu veranlassen! Die Juden Rußlands werden, wie unseren Lesern bekannt, aus dem Innern des Reiches vertrieben, von den Universitäten zurückgewiesen, sie dürfen .den heiligen Boden von Petersburg und Moskau nicht einmal zum Zwecke der Durchreise betreten, jüdische Kolonisten werden durch Steuerdruck an den Ruin gebracht usw. usw. Das sind in den Augen der schwarzen echtrussischen Führer günstige Positionen, zu denen eine milde Politik den Juden verhalf der nun die Duma ein Ende machen soll. Jgnatiew, dieser zähe Vertreter deS absolutistischen Regierungssystems wird sich im Grabe umdrehen. So weit ist es also in seinem Vater lande gekommen, daß die „Rebellen" des sogen. Parlamentes über die strenge Einhaltung seiner zum Schutze des bedrohten Reiches erdachten Gesetzte wachen müssen. Neue Gefahren sind von dieser Interpellationen kaum zu befürchten. Es handelt sich allem Anscheine nach dabei nur um' eine Machtprobe der Rechten gegenüber Stolypin, zu der die Juden lediglich die Handhabe bieten sollen. Sie werden sie nicht bestehen, diese Machtprobe, da sie in allzu plumper und haltloser Weise unternommen ist. ES wird dem Premier ein leichtes sein, an Hand von Tatsachen aus der Geschichte der letzten Tage seine völlige Unschuld inbezug auf die angebliche Judenbegünsttgung sonnenklar darzutun . . . Für die Niederlage der Rechten werden natürlich wieder die Juden die Verantwortung zu tragen haben. — Andererseits könnte aber die Interpellation auch ihr Gutes haben, wenn — wenn die liberalen Parteien, die sonst, angeblich im Interesse der Juden, sich nicht an die heikle Materie heranwagen, sich nun, da die Frage einmal ohne ihr Zutun aufgerollt ist, sich entschlössen der Welt zu zeigen, daß ihnen um den Kampf für Recht und Freiheit auch ernst sei und dieser nicht nur eine schöne unvermeidliche Phrase ihres Programms ausmache. Von den Oktobristen, die die Mehrheit in der Duma bilden, ist, wie bereits gesagt, leider in dieser Beziehung nichts zu erwarten. Um so mehr ntüßten sich alle linksstehenden, aber recht denkenden Parteien zusammenfchließen, um gemeinsam und nachdrücklich dafür einzutreien, daß die Duma nicht zur Exekutivbehörde Jgnatiewscher Gesetze sich herabwürdige, sondern ihrer Bestimmung als über Volksrechte und Bürgerfreiheit zu wachen, gerecht werde. Vielleicht! Die Hoffnung Wißt ihr auch, mit wem er siegte, wer fein Schild war und sein Schwert? Er, sein Gott, der Herr der Welten, dessen Watten treu bewährt. Lebt in euch, die ihr den Helden, diesen Fromen, tönend preist, jener Geist der Hellenisten oder Geist von seinem Geist? Seht! Noch wehen..seine Fahnen; geistiger Kampf ward ' wieder neu. Auf! Folgt ihm, auf dessen Banner strahlt das Wort: Gejetzestren? L i l l i F r e i m a n n. frSdWMK. Bon Sudans. (Schluß.) Als dann dein Vater sich einige Minuten lang an der Fassungslosigkeit des meinigen ergötzt hatte, fing er plötzlich laut zu lachen an und meinte: „Wie kann ich dir überhaupt manche! sein? Manches sein heißt verzeihen; verzeihen setzt ein Unrecht voraus, das man verzeiht. Wie kann ich dir aher verzeihen, wenn du rnir das ganze, liebe lange Jahr nichts Unrechtes getan hast?" Mein Vater aber blieb ernst. „Wenn du meinst," sagte er, „daß ich dich das ganze Jahr in nichts verkürzt habe, bist du im Irrtum. Ich habe Mährens du über Land warst drei- oder viermal deine Jom- Kippur-Kerze gebraucht; ich wollte es dir schon längst ist, da es an jüdischen Bemühnngen in dieser Richtung gewiß nicht. fehlen wird, nicht gänzlich ausgeschlossen.. Sonderbare Zumutung. Ein sonderbares Blatt kam dieser Tage unserem Redaktkonstische zngeflogen. Es enthalt einen Aufruf, der von einigen bisher in der Oeffemlichkeit völlig unbekannten Herren als „Comitö des Jsraeiites Serbes" unterzeichnet, sich an „die Israeliten aller Länder" wendet und von ihnen nicht mehr und nicht weniger verlangt, als daß sie „svweit' es in ihrer Macht liegt, sich der gerechten Sache des serbischen Volkes annehmen sollen". Wie die „Israeliten aller Länder" dies. anfangen sollten, ist in diesem von kindlich rührender Naivität zeugenden Schriftstück nicht gesagt. Aber darauf kommt es auch garnicht an. Irgend einen praktischen Wert dürsten wohl die Unterzeichner selber kaum dem Appell beigemeffen haben'. Da, wo alles protestiert, demonstriert und appelliert, sollten, so mögen wohl die Herren des Komitees gedacht haben, auch die Juden, die den Schnterz des Landes doch nicht weniger ttef und ehrlich empfinden, nicht Zurückbleiben. Soviel zur Psychologie des Aufrufes, die ihn menschlich begreiflich macht,' rechtfertigen ~ Läßt er sich auf diese Weise noch lange nicht. Bei allem Respekte vor der durch das Komitee so kräftig zum Ausdrucke gebrachten patriotischen Gesinnung der serbischen Juden, wird man ihr« doch den Borwurf nicht ersparen können, daß die Art, in der es für die serbische Sache' die Juden anderer Länder zu interessieren sucht, nur wenig Rücksicht auf die patriotische Gesinnung der letzteren verrät. Die Politischen, sozialen u> d wirtschaftlichen Interessen der Juden sind überall mit denen ihres Heimatlandes eng verwachsen und das Gefühl de.r Vaterlandsliebe, das die serbischen I rden den nationalen Schmerz ihrer Mitbürger so tief und innig fühlen läßt, eben dieses Gefühl ist es gerade, das die Juden anderer Länder bestimmen muß, Versuche und Zumutungen von der Art des obengenannten Aufrufes entschieden zurückzuweisen. Bemerkenswert ist indes, daß das Zirkular, das sich in Form und Sprache als offiziell ausgibt, wie bereits angedeutet, von den leitenden Gemeindekreisen nicht unterzeichnet ist. Unter den dreizehn Herren, die dem Aufrufe ihre Unterschrift gaben, ist kein einziger Rabbiner oder Kultusvorsteher. Die einsichtigen und verantwortlichen Kreise hielten sich also fern, und gewiß nicht aus Mangel an Patriotismus. Vielmehr dürften sie unserer Meinung gewesen sein, daß die an sich begreiflichsten und berechtigtsten Gefühle sagen, habe es aber immer wieder vergessen, bis es mir heute morgen siedend heiß eingefallen ist." In Tiefenbrunn war es nämlich Brauch die Reste der Jom--Kippur-Kerze in seinem Betpult aufzubewahren und mit ihr im Winter beim Morgengebet der spärlichen Shnagogenbeleuchtung nachzuhelsen. Ta lachte dein Vater noch herzlicher und meinte, die beiderseitigen. Jom-Kippur-Kerzen sollten für alle Zeit und mit rückwirkender Kraft als zur Kippe gehörig betrachtet werden, so daß jeder die des andern ohne weiteres benützen kann. Jetzt war mein Vater beruhigt und schloß oie Diskussion mit der Bemerkung, daß er ja gewußt habe, daß sein Kippe-Chawer ihm das manches sei, sagen müsse man es ooch." „Die Geschichte höre ich heute zum ersten Mal," bemerkte Jtzig Hochhausen; „du hast sie so schön erzählt, daß ich dich bitte, fortzufaßren und auch den Terl zu übernehmen, den ich eigentttch erzählen wollte." Koppel Seligmann war gern dazu bereit und nahm die Erzählung wieder an der Stelle auf, an der er den Freund unterbrochen hatte. „Als im Lauf der Jahre die beiderseitigen Kinder größer wurden und auch das gemeinsame Geschäft sich vergrößert hatte, hielten es unsere Vater für geraten, die Kippe aufzugeben. Ter Vater meines Freundes zog in das drei Stunden entfernte Oberzell, wir blieben in Tiefenbrunn. Ich hatte inzwischen das heiratsfähige Alter erreicht und es war dre angelegentlichste Sorge nleiner Eltern, eine passende Frau für mich zu suchen. Biele Anträge, die an ftr herangetreten waren, hatten Vu aus religiösen, frnanzreUen und gesellschaftlichen RüKichten abgewiesen. Sie waren für mich sehr wählerisch. '

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