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Der Israelit · 1908-12-17 · Heft 50 (17.12.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 50 (17.12.1908)
Date
1908-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I I I Der israelO) Ein Centralorgan für dns orthodoxe Judentum i Begründet oon Dr. Lehmann in fflainz *49. Jahrgang. _„_!7. Dezember 1908. &S SranMurfa.ni., San 2Z. Kislem 5669. M S0. Der Airaelit erscheint jedm Donnerstag. «Vmmeoomrtr Gewöhnliche Ausgabe ML 1.50 vterteÜLdrlich, Heftausgabe auf ftnnstbrnckpapier ML L— vierteyL-ckü-. (»«UandSPreise W Me gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn S Kr.» RuUandlRut>., England3 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1F0 fl.) Abonnements (et,ollen Postanstalten» Buchhandlungen.sowie diE (ch der Erpedition. HestauSgabe nur direkt. Inserater SO Pfennig für die sechSgespattene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Darif. Jnseralenannahme nur durch inHaasenstein u. Bögler öL-W. «onto Sei der ft. ft. Postsparkasse «Sie» 9to. 79605. Frankfurt a. M. und deren Filialen. «o»to der der «igaer «onnnergdanr in «tga «onto dei dem ft. Postsparkastenaint «ndapest «o. 18494._ und deren Filialen in DwiuSk. Libau» BialystoL «eval und Lodz Der nadiSrudi Oer flrflhel un9 CarrelponBenjen 8es „Israelit“ iS nur unter genauer Quellenangabe, unfl, soweit es fidi um grSgele Dufftte handelt, nur nadi norheriger Genehmigung gestattet ' makkabäeraeist. „Er braucht die Starkm nicht, Er haucht-die Schwäche ntit seinem Oden an und fie wird Sieger. ES überhebe keiner sich vor Gott." Mit diesen Worten im Munde seines Helden schließt Otto Ludwig sein Trauerspiel: „Die Makkabäer". Durch eine geschickte Mischung von Dichtung und historischer Wahrheit sucht er aus jenen unvergleichlich wunderbaren Geschehniffen den Stoff zu einer formgerechten Tragödie zu gewinnen. Dennoch hat der Dichter, ohne auf historische Treue bedacht gewesen zu sein, -im gentaten Ahnen den Sinn des historischen Geschehens sehr wohl erfaßt, und so läßt er denn den Todesseufzer Leas von dem aus echtem Makkabäergeiste strömenden Jubelrufe übertönen: „Erbraucht den Starken nicht, er haucht die Schwäche mit seinem Odem an, und sie wird Sieger". Das Wort ist nicht neu, es.ist schon vor Jahrtausenden noch schöner und bildreicher vom Psalmisten, ^dringlicher und^kpaftvoller vom Propheten ausgesprochen worden. „Nicht die Stärke des RosfeswiL er, nicht an der Muskelkraft des Mannes hc^ er Gefallen." t- „Diese mit Wagen, jene mit Rossen, wir aber im Namen Gottes/ jene stürzten und fielen, wir aber erhoben uns und blieben aufrecht." „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht sondern durch meinen Geist so spricht der ewige Gott Zebaoth." — Es ist die, Predigt der von Gott, unabhängig von Zeit, Zahl und Raum geleiteten Natur und Geschichte seit Jahrtausenden, das Wort, das „der Tag' dem Tage zuraunt, und die Nacht der Nacht verkündet". Nicht von den Makkabäern ist diese ethische und historische Wahrheit erst entdeckt und statuiert worden. Aber sie hüteten diese Wahrheit, den Glauben an die göttliche Allmacht und die jüdische Treue. Sie waren von diesem Glauben beseelt, als sie in den ungleichen Kamps äahlreich war der Feind, aber nicht >Uq. Eine Majorität der Masse kennt Israel nicht. Sie kann ihm weder Achtung noch Furcht einflößen. Und dieses schon seit den Uranfängen seiner Geschichte. „Eine Perle unter ungeheueren Sand- Hügeln begraben" war nach der bilderreichen Hchfldrrttng unserer Weisen im Midrasch, Abraham in seinem Verhältnis zu der großen dunklen Masse, von der er sich allein so leuchtend abhob. „Man schaufelte die Sandhaufen und warf sie bei Seite und beachtete sie nicht weiter, nachdem man die leuchtende Perle gefunden hatte". „Große Wagen, vollbeladen mit dürrem Stroh, die auf die winzige Schmiedestube einstürmten und sie überrennen drohten, darin aber, in der Schmiede, sprühten die Funken, deren einer seinen Weg zu den Wagen nahm und sie in Helle Flammen setzte/ Wagen'und Ladung waren ein Raub des Feuers/die Schmiede aber besteht weiter, in der die Funken munter tanzen und neues Eisen geschmiedet wird." So gestaltet sich das Schicksal. Jacobs, der angesichts der vielen Stammfürften Esaus ruhig weilen, ruhig und unerschrocken, den mächtigen Alufi m entgegensetzen konnte. Im Vertrauen auf Ihn, „der des Starken nicht braucht, der die Schwäche mit seinem Odem anhaucht, sodaß sie Sieger wird". Und all den Schönrednern, die heute beim Scheine des Lichtleins auf der Kanzel oder auf der Festbühne den Siegeskranz der Makkabäer gern für sich und ihre Zeit in Anspruch nehmen, von großen Kämpfen und Heldentaten reden, die sie mit mehr Romantik als historischer Treue für sich und ihren Kreis zustuyen, möge es gesagt sein, lvas die von ihnen mißdeutete Flammenschrift des Ehanukaleuchter lehrt, was die Funken- Zeichen aus der alten Werkstätte des ewig wirkenden jüdischeii Geistes besagen und was selbst der Nichtjude als ' den Grundton der Makkabäergeschichte ahnend herausgefunden hat: „Erbraucht den Starken nicht!" Helden, Großtaten! Wo und wie waren sie? Fragen wir die Nächstbeteiligten, die es am besten wissen mußten. Sie wissen nichts von Heldentaten zu erzählen; sie kennen keine Menschenheroen, um sie mit dem Ruhmeskranz zu schmücken. Der Kriegs- und Siegesbericht, er lautet: „Und Du mit Deiner großen Barmherzigkeit standest ihnen bei zur Zeit der Not, Du strittest ihren Streit, führtest ihr Recht, rächtest ihre Rache, Du gabst die Helden in die Hand der Schwachen, die Bielen in die Hand der Wenigen, hie Unreinen in die Hand der Reinen, die Frevler in die Hand der Gerechten, die Uebermütigen in die Hand der Thora-Anhänger!" Wo bleiben also die Großtaten, die Helden? Sie hatte keine Helden in ihrer Mitte, die kleine Makkabäerschar, sie waren im Gegenteil die Schwachen, die Wenigen, aber fie waren zugleich die R e i n e n, die Gerechten, die treuen Bekenner der Thora, für die sie ihr Gut und Blut einsetzten. Das Recht und die Wahrheit waren auf ihrer Seite, so war Er in ihrem Lager, dessen der Sieg ist und die Stärke und vor dem Mannesmut und Kriegesrüstung zu nichts zusammenschrumpfen. Uno noch eines: Es war nicht, wie man es heute in gewissen Kreisen so oft zu hören bekommt, ein Sieg der Söhne, sondern ein Sieg der V ä t e r, in deren N a m e n die Söhne kämpften, für deren heiliges Erbe sie ihr Leben einsetzten. Und der Gott der Väter war es, der ihren Streit leitete und Wunder vollführte, von denen heute noch das Lichtlein verkündet, „Inden Tagen Mati s j o hu's" so beginnt der Chanukabericht in unserem Gebetbuche. Der sterbende Matisjohu, der den leise glimmenden Gottesfunken zur Hellen Flanime anfachte, und von seinem Geiste auf seine Söhne übertrug, mit dem fie Wunder vollführten. Einen Gegensatz zwischen Jung- und Alt, Vätern und Söhnen hat es im Judentum nicht gegeben, durfte es nie geben, wenn es seiner natürlichen Entwicklung ungestört entgegen gehen sollte. Nicht die Jung-In den mit ihren neuen Gedanken und Ansamungen waren es, die von jeher zur Regenerierung des Mischen Volkes berufen waren, sondern vornehftckbch die A l t j u b e n, die Hüter der alten jüdischen Treue und Wahrheit, denen sich auch bald die Jugend mit ihrem Feuer anschloß. Abraham war 75 Jahre alt als er für seine Mission auserkoren wurde/ Moses und Aron waren 60 und 83 Jahre alt als sie zur Erlösung Israels abgesandt wurden, und die Alten Israels waren es, die sie zunächst verstanden und sich ihnen angeschloffen haben. Nur einmal war ein Riß eingetreten zwischen Alt und Jung, zur Zeit Je.robeam's, und siehe da — was die Generationen schied, brachte auch die politische Trennung und führte letzten Endes zum Untergange des Reiches. Was aber ist's heute, das jerobeamitische Zwietracht säet und die Kinder dem Herzen der Väter entfremdet? Diese Fragen mögen sim heute zunächst die Ruhmredner vergangener Zeiten auf den Reform-Kanzeln stellen, die auch ihrerseits auf die eine oder die andere Art den Heldenmut der Makkabäer preisen und Chanuka als das Fest der Gegenwart feiern. 'Sie mögen sich vor allem darauf prüfen, ob sie es nicht find, die mit ihrer neuen Lehre die Kluft zwischen Vätern und Söhnen erweitern, und statt des alten heiligen Lichtes, das unsere Väter mit soviel Liebe «nd Treue gehütet, verführerischen Irrlichtern.nachgehen!

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