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Der Israelit · 1908-12-10 · Heft 49 (10.12.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 49 (10.12.1908)
Date
1908-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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mmm. L ) b und Bund gefehesfreuer jttdifttier Lehrer Deuf(dilan9s. Die diesjährige Gerrevolvrrsarnrnlrrng findet Morrta-, den 28. Dexrmkrr 1908, vorm. 10 Uhr, zu Frankfurt a. M. im Kaufmännischen Verein, Eschenheimer-Anlage 40, statt. Tag es ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Bundesthema: „Die Fortbildung des jüdischen Lehrers in Religionswifienschaften unter Berücksichtigung der in den einzelnen Kursen gemachten Erfahrungen." Referent: Herr Seminarlehrer E. Gut,*) Köln a. Rh.,' Korreferent: Herr Distriktsrabb. Dr Kahn, Ansbach. 4. Anträge und Mitteilungen. 5. Vorstandswahl. Anträge müssen 14 Tage vor der Generalversammlung bei dem Vorsitzenden eingereicht werden. Den Mitgliedern des Bundes wird ein Zuschuß zu den Reisekosten gewährt. Gemeinsames Essen ist vorgesehen. Auf Wunsch werden bei rechtzeitiger Anmeldung Zimmer zu ermäßigten Preisen durch unseren Schriftführer, Herrn A. Hirschberg, Uhlandstraße 17 reserviert. Kollegen und Kolleginnen, sowie Freunde unserer Sache find zur Teilnahme an der Generalversammlung herzlich eingeladen. Die Generalversammlung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" findet ebenfalls Montag, den 28. Dezember 1908, abends 7 Uhr, im Kaufmännischen Verein statt. Der Vorstand derselben lädt unsre Mitglieder zur Teilnahme freundlich ein. Der Vorstand. I. Direktor Dr. Vorsitzender- Thesen des Referenten:*) 1. Da der Lehrer der entscheidende Faktor alles pädagogischen Wirkens ist, und von seinem Streben das Wohl der Heranwachsenden Geschlechter abhängt, bedeutet dieses Streben nach Weiterbildung nicht das Privatvergnügen cmzelner Bevorzugter, sondern eine notwendige Pflichtarbeit unseres ganzen Standes. 2. Wie die deutsche Lehrerschaft im allgemeinen ' nach Aussage bedeutender Hochschullehrer das Fortbildungsstreben in selbstloser Hingabe -mit bestem Erfolge betätigt, so hat die jüdische Lehrerschaft außerdem noch energisch auf dem spezialen Gebiete der religionswissenschaftlichen Weiterbildung zu arbeiten. Für den gesetzestrcuen jüdischen Lehrer bedeutet Weiterarbeit auf diesem Gebiete nicht Studium der Werke christlicher Bibelforscher, sondern vor allem Pflege des Thorastudiums. 3. Da eine zweckmäßige Fortbildung eine gute Bor- und Ausbildung zur notwendigen Boraussetzung hat, so sind wohl als Basis der Kenntnisse auf diesem Gebiete im wesentlichen die Erfordernisse anzusehen, die das Kölner Seminar bei der Religionslehrerprüfung verlangt. Auf dieser Basis wird das Fortbildungswesen des Bundes weiter bauen. 4. Die bis jetzt von den bestehenden Kursen erzielten Resultate sind anzuerkennen, doch rst me Institution weiter auszubauen, systematisch und einheitlich zu regeln. 5. Als wichtigster Gegenstand jedes Kursus ist das Studium des Talmuds mit Kommentaren und der Dezisoren DJ? J?"tt?) anzusehen, dem die meiste Zeit jedes züzuweifen ist. Tie übrigen Fächer (Bibel, Mischnah, Grammatik, Geschichte, Literatur, Poesie, Liturgik, Fragen der Welt- und Lebensanschauung) sollen abwechselnd .behandelt, zum Teil dem häuslichen Einzelstudium überlassen und beim Schiuc nur besprochen und diskutiert werden. 6. Bald in Angriff zu nehmen sind die non den Kursleitern ausgesprochenen Wünsche: Festsetzung eines Lehrgangs oder Lehrprogramms pro Semester seitens des Bundesvorstandes oder einer zur bildenden Fortbildungskommission, Herausgabe einer wissensch Etlichen jüdischen Geschichte, Gründung einer jüdisch wissen chastlichcn Bibliothek, die den Lehrern zur Verfügung steht, periodisch erscheinende Verzeichnisse empfehlenswerter Werke und Jugendschriftcn. 7. Außer den regulären Kursen finden einmal jährlich während der Ferien in den Zentralen gesetzestreuen Lebens (Frankfurt, Berlin, Hamburg) vierzehntägige Ferienkurse statt, aus denen von anerkannten Kapazitäten Borträge über schwierigere Partien des Talmud, der Pauskim und des Kantorats gehalten und nnt praktischen Hebungen verbunden werden. Zu diesen Ferienkurse werden ans jedem Kursus jährlich andere Teilnehmer delegiert, die beim nächsten Fortbrldnngskursus über das Gehörte eingehend zu berichten haben. 8. Für Lehrer, die genügend gefördert werden, findet alljährlich zu Berlin am Rabbinerseminar und zu Frankfurt an der Thora-Lehranstalt vor einer noch zu ernennenden Kommission eine Prüfung statt. Die erforderlichen Kenntnisse sind baldigst festzusetzen. Mit dem Bestehen dieser Prüfung wird die Berechtigung zur Führung der "Qn und Religionshauptlehrertitels erworben. vir Winden üeligi-nrledrer i» vsvrnl. Bon Seminarlehrer L. Anfänger in Würzburg. (Schluß.) Es mag richtig fein, daß der Zugang zu den Lehrerbildungsanstalten und damit zum Lehrerstande in den letzten Jahren in Deutschland abgenommen hat. Kann man aber bei solch abnormen Verhältnissen von einem Lehrermangel reden? Wohl nur von einem Mangel bei den Lehrern! Beseitigt diesen „Mangel der Lehret und der „Mangel an Lehrern" schwindet von selbst. Ich will annehmen, daß die Kontroversen über Lehrermangel in einem anderen jüdischpädagogischen Blatte in jüngster Zeit sich nur auf preußische Verhältnisse bezogen, behalte mir jedoch vor, evtl, dazu noch Stellung zu nehmen. Das aber möchte ich schon hier betonen und hervorheben, daß der Lehrermangel in Bayern in seiner derzeitigen Form und Erscheinung für mich alles andere eher bedeutet als eine Veranlassung, eine größere Frequenz unseres Seminars zu wünschen, das übrigens — nebenbei gesagt — nicht nur voll besetzt ist, sondern alljährlich noch mehrere Schüler aufs Externat verweisen muß. Ich'sage ganz offen: Gemeinden, die keinen Lehrer bekommen und erhalten können, die perdienen eben keinen Lehrer. Und nun zum Schlüsse noch ein Wort über das letzte Mittel, mit dem man gewöhnlich die berechtigten und darum desto unangenehmeren Klagen und Wünsche der armen Lehrer beschwichtigen zu können glaubt: „den Idealismus im Lehrerstande". Gewiß, zum Lehrerberuf gehört mehr Idealismus als zu irgend einem anderen, nur fragt es sich, was man unter dem Begriff Idealismus verstehen will. Es ist.Idealismus, in hpher Begeisterung für jüdische Religion und Judentum seines heiligen Lehramtes walten und den Samen des Guten ins empfängliche Kinderherz senken; es ist Idealismus, sich eins wissen mit dein Wohl und Wehe der Gemeinde, zu deren geistigem Führer man berufen ist; es ist Idealismus, alle Kräfte in den Dienst des Berufes zu stellen und sich an dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung genug sein.zu lassen ohne den Hintergedanken, daß bei anderen Berufsständen die intensivere Anstrengung auch größere materielle Vorteile bringt; es ist Idealismus, draußen auf dem Lande, auf sich allein angewiesen, weiter an der geistigen selbsthebung zu arbeiten und nicht zu versumpfen und zu verbauern; es ist Idealismus, in einem Berufe Mszuhqrren, der so viele Zurücksetzung erfährt und an dem jeder Berufene und Unberufene M iiiü

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