Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1908)
- Date
- 1908-12-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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10. Dezember 1908. Der JSraeltr. Seite 9. No. 49 Jaffa, 1. Dez. Bor einigen Tagen erschien das neue türkische Gesetz über die Heimatsberechtigung. Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes sind: Art. 1.) Jede von ottomanischen Eltern oder auch nur ton einem ottomanischen Vater stammende Person wird alS Untertan des türkischen Reiches betrachtet. Art. 2.) Jede Person, die auf türkischem Boden geboren wurde, deren Eltern jedoch Ausländer sind, kann drei Jahre nach Erlangung ihrer Volljährigkeit die türkische Staatsangehörigkeit erlangen. Art. 3.) Jede ausländische volljährige Person, die fünf Jahre ununterbrochen im türkischen Reiche gewohnt hat, kann die türkische Staatsbürgerschaft durch ein direktes Gesuch an daS Ministerium des Aeußeren oder im Wege der Lokalbehörben erlangen. Da die Zeit der Volljährigkeit in den verschiedenen Ländern verschieden ist, muß derjenige, der um die türkische Staatsbürgerschaft sich bewirbt, den Nachweis erbringen, daß er im Sinne des Gesetzes desjenigen Staates, aüs dessen Verbände er ausschetden will, die Volljährigkeit bereits erlangt babe. Jede männliche Person, die stch um die türkische Staatsangehörigkeit bewirbt, muß eine Bescheinigung ihres Konsuls darüber beibringen, daß ste weder vor dem Militärdienst noch vor einer Strafuntersuchung geflohen sei. Art. 4.) Die Regierung nimmt in Ausnahmssällen auch solche fremde Staatsangehörige unter ihren Schutz, die den im vorangehenden Artikel angeführten Bestimmungen nicht entsprochen haben. Art. 5.> Eine türkische Untertanin, die einen ausländischen Untertan geheiratet hat, kann nach dem Tode chres Mannes innerhalb drei Jahren auf Grund eines Spezialgesuches wieder die türkische Staatsbürgerschaft erlangen. Dies bezieht sich jedoch nur auf ihre Person. Betreffend bas Vermögen und die Immobilien, oie ihr als Erbschaft zugefallrn ftnd sind jedoch die diesbezüglichen Speziallgesetze maßgebend. Art. 8.) Verläßt jemand auf gesetzlichem Wege den türkischen Staatsverband, so folgen die Kinder, selbst die Minderjährigen nicht dem Vater in die neue Staatsbürgerschaft, sie bleiben vielmehr türkische Untertanen. Dasselbe Lilt auch für die Kinder derjenigen Fremden, die türkische Staarszugehörigkeit erlangen. Auch in diesem Falle verbleiben die Kinder in ihrer fremden Staatszuge- ' Hörigkeit und können erst nach erlangter Großjährigkeit um das Staatsbürgerrecht anfuchen. New-Dork zu einem Verbände fein, der auch sonst auf jüdischem Gebiete Ersprießlichks zu leisten berufen sein dürfte. Auch der Aerziestab besteht aus lauter galizischen Juden. yennkcdter. Amerika. New-Ao rt, 25. Nov. Vielleicht niemals noch hat auf der Ostseite eine so imposante solenne Feier stattgegeftrnden, wie die Eröffnung des vom „Verbände der galizischen und Bukowinaer Juden" erichteten jüdischen Spitals „Har Hamoriah". Die Frdnt des Spitals warmit Fahnen festlich geschmückt. Schon mehrere Stünden yor Beginn der Feier hatten sich nahezu 30000 Menschen vor der neuen Krankenstalt angesammelt. Die Feier begann mit einer Festversammlung in den „Progreß Assembly Rooms", wo sich etwa über 1000 Festgäste eingesunden hatten. Die Straßen waren so dicht von Menschen besetzt, daß die Festgäste sich nur mit Mühe und Not einen Weg bahnen konnten. Im Spitalsgebäude hielt der Präsident des Verbandes, Herr Semmel, die Eröffnungsrede und stellte dann den Präsidenten des Stadtrates vor, der die Gratulationen der Kommune überbracht hatte. Hierauf hielt der bekannte Philantrop Jakob H. Schiff eine Rede, die auf die Zuhörer einen mächtigen Eindruck machte. Herr Schiff öffnete das taupttor des Spitals mit einem goldenem chlüssel, worauf die Festgäfte die inneren Räume besichtigten. .Das Spital hat vorläufig 100 Betten und vier private Krankenzimmer, ist mit allen modernen Hilfsmitteln aufs glänzendste ausgestattet. Jeder der Gäste, der das Spital besichtigte, ließ eine Spende zurück, oder ließ sich ins goldene Buch eintragen. Auf diese Weise wurden in einigen Stunden über 10000 Dollars aufgebracht. Jakob H. Schiff meldete seine Mitgliedschaft mit einem Scheck auf 500 Dollar an. Die Einweihung hat volle zwei Wochen gedauert. Jeden Tag marschierte ein anderer Verein, der dem Verbände angehört, mit Musik und Fahnen in oas Spital und jeden Abend wurde ein andes Fest veranstaltet. Der Verband zählt heute über 350 Vereine zu seinen Mitgliedern. Die musterhafte Leitung des Verbandes hat an jüngster Zeit auch mehrere ungarische und rumänische Vereine veranlaßt , um Aufnahme in den Verband anzusuchen. Wird der Verband dem Ansuchen stattgeben, so würde das der erste Schritt zur Vereinigung aller östlichen Juden in Berlin, 4. Dez. Eine Stiftung von 240.000 Mark ist aus dem Nachlasse des Rentiers Arnold Weiß der Berliner Iüdi; chen Gemeinde zugefallen. Sie soll den Namen „Dr. Bernhard Weiß-Stiftung" führen und zur Halste der Unterstützung mittelloser Zöglinge technischer und (gewerblicher Anstalten dienen. Die andere Hälfte wird nach dem Willen des Erblassers für die Wohltättgkeitsanstalten der Gemeinde Verwendung, finden. Altona, 1. Dezember. Bon der Anklage des Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz ist am 18. Juli vom Landgerichte Altona der Bäckermeister L. frei gesprochen worden. Er betreibt seit Jahren in Nahe bürg eine Bäckerei und stellt Butterkuchen her, zu denen er Margarine verwendet. Darin sah die Anklage das Vergehen. Das Gericht hielt aber ein solches nicht für vorliegend, weil in der ganzen Dortigen Gegend allgemein für solche Zwecke Margarnie verwendet werde und dies dem Publikum bekannt iei. Ein Bäckermeister bekundete als Sachverständiger, daß für,Butterkuchen mit echter Butter der doppelte Preis gefordert werde. Gegen das Urteil hatte der Staatsanwalt Revision eingelegt. Er vertrat die sehr einleuchtende Ansicht, daß man doch, ohne der Sprache Gewalt anzutun, unter Buttcrkuchen nicht ohne weiteres Margarniekuchen verstehen könne. Wenn auch das ständige Publikum den Sachverhalt kenne, sv müsse man doch immer mit stunden rechnen, die nicht nu* der Liegend stammen und den „Gebrauch" nicht kennen Das Reichsgericht erkannte aber dach ans Verwerfung der Revision. Es sei genügend sestgestellt, oas; das gesamte Publikunr Kenntnis hatte. Ans gelegentliche Käufer aus anderen Gegenden brauche keine Rücksicht genommen zu werden. »Siehe storr. ans Nürnberg.; Lohrau «O.Schl.,, 1. Dezember. Als ein jüdisches Ehepaar, das hier Jahrzehnte hindurch ansässig' gewesen war, seinen Wohnsitz verlegte, verkündeten sowohl der dortige katholische Priester, als auch der zuständige evangelische Geistliche in der Zieche das Scheiden der jüdischen Mitbürger und rühmte von der stanzet herab das segensreiche Wirken des Ehepaares, das die Liede und Dankbarkeit der ganzen Gemeinde sich verdieitt hätte und dessen Wegzug jeder als seinen eigenen Verlust empfinde. Die katholischen wie die evangelischen Gemcindemitglieder waren zu Tränen gerührt. Dieses Beispiel mag denen vor Augen gehalten werden, die nach Beweisen dafür verlangen, wie Inden da, wo man sie kennt, und wo ihnen freie Wirksamkeit verstattet wird, gewertet werden. Diedenbofen, 2. Dez. Die in der Nacht vom 9. bis 10. Oktober er. durch Brand beschädigte Synagoge ist wieder hergestellt und hat am verflossenen Freitag zum erstenmal in derselben Gottesdienst wieder abgehalten werden können. Leere, 24. November. Das Israelitische Waisenhaus, in dem etwa 25 Kinder aus den Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück ausgenommen werden sollen, ist im Rohbau fertiggestellt. . Budapest, 30. November. Der wegen seiner Munifizenz bekannt» ungarische Graf Dionys Andrassy spendete dem israelitischen Frauenvereine in Satorälja-- Ujhely zur Errichtung eines jüdischen Armenhauses die Summe won 3000 Kronen. Satralja-Ujhely ist eine von armen, zum größten Teile frommen Juden bewohnte Stadt Hn Oberungarn. Pilsen. 6. Dez. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Pilsen hat beschlossen, aus Anlaß des 60 jährigen Regiernngs-Jubiläums Sr. Majestät deS Kaisers, einen Penfionsfond für die Beamten der Kultusgemeinbe zu zründen und hat demselben gleichzeittg einen Betrag von 24.000 K. gewidmet. — Der Borstanv des israel. Wohltätigkeith-Bereines Chewra Kadischa' hat aus Anlaß der Feier des 60 jährigen RegierungS-Jubiläüms Sr. Majestät den Betrag von 1100 Kronen zur Verteilung an Arme gespendet Storozynetz, 6. Dez. Die Huldigungsfeier an der hiefigen jüdischen Pridatghmnastal-Lehranstalt, den Verhältnissen der jungen, aufstrebenden Schule entsprechend in bescheidenem Stil gehalten, nahm trotzdem im Beisein des k. k. Bezirkshauptmanns, des Bürgermeisters, der Beamtenschaft und der Bertteter des Gymnastal-Beretnes einen schönen Verlauf. Nach Ankunft der Festgäste stimmte die Sängerriege der Anstalt das „Gott erhalte" an. Darauf richtete ein Mitglied des Lehrkörpers an die Festgäste,und an seine Schüler eine Ansprache, in der er mit glühenden Worten den Jubelkitser feierte. Nach dieser Ansprache trugen Schüler der 1. und II. Klasse, Gedichte, dte Verhältnisse Oesterreichs treffend schildernd, vor. Roch einmal erklangen die zarten Stimmen der KleinenIzum Schlußgesang und die Huldigung war zu Ende. Austerlitz, 1. Dezember. Aus Anlaß des övjälrrigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs Franz Joses I. fand im hiesigen festlich beleuchteten 'Gotteshause ein Festgottesdienst statt, zu welchem der Vorstand Herrn Bez.-Rabbiner Dr. _ M. Steif aus Rausnitz als Festredner berief. Dem wahrhaft patriotischen Feste wohnten.zahlreiche Andächtige mit dem Gesamtvorstande bei. Nach einem einleitenden Gesänge, vorgetragen durch Herrn Kantor H. S tcnt mit dem gutgeschulten Chor sang Herr Schulleiter L. Schönbrunn eine von ihm verfaßte Jnbelhymne. Sodann hielt Rabbiner Tr. Steif eine formvollendete patriotische Festrede, die in ein Gebet für den geliebten Monarchen ausklang. Nach Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Warschau, 20. November. Dem „Marsch. Dnewn." zufolge gibt es in Warschau zirka 100 jüdische Elementarschulen, sog. Chedarim, die von 4—14jährigen Knaben besucht werden. Einige Chedarim sind von 400, die meisten jedoch von 200 Schülern besucht. . Wilna, 10. Nov. Das Ministerium des Innern hat, wie der „Haint" berichtet, der Gesellschaft für jüdischen Gewerbefleiß und landwirtschaftliche Bestrebungen Rußlands gestattet, im Dezember d. Js. einen Kongreß einzuberusen, aus dem die Vorstände der jüdischen Gewerbeschulen resp. der Gewerbektassen bei den Elementarsch ulen teitnehmen sollen und wo über die Aufbesserung der Sache des Gewerbefleißes berate» werden soll. llereivrtvezeu. Frankfurt a. M., 8. Dezember. Am Mittwoch, 2 Dezember, sprach in der „Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" Herr Provinzialrabbiner Dr. Bamberger, Hanau, über „Staats- und Bürgerpflichten der Juden." Bon der altjüdischen Staatsordnung ausgehend schilderte der Redner das Pflicht- und Verantwortungsgefühl deS Juden gegen die Gesamtheit, gegen den Staat, dessen Wohltaten er genießt. Die Förderung des Gesamtwohles war dem Juden stets erste und oberste Pflicht, die er sowohl in der alten Heimat als auch im GoluS treu erfüllte, entsprechend d.en Grundsätzen seiner Religion, dte Treue gegen König und Vaterland unter allen Umständen lehrt. Die klaren Ausführungen des Referenten fanden den reichen Beifall der Zörer. Berlin, 30. Rov. Die Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem, die sonst stets in Hannover stattgefunden, tagte Sonntag, 22. November, zum erstenmale in Bellin. Eine ungewöhnlich lebhafte Beteiligung aus nah und fern war oie Folge. Der Vorstand konnte seststellen, daß die Gründung Ahlems durch Konsul Simon durch das bislang Erreichte vollauf gerechtfertigt ist, daß die in Ahlem ausgebilbeten Gärtner ohne Schwierigkeit Stellung gefunden haben (unter Wahrung des Sabbaths? Red.), und daß eine erhebliche Zahl dieser jungen Leute stch sogar schon in selbständigen Stellungen befindet. Ueberdies wirb durch eine von der Anstalt geführte Stattstik nachgewiesen, daß aus der Schüler-Abteilung 70 Prozent Gärtner- und Homdwerker-Lehrlinge hervorgegangen sind. Unter Leitung des Borfitzenden des Berliner Lokalkomitees, Herrn Louis- Rosenbaum, fand dann abends im großen Logensaale, Wilhelmstraße, eine Versammlung statt, in der daS Hauptinteresse ein Bortrag des Vorstandsmitgliedes, Herrn Zuckermann aus Hannover bildete. Der Redner gedachte der Gründer der Anstalt und schilderte die Erziehungsmethode , wie fie in Ahlem betättgt werden, und deren Erfolge. An den Bortrag schloß sich eine äußerst angeregte Besprechung. Herr v. Gerl ach beleuchtete die Wirksamkeit der Anstalt Ahlem hauptsächlich vom politischen Standpunkte aus. Er ist der Meinung, daß die stärkere Beteiligung der Juden an der Bearbeitung des Bodens von höchster Wichtigkeit sei. Herr Dr. Hey mann würdigte die Ziele der Anstalt inbezug auf die Erhaltung der jüdischen Bolksnasie und der Heranbildung qualifizierten Menschenmaterials als Pioniere für jüdische Kolonisationsbestrebungen. An der weiteren Diskussion beteiligten stch u a. Herr Rosenow aus der Verwaltung der jüdischen Gemeinde und Herr Redakteur Curt Bürger, der den Nachweis führte, daß es eine ganze Anzahl von jüdischen Landwirten in Deutschland;ibt, deren hervorragende Befähigung für die Landwirtchaft selbst von ihren politischen Gegnern anerkamtt wird. Es wurde dann noch der Prospekt einer neuen vi bteilung der Anstalt „Haushaltungsschule für jüdische junge Mädchen aus bürgerlichen Kreisen" verteilt, -er bei den zahlreich anwesenden Damen ein lebhaftes Interesse erregte. Würzburg, 5. Dez. Es war ein glücklicher Gedanke von der Borstandschaft des vor Jahresfrist hier gegründeten „Israelitischen Kinderhorts (Forch- Yetmer Fond) im größten hiefigen Lokale ein WohltSttgkeitsfest mit Bazar, Theater- und fonsttgen Vorstellungen <» veranstalten. Es war seit langen Jahren die erste Darbietung dieser Art in unserer Stadt, und -mit Vergnügen waren alle Kreise der Gemeinde der Einladung gefolgt, um dem edlen Werk ihr Interesse zu schenken und eS zu fördern. Die mitwirkenben Damen und Herren der Gesellschaft ernteten reichen Beifall für ihre Leistung«!, dte dem Verein einen Nettoüberschuß von fast 2000 Mk. brachten, so daß er seinem Plane, die Stiftung im Saufe