Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1908)
- Date
- 1908-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seire t>. Nr. 49. t0r der sogenannten Rabbinerschule in Pest! — Und nun fragen wir laut, so laut wie wir es nur vermögen, wir fragen die Redlichen aller Parteien, lassen sich die angeführten neokogen Irrlehren und Institutionell mit den oben dargelegten Fundamentalprinzipien des „alten, traditionellen^ Judentums, besten Namen unsere hierländischen neologen Brüder zur Erreichung gewisser Zwecke so gerne für sich in Anspruch nehmen niöchten, in Einklang br.ngen?! Wenn ja, dann hat allerdings der selige Sigmund Kraus dem Minister Eöwös lügenhafte Behauptungen vordokumentiert,' und dann hat jener gewaltige Mann, vor dessen überwältigender Größe Freund und Feind stch ehrfurchtsvoll verneigten, in seiner dem preußischen Abgeordneten- Hause vorgelegten Denkschrift einen falschen Eid aeleistet- und dann hat der theologisch gelehrte Ädvokar der neologen Landeskanzlei recht, daß zwischen Orthodoxie und Neologie keine prinzipiellen Gegensätze* **) keine „Dogmenverschiedenhert"***) besteht! Aber nur dann!! orrespondenzen und Eachrichten. Deutsches Metch. Berlin, 8. Dezember. .Man schreibt uns: Das Unzulängliche ist zum Ereignis geworden - und was den meisten Juden gestern lloch als eine Unwahrscheinlichkeit, sogar Unmöglichkeit erschien, ist zur schmachvollen Tatsache geworden. Der Judentäufling Dr. Mugdan, der sich in der verflossenen Neichstagsperiode durch leine christlich-religiöse Gesinnung den Hohn der Mitglieder des Reichstages zuzog, den der Abgeordnete Heine daran erinnern mußte, daß sein, Mugdaus religiöses christliches Empfinden denn doch noch zu neuen Datums sei, um eine ernstliche Revision schon jetzt zu ertragen, derselbe Mugdan ist, dank der eifrigen Mitbeteiligung etwaigen Persönlichkeiten, sondern um ihre für das Judentum heil- oder unheilvolle Tätigkeit kümmern. **) Zur Steuer der A^ahrheit wollen wir hier keinesfalls unerwähnt lasten, daß nicht alle in Kongretzgemeinden wirkenden Rabbiner ähnliche reformistische Grundsätze vertreten. Namentlich s.nd viele altere und in kleineren Kongreßgemeinden, denen die Herbeischaffung von Luxusartikeln wie z. B. Orgeln u. s. w. unmöglich ist/ wittende und aus orihodoxen Jeschibot hervoraegangene Rabbiner keinesfalls mir den angeführten Mologen Grundsätzen einverstanden. Diese Herren find eßen n'D'tiK, die den Tag segnen würden, an welchem ihre betr. Gemeinden statt der ihnen au? Leib und Seele de ich atzten Kongretzstatuten die orthodoxe Organisation akzeptieren würden! Dies ändert aber an dem unbestreitlbreit grottum nicht, datz die s,roße und tonangebende Majorität der Kongretzrabbinen aus dem Pester Seminar lervorgegangenen Zöglingen besieht. Auch fchicumpst das nicht aus dem Pester Seminar hervorge- «kngene Kontingent der in Kongretzgerneinöen angeftelltm Riwviner immer mehr und mehr zusammen, da die meisten ln Kongreßgemeinden vakant werden en Stellen natürltchtttveise mit Pester Seminaristen besetzt werden. - ***) Natürlich steht es den Herren Neologen frei zu sagen, daß ihre Austastung'des Judentums fich auch mit Wttthausenschen Hypothesen verträgt. Aber eben dies statuiert die größte „Dogmenverschiedenheit!" Ihre Auffassung des Judentums verträgt, fich auch mit den jeweils wechselnden bibeikrttischen Hypothesen, unsere Äb« nicht! Eine klaffendere „dogmatische Verschiedenheit", kann es gar nicht geben! Und welche Austastung derbes' „alten Judentums" adäquat ist, hierüber — glauben wir — werden auch die Redlichen unter den Neologe» nicht Im Zweifel sein! Der Jsracvr 1 deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im 1 Verein mit ben Antisemiten unb ber gesmnungsverwandten sonstigen Wählerschaft als Sieger aus dem Kampf mit dem demokratisch-freisinnigen Gegenkandidaten hervorgegangen. Die Herren Kassel und der Stöckerintimus Rappo haben sich redlich Mühe gegeben, den Judcntäufling Mugdan ins Rathaus zu bringen. Der „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" darf sich aber gleichfalls rühimn, zu diesem Siege eines „Mannes^, der dem Judentum, wo immer er öffentlich bisher gesprochen hat, Nacken schlüge zu versetzen versucht hat, in einer W ise beigetraqen zu haben, für die er seinen Mitgliedern gründliche Rechenschaft wird ablegen müssen. Wenn auch eine Anzahl jüdischer Wähler sich bis zur äußersten Selbsterniedrigung zur Wahl des sattsam bekannten und sicher nicht sympathischen Tr Mugdan entschließen konnten, so erübrigt doch noch anderseits ktarzulegen, wieso der Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens da;u kam, einem Manne wie Hans Kalisch, der die Machinationen derer um Mugdan bloslegen will, die VereinsmonatsschriftIm deutschen Reich" zu verschließen. Die Affaire Mugdan ist keine lokale Angelegenheit Berlin-Cdarlottenburgs alleinsie ist ein Symptom für das sinkende Ehrgefühl gewisser jüdischer Kreise, bei denen die Taufe rein Privatsache und kein Akt der Ehr- und Charakterlosigkeit mehr isl>und die daher im Umgang mit Taufjuden keine Selbstentwürdigung erblicken. Der Fall Mugdan ist typisch auch für außerhalb Berlins und muß endlich einmal gerade von jenen Blättern beleuchtet werden, die zwar die Taufe bisher perhorresciert, dagegen den Umgang mit Judentäuflingen als eine „Privatsache" betrachtet haben. Was man in diesen Kreisen nicht alles für „Privatsache" hält! Natürlich, wenn es sich um Taufe und Austritt aus dem Judentum handelt. Die Mitglieder, des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" haben aber das Recht unb die Ehrenpflicht an den Vorstand dieses Vereins die Frage zu richten: 1. Warum wurde Herrn Hans Kalisch das Bereinsorgan verschloffen, als er in Sachen Mugdan das Wort haben wollte, auf das er ein Recht hatte? 2. Wie kommt der Syndikus Justizrat Lövinsohn dazu, für den Judentäufling Mugdan zu agitieren, ohne zuvor sein Amt niedergelegt zu haben? 3. Welche Genugtuung gedenkt der Vorstand des genannten Vereins erstens Hans Kalisch, und dann den Mitgliedern des „Zentralvereins" für die Blamage einer Parteinahme gegen diesen Herrn und für Mugdau zu geben? Wir hoffen, daß die Hauptredner des „Zentralvereins" für Berlin, die Herren Justizräte Breslauer und Horwitz uns ehestens in einer öffentlichen Versammlung Aufschluß über alle Vorgänge in der Affaire Mugdan-Lövinsohn erteilen, und zwar bevor wir und viele andere Mitglieder ihren Austritt aus einem Verein erklären, der eine uttsere Ehre nicht wahrende Innen- und Außenpolitik treibt, mit der kein Jude sich solidarisch erklären kann, der noch aus Selbstachtung und Selbstwürde hält. Quousque tan dem abutere, Catilina, patientia nostra? E. R. Berlin, 29. November. Auch die heutige Sitzung der.Repräsentanten bot des Interessanten gar wenig. Dr. Georg Meyer hat der Allersversorgungsanstalt 12,000 Mark zugewendet. Der verstorbene Rentier Arnold Weiß 1 hat der jüdischen Gemeinde eine große Summe Geldes hinterlaffen. Es kommen zunächst 250,000 Mark zur Verteilung, zum Teil an die Techniker, zum Te.l an Hörer der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums, ferner hat Frau Dr. Frankd' Minden der Alterversorgungsanstalt 12,000 Mark und Frau Johanna Steinthal 20,000 Mark zur Begründung zweier Stiftungen für das Hospital überwiesen. Die Wahl -er ausscheidenden Gemeinde-Aeltesten und deren Stellvertreter vollzog sich in aller Ruhe. 10 Dezember 1P08 ©emäfylt Würben dieselben. Herr Weinberg petitionierte für Errichtung von Synagogen im Nordwesten und Südwesten Berlins. In die Kommission für die seftgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten wurde Herr Prof. Kalischer gewählt- Ausgaben für bauliche Angelegenheiten wurden bewilligt, ebenso die Kosten von 506 Mark für die Michael Sachs-Feier. 400 Mark für eine zweite Lehrkraft für den Zeichenunterricht in den Klassen lila und IIIb in der Mädchenschule. Nürnberg, 3. Dez. Als Seitenstück ztt der Notiz aus Flieden in der letzten Nummer des „Israelit" sei hier der Wortlaut einer offiziellen Bekanntmachung in den hiesigen Tageszeitungen wiedergegeben : Bekanntmachung an die verehrt. Einwohnerschaft Nürnbergs. Es ist eine bekannte Tatsache, daß. die Produktion von Butter und Butterschmalz nicht mehr den Bedarf decken kann, deshalb sind die Bäckereien schon seit längerer Zeit gezwungen, nach Ersatzmitteln zu greifen. Als solche kommen in Betracht: Schweineschmalz, Rinderfett, Margarine, Kvkosrmßsett. Für die Brauchbarkeit dieser Ersatzmittel spricht nicht allein der Umstand, daß gegen die damit hergestellten Backwaren noch keine Klagen laut geworden sind, sondern daß sie sich immer mehr in den besseren Haushaltungen Eingang verschaffen. - Trotzdem zwingen uns in der letzten Zeit ergangene oberstgerichtliche Entscheidungen, öffentlich zu erklären, daß in den hiesigen .Bäckereien die genannten Ersatzmittel allgemein Verwendung finden und daß deshalb das geehrte Publikum nicht ohne weiteres erwarten Ikann, ine eingekauften Backwaren seien nur mit Butter oder Butterschmalz hergestellt. Dieses trifft" auch bei ben Bamberger Hörnchen und fonstlgen Butter gebacken zu. Tie Bäckermeister Nürnbergs. Es bedarf kaum noch der Bemerkung, daß, wer nach dieser offiziellen Erklärung, die wohl nicht allein für Nürnberg gilt, sich noch leichten Herzens den Genuß unrituellen Backwerkes leistet, sich bewußt als filS'HED ^218 qualifiziert. tyeftevveidj. 5um Kaiserjubiläum Wien, 5.. Dez. Einen ebenso feierlichen als erhebenden Ausdruck der Huldigung für den Monarchen bot die Festsitzung, die am 2. Dezember, 12 Uhr mittags nach den beiden Festgottesdiensten in den Haupttempeln der Gemeinde im großen Sitzungssaal? stattfand. Präsident Dr. Alfred Stern hielt an die Festversammlung eine Ansprache, in der er auch den Verlauf der Kaiserhuldigung durch die Gemeindevertreter des ausführlichen schilderte. Unmittelbar vor der Festversammlung hatte Festgottesdienst im reich - dekorierten Stadttempel stattgesunden, an welchem viele herverragende Persönlichkeiten, wie Baron Albert Rothschild mit seinen Söhnen, die Reichsratsabgeordneten Hofrat Kuranda, Dr. Sfraucher, Dr. Mahler und Stand, der gesamte Kultusvorstand mit oem Präsidenten Dr. Alfred Stern und viele andere teilnahmen. Oberrabbiner Dr Güdemann hielt eine glänzende Festrede. Ein gleicher Gottesdienst wie im Stadttempel wurde um 10 Uhr vormittags auch in allen anderen Tempeln und Bethäusern der Stadt abgehalten. Ein wahrer Ordensregen ergoß sich über Stadt und Land, wobei der Kaiser wiederum Gelegenheit hatte, seiner Loyalität gegen alle Konfessionen seines Landes sichtbaren Ausdruck zu geben. Unter den Juden, denen am 2. Dezember solche Auszeichnungen zuteil wurden, sind auch viele Rabbiner, Gemeindevorsteher in Oesterreich und Galizien und sonstige hervorragende Männer, die sich auch ihr um Judentum verdient gemacht haben. Prag, 18. November. Der deutschnationale Gemeindeausschuß von Eger hat beschloffen, Juden und Tschechen den Zutritt zu den. Egerer Märkten zu verwehren. Die „Oesterreichisch Israelitische Union" hat deshalb an das Ministerium des Innern eine Eingabe gerichtet:, itk welcher darauf hingewiesen wird, daß dttser Beschluß söwöhl mit