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Der Israelit · 1908-12-10 · Heft 49 (10.12.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 49 (10.12.1908)
Date
1908-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 49 Der Jsvaeltt. 10. Dezember. Seite 5 tollMhne Behauptung versuche, daß mit Herrn Professor Goldzieher das Märchenwunder in Heines „Prinzessin Sabbath" sich wiederhole, daß mit dem Betreten der heiligen Hallen des Pester Seminars aus dem blindgläubigen Anbeter Wellhausens plötzlich ein frommer Bibel- und Talmudgläubiger wird, möchten wir hier an einem einzigen Exempel vergegenwärtigen, in welcheyr Sinne Herr Goldzieher die Zöglinge der Pester „Rabbiner"schute beeinflußt. Da liegt vor uns ein im- Jahre 1906 gedrucktes Buch. Es führt den Titel : „Die Stellung des Asketismus in der jüdisch»religiösen Literatur bis Maimuni." (Das Buch ist in ungarischer Sprache geschrieben.) Der Verfasser ist ein Zögling des Pester Seminars: Dr. Max Drechsler. Das Buch ist „dem geliebten Meister rc. -Herrn Professor Dr. Goldzieher, als Zeichen der Dankbarkeit und der Verehrung" gewidmet. In die em Buche wird S. 17 Simson für eine sagenhafte Persönlichkeit erklärt, dessen „mutwillige und humoristische Gestalt" im gänzlichen Widerspruche mit dem Ernst eines Nasirs steht.*) S. 25 steht u. a.: „Daß man diesen heiligen Fasttag (den Jomkipur) vielleicht nicht gerade am zehnten Tage des siebenten Monates gehalten, das wollen wir jetzt nicht genauer untersuchen", und wird hierbei auf Welkhausens Prolegomera zur Geschichte Israels S. 111 und Maybaums „Die Entwickelung des altisraelitifchen Priestertums" S. 19 hingewiesen. Hiermit aber vergleiche man das Gotteswort: "TitPID '121 mn VWfl tonr6 (3. B. M. 23, 27. Siehe hierüber Dr. Hoffmann, Com. zu Levitcus, 16, lieber das Alter des Versöhnungstages.) Diese kleine Stichprobe mag genügen um zu kennzeichnen, in welchem Sinne der „geliebte Meister" seine „Rabbiner"zöglinge beeinflußt! — Im Jahre 1880 wurde aus dem gemeinschaftlichen Gelde der Orthodoxen und Neologen, dem „Schulfonde", trotz hunderter Proteste der Orthodoxie, mit Hilfe unerhörterDenunziationen seitens der Neologen, die sogenannte „Rabbiner"- sckule in' Pest errichtet, und seit damals wird wider alles göttliche Md menschliche Recht jene nur von neologen Gemeinden**) in Anspruch genom- -- . , , i. rjt \ K» -liLillj *) Val. man hiergegen einen christlichen Theologen wie z. B. Selbst, Handbuch zur bibl. Geschichte. § 486. **) Aber selbst etwas jüdischer gefinnte neologe Gemeinden wollen von den Zöglingen dieser, Anstalt nichts wissen. So wählt z. B. die neologe Gemeinde in Altofen p r i n z t e l l keinen Pester Semtnartten! Seit bem Bestehen des Seminars hat ste schon dreimal Rabbiner gewählt, und immer einen solchen, der das Pester Seminar nicht besucht hat. Ja, sogar die BK1 N'2 der Neologie Pest mußte in den letzten Jahren, für ihre konservativeren Mitglieder zwei Rabbiner wählen, die nicht aus dem Seminar hervorgegangen. mene Anstalt aus dem gemeinschaftlichen, eigentlich für die Unterstützung armer Gemeinden zur Unterhaltung einer Volksschule bestimmten Schulsonde unterhalten! Den Geist des vollendeten Abfalls, der in dieser Anstalt, in den literarischen Produkten ihrer Lehrer und Zöglinge seine traurigen Triumphe feiert, haben wir bereits an anderen Stellen dieses Blattes***) an der Hand unwiderlegbarer. Daten bis zur Evidenz erwiesen! Schade, hierüber noch ein Wort zu verlieren. Um fo mehr, als bereits im Jahre 1890 einer der Hauptleiter der Neologie, Herr Max Szabo lcsi, unumwunden bekannte, daß die Zöglinge dieser Anstalt „die biblischen Gestalten als Fabelwesen, die Offenbarung als eine Allegorie, dieWunder als Mythologie" deklarieren, und sich bloß darüber wunderte, daß man diese Herren nicht „mit feurigen glühenden Ruten" aus ihren Lehrämtern jagt, die sie „mit ihrem Hauche verpesten!" (Egyenlöseg, 1890, Nr. 30.) Im Jahre 1895 wurde der die geistige Elite der ungarischen Neologie umfaffende Verein für israelitisch-ungarische Literatur „I. M. I. T." gegründet. Die Tendenzen dieses Vereins haben wir in unseren bereits erwähnten und in diesem Blatte erschienenen Arbeiten klargelegt. Auf Grund unserer diesbezüglichen Ausführungen scheuen wir es nicht vor Gott und Welt auszusprechen, daß auch in diesem, vom gegenwärtigen Seminarrektor in Pest, Dr. Bacher dirigierten Verein die Verhöhnung der heiligsten altjüdischen Traditionen und die Anerkennung der radikalsten bibelkritifchen Hypothesen ihre Orgien feiern! Im selben Jahre wurde auch das von uns bereits besprochene Religionsbuch für Mittelschulen von dem Seminarzögling Präparandenlehrer Dr. Krauß herausgegeben. Dieses Buch wimmelt förmlich von antitraditionellen Lehren, wie wir dies an bereits erwähnter Stelle mit wortgetreuen Zitaten bewiesen. Am 27. Januar 1905 feierte der gewesene Seminarrektor Moses Bloch fein 90. Wiegenfest. Bei dieser Gelegenheit wurde er im Namen seiner Schüler von "Herrn Dr. Krauß mit einer hebräischen Ansprache begrüßt, und der 90jährige Greis stand ganz „ergriffen" vor seinen Schülern und dem Herrn Krauß. (Egyenlöseg, 1905, Nr. 5, S. 9.) Am 13. März 1872 gab dieser, damals noch ***) Ein Blick in die neologe Lehrerpräparandie in Pest. (Bespr. des Reltgionsbuches von Dr. Krauß.) „Jsraellt" 1907, Nr. 29. — Der israelitisch-ungarische Literrrturverein I. M. I. T. „Israelit" 1908, Nr. 24, 27 u. 29. in Leipnik als Rabbiner wirkende Herr, in dem Kampfe des Rabbiners S. Spitzer gegen die am 21. Januar 1872 gefaßten und zur Ausführung gebrachten Reformbeschlüsse des Wiener Gemeindevorstandes, ein Gutachten zu Gunsten Rabbiner Spitzers ab. In demselben sprach derselbe u. a. aus, daß „ein Israelit, welcher an die einstige Ankunft des Messias aus der Nachkommenschaft Davids, die Wiedervereinigung Israels im heil. Lande rc. nicht glaubt, demjenigen gleich ist, der die Wahrheit und Göttlichkeit der Thora in Abrede stellt, und somit als den Boden des Judentums verlassen und außerhalb demselben stehend zu betrachten sei." (Rabb. Gutachten rc. von Salomon Spitzer, Wien 1872. — Diese Gutachtensammlun g wird auch von Hirsch zitiert, Gej. Schriften, 4. B, S. 342.) Am 27. Januar 1905 läßt sich aber dieser, inzwischen zum Pester Seminardirektor gewordene Herr anläßlich seines 90. Geburtstages im Namen seiner „Schüler" von einem Manne, einem „Schüler" begrüßen, der eben nach der oben angeführten Aeußerung dieses 90 jährigen Greises bereits PIN „als den Boden des Judentums verlassen habend und außerhalb desselben stehend zu betrachten sei!" Nun aber ist dieser Greis bereits zur Ruhe heimgegangen. Und da haben nun unsere neologen Gewalthaber ganz die Maske fallen lasten. 'Während sie bei der Gründung des Seminars noch einen Talmudgelehrten vom alten Schlage, wie es Herr Moses Bloch ohne Zweifel ursprünglich gewesen ist, an die Spitze dieser Anstalt zu berufen sich veranlaßt fühlten, um wenigstens den Schein einer „Rabbiner"schule zu retten, um einen „Koscherzettel" für diese NN'L2-Schule zu haben, haben sie nunmehr Herrn Pros. Bacher an die Spitze der „Rabbiner"schule treten lasten, einen Mann, besten anderseittge Gelehrsamkeit wir keinesfalls bezweifeln, dem aber die eigentlich „rabbinischen" Lehrdisziplinen, zum Exempel eine regelrechte riJUP niDTTO N21Vt1, ja selbst dev Vortrag eines regelrechten Talmudschiurs, einer K\J1B< ja eines CEHSE DP TOH mv sV'O, eine Sache der Unmöglichkeit ist, und dessen Gesinnungsweise dadurch am besten illustriert wurde, daß er im Jahre 1899 ein Werk seines Schülers Dr. Ruskemcti zur Subventionierung dem unter seiner Aegide stehenden Literaturverein I. M. I. T. empfohlen hat, trotzdem daß der Autor alle bislang bekannten Bibelleugner überbietet Dieser Mann*) ist nunmehr heute der Direk- *) Wir erklären hier nochmals, daß wir es nicht mit dem Literaturhistoriker Bacher, sondern mit dem Juden und hauptsächlich mit dem „Rabbiner" Schuldirektor Bacher zu tun haben, wie wir uns überhaupt nirgends um die einen ganzen Haufen von Papierschnitzeln über die Köpfe der beiden Priester. Helle Entrüstung bemächttgte sich der Passanten, die diesen Vorfall mit ansahen, allein die kleinen Falloten hatten schon mit echter Rassentapferkeit die Flucht ergriffen und konnten nicht mehr emgesangen werden, um die wohlverdienten Prügel zu empfangen. Leider war auch kein Wachmann Wr Stelle, um die jüdischen Lausbuben der Strafe zuzusühren. So werden die Gäste der Stadt Wien von den Judenstämmlingen behandelt. Ein katholischer Prresterrock scheint zu genügen, um jeden semitischen Embryo zur Wut und Gemeinheit zu reizen/' Nun kommt der Witz. Die Antisemiten ruhten nickt eher als bis sie die frechen „Judenbuben" ausfindig machten. Es waren aber waschechte und vollblütige Arier, würdige Söhne christlich-sozialer Väter. Auf die Frage, wie sie dazu gekommen waten, Geistliche ihrer Religion zu beleidigen, antworteten sie prompt, sie hätten im Halbdunkel die Taläre für Kaftane angesehen und die Priester für polnische Juden gehalten. sJuvenwan-errrngen im Mittelalter.) Einem Vortrage des Geheimen Archivrats Professor Dr. Warschauer, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Königsberg entnehmen wir folgende interessante Daten über die Wanderungen der deutschen Juden im Mittelalter nach dem Osten: Bekanntlich haben im 13. Jahrhundert aus Mittel- und Süddeutschland zahlreiche Wanderungen von Juden und Christen nach dem Osten stattgefunden. Der Grund hierzu war in den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen in der Leimat zu suchen. Das 13. Jahrynu- K d-re Mt, flu der die ZudenvexfolMrseu mn schrecklichsten wüteten. Um diese Zeit ist auch das Rrtualmordmärchen ausgekomnten. Wir wissen jetzt, daß diese Beschuldigung nicht allein gegen die Juden erhoben wurde, sondern stets austritt, wo die Majorität von einer Minderheit eine Bedrohung ihrer Rechte fürchtet. So hat man diese Beschuldigung gegen die ersten Christen und in neuerer Zeit gegen oie Europäer in China erhoben. In den stavischen Ländern waren die Juden dagegen den Slavensürsten wegen ihrer loirtfchaftlichen Tüchtigkeit sehr willkommen. Bei Anlegung von Kolonialplätzen wurden stets auch die Wohnungen der Juden berücksichtigt, wie aus den Lageplänen der Städte zu ersehen ist. In der Zeit, in der der Orden in diesen Gegenden Macht gewann, begann er, die Juden auszuschließen. Im 17. Jahrhundert erst dursten sich ans Erlaubnis des Kurfürsten Juden in Königsberg ansiedeln. Erst seht spät durste hier die erste Betschule errichtet lverden, die aus der Schloßsreiheit stand. Um 1700 wohnten in Ostpreußen etwa 00 Juden. — Sofort nach der Einwanderung der Juden mußte ihre Rechtstellung geregelt werden. König Ottokar von Böhmen erließ ein Judenstatut, das in durchaus judenfreundlichem Sinne gehalten war. Ueberhaupt war die Stellung der Juden in den stavischen Ländern eine durchaus angenehme. Hier waren deutsche Christen und deutsche Juden in gleicher Weise Fremdlinge. Die natürliche Folge war, daß sie sich politisch zusammenschlossen. Tie Juden, die sich dort niederließen, haben die deutsche Nationalität länger bewahrt als die Deutschen, die sich im Slavenlande ansiedelten. Das große polnische Reich, dem die Mehrzahl der eingewanderten Deuflchen und Juden angehörte, wurde bekanntlich zerstückelt und unter Rußland, Oesterreich und Preußen verteilt. T,e Juden im Gebiet der jetzigen Provinz Posen sind infolge einer mustergülttgen Judengesetzgebung, was ihr politisches Tenken und,Fühlen betrifft, ganz und gar zu Deutschen geworden. jTie amerikanischen. Ausgrabungen in Samarra.) Wie aus Newyork berichtet wird, ist Professor.' David Gordon Lyon Hollis von der Harvard Universität von seiner archäologischen Expedition nach Samnria zurüagekehrt. Seinen vorläufigen allgemeinen Mitteilungen ist zu entnehmen, daß in der Gegend von Samaria zahlreiche römische und griechische Thongefässe in einem ausgegrabencn Gebäude gefunden wurden, das als ein Tempel Herodes des Großen angesehen wird. Die Stelle, wo diese Entdeckungen gemacht wurden, liegt in der Nähe der modernen Stadt Sebastijeh. Die Ergebnisse der Sommerarbeit der Expedition sind sehr zufriedenstellend. Tie Kosten der Ausgrabungen werden fast ausschließlich vom bekannten amerikanischen Philantropen Jakob H. Schiff in so ausgiebigem Maße beigestellt, daß die Harvard Universität, welcher Schiss das Geld zur Verfügung gestellt hat, in der Lage sein wird, die Arbeiten vier Jahre lang fortzuführen. Während des Winters ruht die Arbeit, erst im' April 1909, nachdem die Regensaison im Heiligen Lande vorüber sein wird, soll die Arbeit wieder ausgenommen werden. Die Fortsetzung der Arbeiten wird der jüdische Professor Georg Reisner, auf dessen Namen auch die behördliche Erlaubnis für die Ausgrabungen lautet, leiten! GS3

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