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Der Israelit · 1908-12-10 · Heft 49 (10.12.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 49 (10.12.1908)
Date
1908-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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etifci ftt 49 Der SWtarift nicht sowohl Judenhaß, als vielmehr das eifrige Streben, die Juden dem Christentum zu ge- Winnen, diesem Missionar jedes Mittel als erlaubt erscheinen läßt, das ihn befähigt, die unerbittlich verfolgten Juden als Schafe hinzustellen, die den raubenden Wölfen das Wasser getrübt haben. Auf den ersten Seiten von Hemans Werk findet sich eine Betrachtung christlicher Glaubens- «ien und ebenso bilden christliche Lehren den . Zwischen diesen Angelpunkten wird das Judentum und sein Schicksal geschildert und die ängstliche Sorgfalt des Verfassers ist daraus gerichtet, daß weder die Juden selbst noch ihre Religion die Achtung uno die Anerkennung des LeserS gewinnen. Wenn vom Talmud geredet wird, stellt man ihn als verknöchert dar und bemüht sich nachzuweisen, daß er nur geringen ethischen Einfluß haben kannkann man in der Hälfte des Mittelalters auf die Verbreitung der Kabbala Hinweisen, so genügt das, um zu erklären, daß jetzt auch das glänzende Gestirn des Talmud aus dem Judentum verschwunden sei. Die Veröffentlichung des Schulchan Aruch gibt dann eine weitere Gelegenheit, um zu behaupten, daß jetzt selbst die Rabbiner nicht mehr nötig hatten, sich mit dem Talmud zu beschäftigen. So wirkungslos wie möglich wird dargestellt, was die Juden .zu allen Zeiten in heroischer Weise für ihren Glauben geduldet. Glaubensreugen soll das Judentum möglichst wenig haben. Wenn es nicht zu umgehen ist, das bewundernswerte Martyrium R. Akibas zu registrieren, wird abschwächend hinzugefügt: Ruhmvoller aber noch wäre es für ihn gewesen, wenn er, der Anstifter (?) des unseligen Aufstandes, mit dem tapferen Helden Barkochba den Tod auf dem Schlachtfelde erlitten hätte." Ist der Opfertod der rheinischen Glaubenshelden während des ersten Kreuzzuges zu melden, so müffen diese Männer durch die Bezeichnung „diese Handelsleute" herabgesetzt werden. Rauchen im Gefolge des Schwarzen Todes in zahlreichen Judengemeinden Deutschlands heilige Opferaltäre, so wagt Heman sogar m leugnen, daß die Opfer dieser grauenvollen Epoche als Glaubenshelden zu betrachten seien und ohne Rücksicht auf unbezweifeltes Zeugnis der Quellen behauptet er kühn: „daß man die Juden selten oder nie vor die Frage Taufe oder Tod stellte, wie in Spanien und anderen Ländern, sondern daß man sie einfach totschlug und verbrannte." An dieser Stelle ist es auch, wo ganz besonders Grätz der Borwurf gemacht wird, daß er die „Religion der Liebe" für die Greuel der deutschen Völkerschaft verantwortlich macht Daß bei der ganzen Art seiner Geschichtsbehandlung es Heman nichts verschlägt un-?^enau m zitieren, halbe Sätze aus dem Zuammenyang zu reißen und sie in der Gestalt dem jüdischen Schriftsteller entgegenzuhalten oder gar zu Angriffen auf das Judentum zu benutzen, wird nicht wunder nehmen dürfen. Bei Heman finden sich zahlreiche größere und kleinere Anmerkungen unter dem Text - wer aber glaubt, hier wenigstens hie und da historische Kritik zu finden, der irrt sich. Fast ausnahmslos sind diese Noten der Apologie der mittelalterlichen Kirche entnommen und den Angriffen auf Grätz als Feind des Christentums und übertriebenen Lobpreiser des Judentums gewidmet: Die Lektüre des Kleingedruckten unter der Zelle genügt, um Heman kennen zu lernen. Antworten auf seine Behauptungen und Angriffe sind unschwer zu haben. Man kann nur dazu lachen, wenn in der Vorrede von Grätz gesagt wird, „er glühe beständig von fanatismstem Christentumshaß." Ich weiß nicht, wieso Grätz den Bibliographen Bartolocci nicht erwähnt, Unsinn ist es aber jedenfalls, wenn Heman S. 465 sagt: „Grätz erwähnt seine Verdienste um die jüdische Geschichte und Literatur nicht, wahrscheinlich weil Bartolocci an der großen Päbstlichen Missionsanstalt zur Bekehrung der Juden angestellt war." Ebenso unbegründet ist, wenn es S. 466 von Basnage in einer Note heißt: „Denn es ist unmöglich, daß wenn Grätz irgend etwas von einem Christen Getanes loben muß, er nicht bald darauf das Lob durch einen um so größeren Tadel überbietet." In Wirklichkeit widmet Grätz auf mehreren Seiten Basnage bereitwilligst großes Lob, zu dem der Tadel in keinem Verhältnis steht. Wenn Heman mehr von jüdischer Geschichte verstehen würde, müßte er Grätz übrigens Basnages erstem Versuch gegenüber recht geben. Es ist aber nicht Grätz, den Heman hier meint — hier und an anderen Stellen zeigt sich das Vorurteil, das Heman gegen die Juden in ihrer Gesamtheit hegt. Heman sieht in den Juden die Feinde der anderen Völker, und selbst von der jüdischen Wohltätigkeit erzählt er, daß sie nur für Juden geübt würde. Eine Behauptung, die jetzt und in der ganzen Vergangenheit von unzähligen Tatsachen Lügen gestraft wird. Als Kuriosum sei erwähnt, daß Heman von einer Toffaftstenschule nichts weiß, daß der Name des R. Jakob Tam überhaupt nicht genannt wird.' „Für die geistige Kultur haben sie nichts geleistet," lautet das abschließende Urteil über die Juden Frankreichs. Auch den Aruch und seinen Verfasser kennt unser Historiker nicht. Von R. Meir von Rotenburg wird erzählt, daß er nachdem H. Lande auswanderte, „weil es hieß, dort sei der Messias gekommen zu Israels Erlösung" (!). Wie liebenswürdig Rudolf von Habsburg bemüht war, den großen Rabbi von der Auswanderung zurückzuhalten und von der Charaktergröße, mit welcher Rabbi Möir auf die Be- 10 Dezember 1908 freiung aus der Gefaugenschaft verzichtete, das zu berichten ist natürlich überflüssig, wenn' man jüdische Geschichte in solcher Absicht erzählt, wie Herr Heman. Heman erblickt das Wesen des Judentums in der Hoffnung aus die Erlösung. Die Messiasidee ist ihm der Schlüffet für das Rätsel der jüdischen Geschichte. „Die messianische Idee vom künftigen Gottesreich in Zion ist der wahre und tiefste Grund der Sonderstellung und Abschließung des jüdischen Volkes mitten in der Völkerwelt," „die eigentliche Ursache aller Leiden der Juden liegt in der Messiasidee." Im früheren Mittelalter sahen fränkische Bischöfe eine große Gefahr darin, wenn Christen jüdische Predigten mit anhörten und verboten dies mit schwerer Strafe. Hemans Geschichtsdarstellung zeigt uns, daß der Autor für die Deutschen der Gegenwart von der Lektüre objektiv dargestellter jüdischer Geschichte etwas Aehnliches fürchtet, wie die alten Bischöfe bei der jüdischen Predigt für ihre Franken. Da ein Verbot solcher gefährlicher Lektüre nicht angeht und nichts nützen würde, begibt unser Autor sich auf ein ihn weltfremdes Gebiet und schreibt nun selbst eine Geschichte des jüdischen Volkes, die nur das Neue bietet, daß sie Tatsachen, die zu Anklagepunkten gegen die Kirche des Mittelalters werden könnten, in falscher Beleuchtung zeigt, sich redliche Mühe gibt, einen dichten Schleier über Religion und Innenleben der Juden zu breiten, das Lob des Christentums immer wieder singt und so die gefahrdrohende jüdische Geschichte in eine solche Form hineinzwingt, daß sie der Judenmission als willkommenes Werkzeug erscheinen mag. Hemans apologetische und Mifsionsbestrebungen registrieren wir, doch das allein hätte uns kaum veranlaßt, seine „Geschichte des jüdi- Volkes" niedriger zu hängen. Schwerwiegender ist es, daß der Autor in seinem blinden Eifer für die Judenmission ein in solchem Maße falsches und gehässiges Bild des jüdischen Volkes gibt, daß sein Buch, wie auch die private Gesinnung seines Verfassers sich sonst äußern mag, zur volksvergiftenden, zum Judenhaß aufreizenden Literatur gerechnet werden muß. Die Kreise, die sich der Abwehr des Judenhasses annehmen, seien auf Hemans Geschichte dringend aufmerksam gemacht. J. M. B. Wlgrt und »äugen. Ziyn Wochenabschrrttt. Jakob schickte Boten zu Esau, seinem Bruder. Als afcet diese zurückkehrten, berichteten sie: „Wir kamen zu Deinem Bruder, zu Esau". Diese Aenöerung in Form und Wortlaut des Berichtes kann in der Thora, deren Zeichen und Buchstaben alle gezählt und gemessen find, keine zufällige und willkürliche sein. Diese von einander abweichenden Wortstellungen, und Redewendungen in Auftrag und Bericht enthalten vielmehr einem vielsagenbende» Kommentar und gewähren uns einen tiefen Einblick in die von Furcht und Hoffnung bewegten Herzen innerhalb der JakovSfchaar. Jakob schickte Boren zu Esau, in dem er noch trotz allem und allem den B r u d e r steht, darf er auf Gegenliebe rechnen? Der Bericht der Zurückkehrenden ist kaum ermutigend, er laMet: „Wir kamen zu Deinem Bruder, er ist — nach allem, waS wir sahm und hörten — Esau".- Und wiederum wiegelt sich in der Lebensgeschichte der Bäter, die Geschichte ihrer. Nachkommen, ein gut Stuck unserer Zeitgeschichte ab. ovzb sp'p map npno die Optimisten tm heutigen „Hause Jakobs in Efau schon den Bruder zu finden hoffen und fich dieser Berorüderungsillufion gquz hingeven, müssen doch die anderen auf Grund ihrer Erfahrung immer und wieder berichten: „Wir kamen zu dem vermeintlichen Bruder, wir fanden aber den Efau". Der Bruderruß ist mit Puntten wtedergegeben bv_ "T'pJ, die eine beredte Sprache führen. Mn solcher Kuß hat oft leider feinen vesondern Grunder kann aus Geldnöten oder aus Waylschmerzen, aus diesem oder jenem sentimental sttnimenden Motive entstanden sein, aber immer find die ominösen Punkte und Gedankenstriche tm Hintergründe, die die reine Punkte und Gedankenstriche tm Hintergründe, die die reine Ureuoe an oer Umarmung ntcyr ausrommen rauen wb 222 iptw xbf Und es fürchtete fich Jakob sehr, als er len Bericht über den entgegenziehenden Esau vernahm, aber auch bange war eS ihm vor dem Bruder, der ein Esau ist —, welcher DopeltauSdruck, von feiner ursprünglichen Bedeutung abgesehen, auf unsere Zeit übertragen, bedeuten muß: Angst nach außen,Bangen nach innen. So groß die Furcht Jakobs vor der Gefahr, die von außen droht, ist, so ist eS doch der Bericht aus dem Innern, der ihn am meisten mit Graum und Schrecken er- Mt: „Dein Bruder ist ein Esau". Weit schlimmer und bedenklicher als alle äußere Gefahren ist eS, n enn fich im eignen Lager die „Hände EsauS" verderbend und vernichtend bemerkbar machen. In kritischen Momenten unserer Geschichte haben sie fich immer eingestellt, die Esaubrüder, um zu wühlen und zu zerstören und Verwirrung anzurtchttn. MP TBÖ "pvinv. Drr Bruder Esau war es, der tn der Wüste rief: „wir ernennen uns ein Oberhaupt und kehren nach Mizrajim zurück!" Der innnere Esau, welcher Rabbi Jochanan ben Gakat, der den jüdischen Geist vor drohender Gefahr retten wollte, nicht zur Stadtmauer hinaus ließ. Die Gfauhände aus der eignen Mitte find es, die heute noch unter unseren Brüdern im Osten wie im Westen an Wühlarbeit und ZerstörungSlust den äußeren Feinden nicht nachstehcn und die Arbeit derer, die, wie dazumal Rabbi Jochanan, auf Rettung und Erha tung des jüdischen Geistes bedacht find, erschweren und bedrohen, ja unmöglich machen. Was aber Jakob von je her vor den äußeren und inneren Feinden schützt, ist seine reiche Lebenserfahrung, seine an Leiden und Versuchungen reiche Geschichte ist das unerschöpfliche Arsenal, das ihn immer und immer wieder mit neuen Waffen versteht für den Kampf, der von außen droht und im tnnern wütet. „Bet Labltzn habe ich geweilt und ausgehalten bis jetzt". Wer unter Laban gelebt und gelitten hat, fürchtet auch einen Esau nicht, weder den fremden Esau, der zuweilen den zweifelhaften Bruderkuß austauicht, noch den etgencn Esau, der an der Wurzel nagend den Organismus zu schwächen und seine Wiederstandsfähtcrkett herabzusttzen sucht. Tausende innere und äußere Gefahren hat Altisrael überwunden, auS taufenden Krisen, in denen alles zusammen zu brechen droht,-, ging es rein und gelautert, HM an Körper und Geiste hervor wo» snm WJ nv. Warum sollte eS nicht auch mutig und kraftvoll Efau entgegentreteu dürfenj? Aus dem Letchensarge heraus erhob sich einst Ralbi Jochanan, um den gefährdeten Geist der Thora zu retten und ihn für die Dauer zn erhalten. Er hat fich behauptet dieser lebendige Geist des Judentums und hat das römische Weltreich wie andere unzählige Reiche lange überdauert. AuS den Särgen heraus, wo der innere Esau neuerdings den toi gesprochenen Geist Israels geborgen zu halten wähnt, wirb er, dieser ewig lebende und ewig wirkende Geist neu erstehen, um neues Leben zu schasten und neue Kraft zu verbretten. Und dopellt wie das Leid wird die Erlösung sein, eine äußerliche und eine innerliche. Mit dem Amhören

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